Die Bienen-Sauna - Ein Mittel gegen die Varroa-Milbe?

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Die Bienen-Sauna - Ein Mittel gegen die Varroa-Milbe?

Beitrag von Fruchtweinkeller » 16 Dezember 2014 22:04

Ein Kollege hat mich auf einen interessanten Artikel aufmerksam gemacht, bei dem es sich um die Bekämpfung der Varroiamilbe dreht. Die Idee: Eine Wärmebehandlung soll die Milben abtöten, wodurch der Einsatz von Ameisensäure und Co. vermieden werden soll. Angeblich funktioniert die Idee, wobei die Meinungen über Sinn und Unsinn offenbar auseinander gehen:

http://www.rp-online.de/panorama/imker- ... -1.4717914

Nähre Infos gibt es hier, wobei man das Projekt finanziell unterstützen kann:
http://www.ecocrowd.de/en/projects/1113 ... enen-Sauna

Ich finde es interessant, aber da ich von der Imkerei nichts verstehe kann ich nicht ernsthaft einschätzen, ob das Projekt unterstützenswert ist oder nicht. Also macht euch am Besten selbst ein Bild ;)
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Re: Die Bienen-Sauna - Ein Mittel gegen die Varroa-Milbe?

Beitrag von Neugierer » 16 Dezember 2014 22:47

Hallo Herr Dr. !
Fruchtweinkeller hat geschrieben: Ein Kollege hat mich auf einen interessanten Artikel aufmerksam gemacht, bei dem es sich um die Bekämpfung der Varroiamilbe dreht. Die Idee: Eine Wärmebehandlung soll die Milben abtöten, wodurch durch Einsatz von Ameisensäure und Co. vermieden werden soll. Angeblich funktioniert die Idee, wobei die Meinungen über Sinn und Unsinn offenbar auseinander gehen:
Ja, die rühren auch in den einschlägigen Imkergazetten die Werbetrommel.

Die Wärmebehandlung von Bienen wird schon einige Jahre erprobt.

Die Demeter Versuchsimkerei Fischermühle (bei Rosenfeld) hat damit schon vor 10 Jahren
geforscht. Hier ein Bericht aus Biene Mensch Natur Nr.13 dazu.
Im Zuge einer Tagung dort habe ich in 2010/11 das "Test"Gerät gesehen,
damals meinte man dort das es wohl effektiv nur bei Kustschwärmen funktioniert
und somit nicht für die breite Anwendung taugt.

Die Österreicher haben da schon seit ein paar Jahren ein Gerät das mit der Wärmetherapie arbeitet,
den Varroa-Controller, die Erfahrungen damit scheint zwiespältig zu sein.
Wir hatten mal einen Össi hier beim örtlichen Imkereibedarf der das Ding vertreiben wollte,
hat meineswissens hier in der Gegend keiner gekauft.


Gruß
neugierer ...
.... die Bienenverluste scheinen 2014 hoch zu sein, meine ich - denn
hier hat es schon einige nachfragen nach Völkern im kommenden Frühjahr gegeben.
Gruß, Neugierer ...

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Re: Die Bienen-Sauna - Ein Mittel gegen die Varroa-Milbe?

Beitrag von fibroin » 17 Dezember 2014 07:53

Die Diskussion um die Behandlung der Varroa ist endlos. Der Durchbruch zu einer effektiven Behandlung ist bisher nicht gelungen. Alle Behandlungsstrategien sind Behelf, aber damit muss sich der Imker arrangieren.

Es wäre besser gewesen, die Milbe gar nicht erst einzuschleppen. Aber jetzt ist sie hier und nicht mehr fort zubekommen. :(
Wenn du dich wohlfühlst, mache dir keine Sorgen. Das geht wieder vorbei.

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Re: Die Bienen-Sauna - Ein Mittel gegen die Varroa-Milbe?

Beitrag von Neugierer » 17 Dezember 2014 20:37

Hallo !
fibroin hat geschrieben:Es wäre besser gewesen, die Milbe gar nicht erst einzuschleppen. Aber jetzt ist sie hier und nicht mehr fort zubekommen. :(
Die Verantwortlichen von damals (leider aus meinem Bundesland) behaupten heute,
wir hätte die Milbe jetzt auch so.
Viele sehen das Problem nicht in der Varroa, das ist zu händeln.
Pflanzenschutzmittel (u.a. div. Beizen) sind das größte Problem, und die 24Std./LD50 Forschung dazu.

Gruß
neugierer ....
... hat den "Varroa-Bringer" schon persönlich kenngelernt,
heute ein in meinen Augen: ein von Altersstarsinn und Selbstüberhöhung geprägtes Wesen.
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Re: Die Bienen-Sauna - Ein Mittel gegen die Varroa-Milbe?

Beitrag von Fruchtweinkeller » 17 Dezember 2014 20:56

Ich würde auch alles abstreiten :-x
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Re: Die Bienen-Sauna - Ein Mittel gegen die Varroa-Milbe?

Beitrag von Neugierer » 20 Dezember 2014 12:42

Fruchtweinkeller hat geschrieben:Ich würde auch alles abstreiten :-x
Ist ja auch nur menschlich .... 8-!

Gruß
neugierer ....

.... wollte eigentlich noch einen Bericht von seinem Seminarbesuch hier einbringen:
"Obst veredeln in alkoholischen Getränken - Onstweine, Liköre, Brände mit Verkostung"
vielleicht Weihnachten.
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Re: Die Bienen-Sauna - Ein Mittel gegen die Varroa-Milbe?

Beitrag von Fruchtweinkeller » 21 Dezember 2014 09:02

Fruchtweinkeller hat geschrieben:Ich würde auch alles abstreiten :-x
Gut, ich sollte vielleicht erläutern was mir durch den Kopf gegangen war als ich das geschrieben hatte (auf die Gefahr hin dass ich jemandem auf die Füße trete).

Es wird viel diskutiert warum die Bienchen anfälliger für Krankheiten geworden sind. Die moderne Agrarindustrie muss diesbezüglich einiges einstecken, und das wahrscheinlich zu Recht. Aber ein Aspekt geht meiner Meinung nach etwas unter: Der Mensch hat schon an vielen Tieren herumgezüchtet, wobei der Fokus nie auf den Bedürfnissen des Tiers, sondern immer auf den Bedürfnissen des Menschen lag. Das hat zu Folge dass die gezüchteten Viecher niemals so robust sind wie die wildlebenden Vertreter (zumindest fällt mir kein Beispiel ein). Und obwohl ich wenig Ahnung von der Imkerei habe wage ich zu behaupten, dass das bei den Bienen ähnlich ist und dass die Honigproduzenten durch ihre Aktivitäten auch nicht unschuldig an der Misere sind. Vielleicht gilt es, die Imkerei diesbezüglich zu überdenken?

Nur ein Gedanke, ohne dass ich jemandem persönlich an den Karren fahren will ;)
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Re: Die Bienen-Sauna - Ein Mittel gegen die Varroa-Milbe?

Beitrag von Neugierer » 21 Dezember 2014 21:41

Hallo !
Fruchtweinkeller hat geschrieben:Es wird viel diskutiert warum die Bienchen anfälliger für Krankheiten geworden sind. Die moderne Agrarindustrie muss diesbezüglich einiges einstecken, und das wahrscheinlich zu Recht. Aber ein Aspekt geht meiner Meinung nach etwas unter: Der Mensch hat schon an vielen Tieren herumgezüchtet, wobei der Fokus nie auf den Bedürfnissen des Tiers, sondern immer auf den Bedürfnissen des Menschen lag. Das hat zu Folge dass die gezüchteten Viecher niemals so robust sind wie die wildlebenden Vertreter (zumindest fällt mir kein Beispiel ein). Und obwohl ich wenig Ahnung von der Imkerei habe wage ich zu behaupten, dass das bei den Bienen ähnlich ist und dass die Honigproduzenten durch ihre Aktivitäten auch nicht unschuldig an der Misere sind. Vielleicht gilt es, die Imkerei diesbezüglich zu überdenken?
In meinen Augen hast Du mit Deiner Einschätzung voll und ganz recht.

Wenn ich noch daran denke, wie vor dreisig Jahren unser damaliger Ortsimker verschleiert zu den Bienen gegangen ist, diese hundert Meter vom Haus entfernt waren und Ihn die ganze Strecke verfolgten.
Heute gehe ich an die Völker ohne Schleier !

Was aber auch vor dreisig, ja vor zwanzig Jahren noch der Fall war:
Ich braucht einen sogenannten Mückenschwam um allabendlich im Sommer, wenn ich von der Schicht kam, die Insekten von der Windschutzscheibe und den Scheinwerfern zu kratzen.
Heute kann man den ganzen Sommer durchfahren ohne die Scheiben am Auto zu reinigen.


Für das Erste und damit auch ggf. auch für die Anfälligkeit der Bienen ist die Zucht verantwortlich.

Aber für die zahllosen Insekten die "fehlen" und nicht mehr an Autos zerschellen ist nicht die menschliche Zucht verantwortlich, sondern die menschliche Art mit Pestiziden umzugehen - und diese kann derzeit nicht richtig sein.

Das Insekten fehlen kann man aber auch überall in der Agrarindustrie sehen, da wird versucht aus insektenbestäubten Pflanzen windbestäubte zu machen, oder tausende von Einweghummelvölkern eingesetzt um Erträge zu generieren und keine Rücksicht nehmen zu müssen.


Gruß
neugierer ....
.... Stand Heute: ein (Bienen)Volk Verlust in diesem Winter.
Gruß, Neugierer ...

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Re: Die Bienen-Sauna - Ein Mittel gegen die Varroa-Milbe?

Beitrag von Fruchtweinkeller » 22 Dezember 2014 13:38

Die Reduktion der Insektenzahl kann auch mit Klimaänderungen zusammenhängen, siehe

http://diepresse.com/home/science/45896 ... und-morgen
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Re: Die Bienen-Sauna - Ein Mittel gegen die Varroa-Milbe?

Beitrag von Imker2306 » 22 Dezember 2014 20:09

Hallo zusammen, gestattet das ich auch meinen Senf dazu gebe. Leider muß ich fruchtweinkeller recht geben, die Überzüchtung hat eine gute Aktie daran das unsere Bienen sich schlecht gegen die Varroa wehren können. Alle wollen nur noch Kuschelbienen die man in der Badehose bearbeiten kann, die viel Honig bringen und nicht schwärmen. Ich bin auch kein Freund davon und vermehre meine Bienenvölker am Stand mit den Drohnen die sich meine Königinnen aussuchen.
Eine Anmerkung noch zu der "Wärmebehandlung". Nicht die Bienen werden mit Wärme behandelt, sondern eine Wabe mit Drohnenbrut ist mit Heitzdrähten verbunden. Ist diese Brutwabe verdeckelt wird sie erhitzt und die brut stirbt ab. Die Bienen merken das und räumen die toten Larven aus. damit können sich die Milben nicht vermehren und werden dezimiert. Soweit die Theorie, in der Praxix hat sich das System nicht durchgesetzt.
Gruß Olaf

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Re: Die Bienen-Sauna - Ein Mittel gegen die Varroa-Milbe?

Beitrag von StSDijle » 25 Dezember 2014 09:28

Ah Imker2306, dann ist das ja mehr oder weniger unter der gleichen Annahme wie die Behandlung, die mein Großvater (wohlgemerkt unterstützend zur as) gemacht hat: Er hat im ganzen Stock getrockneten Wurmfarn verteilt. Die Damen haben dass dann gründlich ausgeräumt inklusive den ein oder ändern Parasiten. Er meinte immer das hilft, aber vergleichsstöcke hatte er nie ;)

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Re: Die Bienen-Sauna - Ein Mittel gegen die Varroa-Milbe?

Beitrag von Neugierer » 26 Dezember 2014 23:57

Hallo Olaf !

@ Fruchtweinkeller

Dein Link bezieht sich auf die Zukunft ...
Wenn Du die Gelegenheit hast mal im Lebendigen Bienenmuseum Knüllwald vorbeizuschauen,
dann empfehle ich Dir dort mal das Gespräch mit H.J.Flügel zu suchen.
Er ist u.a. mitverantworlich für die hessischen Roten Listen: Bienen (09/2009), Grabwespen (10/2011) und Faltenwespen (06/2013), und Mitglied der Bundesarbeitsgemeinschaft6 Hymenoptera. Da ich Ihn von einigen Veranstaltungen und Besuche mitlerweile persönliche kenne, halte ich Ihn für einen der Ansprechpartner zum Thema Insekten im deutschsprachigen Raum.

Alternativ kann ich Dir gerne auch den Kontakt zu Dr. Melanie von Orlow machen (hymenoptera.de), z.B. voraussichtlich auch persönlich am 17.Jan. in Berlin: Wir haben es satt (Demo)
Bild

Imker2306 hat geschrieben:Hallo zusammen, gestattet das ich auch meinen Senf dazu gebe. Leider muß ich fruchtweinkeller recht geben, die Überzüchtung hat eine gute Aktie daran das unsere Bienen sich schlecht gegen die Varroa wehren können.
....

Eine Anmerkung noch zu der "Wärmebehandlung". Nicht die Bienen werden mit Wärme behandelt, sondern eine Wabe mit Drohnenbrut ist mit Heitzdrähten verbunden.
....

Gruß Olaf
@ Olaf

1. Todschlagargument Überzüchtung
Das sich Sanftmut und Varroatoleranz nicht ausschließen, ist doch schon längst bewiesen:
lies doch hier z.B. mal:
Varroatoleranzzucht – nur auf breiter Front erfolgversprechend!
Wenn man die Presse in den letzten Jahren verfolgt, liest man oft von überzüchteten Tieren. Demnach würde der Mensch nach Leistungskriterien selektieren, die er vorgibt und damit Tiere nachziehen, die in der „freien Wildbahn“ keine Chance zum Überleben haben.
Vorwürfe, die man auch den Züchtern der Honigbiene macht.
......


2. Sorry, aber Wärmebehandlung ist nicht gleich MilbenZapper
Es gibt einen Unterschied zwischen den von Dir erwähnten System der beheizten Drohnenwabe (wird Deutschlandweit von einem größenen hessischen Imkereibedarf vertreiben)
und dem von Fruchtweinkeller oder mir besprochenen Systemen der Volkserwärmung in verschiedenen Ausprägungen, lies dazu doch bitte meine obigen Links zu
Biene Mensch Natur bzw. dem österreichischen System


Gruß
neugierer ....
.... mit Schadschwelle und Brutentnahme zur sanften Bienen mit tolerablen Varroa.
Gruß, Neugierer ...

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