Hallo zusammen, ich bin zwar schon seit ein paar Jahren hier angemeldet, habe aber seit langer Zeit keinen richtigen Ansatz gefunden um Wein selbst her zu stellen.
Im Garten haben wir weiße Weintrauben, Sorte unbekannt. Die letzten Jahre haben wir Traubensaft und Rosinen daraus hergestellt. Letztes Jahr habe ich mich dazu entschlossen, probiert doch noch mal einen Wein aus den Trauben her zu stellen.
Gesagt, getan. Mitte Oktober würde geerntet, alle Trauben entrapprt, für einen Tag eingemischt, also die Trauben aufgebrochen und vor den entsaften stehen gelassen. Ich habe mich zu den Zeitpunkt nur mit Antigelier beschäftigt, kein schwefeln, keine Öchsle Messung, war kurz vor den Urlaub und ich hatte keine Lust mich tief ein zu lesen.
Der Saft wurde gepresst, Hefe hinzu gegeben, war eine Champagner Hefe und ab in den Keller.
Zwischenzeitlich hatte ich wenig Lust auf das Thema Wein, Schande über mich, und habe mich somit erst Anfang diesen Jahres wieder damit beschäftigt.
Den Wein habe ich umgefüllt, dabei ist mir sehr viel Weinstein aufgefallen. Die erste Geschmacksprobe war ernüchternd, schmeckt eher nach einem Most als nach Wein. Es fehlt die Frucht und es dominiert die Hefe, würde ich behaupten.
Heute habe ich dann den Alkohol und die Säure bestimmt.
Alkohol liegt bei ca 10 % und die Säure bei ca. 5,2 g/L
Ich habe zudem festgestellt das immer noch leichte Gährung stattfindet.
Nun meine Frage an die Experten, was rate ihr mir, was kann ich unternehmen damit der Wein mehr Frucht und weniger Hefe im Geschmack bekommt? Auch die geschmackliche Säure ist eher unangenehm.
Sollte ich noch weitere Tests vornehmen?
Für ein paar Tipps wäre ich sehr dankbar.
Neuling braucht Hilfe im Weißwein ggf zu retten
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Re: Neuling braucht Hilfe im Weißwein ggf zu retten
Zum Hefegeschmack habe ich erst kürzlich ein paar allgemeine Dinge geschrieben: viewtopic.php?p=197743&hilit=hefegeschmack#p197742
Aaaaber... wie klar ist dein Wein jetzt überhaupt? Immerhin gärt er noch. Du sprichst nebulös von "umfüllen"; soll das heißen, dass du ihn von der Hefe abgezogen hast? Obwohl er noch gärt? Warum?
Ein paar allgemeine Gedanken: Da wir deine Traubenqualität nicht kennen wissen wir auch nicht, ob es geschmacklich überhaupt etwas "zu retten" gibt. Dein Säuregehalt ist für einen Weißwein sicher nicht zu hoch, eher zu niedrig. Fehlende Restsüße vermittelt dir den Eindruck, er wäre zu sauer. Gibst du jetzt Zucker dazu, gärt es natürlich noch weiter. Aber sehr unwillig, da ja mutmaßlich die Hefe größtenteils schon entfernt ist. Wie hattest du den vor, den Wein zu stabilisieren?
Wenn du nicht filtrieren kannst würde ich ja spontan sagen: Kühl stellen und wegtrinken. Vielleicht etwas Zucker unmittelbar vor dem Trinken zugeben. So kannst du auch den (hoffentlich positiven) geschmacksverstärkenden und harmonisierenden Effekt der Restsüße ertesten.
Aaaaber... wie klar ist dein Wein jetzt überhaupt? Immerhin gärt er noch. Du sprichst nebulös von "umfüllen"; soll das heißen, dass du ihn von der Hefe abgezogen hast? Obwohl er noch gärt? Warum?
Ein paar allgemeine Gedanken: Da wir deine Traubenqualität nicht kennen wissen wir auch nicht, ob es geschmacklich überhaupt etwas "zu retten" gibt. Dein Säuregehalt ist für einen Weißwein sicher nicht zu hoch, eher zu niedrig. Fehlende Restsüße vermittelt dir den Eindruck, er wäre zu sauer. Gibst du jetzt Zucker dazu, gärt es natürlich noch weiter. Aber sehr unwillig, da ja mutmaßlich die Hefe größtenteils schon entfernt ist. Wie hattest du den vor, den Wein zu stabilisieren?
Wenn du nicht filtrieren kannst würde ich ja spontan sagen: Kühl stellen und wegtrinken. Vielleicht etwas Zucker unmittelbar vor dem Trinken zugeben. So kannst du auch den (hoffentlich positiven) geschmacksverstärkenden und harmonisierenden Effekt der Restsüße ertesten.
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Re: Neuling braucht Hilfe im Weißwein ggf zu retten
Danke für die schnelle Antwort und den Link. Da habe ich wohl einiges falsch gemacht, oh je.
Was die Klarheit des Weins angeht, der hat schon ordentlich oxidiert aber dir geht es wohl eher um die drübheit. Der Wein ist noch sehr trüb. Das habe ich gestern bereits festgestellt, da hatte ich etwas in ein Glas gefüllt und nach kurzer Zeit hat sich am Boden ein Satz gebildet.
Warum ich den Wein jetzt schon von der Hefe gezogen habe lag daran dass sich nichts mehr getan hat, der Gätspund war ganz unten. Ich hatte den Eindruck die Gärung sei abgeschlossen. Durch das umfüllen hat sich wohl wieder ein wenig Aktivität ergeben, allerdings ein blop alle 20 min vielleicht.
Den Wein mit ein wenig Zucker noch ein bisschen runder zu bekommen ist mir in den Sinn gekommen, die Frage ist nur welche Menge ist sinnvoll und vor allem wie lange sollte das laufen, bzw beende ich das ganze mit dem schwefeln?
Haltbar machen ist sicher eine wichtige Frage, filtern geht nur über eine Filteranlage? So etwas ist sicher nicht billig oder gibt es noch andere Möglichkeiten?
Meinen Most habe ich lediglich von der Hefe gezogen und dann abgefüllt, die Reste, Schwebstoffe sind nach unten gefallen und das war es dann. Ist wohl beim Wein etwas anders
Was die Klarheit des Weins angeht, der hat schon ordentlich oxidiert aber dir geht es wohl eher um die drübheit. Der Wein ist noch sehr trüb. Das habe ich gestern bereits festgestellt, da hatte ich etwas in ein Glas gefüllt und nach kurzer Zeit hat sich am Boden ein Satz gebildet.
Warum ich den Wein jetzt schon von der Hefe gezogen habe lag daran dass sich nichts mehr getan hat, der Gätspund war ganz unten. Ich hatte den Eindruck die Gärung sei abgeschlossen. Durch das umfüllen hat sich wohl wieder ein wenig Aktivität ergeben, allerdings ein blop alle 20 min vielleicht.
Den Wein mit ein wenig Zucker noch ein bisschen runder zu bekommen ist mir in den Sinn gekommen, die Frage ist nur welche Menge ist sinnvoll und vor allem wie lange sollte das laufen, bzw beende ich das ganze mit dem schwefeln?
Haltbar machen ist sicher eine wichtige Frage, filtern geht nur über eine Filteranlage? So etwas ist sicher nicht billig oder gibt es noch andere Möglichkeiten?
Meinen Most habe ich lediglich von der Hefe gezogen und dann abgefüllt, die Reste, Schwebstoffe sind nach unten gefallen und das war es dann. Ist wohl beim Wein etwas anders
Re: Neuling braucht Hilfe im Weißwein ggf zu retten
Woher weißt du, das er schon ordentlich oxidiert ist? Warum soll er dadurch, wenn es so ist, weniger klar sein?
Alle 20 Minuten ist zwar keine besonders kräftige Gärung, aber eine eindeutig vorhandene. Eine kräftige Gärung ist allerdings auch nicht zu erwarten, da du durch dein frühzeitiges Abziehen den Grossteil der Hefe entfernt hast.Das habe ich gestern bereits festgestellt, da hatte ich etwas in ein Glas gefüllt und nach kurzer Zeit hat sich am Boden ein Satz gebildet.
Warum ich den Wein jetzt schon von der Hefe gezogen habe lag daran dass sich nichts mehr getan hat, der Gätspund war ganz unten. Ich hatte den Eindruck die Gärung sei abgeschlossen. Durch das umfüllen hat sich wohl wieder ein wenig Aktivität ergeben, allerdings ein blop alle 20 min vielleicht.
Die Menge musst du mit deinem persönlichen Geschmack selber bestimmen, einfach im Glas ausprobieren. Ist ja auch von den persönlichen Vorlieben abhängig.Den Wein mit ein wenig Zucker noch ein bisschen runder zu bekommen ist mir in den Sinn gekommen, die Frage ist nur welche Menge ist sinnvoll ...
Wie Andreas oben schon geschrieben hatte, den Zucker unmittelbar vor dem Trinken im Glas zufügen. Das soll nicht die Gärung deines gesamten Ansatzes wieder starten. Die würde sich bis zum Erreichen der Alkoholtoleranzgrenze deiner Hefe auch unabsehbar lange hinziehen, bzw. die würde nie zum erliegen kommen, da du schon den Grossteil deiner Hefe entfernt hast. S.o.. Schwefeln beendet keine Gärung!...und vor allem wie lange sollte das laufen, bzw beende ich das ganze mit dem schwefeln?
Filtern geht nur mit einem passenden Filter, das ist richtig. Und ja, es gibt noch andere Möglichkeiten. (Siehe Homepage) Ob dein Weinansatz den Aufwand aber überhaupt wert ist, ist fraglich. Daher auch die Empfehlung von Andreas, den einfach, so wie er ist, wegzutrinken.Haltbar machen ist sicher eine wichtige Frage, filtern geht nur über eine Filteranlage? So etwas ist sicher nicht billig oder gibt es noch andere Möglichkeiten?
Ich empfehle dir dringend, dich mit der Homepage, dem Fruchtweinkeller, auseinanderzusetzen. Dort wird die Vorgehensweise der Weinherstellung bestens beschrieben und auch das Warum erklärt.Meinen Most habe ich lediglich von der Hefe gezogen und dann abgefüllt, die Reste, Schwebstoffe sind nach unten gefallen und das war es dann. Ist wohl beim Wein etwas anders
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Re: Neuling braucht Hilfe im Weißwein ggf zu retten
Danke an Bahnwein für die fundierte Antwort.
Zwei Dinge möchte ich noch herausstellen.
1) Oxidation (ein leicht zu vermeidender Weinfehler!) vernichtet Primäraromen und ist nicht reversibel. "Fruchtigkeit" geht dadurch also verloren
2) Unter https://fruchtweinkeller.de/anleitungen ... weisswein/ habe ich ein Beispiel für eine Entschleimung beim Weißwein gezeigt. Wie auf dem Bild zu erkennen ist, ist der Überstand, der anschließend vergoren wird, bereits sehr klar. Da Hefe nach der Gärung schnell sedimentiert sollte der Weißwein nach Abzug von der Grobhefe also nicht trüber sein als der bereits klare "Rohstoff".
Zwei Dinge möchte ich noch herausstellen.
1) Oxidation (ein leicht zu vermeidender Weinfehler!) vernichtet Primäraromen und ist nicht reversibel. "Fruchtigkeit" geht dadurch also verloren
2) Unter https://fruchtweinkeller.de/anleitungen ... weisswein/ habe ich ein Beispiel für eine Entschleimung beim Weißwein gezeigt. Wie auf dem Bild zu erkennen ist, ist der Überstand, der anschließend vergoren wird, bereits sehr klar. Da Hefe nach der Gärung schnell sedimentiert sollte der Weißwein nach Abzug von der Grobhefe also nicht trüber sein als der bereits klare "Rohstoff".
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Re: Neuling braucht Hilfe im Weißwein ggf zu retten
Also erst einmal vorab, ich möchte mich ganz ausdrücklich für die viele Hilfestellung bedanken. Hier sind einige sehr gute Tipps dabei und ich muss einsehen dass ich doch vieles falsch gemacht habe. Aber das gute ist, es hat in der Vergangenheit jedes Jahr ähnlich viel Trauben gegeben, somit kann ich dieses Jahr einen neuen Versuch starten.
Ich habe nun probeweise 1,5 g Zucker auf 45 ml gegeben. Der Wein schmeckt dann eher wie ein Dessert Wein.
Ich werde ihn jetzt noch einmal umfüllen, damit sich die Schwebstoffe absetzen können.
Wie kann ich eigentlich ein Bild anhängen?
Ich habe nun probeweise 1,5 g Zucker auf 45 ml gegeben. Der Wein schmeckt dann eher wie ein Dessert Wein.
Ich werde ihn jetzt noch einmal umfüllen, damit sich die Schwebstoffe absetzen können.
Wie kann ich eigentlich ein Bild anhängen?
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Re: Neuling braucht Hilfe im Weißwein ggf zu retten
Bild einstellen siehe viewtopic.php?t=9417
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