De Whiskey und dem Eichenholz

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De Whiskey und dem Eichenholz

Beitrag von Igzorn » 31 Oktober 2017 00:14

Hier ein Erfahrungsbericht:

Ich habe vor einigen Wochen eine Whiskey Maische aus Maismehl und Malz gemacht. Was für eine Arbeit. 12 Liter und man schwitzt wie ein Stier. Ewiges Rühren in der Hitze, aber man muss es mal versuchen...


Naja, die 12 Liter habe ich aufgezuckert und in den Ballon.

Nach ein paar Wochen habe ich in meiner Alambique Mini Destillation mit 0,5l in vielen mühsamen Stunden den Ansatz erst grob gebrannt, dann fein. Hat ungefähr 12 Stunden gedauert. Wenn man den Whiskey Wash komplett auf 0,5l zusammen gedampft hat, dann kommt man mit einem weiteren Brenndurchgang aus.

Abtrennung und so weiter... Egal... Hab den Quark also eingelegt in Eichenholzchips - bestellt im Fluss.

Ergebnisse: es wird trüb!!! Kotz!
Entweder ich destielier es noch mal oder durch nen Kaffeefilter.

Meinungen?
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Re: De Whiskey und dem Eichenholz

Beitrag von Fruchtweinkeller » 31 Oktober 2017 16:23

Ist doch nur optisch? Ich würde es erstmal so lassen, vielleicht setzt sich ja noch etwas ab.
Hut ab dass du das mit dem kleinen Spielzeug durchziehst, ich hätte da keine Nerven für. ?-?
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Re: De Whiskey und dem Eichenholz

Beitrag von 420 » 31 Oktober 2017 18:04

Fruchtweinkeller hat geschrieben: Hut ab dass du das mit dem kleinen Spielzeug durchziehst, ich hätte da keine Nerven für. ?-?
Das wäre für mich auch nichts. Gefrierkonzentration dann schon eher.

Wie Fruchtweinkeller schon schrieb, hab Geduld. Rom ist auch nicht an einem Tag gebaut worden.

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Re: De Whiskey und dem Eichenholz

Beitrag von Moneysac » 31 Oktober 2017 18:53

bin auch kein Schnapskenner/trinker. Würde jetzt nicht so pauschal sagen das sich die Trübstoffe nicht auf den Geschmack auswirken. Bei Wein haben wir ja ein ähnliches Problem, wenn auch vermutlich gravierender. Würde erstmal abwarten ob sich die Trübstoffe nicht vielleicht absetzen, dann könntest du dekantieren. Falls sich nichts absetzt würde ich persönlich eher zum nochmaligen brennen tendieren, mag einfach keine Kaffeefilter :lol:

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Re: De Whiskey und dem Eichenholz

Beitrag von Igzorn » 31 Oktober 2017 22:29

Ich kann jetzt schon sagen, dass es sich gelohnt hat. Er schmeckt definitiv besser als 90% der von mir probierten Whisky. Das ausgerechnet die Chips einen fetten Minuspunkt liefern ärgert mich..nächstes mal wässere ich sie. War irgendwie dumm von mir. Bleibt natürlich die Frage des Entfernens.... Wenn ich doch den Kaffeefilter genommen habe, melde ich mich
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Re: De Whiskey und dem Eichenholz

Beitrag von Igzorn » 04 Mai 2018 09:00

Hier kommt das Update.

Ich habe in meiner Ungeduld den trüben Stoff doch einmal durch einen Kaffeefilter geschickt. Das hat nichts gebracht. Überhaupt nichts!

Das war noch im November. Mit einem Bekannten einen Schluck probiert und festgestellt, dass es nach Holz schmeckt. Einfach nur Holz. Als würde man an der Rinde nuckeln.

Aber nun kommt der positive Teil.
Die Trübstoffe haben sich gut abgesetzt. Kein festes Depot, aber Whisky trinkt man ja eh schluckweise.

Der Geschmack ist sehr viel runder geworden. Das Holzaroma ist komplett verschwunden und es dominiert eine "Whiskynote". Schwer zu beschreiben. Der Whiskey, den ich selbst getrunken habe, der am ehesten vergleichbar ist, das wäre Monkeyshoulder. Flach und etwas bissig. Mal sehen wie er sich noch entwickelt. Er "lagert" in einer halbvollen Glasflasche. Der Sauerstoff hat ihm gut getan.
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Re: De Whiskey und dem Eichenholz

Beitrag von Moneysac » 04 Mai 2018 10:20

könntest du mal genauer beschreiben, wie den Ansatz hergestellt hast? Das ist mir nämlich jetzt nicht so 100%ig klar geworden.

Insbesondere, wie viel Zucker du genommen hast, welche Hefe, Nachzuckermethode, wie lange Kochen, welche Temperaturen?

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Re: De Whiskey und dem Eichenholz

Beitrag von Igzorn » 04 Mai 2018 17:20

Ok, ich versuche es aus dem Kopf. Es war ja keine Anleitung, sondern nur das Auskotzen übers Holz. Also Maismehl aufkochen. Die genaue Menge spielt keine Rolle, da ich die Maische mit Zucker verstärkt habe, bzw. dann nachgezuckert habe, als die Gärung lief.

Nach dem ich das Maismehl im Wasserbad erhitzt habe, es klumpt wie irre und muss klumpenfrei sein. Also aufkochen, einführen, weiter rühren. Das dauert sehr lange.

20 Minuten später, das Mehl ist verrührt. Langsam abkühlen lassen und die Amylase einrühren. Die ist bis 70 oder 75 Grad Hitze stabil und aktiv.

Als Quelle für Amylase kannst Du Malz zum Backen nehmen. Achte auf aktives Malz oder wie das heisst. Enzymaktiv oder so steht da drauf.

Wenn Du genug davon hast, dann rührst Du es bei 70Grad, bei 50 Grad und bei 35 Grad ein, wenn nicht, dann lässt Du die Pampe abkühlen bis 30 Grad (dauert ewig) und startest dann ein erneutes Erhitzen.

1. Rast bei 35, dann bei 45, 55 und noch Mal bei 75 Grad. Ich habe es nicht mehr im Kopf, aber erinnere mich grob an diese Zahlen. Es gibt eigentlich nur drei Rasten. Musst Du googlen.

Je länger die Rast, desto besser die Ausbeute. Mindestens 5 Minuten, nach 20 Minuten passiert wohl nichts mehr.

Hintergrund ist, dass die Stärke aus dem Mais in Zucker umgewandelt wird. Bei jeder Rast wird ein immer kürzerer Zucker erstellt und erst bei den hohen Temperaturen ist der Zucker so kurz, dass die Hefe damit umgehen kann.

Die Pampe wird nach den ersten Gaben des Malz immer dünnflüssiger. Das merkt man wie verrückt. Ist selbst für den Hobbychemiker eine überraschende Reaktion. Oder nur für den?
Zum Schluss aufkochen! Das schützt vor Befall beim Abkühlen und deaktiviert die Amylase. Keine Ahnung, ob das wichtig ist.

Nach den ganzen Gerühre hast Du Dir ein Bier verdient.

Bei mir kam jetzt die Stelle, an der ich den Kochtopf abflexen musste. Das Wasserbad hat einen solchen Unterdruck aufgebaut, dass die Töpfe sich nicht mehr trennen ließen. Aber das ist optional.
Das Wasserbad ist nützlich, wenn Du noch was anderes machen möchtest, dann kann der Brei nicht anbrennen.

Jetzt ist Deine Maische abgekühlt auf Zimmertemperatur und Du kannst Hefe zugeben. Zwischenzeitlich hattest Durch genug Zeit für einen Gärstarter. Ich habe eine Sekthefe genommen.

Per Nachzuckermethode auf 8 - 10 Prozent bringen.

Das Ergebnis darf nun nicht destilliert werden, aber es gibt legale Minidestillen mit 0,5l Brennblase. Das dauert, aber ist so halblegal. Auf KEINEN Fall darfst Du Dir eine Größere bestellen. Das ist wirklich nicht legal und die Anbieter arbeiten mit dem deutschen Zoll zusammen. Du wirst Besuch bekommen. Lass es! Es sollte für mich nur ein Versuch der Machbarkeit sein. Da hab ich dann halt etwas Zeit investiert.

Meine Maische habe ich über die 0,5 l Brennblase sehr zeitaufwendig gebrannt. Die 700 ml Ergebnis (45%) habe ich in der Flasche mit wenigen Gramm Eichenchips aus der Bucht versetzt. Das war ein Fehler. Die enthaltenen Trübstoffe sind ausgespült worden. Der Klare würde trüb.

Besser wäre es gewesen, die Chips eine Woche in Rotwein zu lagern.

Ok, ich glaub, ich habe alles erzählt.
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Re: De Whiskey und dem Eichenholz

Beitrag von Fruchtweinkeller » 04 Mai 2018 20:32

Danke für die ausführliche Dokumentation. Klingt nach respektablem Aufwand.
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Re: De Whiskey und dem Eichenholz

Beitrag von Moneysac » 05 Mai 2018 23:02

danke für die Beschreibung :clap:

der Aufwand scheint echt enorm für die Ausbeute zu sein.

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Re: De Whiskey und dem Eichenholz

Beitrag von Martinve7 » 06 Mai 2018 11:34

Seit diesem Jahr sind 2l Kessel Volumen für nicht gewerblichen Zwecke erlaubt:

https://www.selber-schnaps-brennen.de/grundlagen/
Gruß
Martin

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Re: De Whiskey und dem Eichenholz

Beitrag von Moneysac » 06 Mai 2018 13:10

Ich wusste doch da war was :mrgreen:

Vielen Dank. Bei 2 Liter könnte man tatsächlich mal über einen Versuch nachdenken.

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