Gärstopp nach ca. 1,5 Wochen - trotz Nachzuckern

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Munch
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Gärstopp nach ca. 1,5 Wochen - trotz Nachzuckern

Beitrag von Munch »

Hallo wertes Forum und liebe Freunde des Weins,

zunächst einmal vielen Dank, dass ich hieran teilhaben darf! Ich habe in der Metzubereitung ein liebes Hobby gewonnen und viel des Wissens und der Erfahrungswerte, die hier geteilt wurden, für meine Zwecke genutzt. Jetzt benötige ich allerdings Eure aktive Hilfe.
Ich habe das Forum soweit ich konnte durchforstet und mein Problem leider nirgendwo gefunden. Falls ich etwas übersehen habe und es bereits einen Thread dazu gibt, nehme ich den sehr gerne und bitte um Verzeihung für die Dopplung!

Mein letzter Ansatz (der aktuell 4.) hat sich etwas seltsam verhalten, nachdem alle vorangegangenen mit derselben bis ähnlichen Methode gut geworden sind. Zunächst die Zutaten:

4kg Lindenhonig
2L naturtrüber Apfelsaft (selbstgepresster einer Freundin mit viel Trub und säurereichen Sorten wie Boskop)
11L Wasser
10g Trockenhefe - Mangrove Jacks M05
10g Hefenährsalz

Die Hefe wurde am 22.04. gekauft und seitdem im Kühlschrank gelagert. Ich habe sie ca. 12h vor der Verwendung aus dem Kühlschrank genommen, um einen Temperaturschock zu vermeiden.
Da ich in der Vergangenheit gute Erfahrungen mit der Hefe und einem reinen Saftansatz gemacht habe, habe ich auf geriebenen Apfel verzichtet.
Ich habe mit dem Saft und der Hefe einen Gärstarter angesetzt, der auch sehr gut losgelegt hat. Nach ca. 36h und ordentlich Schaum, habe ich den Starter dem Ansatz beigefügt und wie üblich abgedeckt und bei Zimmertemperatur stehen lassen (30.08.). Der Ansatz hat gut geblubbert, so wie es sich gehört und es meiner Erfahrung nach gut war. Jeden Tag ordentlich schwenken versteht sich von selbst. Die CO2 Produktion hat langsam nachgelassen, bis auf ca. 1 Blub/4-5s, also immer noch gut. Zu diesem Zeitpunkt bin ich eine Woche in den Urlaub gefahren und habe nichts an den Umständen geändert (05.09.).
Als ich wieder zurückgekehrte, hat sich gar nichts mehr getan. Auch nach dem Schwenken setzte kein Gärprozess wieder ein. Ich dachte also: "Cool, Zucker verstoffwechselt - ran ans Messen und nachzuckern." Zu diesem Zeitpunkt war der Ansatz 13 Tage alt (12.09.).
Die Messung mit dem Vinometer (nur das kleine bis 25 %Vol, nicht sehr präzise, ich weiß, aber ausreichend für meine Zwecke) ergab zunächst einen Wert von ca. 15 %Vol und später 12 %Vol. Das war meiner bisherigen Erfahrung nach sehr hoch für die erste Gärphase.
Die Messung mit dem Refraktometer ergab ca. 36°Oe, was ebenfalls sehr hoch ist. Nun weiß ich, dass sich beide gemessenen Stoffe in der Messung gegenseitig beeinflussen, jedoch war dies in der Vergangenheit nie ein Problem gewesen - die Messungen und die Berechnungen hatten sich immer gedeckt.

Nichts desto trotz habe ich mir nichts böses dabei gedacht, da der Ansatz nicht faulig oder sonst schlecht schmeckte oder roch und habe mit 2kg Honig nachgezuckert. Alles gut aufgelöst, ordentlich geschwenkt, wieder verschlossen und hingestellt. Und seitdem tut sich nichts mehr. Es ist noch CO2 im Ansatz gelöst, jedes Mal wenn ich schwenke schäumt es leicht, aber es gibt keinerlei Gäraktivität mehr. Der Ansatz bleibt übrigens trüb und klärt sich trotz Absatz am Boden nur wenig.
Jetzt benötige ich Eure Hilfe! Ich habe selber ein paar Ideen, aber vielleicht weiß jemand von Euch genau woran es liegt.
Habe ich den Zuckergehalt im Apfelsaft unterschätzt und der Met ist schlicht fertig, d.h. die Hefe kann nicht mehr arbeiten?
Kann es sein, dass die Hefe bei zuviel CO2 abstirbt? Weil eine Woche nicht geschwenkt z.B.?
War die Hefe zu alt/falsch gelagert und hat deswegen nicht mehr weitergearbeitet?

Und am wichtigsten: Glaubt Ihr, dass der Ansatz noch zu retten ist? Ich beziehe den Honig von einem befreundeten Imker und es wäre schade darum, das alles wegkippen zu müssen.

Vielen Dank im Voraus für Eure Hilfe und Verzeihung für den Roman! (Ich versuche so präzise wie möglich zu sein :engel: )
Liebe Grüße aus Berlin,

Munch
(nicht wie der Maler :D )
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Chesten
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Re: Gärstopp nach ca. 1,5 Wochen - trotz Nachzuckern

Beitrag von Chesten »

Munch hat geschrieben:10g Trockenhefe - Mangrove Jacks M05
10 g Auf ca. 13 L Wein ist völlig übedosiert ! 1g auf 10 L ist ein guter Richtwert.
Munch hat geschrieben: Die Messung mit dem Vinometer (nur das kleine bis 25 %Vol, nicht sehr präzise, ich weiß, aber ausreichend für meine Zwecke) ergab zunächst einen Wert von ca. 15 %Vol und später 12 %Vol. Das war meiner bisherigen Erfahrung nach sehr hoch für die erste Gärphase.
Die Messung mit dem Refraktometer ergab ca. 36°Oe, was ebenfalls sehr hoch ist.
Vinometermessungen sind nicht sehr verlässlich wenn sich noch Zucker, z.B. vom Honig der nicht vergärt werden kann befindet.
Refraktometermessungen ergeben sobald Alkohol im Ansatz gebildet wurde keine sinnvollen Werte.
Munch hat geschrieben: 4kg Lindenhonig
2L naturtrüber Apfelsaft (selbstgepresster einer Freundin mit viel Trub und säurereichen Sorten wie Boskop)
11L Wasser...
...
Nichts desto trotz habe ich mir nichts böses dabei gedacht, da der Ansatz nicht faulig oder sonst schlecht schmeckte oder roch und habe mit 2kg Honig nachgezuckert.

Verstehe ich dass richtig das du 6 kg Honig auf ca. 13 Liter Gesamtvolumen gemacht hast ?
Selbst ohne den Zucker aus dem Apfelsaft komme ich bei einer Überschlagsrechnung auf einen Gesamtzuckergehalt der für ca. 19 vol% reicht.
Zusätzlich hast du trotz trüben Apfelsaft ein Trübstoffproblem.

Für mich ist der Fall klar: Du hast dir eine Gärstockung aufgrund von viel zu viel Zucker/Honig eingehandelt.

Guck mal hier :

https://fruchtweinkeller.de/
https://honigweinkeller.de/

Leider kann man da nicht viel mehr dran ändern. Verdünnen behebt zwar die zu hohe Zuckerkonzentration aber führt je später man es tut dazu das die "Hefe zickt" also genau das was sie ja gerade schon tut. Neue/frische Hefe dazu geben hilft auch nicht mehr in dieser Phase.Als Schadensbegrenzung würde ich einen grob gehackten Apfel , mit Schale und ohne Kernhaus, in den Ansatz tun. Damit hilft du etwas der Hefe.
"Die einzig stabile Währung ist die alkoholische Gärung" (Das Känguru-Manifest)

Hier findest du einen Anleitung wie man seinen ersten eigenen Wein herstellt:
http://www.forum.fruchtweinkeller.de/viewtopic.php?f=33&t=12175
Munch
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Re: Gärstopp nach ca. 1,5 Wochen - trotz Nachzuckern

Beitrag von Munch »

Vielen Dank für die Antwort!

Tatsächlich waren es am Ende ca. 16 L, was aber nicht viel Unterschied macht.

Sowas in der Art habe ich mir schon gedacht... Na gut, dann weiß ich's für den nächsten Ansatz besser!
Ich habe jetzt nochmal etwas verdünnt und Apfel dazugetan. Schlimmer als es wegkippen zu müssen kann das schließlich nicht werden.

Entstehen bei so einer Gärstockung irgendwelche unbekömmlichen Nebenprodukte? Oder macht die Hefe einfach dicht?
Worauf ich abziele: kann man das im Zweifelsfall noch irgendwie trinkbar machen oder ist das vorbei?
Liebe Grüße aus Berlin,

Munch
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Re: Gärstopp nach ca. 1,5 Wochen - trotz Nachzuckern

Beitrag von Chesten »

Je mehr die Hefe gestresst ist desto mehr "Blödsinn" produziert sie.
Trotz/wegen dem verdünnen wird sich die Gärung ewig hinziehen und je höher die Zuckerkonzentration ist desto geringer ist der Vergärungsgrad.
Du wirst wohl deinen Met nicht lagerungsstabil bekommen und den wohl "grün" also unfertig trinken "müssen".
Das kann ein Spiel mit dem Feuer werden: je länger du wartesst das sich die Süße abbaut desto mir Fusel wird gebildet.
Ob dann es noch Spaß macht einen pappsüßen Fusel zu trinken musst du für dich enscheiden. Ich gehen da nach dem Motto man muss nicht alles trinken was man trinken kann wenn es einem nicht schmeckt.

Ich hab' letzte Woche die letze Flasche von mein 2019er Gartenbeerenmix aufgemacht, ich hab sie wie meinen Augapfel gehütet weil der so gut war, war... der Wein schmeckte fade und matt, wohl oxidiert. Aber dass mcht dann keinen Spaß mehr zu trinken. Mein "Glück" ich muss nur ca. ein Gals wegkippen da ich in Bierflaschen abfülle dann "tut das nich so weh".
Wenhn du einen Pappsüße Plörre trinken willst kannst du auf den Weihnachtsmarkt gehen da gibt es die Flasche für ca. 2,99 € ( keine Ahnung ich kenn die Preise nicht mehr :lol: )

Manchmal muss man halt einsehen das der Krieg verloren ist. Soll heißen : ich würde mir nicht mehr die Mühe machen zu versuchen das zu retten wenn ich eh weis das sich das Ergebnis sich nicht lohnt!
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