Hefe selektieren

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Fiœlhaddr
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Hefe selektieren

Beitrag von Fiœlhaddr »

Moin,

Survival of the Fittest

Das wäre aktuell ein kleines Nebenexperiment. Vorab, ich hab das noch nie versucht und nur durch lesen verschiedenster Quellen, Hintergrundwissen zusammengetragen. Besonders hat mich die industrielle Vermehrung von Reinzuchthefen interessiert.

Angestossen durch meine "Rückwärtsforschung", welche aktuell noch läuft, möchte ich die Biologie und die Theorie hinter den kleinen Einzellern besser verstehen und in der Praxis lernen.
Erfolge und Nicht-Erfolge werden hier dann wohl der Master sein. Spaß muss es auf jeden Fall machen. Denn das langfristige Ziel ist es, einen Hefestamm zu finden, welcher sich zurückzüchten läßt.

Jasonogg hatte mich letzlich auf die Idee gebracht. Seine Erwähnung war die Eigenschaft von Hefen in "guten" und "schlechten" Fässern, vor dem neuzeitlichen Züchten von Killerhefen. Danke nochmal für die Inspiration an dieser Stelle. :P

Erster Step und Abzug

Heute hatte ich eine Flasche Honig/Wasser Gärgemisch ausgewählt, welche schon einen ordentlichen Bodensatz erzeugt hat. Gäraktivität war so gut wie zum erliegen gekommen.
Der gemessene Alkoholgehalt lag nach Kapillar bei 16,5%. Restsüße geschmacklich nicht nachweisbar. Knalltrocken, sozusagen.

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(Flaschengärung vor Abzug)

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(Bodensatz vor Abzug)

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(Alkoholmessung nach Kapillar)

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(Bodensatz nach Abzug)

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(Zuckermenge für Neuvermehrung)

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(Glukoselösung unverdünnt)

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(Erste Aktivität nach 1/2 Stunde)

Ziel ist es erstmal die Zellen in die Vermehrung zu bringen, welche den Zucker/Alkoholstress überlebt haben. Vor den Arbeiten sind alle Kontaminationsflächen peinlichst sterilisiert worden, dass es keinen Fremdeintrag geben kann.
Mein Ziel, die stärksten Zellen zu vermehren, in Dominanz zu bringen und dann weiter zu züchten, dass selbe für mein Rezept angepasst sind.

Grüßle
Tim
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Re: Hefe selektieren

Beitrag von Fruchtweinkeller »

Der Mensch "züchtet" Hefen seit über 10.000 Jahren. Wenn du meinst, eine signifikante Verbesserung während deiner Lebensspanne zu erreichen: Nur ran an das Projekt!

Vor jedem Projekt sollte man freilich erst einmal recherchieren: Wie ist der Stand der Technik? Wer hat so etwas schon einmal gemacht? Welche Methoden hat er angewandt? Glaube ich, das ich das besser kann oder das ich andere Ergebnisse erzielen kann? Kann ich überhaupt Reinzuchtkulturen anlegen und dauerhaft lagern?

Ferner hatte ich auf der Homepage schon darauf hingewiesen das Hefestämme nicht unbedingt genetisch stabil sind und ihre "guten" Eigenschaften verlieren können.
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Fiœlhaddr
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Re: Hefe selektieren

Beitrag von Fiœlhaddr »

Timestamp: 9 999,99738 Jahre bis zur Findung der "Urhefe"

Heute, nach dreimaligen auf- und umsatz der geernteten Hefekultur, aus der Charge von Honig/Wasserbraugemisch zu 16,5 Vol/%.

Aus dem so vermehrten Hefestamm habe ich wohl den kleinsten Gärbehälter aller Zeiten zum Test, bereitgestellt.(200ml)

Abgeleitet der Grundrechnung von 20gr Glukose/Liter zu 1Vol/% Alkohol.

Den Behälter lasse ich nun ausgären und messe/verkoste ihn erneut.

Ist der Weg der Richtige, wird der nächste Sud verimpft. Bis ich am Ziel bin.

Grüßle

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Re: Hefe selektieren

Beitrag von Fruchtweinkeller »

Es ist hilfreich, eine Versuchsdurchführung so zu dokumentieren, das der Leser auf Anhieb jeden Handgriff genau versteht und nachvollziehen kann.
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Re: Hefe selektieren

Beitrag von Fiœlhaddr »

Fruchtweinkeller hat geschrieben: 19 September 2022 22:47 Es ist hilfreich, eine Versuchsdurchführung so zu dokumentieren, das der Leser auf Anhieb jeden Handgriff genau versteht und nachvollziehen kann.
Da hast Du natürlich recht.

Durchführung bis Stand heute.

Zunächst wurde im ersten Schritt aus einer Charge Hefe entnommen, welche einen Überschlagswert von 16,5 Vol/% Alkohol produziert hat. Die Hauptgärung war bereits vollständig abgeschlossen. Ein deutlicher Bodensatz im Gärbehälter vorhanden. (siehe Bilder Startpost)

Die Probe kam in einen Kolben gefüllt mit verdünnter Zuckerlösung und einem 1/4 der üblichen Menge Hefenährsalz. Die Zahl der aktiven Hefenzellen konnte ich aufgrund fehlender Labormittel nicht bestimmen.
Also fußt der Versuch etwas unwissenschaftlich auf dem Prinzip von Trail and Error.

Nach ca 5 Stunden deutliche Gäraktivität. Die Kultur wurde nochmals mit verdünnter Zuckerlösung versetzt.
Insgesamt 3x innerhalb 23Stunden. Bis aus 200ml Kultur, 600ml wurden und die Aktivitäten der Hefezellen deutlich zunahm.

Damit impfte ich dann den zuletzt gezeigten Gärbehälter in beschriebener Zusammensetzung.

Nach 12h zeigt dieser Gäraktivität. Zwar nicht im erhofften Maße, aber das war erstmal zu erwarten. Ich denke nicht das die Zelldichte nur annähernd der einer Reinzucht entspricht. Da hin zu kommen wird noch ein langer Weg.
Erstmal ist dreh und Angelpunkt die Übertragbarkeit und „sortierung“ der fittesten Zellen.

Grüßle

Edit: Wenn die Versuchsreihe durch ist und der erdachte Erfolg vorhanden, werde ich abschließend eine ausführliche Anleitung hier mit einstellen. (Konkrete Mengen/Zeitangaben)
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Re: Hefe selektieren

Beitrag von Fiœlhaddr »

Bis das Ergebnis auswertbar ist, noch ein wenig Unterhaltung am Rande. :?

Vorgestern hatte ich, tatsächlich einfach spaßeshalber, einen „Wildhefeansatz“ gestartet.
150 Gramm Trauben in 0,5 Liter Wasser mit zusätzlich 50gr Zucker.
Die jetzt aktiven Hefen werde ich ebenfalls hochzüchten und sehen was draus wird.

Weitere Berichte folgen….wenn gewünscht.

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Re: Hefe selektieren

Beitrag von Fruchtweinkeller »

Ohne Kenntnis und Anwendung mikrobiologischer Grundtechniken wirst du dir damit höchsten die Weinhefen vermehren die in deiner Küche hausen.
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Mimose
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Re: Hefe selektieren

Beitrag von Mimose »

Das gute Hefewasser. Kennt man wenn man Brot backt und selbst Hefe vermehren möchte
Fiœlhaddr
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Re: Hefe selektieren

Beitrag von Fiœlhaddr »

Ja, voll super ne? Wie damals im Yps - Heft die Urzeitkrebse (Artemiidae) 😅👍

Na, wer kennts noch? 😎

Spass bei Seite…

Eigentlich will ich etwas ganz anderes herausfinden.
(Wer es errät gewinnt ne Mitropa Duschhaube.)

- Bestimmung der Hefestämme in meinem Kühlschrank?
- Bestimmung möglicher Hefestämme in meiner Küche?

Oder

- Die Ingestion und/oder Nahrungskarenz, im kontrollierten Rahmen bestimmen und dokumentieren?

Grüßle

Ps: 😉 gerne auch einfach mal humorvoll 😉
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