Bitte nicht hauen :?

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Sai
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Bitte nicht hauen :?

Beitrag von Sai »

Ok, ich muss leider zugeben dass ich etwas überfordert bin.
Hallo erstmal, seit kurzem habe ich mir in den Kopf gesetzt nun richtigen Met zu brauen, nicht nur halbherzig wie bisher etwas in einen Topf zu werfen und dann bis zum Ende zu warten. Bisher war dies zugegebener Weise oft so (7,4L Schw. Johannisbeersaft, 2kg Honig, Reinzuchthefe vorgären, Hefenährsalz, 5g Mehl als Trübstoff). Ich möchte es aber vernünftig machen.

Mein Ziel:
Einen Honigwein aus einer Saft-/ sowie Maischegärung herzustellen, der vernünftig eingestellt ist vom Oechsle und Säuregehalt her. Volumenprozente sind mir zweitrangig, eher dass der Wein sauber vergärt. Diesen Wein auch solange nachzuckern bis ein guter Met mit Restsüße entstanden ist.
Mein Problem:
Ich steige wirklich nicht vollkommen durch die Analytik durch. Mir wurde bereits in einem thread geholfen und tips zur Maischegärung gegeben (wäre meine erste), aber leider bin ich nun ganz fraglich.
Wann muss ich was messen, womit, und was bedeutet das dann? Verstanden habe ich nur Teile und mit Halbwissen arbeite ich ungern..
Mein Vorhaben:
-Eine Maischegärung Erdbeere (nach Rezept im Forum) mit Honig als Zuckerträger
-Eine Saftgärung Erdbeere (nur 5L zur Kontrolle bzw zum Selbstversuch)
-Eine Saftgärung Schw. Johannisbeere

Gerne würde ich dafür das vernünftige Oechsle einstellen anhand der Werte die die Säfte und die Maische haben, und natürlich das nachzuckern nicht vergessen.
Nur wann tue ich das und wie korrigiere ich die Werte in den Normbereich damit dabei ein guter Dessertwein rauskommt?

Danke fürs lesen, bestimmt denkt sich der ein oder andere erfahrene Brauer bestimmt welch infantile Frage, berechtigt, dennoch würde ich mich über eine Antwort freuen :)
Gärtrud, Gärhard und Gärlinde
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Chesten
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Re: Bitte nicht hauen :?

Beitrag von Chesten »

Wir verhauen hier niemanden wir zwingen nur die Leute ihr eingens gepanschtes Gesöff zu trinken :lol: !

Ne mal Spaß bei Seite.

Oechsle musst du gar nicht messen da, sobald sich Alkohol gebildet hat und noch Zucker im Ansatz ist du einen Messwert mit zwei Unbekannten hast. Und was sagt uns das ? Nicht lösbar da unendlich viele Lösungen.

Säure wird bei einer Maischegärung nach dem abmaischen gemessen vorher macht das keinen Sinn. Abgemaischt wird in der Regel nach 5 bis 10 Tagen. Ich mach immer 'ne Woche, Samstag ganz in Ruhe den Wein ansetzen und eine Woche später abmaischen. Das Problem allgemein: je später man verdünnt desto "schlechter" die Restgärung.

Bei einer Saftgärung messe ich einmal den "Rohsaft" und mir auszurechnen auf welches Endvolumen ich verdünnen muss. Wenn du den Ansatz fertig angesetzt hast kann nochmals kontrollieren musst du aber nicht. Ich messe vor der Flaschenabfüllung nochmals um zu gucken ob der Säuregahlt zu gering ist , wenn der da zu hoch ist, ist eh zu spät dann kannste nix mehr Sinnvolles tun.
"Die einzig stabile Währung ist die alkoholische Gärung" (Das Känguru-Manifest)

Hier findest du einen Anleitung wie man seinen ersten eigenen Wein herstellt:
http://www.forum.fruchtweinkeller.de/viewtopic.php?f=33&t=12175
Sai
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Re: Bitte nicht hauen :?

Beitrag von Sai »

Okay, soweit verstanden.
Habe mit meinem Halbwissen gedacht ein Oechsle von 110 wäre recht gut für einen Dessertwein damit der gut arbeiten kann und ich nicht überzucker - sonst tot..

Ich Messe also die Säure im Saft und dem Maischesaft (nachdem das Obst gepresst und entfernt wurde). Die Säure sollte also je nach Saft zwischen 4,5 und 8 liegen.

Um den Zucker mache ich mir erstmal keine Gedanken beim ansetzen - woran kann man aber festmachen wie viel man nachzuckern kann und sollte?
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derDaniel
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Re: Bitte nicht hauen :?

Beitrag von derDaniel »

Hallo Sai,
Da ich auch noch eher der Anfänger bin kann ich das gut nachvollziehen.
Mir haben diese beiden Links super geholfen:

https://honigweinkeller.de/anleitungen/ ... en-fragen/

https://honigweinkeller.de/anleitungen/ ... rster-met/

Lies dir die Seiten langsam durch, am besten schreibst du dir Stichpunkte mit oder liest die Artikel nochmal wenn du an den nächsten Schritt gehst.

Wichtig: prüfe vorab ob du alles an Gerätschaften und Material hast.

Grüße,
Daniel
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Chesten
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Re: Bitte nicht hauen :?

Beitrag von Chesten »

Ich peile immer einen Startzuckergehalt für ca. 10 vol% wie viel das in Oechsle sind, keinen Plan.

Einen Säuregehalt von ca. 6,5 g/L passt eigentlich zu fast jedem Wein 8 g/L ist schon recht viel.

Wie das nun mit dem Zucker enscheiden ?

Prob ziehen ! Einmal pro Woche reicht dafür völlig. Wie schreib ich immer so treffend ? Wenn sich beim probieren dir deine Fußnägel aufrollen fehlt Zucker. Je scheußlicher der Wein schmeckt desto weniger Zucker ist drin.
Ein Beispiel von meinen Wein von heute: Letzte Woche habe ich eine Probe gezogen, Geschmack: wässig alkoholisch sauer. Ok das Vinometer zeig keinen völlig Blödsinn wenn ich messe.
Da wenn noch Zucker im Ansatz ist verfälscht dass die Messung.
Mit dem Vinometer den Alkoholgehalt gemessen ca. 14 vol%.
Ist das plausibel ? Letzte Woche 13 vol% gemessen und für ca. 1 vol% Zucker trocken hinzugeben.
Einen Blick in die Aufzeichnungen ( ich benutzte Vinobase gibt umsonst auf de Homepage im letzten Kapitel ).
Der Gesamtzuckergehalt ist im dem Bereich das ca. 14 vol% Alkohol gebildet werden könnten, passt.

Wie geht es jetzt weiter ?

Probe ziehen und verkosten : Geschmack: wässig alkoholisch sauer.
Meine Heferasse soll ca. 16 vol% schaffen.
Jetzt gebe ich nur noch trocken Haushaltzucker für ca 0,5 vol% hinzu.
Ich möchte die Hefe nicht merh stressen als ich muss.

Nächste Woche das selbe Spiel. WENN aber sich mir die Fußnägel beim probieren nicht aufrollen ?
Ruhe bewahren und eine Woche warten.

Im Honigweinkeller.de ( HWK ) ist es ein sehr schönes Fließdigramm. Ich das hat schon jemand verlinkt
"Die einzig stabile Währung ist die alkoholische Gärung" (Das Känguru-Manifest)

Hier findest du einen Anleitung wie man seinen ersten eigenen Wein herstellt:
http://www.forum.fruchtweinkeller.de/viewtopic.php?f=33&t=12175
Sai
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Re: Bitte nicht hauen :?

Beitrag von Sai »

Aloha,

so, nun habe ich Arbeitsstress und das böse C-Wort (leute in 10jahren werden 2 mal nachdenken hehe) auch hinter mir und, Gerätschaften/Zutatan sind alle nun da und ich hab Bock.
Habe nun mal aus reinem Interesse mit dem Acidometer rumgespielt und es mal ausprobiert, überraschender Weise ziemlich simpel und hat auch gut Spaß gemacht... Irgendwie muss das Hobby ja auch neben dem saufen Spaß machen :D

Ergebnis war aber überraschend:
Habe ja wie geplant 2 Saftgärungen neben der Maischegärung vor, eine Erdbeer und eine Johannisbeere schwarz. BEIDE Säfte haben nach Kontrolle einen ungefähren (+- 0,4) Säuregehalt von 5,6g/L.
Sind ja Kaufsäfte und somit natürlich auch verdünnt, aber interessant trotzdem.. Hatte besonders beim Erdbeersaft mit deutlich weniger gerechnet.

Jetzt meine Frage (Was auch sonst):
Wenn ich mit Honig arbeite sollte sich der Säuregehalt nicht wirklich verändern, richtig?
Volumentechnisch tut sich da ja eher weniger, allerdings meine ich aufgeschnappt zu haben dass der Honig selber nochmal zusätzlich gut welche freisetzt - wenn das der Fall wäre müsste ich um diese Menge verdünnen damit man dann keinen aus den Latschen haut, so mein Gedanke. Hat jemand damit Erfahrung?

Fußnote: Wer kam auf die glorreiche Idee, den Fußständer eines Acidometers grün(!) zu färben, wenn die Flüssigkeit im Glaszylinder doch delikat zu beobachten ist falls auch nur der leichteste Grünstich sich erkenntlich macht...!?
Puh, das musste kurz raus :D
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Re: Bitte nicht hauen :?

Beitrag von Fruchtweinkeller »

Für Kaufsäfte scheint mir der Säuregehalt eher gering zu sein. Vielleicht testest du mal dein Acidometer: viewtopic.php?t=14175

Honig hat einen vernachlässigbaren Säuregehalt.
Volumentechnisch tut sich da ja eher weniger, allerdings meine ich aufgeschnappt zu haben dass der Honig selber nochmal zusätzlich gut welche freisetzt - wenn das der Fall wäre müsste ich um diese Menge verdünnen damit man dann keinen aus den Latschen haut, so mein Gedanke. Hat jemand damit Erfahrung?
Verstehe ich nicht :hmm: Was soll der freisetzen?
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Sai
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Re: Bitte nicht hauen :?

Beitrag von Sai »

Ah, das ist wirklich interessant, werde ich testen.
Habe dank der Arbeit zum Glück eine gute Verfügbarkeit von Medikamenten-Aufziehspritzen, die sind zwangsweise genau.
Bin mit meinem Acidometer aber ganz gut zurecht gekommen, mehrmals bei der Titrierung am Lackmuspapier getestet und eine wirklich gute Ph7 bekommen. Habe aufgrund einer besseren und genaueren Messbarkeit meinen Saft mit destilliertem Wasser auf 1zu3 verdünnt, also 25% Saft. Dementsprechend das Ergebnis aber auch mal 4 gerechnet. Ergebnis hat mich aber auch gewundert.

Das mit dem Honig war ein Ausdrucksfehler von mir, mein Gedankengang war ob der Honig, nachdem er sich in dem Wein gelöst hat und den Zucker an die Hefe verloren hat, den Säuregehalt merklich anhebt.
Aber das hast du mir beantwortet :)
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Sai
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Re: Bitte nicht hauen :?

Beitrag von Sai »

So, Acidometer wurde getestet und ich bin... Entäuscht?
Ergebnis: mit einer sehr genauen Pipetierung per Spritze habe ich ein Ergebnis von angeblich 11ml Laut Acidometer.
Weil ich es umbedingt wissen wollte war ich so frech und hab mir nach dem ok noch 2 abgelaufene hochwirksame Medikamente geholt, die nun wirklich 5ml sein müssen!
Ergebnis: Laut Acidometer habe ich nun 11,2ml im Kolben.
Und das wahrscheinlich tödlichste Acidometer Deutschlands.. ?-|

Finde es sehr schade, dass man über 20euro bezahlt für ein Stück Glas welches nur genaue Angaben zur Menge geben soll, und es genau im diesem Zweck versagt..
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Re: Bitte nicht hauen :?

Beitrag von Fruchtweinkeller »

Was genau hast du jetzt gemessen: Die 10 ml Probe oder die zugegebene Blaulauge?
Salopp gesagt: Wenn die "Höhe" der Skala auf dem Messzylinder nicht stimmt hast du einen Fehler den du womöglich herausrechnen kannst. Aber ja, schön ist das nicht, und im Laufe der Dekaden, in denen ich mich mit der Weinbereitung beschäftige, ist das Acidometer auch immer teurer geworden. Wenn du bei dem Hobby bleibst weil du Spaß daran hast (da sollte man sich nicht frustrieren lassen von Acidometern und Co.) würde ich immer dazu raten, mittelfristig auf Titration per pH-Meter umzusteigen. Die Messung ist in der Praxis schneller, genauer, und du hast weniger Frust bei stark gefärbten Weinen.
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Sai
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Re: Bitte nicht hauen :?

Beitrag von Sai »

Habe die 10ml Probe gemessen. 10ml Flüssigkeit war deutlich über dem Nullstrich.
Danke für den Tipp, werd ich mir mal anschauen für die nächsten Weine.
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