Wein mit mehreren Problemen..?

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Slobbi
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Wein mit mehreren Problemen..?

Beitrag von Slobbi »

Hallo,
ich habe vor etwa einem Monat meinen ersten Wein angesetzt und der will gerade nicht ganz so wie ich das will.. (ich poste das mal hier, einen Thread mit genau denselben Problemen habe ich leider nicht finden können)
Mal davon abgesehen dass die Gärung komplett gestoppt hat, obwohl der Endpunkt der Gärung eigentlich noch nicht erreicht sein sollte, ist der Wein im unteren Teil des Gäreimers recht dickflüssig, wahrscheinlich dann das "Zähwerden".. Wenn ich den Deckel öffne, gibt das auch manchmal einen sehr scharfen, eher stechenden Geruch in der Nase, faulig o.ä. riecht es aber nicht.

Dementsprechend bin ich mir recht unsicher, wie genau ich bei den ganzen Sachen verfahren soll, daher noch ein paar zusätzliche Infos:
-Apfelwein-Dessertwein Rezept von dieser Seite
->ohne Antigel, weil das habe ich nicht da (hoffe das ist nicht so schlimm :schlecht: )
-Trockenhefe von Kitzinger
-10l Ansatz, lagert im Keller bei 12-13°C (ich weiß, dass das nicht optimal ist, aber woanders hat das einfach gerade keinen Platz. Laut Beschreibung auf dem Päckchen soll man etwas mehr Hefe hinzufügen, das habe ich gemacht)

Also, ich hab den Wein angesetzt und in den ersten Tagen hat es, wie zu erwarten, sehr stark gegärt. Habe alle paar Tage den Zuckergehalt geprüft, und bei Bedarf noch welchen hinzugefügt (sind ca. 3,5kg Zucker insgesamt drin, plus das vom Apfelsaft). Direkt nach der Zugabe hat es sehr stark gegärt, danach eher mäßig. Vor einer Woche habe ich wieder was hinzugefügt, es hat wieder stark angefangen zu gären, erst danach habe ich bemerkt dass sich viel Zucker unten abgesetzt hat - bis ca. zur 1,5l-Marke. Heißt, der Zucker wurde nicht vergoren, wobei ich eigentlich dachte, die Gärung sei noch nicht vorbei. Mein Vinometer misst etwa 15% Alkohol, wobei das ja auch mit viel Restzucker.. und ob ich mich da drauf verlassen will weiß ich auch nicht, mein Leitungswasser soll auscheinend auch 4,5% alk. haben :| :|
Habe dann 1 Woche gewartet, und jetzt hat sich noch zusätzlich eine dickflüssige Schicht Wein direkt über der Zuckerablagerung gebildet, der Wein überhalb der Schicht schmeckt aber noch ganz normal und sieht auch so aus. Geruchstechnisch gibt es, wie oben beschrieben, einen eher stechenden Geruch (je nach Tag mal mehr, mal weniger stark).

Also: was denkt ihr, sollten jetzt meine nächsten Schritte sein? Habe ich mich mit der Gärung komplett verrechnet, und die ist eigentlich schon vorbei.. aber wieso hat es dann wieder für etwa 2 min angefangen zu gären, als ich vor 1 Woche wieder neuen Zucker reingeschüttet habe - obwohl in dem Wein schon genug vorhanden war, weil auf dem Boden abgesetzt?
Liegt das vielleicht da dran, dass ich oben keine größeren Trübstoffe, wie nen zerriebenen Apfel, hinzugefügt habe?
Sollte ich dann auch schwefeln wegen dem "zähwerden" - wenn der Wein noch gären muss hemmt das ja auch die Hefen, die ja so oder so vielleicht schon nen Streik einlegen, und eigentlich eher früher als später wieder ans arbeiten kommen sollten.. Und wenn der Wein nicht mehr gären muss, hätte ich ja das Problem mit dem hohen Restzuckergehalt...

Im Nachhinein erstmal Sorry für den Roman hier, aber ich fänds echt toll wenn mein erster Wein nicht direkt im desaster enden würde - vllt kann man da ja noch was retten :roll:
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Fruchtweinkeller
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Re: Wein mit mehreren Problemen..?

Beitrag von Fruchtweinkeller »

Moin Slobbi, willkommen hier bei uns. Lieber einen Roman lesen und schnell helfen können, als jede Kleinigkeit aus der Nase ziehen müssen^^.

Ferndiagnosen sind ja immer schwierig. Vielleicht sollten wir zwei Dinge trennen: Gärung an sich und Zuckergehalt sowie das "Zähwerden".

Das der Zucker nicht aufgelöst ist, ist natürlich Mist. Generell erscheint dir die Zuckermenge eher hoch. Eventuell kannst du in Erwägung ziehen, den Wein erstmal vom nicht gelösten Zucker abzuziehen, damit die Chose, hoffentlich, vollständig vergärt. Was ist dein Endziel: Vollständiger Zuckerverbrauch oder Gärungsende per Nachzuckermethode?

Das "Zähwerden" könnte schon etwas zu tun haben mit dem Fehlen von Antigel. Woher genau stammt denn der Apfelsaft/wie wurde der gewonnen, wie viel Trübstoffe hat der mitgebracht? Als mikrobiellen Weinfehler gibt es natürlich das "Zähwerden", aber wenn die daran beteiligten Bakterien derart aktiv sind, dass sich der "Schleim" bildet, würde ich damit rechnen, dass man das dann auch schmeckt. Wenn dir bislang keine negativen Geschmäcker aufgefallen sind, werte ich das mal als positives Zeichen. Im Zweifelsfall: Antigel besorgen und nachträglich dazugeben.
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Slobbi
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Re: Wein mit mehreren Problemen..?

Beitrag von Slobbi »

Also erstmal danke für das schnelle antworten ;)

Da ich weder einen Filter habe, noch einen übergroßen Topf um das alles direkt zu pasteurisieren ist das Ziel erstmal die Nachzuckermethode.. Dass der Zucker auf dem Boden noch vergärt wird, wäre natürlich optimal, aber wenn das nicht klappt auch nicht so schlimm. Je nachdem ob das mit dem Gärungsende per Nachzuckermethode klappt, werde ich das mit dem pasteurieieren wohl schon in nem kleinem Topf hinkriegen, aber das versuche ich eigentlich eher zu vermeiden :hmm:

Den Apfelsaft hab ich mal (im Angebot für 1€/l :D ) im Supermarkt gekauft.. Naturtrüb so dass man nicht mehr durchgucken kann, aber ohne große Schwebstoffe - das ganze angeblich direkt irgendwo gepresst und zu 100% Apfel..

Ich werde dann mal deinem Vorschlag folgen und das ganze morgen vom Zucker abziehen, habe zum Glück 2 Gäreimer gekauft :engel:
Dazu aber noch 2 Fragen.. sollte ich die dickflüssige Schicht mit abziehen und kann ich, sofern das ganze im neuen Pott weitergärt, den abgesetzten Zucker wiederverwenden?

Ich würde dann auch noch nen Apfel reinschneiden, wenn ich schon dabei bin.. bei den sehr kleinen Trübstoffen hätte ich das eigentlich schon direkt machen können, oder :?
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Fruchtweinkeller
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Re: Wein mit mehreren Problemen..?

Beitrag von Fruchtweinkeller »

Komisch. Ist diese "dickflüssige Schicht" optisch anders als der Rest/sieht es so aus, als würden sich dort andere oder mehr Trübstoffe anreichern?

Ich würde erst mal mit der trüben Schicht abziehen. Sollte es doch eine Weinkrankheit sein, wären die Erreger eh überall im Wein, auch in dem "dünneren" Teil.

Den Zuckerbodensatz würde ich verwerfen bevor da noch was fieses drin oder drauf wächst.
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Re: Wein mit mehreren Problemen..?

Beitrag von Bahnwein »

Ist wahrscheinlich zu viel Zucker drin. Der aus dem Saft reicht für grob 5 Vol.%. Die zugegebene Menge von 3,5 kg ergeben 350g/l. Diese reichen für ca. 17 Vol.%. Gesamt ist also Zucker für ungefähr 22 Vol.% Alkohol drin. Ich vermute, deine Hefe schafft diese nicht.
Daher beim nächsten mal vorsichtiger sein mit dem Nachzuckern.
Jetzt einfach den Ratschlägen von Fruchtweinkeller folgen und hoffen, dass die Gärung wieder startet.
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Re: Wein mit mehreren Problemen..?

Beitrag von 12er »

@Fruchtweinkeller
Der Ansatz steht bei 12-13 Grad im Keller. Ist dass nicht zu kalt?
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Re: Wein mit mehreren Problemen..?

Beitrag von Oechsle »

Slobbi hat geschrieben: 10 April 2024 10:20[...]aber wieso hat es dann wieder für etwa 2 min angefangen zu gären, als ich vor 1 Woche wieder neuen Zucker reingeschüttet habe[...]
Noch kurz hierzu. Du musst aufpassen, beim Zugeben von Zucker wird im Wein gelöstes CO2 durch die Zuckerkristalle gelöst, dann blubbert es natürlich wieder im Gärspund eine Weile, auch ohne richtig zu gären. Wenn es nach der Zuckergabe für ein paar Tage wieder regelmäßig blust, gärt es wirklich wieder.
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Re: Wein mit mehreren Problemen..?

Beitrag von Fruchtweinkeller »

12er hat geschrieben: @Fruchtweinkeller
Der Ansatz steht bei 12-13 Grad im Keller. Ist dass nicht zu kalt?
Danke fürs mitlesen und aufpassen: Guter Punkt, habe ich glatt überlesen. Die meisten Hefchen mögen es wärmer, und von den Kaltgärhefen kann man bei solchen Temperaturen auch keine Rekorde erwarten.
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Re: Wein mit mehreren Problemen..?

Beitrag von Slobbi »

Bahnwein hat geschrieben: 11 April 2024 06:13 Ist wahrscheinlich zu viel Zucker drin. Der aus dem Saft reicht für grob 5 Vol.%. Die zugegebene Menge von 3,5 kg ergeben 350g/l. Diese reichen für ca. 17 Vol.%. Gesamt ist also Zucker für ungefähr 22 Vol.% Alkohol drin. Ich vermute, deine Hefe schafft diese nicht.
Ist ein guter Punkt.. ich hab' das ganze jetzt umgefüllt, aber wenn deine Rechnung stimmt dürfte das ganze ja wirkluch eigentlich nicht mehr allzu viel - bzw. gar nicht - gären. Ist mir im Moment auch noch etwas zu süß vom Geschmack her, also falls das in den nächsten paar Tagen nicht wieder gären sollte, kann ich dann noch irgendwas tun? :|
Bzw. würde "verdünnen" mit Apfelsaft/Wasser gehen um den Alkoholgehalt zu senken sodass das ganze wieder gärt.. :hmm:

Zu der dickflüssigen Schicht.. beim Abziehen ist mir aufgefallen, dass die doch nicht so groß ist wie erst angenommen, aber etwas dunkler als der Rest des Weins war die schon.

Ansonsten auch erstmal danke für die sonstigen Tipps/Hinweise, dann weiß ich zumindest was ich nächstes Mal besser machen werde ;) 8-)
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Re: Wein mit mehreren Problemen..?

Beitrag von Fruchtweinkeller »

Das "Glück" ist hier ja, dass nicht der ganze Zucker gelöst ist. Deshalb auch mein Rat, den nicht gelösten Zucker erstmal loszuwerden. Dann muss man halt schauen und beobachten, wie es weiter gärt und ob sich vielleicht doch eine Gärhemmung durch Zucker manifestiert.

Verdünnung mit Wasser wäre aus Sicht des Zuckergehalts gut, aber damit verdünnst du dir auch den Säuregehalt, der vom Saft her vermutlich im tolerablen Bereich liegen dürfte, und du verdünnst natürlich den Geschmack. Apfelsaft wäre von der Säure her besser, aber bringt seinerseits Zucker mit. Hat alles seine Vor- und Nachteile 🤷‍♂️
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