Spätfrost-Erfahrungen mit Schutzmaßnahmen?

wenzelspilz
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Spätfrost-Erfahrungen mit Schutzmaßnahmen?

Beitrag von wenzelspilz »

Hallo zusammen,
Vor allem bei (Hobby-)Winzern in nördlicheren Regionen ist der Spätfrost eine große Gefahr, die Ernte teilweise oder komplett zu verlieren. Bei mir im Weinberg (Freiland in Dorflage, 300m ü.NN) gab es sowohl 2019 und 2020 Spätfrostschäden. Nach den Erfahrungen von 2019, als ich die Reben ohne Erfolg eingewickelt habe, habe ich 2020 die Reben Ende März mit einer 10% Rapsöl-Wasser-Suspension im Winterknospen- bzw. im Wollestadium besprüht. (Nach verschiedenen Studien soll die Austriebsverzögerung bis zu 15 Tage betragen.) Es gab eine deutliche Austriebsverzögerung bis Ende April/Anfang Mai, allerdings waren die Auswirkungen des Frosts am 15.Mai dann doch zumindest für Solaris verheerend. Leon Millot hat es deutlich besser gepackt.
In diesem Jahr will ich mal einen Versuch machen, die Zeilen jeweils abwechselnd zu besprühen, um einen Vergleich zu bekommen.

Meine Fragen an euch:
- Habt ihr Erfahrungen mit Maßnahmen zur Spätfrostbekämpfung?
- Es war nicht ganz einfach, die 10%-Suspension herzustellen. Sie war nicht stabil mit einem Schuss Spülmittel. Habt ihr da eine Idee?

Gruß, wenzelspilz
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Re: Spätfrost-Erfahrungen mit Schutzmaßnahmen?

Beitrag von Fruchtweinkeller »

Rührer für Farbe werden nicht viel bringen, aber für kleinere Volumina sollte ein Pürierstab ausreichen.
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wenzelspilz
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Re: Spätfrost-Erfahrungen mit Schutzmaßnahmen?

Beitrag von wenzelspilz »

Danke. Ich brauche ca. 2-3l Emulsion pro Anwendung. Die darf natürlich nicht zu dickflüssig werden. Pürierstab mit ein paar Tropfen Spüli könnte klappen, muss ja nicht auf Dauer stabil sein.
Die Formulierung in den Studien war mit Break Thru, einem Spreitmittel aus der Agrochemie, da komme ich nicht ran.
Alternativ könnte ich auch eine der käuflichen Rapsölformulierungen verdünnt zur Spritzung verwenden, die kostet allerdings deutlich mehr
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Re: Spätfrost-Erfahrungen mit Schutzmaßnahmen?

Beitrag von Fruchtweinkeller »

Das könnte mit dem Pürierstab schon eng werden, aber du könntest zumindest testen ob und wie gut das Prinzip funktioniert. Berichte mal von deinen Erfahrungen. Im Industriebereich gibt es leistungsfähige Dispergierstäbe, aber die sind leider sehr teuer.
Ob das als Frostschutz geeignet ist weiß ich nicht, von Reben habe ich leider wenig Ahnung. Ansonsten kenne ich nur den "Klassiker": Frostschutzberegnung mit normalem Wasser.
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Re: Spätfrost-Erfahrungen mit Schutzmaßnahmen?

Beitrag von wenzelspilz »

Das Öl-Wasser-Gemisch wirkt passiv als Frostschutz, es reduziert den Gasaustausch in den Knospen => verzögerter Austrieb, im Idealfall erfolgt der Austrieb so spät, dass der letzte Frost vorbei ist.
Frostschutzberegnung fände ich auch besser, der Weinberg liegt aber nicht in Reichweite meiner Wasserversorgung, das einzige Haus in der Nähe gehört der Feuerwehr, vielleicht lassen die ja mit sich verhandeln...
Tompson
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Re: Spätfrost-Erfahrungen mit Schutzmaßnahmen?

Beitrag von Tompson »

Ach herrje, nein, mit so etwas habe ich keinerlei Erfahrungen.
Solaris hatte regelmäßig Erfrierungen, nicht immer gravierend aber sichtbar. Die ist einfach zu früh dran. Ansonsten hatte ich die letzten Jahre einfach Glück.
Ich habe für meine ebenfalls früh austreibende Cabaret Noir eine Sonderlösung: Alte Heizstäbe. die ich unter der Pergola aufhänge. Nach der Stromrechnung dieses Jahr überlege ich allerdings, ob ich die Dinger lieber auf den Müll werfe ... 8-!
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Re: Spätfrost-Erfahrungen mit Schutzmaßnahmen?

Beitrag von wenzelspilz »

An den Nord- und Höhengrenzen des überhaupt möglichen Weinbaus gibts nicht so viele Möglichkeiten der Sortenwahl. Ich kenne jedenfalls keine spät austreibende und frühreifende Rebsorten, aus denen ein anständiger Wein gemacht werden kann.
@Tompson Auch ich habe einige Cabaret Noir dieses Jahr geordert. Sind die genauso früh im Austrieb und in der Spätfrostgefährdung wie die Solaris?
Und auch die Mittel gegen Spätfrost sind zumindest für mich da begrenzt.
Frostschutzberegnung braucht für unseren kleinen Weinberg fast 1000l/h, mal sehen, inwieweit ich die örtliche Feuerwehr dazu überzeugen kann.
Es gibt zudem erste erfolgreiche Versuche mit Frostschutz mithilfe elektrischen Heizdrähten mit hohem Widerstand im Weinbau. Das scheint aber auch ein paar hundert Euro Investitionen zu erfordern un etwa 1KW Leistung. Und wieder müsste ich die Feuerwehr um Strom bitten...
Tompson
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Re: Spätfrost-Erfahrungen mit Schutzmaßnahmen?

Beitrag von Tompson »

Hallo Wenzel,

habe gerade intensiv gegrübelt, es ist schon eine kleine Weile her, daß ich die Solaris hatte.
Doch, etwas später treibt die Cabaret Noir aus. Der Vorteil dieser Sorte besteht tatsächlich in der kurzen (wie sagt man dazu? Vegetationsperiode?) dieser Sorte. Ende August muß man bereits anfangen aufzupassen, daß man den Zeitpunkt zum Lesen nicht verpaßt. Mitte September ist es soweit.
Ich habe seinerzeit mit 4 Stöcken versuchen wollen, was da herauskommt und die als Sichtschutz zum Nachbarn gepflanzt. Das heißt, eigentlich kein auf saubere Schnittform ausgerichtetes Vorhaben. 2 Stöcke bedienen einen unteren Kordon und 2 Stöcke einen oberen an der Pergola. Die unteren haben deswegen extrem wenig Blattmasse, manchmal nur 4 Blätter nach dem sommerlichen Ausbrechen der Traubenzone und da ich mir zwar immer vornehme, das Ganze lichter zu gestalten, dann aber doch wieder zu viele Austriebe zulasse ... kann ich auch keine Geize lassen. Trotzdem immer gute bis hervorragende Werte.
Daraufhin hatte ich vor 4 Jahren die Hälfte meiner Pinotin gerodet ... bis heute war das keine durchschlagende Idee. Es ist, trotzdem ich nie gegossen habe, keiner der Stöcke eingegangen aber so richtig ... bei den Sommern kein Wunder. Mal schauen, ob sie heuer durchstarten.

Pflanzenschutz ist nicht ganz unwichtig bei den Schweizer Sorten. So langsam bekomme ich das mit dem Oidium in den Griff ... wenn ich nicht mal wieder mich abends eher hinsetzen will, statt noch die Stunde für die elenede Spritzerei dranzuhängen. :pfeif:
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Re: Spätfrost-Erfahrungen mit Schutzmaßnahmen?

Beitrag von wenzelspilz »

Hallo Tompson,
Danke für deine Grübeleien ;) . Cabaret Noir passt ganz gut zu den Leon Millot, die auch sehr früh reif werden und denen ich bei der Weinbereitung etwas mehr Cabernet-Aromen hinzufügen will. Dass Cabaret Noir empfindlich gegenüber Oidium ist, erstaunt mich etwas. Die Resistenz wird bei der Rebschule Freytag mit +++ angegeben, ggü. Perenospora nur mit ++. Was machst du dagegen?
Danke und Gruß
Wenzelspilz
Tompson
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Re: Spätfrost-Erfahrungen mit Schutzmaßnahmen?

Beitrag von Tompson »

Ja, den Angaben habe ich auch geglaubt. Woher soll ich den Vergleich nehmen, wie Nicht-Piwis auf die Pilzbefalle reagieren? Vielleicht ist das +++ trotzdem durchaus berechtigt. Immerhin braucht es keine komplizierten Mittelchen, die nach einiger Zeit ja dann doch nicht mehr funktionieren.

Hatte früher Seyval-Blanc (vollkommen befallsfrei aber es ist mir nicht gelungen, da einen Kordon zu erziehen), Regent (auch befallsfreudiger), Solaris (eindeutig piwi-ger wie andere Sorten aber was sollte ich mit den Trauben von zwei Stöcken?). Außerdem 22 Pinotin, die sind ja auch von Freytag und der wollte anno 2006 noch gar nicht an Amatuere verkaufen. Ich habe da noch einen richtigen Vertrag abschließen müssen, wegen Reiservernichtung und Weiterverkaufsverbot. Die Pinotin sind genauso drauf wie die Cabaret Noir. Aber: Sie stecken unser westsibirisches Klima weg, reifen halbwegs aus (die Werte sind toll aber die Trauben lassen sich trotzdem nur mühsam entrappen, kann aber auch eine sortenspezifische Macke sein), die Cabaret reifen richtig aus und beide haben haben einen umwerfenden Geschmack. Und die Flachbogenerziehung funktioniert im Gegensatz zu den Solaris, wo schon mal keine geeignete Rute zur Verfügung stand. Und die Blätter sind bedeutend kleiner, eine luftige Blattwand bei Solaris ist wohl kaum möglich.

Gebe ganz ehrlich zu, so tief stecke ich nicht im Thema drin, immerhin, wie Oidium aussieht, weiß ich. Und ich habe immer wieder solche Pockenmilben, die stören mich aber nicht weiter. Pero ... müßte ich mir wieder mal zur richtigen Zeit die Bilder vom Rebdoktor angucken, ist mir aber kein größerer Befall bewußt aufgefallen.

Ja Mehltau. 5 Jahre hatte ich etwa komplett Ruhe, 2 schöne Anfängerweine entstanden und dann fiel die Ernte komplett aus. Danach habe ich mit mehr oder auch immer wieder mal weniger Erfolg Pflanzenschutz erlernt. Auch lernen mußte ich, das man irgendwann aufhören muß mit dem Netzschwefel, weil man sonst (es war auch seinerzeit kein Regen groß gefallen) einen wunderhübschen Böckser hat. Der Wein wurde gerettet, indem ich jedes Wochenende (zum Teil bei Minusgraden 8-! ) in der Garage den Wein etliche Male mit großem Geplätscher über Dachrinnen umgestochen habe...

Also, im Zweiblattstadium spritze ich zum Auftakt mit einer stärkeren Netzschwefellösung. Die Dosierungen für alles habe ich in der Garage ... bei Interesse reiche die nach. Dann gibts eine Zitterpartie, weil man eigentlich aller 10 Tage spritzen soll aber dann der Wuchs explodiert und in die Blüte soll man ja auch nicht spritzen. Was tun, sprach Zeus? Nach der Blüte und dann vielleicht noch einmal ein drittes Mal Netzschwefel. Die 10 Tage Abstände schaffe ich aber eigentlich nie ... Ab Mitte Juli spritze ich Backpulver, das funktioniert sehr gut, auch mit maximal 15 Tagen Abstand.

Wer hier etwas richtig stellen möchte, bitte tut dies! Obenstehendes ist aus Ratschlägen und Erfahrungen zusammengestoppelt...
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Re: Spätfrost-Erfahrungen mit Schutzmaßnahmen?

Beitrag von wenzelspilz »

Eine Verpflichtungserklärung musste ich für die Cabarets bei Freytag auch abschließen um sie zu bekommen.
Dass die Schweizer Rebsorten auch mit nachlassender Resistenz zu kämpfen haben, ist mir neu. Ich habe immer gedacht, es gäbe bei diesen mehr Resistenzgene als bei Regent, deren Resistenz (zumindest teilweise) relativ schnell vom Mehltau überwunden werden kann.
Dann bin ich mal gespannt, wann bei meinen Sorten die Resistenz gegen Oidium nachlässt. Eigentlich widerstrebt es mir, Fungizide zu spritzen, aber wenn man es sein lässt, erhöht sich die Gefahr der Resistenzüberwindung.
Danke für das Teilen deiner Erfahrungen! Deine Rezepturen würden mich sehr interessieren, wenn du da bei Gelegenheit wieder drankommst.
In diesem Jahr erwarte ich (ohne Spätfrost) die erste richtige Ernte vom Leon Millot und Solaris. Der Millot hat trotz Spätfrost noch reife Trauben geliefert, die Trauben vom Solaris aus den Beiaugen sind nicht mehr richtig reif geworden.
Hoffentlich wird dieses Frühjahr mal spätfrostfrei!
Zaller
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Re: Spätfrost-Erfahrungen mit Schutzmaßnahmen?

Beitrag von Zaller »

Meine Rezeptur.
Beginnen mit der Austriebsspritzung z.B. 40g Netzschwefel+20 Tropfen Jod (NaHCO3) auf 5 Liter Wasser. Oder 20ml Rapsöl 1 Päckchen Backpulver und 2 Liter Wasser. Oder Magermilch 1:6 mit Wasser + paar Tropfen Spülmittel. Oder 10g Polyram 40g Schwefel+ 40ml Phosik in 5 Liter Wasser.

Mit Netzschwefel bis zur Blüte spritzen.
Mit Kaliumhydrocarbonat ( Backpulver ) nach der Blüte spritzen.

Im Profianbau wird mit 0,2% Kalium-Bikarbonat gespritzt. Also 2 Gramm pro Liter. Alle 8-12 Tage von Vorblüte bis Mitte August. Gemischt mit 0,2% Schwefel. Ein bekanntes Mittel hat den Handelsnamen Armicarb. Ein Kontakt-Fungizid.
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