Erfahrung mit Säulenobst

Pflege und Anbau
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juno
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Erfahrung mit Säulenobst

Beitrag von juno » 19 Januar 2018 10:00

Hallo alle miteinander,

wir haben uns ein Grundstück mit Haus erworben, und haben neben der Einfahrt eine 30 m lange teilweise abgestorbene Tuhjahecke. Die wollen wir suksesive ersetzen. Zuerst dachten wir an Wildobst wir Korellen oder Felsenbirne, dann hat meine Frau die Idee gehabt Säulenobst.

Nun sehen die Bilder immer top aus und die Beschreibung ließt sich auch super, aber mal ehrlich, ertragsmäßig kommen die nicht an ein Hochstamm ran.
Deshalb wollte ich mal fragen, wer so etwas hat und wie die Erträge so sind. Wenn z.B. am Sauerkirschbaum ein 5 Litereimer raus kommt, würde das mir reichen. Bei Äpfeln und Birnen sollten es schon ca. 10 kg/ Baum sein, wenn dieser ausgewachsen ist.

Vielen Dank für die Antworten

juno
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Re: Erfahrung mit Säulenobst

Beitrag von Bahnwein » 19 Januar 2018 10:27

Mit Säulenobst habe ich keine Erfahrungen, aber eine mögliche Alternative wäre vielleicht auch Obst in Spalierform. Auch viele Beerenbüsche könnte man mehr Fächerartig ziehen. (nur so als Ideen)

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Re: Erfahrung mit Säulenobst

Beitrag von Igzorn » 19 Januar 2018 11:45

Ich habe mir ein paar Bilder angesehen und glaube nicht, dass es sich als Ersatz für eine Hecke eignet. Wenn Du es dicht an dicht pflanzt, dann ist da ja weniger Ertrag. Schlehe ist eine gute Heckenpflanze. :pfeif:
Ist das Trinkgefäß erst leer, macht es keine Freude mehr. ... Rechtschreibfehler kommen alle durch dem Handy...

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juno
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Re: Erfahrung mit Säulenobst

Beitrag von juno » 19 Januar 2018 18:43

Nun ja bei 60-80 cm Pflanzenabstand wird das schon ne Hecke. Ist ja auch Windschutz, und daneben ist gleich Feld, soll ja auch nicht rüber wachsen.

juno
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JasonOgg
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Re: Erfahrung mit Säulenobst

Beitrag von JasonOgg » 22 Januar 2018 12:32

Echtes Säulenobst gibt es bisher nur bei Äpfeln und frag mich nicht, wie diese Sorten schmecken. Bevor Du die das erste Mal schneidest mach dich bei einem Profi schlau. Ich habe da etwas in Erinnerung, dass falscher Schnitt den Säulencharakter ruinieren kann.

Hochstämme würde ich nur noch nehmen, wenn du eine Allee pflanzen willst und auch den Absctand zum Nachbarn hast. Nebenbei, Halbstämme sind im Prinzip nur weniger hoch entastete Hochstämme mit entsprechendem Höhen- und Breitenwachstum.
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Re: Erfahrung mit Säulenobst

Beitrag von juno » 23 Januar 2018 14:46

Ich wollte Euch nur mitteilen, daß wir, meine Frau und ich eine Entscheidung getroffen haben. Nach einem telephonat mit balkonobst.de sind wir nun fest entschlossen Säulenobst zu pflanzen, und zwar von balkonobst.de.
Verschiedene Baumschulen, Gärtnereien vertreiben zwar Säulenobst, können aber keine Aussagen zum Ertrag machen, anders als Balkonobst. Der nette Mann am anderen Ende der Leitung versichterte mir glaubhaft in spitzenjahren 20 kg / Baum zu ernten (Apfel & Birne), und das man nach 5 Jahren Standzeit 10-20 kg ernten könne, und die Bäume 20-35 Jahre alt werden können. Der Vorteil von Balkonobst ist auch der, daß sie alte Sorten als Säule anbieten. Sie bräuchten nur etwas mehr Schnitt. Kanst ja mal rein schauen. Die werden angeblich so am Bodensee als Ertragsbau gepflanzt.

Viele Grüße juno
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Re: Erfahrung mit Säulenobst

Beitrag von JasonOgg » 24 Januar 2018 08:48

juno hat geschrieben:
23 Januar 2018 14:46
... daß sie alte Sorten als Säule anbieten. Sie bräuchten nur etwas mehr Schnitt.
:lol: :lol: :lol:
Das glaube ich gerne.
Säulenobst als Trend der letzten Jahre hat längst Einzug in die Gärten gefunden. Säulenobst ist aufgrund seines aufrechten Wuchs mit wenig Seitenholz sehr beliebt. Die Früchte entwickeln sich beim Säulenobst direkt am Stamm. Es ist auch möglich Säulenobst in einem großen Kübel auf dem Balkon oder der Terasse zu halten. Säulenobst ist besonders beliebt wegen seiner äußerst schlanken Wuchsform und durch seine hohe Resistenz gegen Krankheiten und Witterungseinflüsse. Der Aufwand von Schnitt und Pflege ist bei Säulenobst sehr gering.
In den alten Sorten gibt es eben nicht die Anlage eine Säule zu bilden, also gehen die auch in die Breite, wachsen also wie ein klassischer Busch. So etwas kann man nicht über die Unterlage regeln. Um da eine Säule zu behalten ist schon ein seh professioneller Schnitt notwendig, damit man überhaupt Fruchtholz und die versprochenen 20kg bekommt.

Der Trend sorgt halt dafür, dass möglichst viel als Säule verkauft wird, die Entwicklung ist aber noch sehr jung und von den ersten Generationen wurde abgeraten, weil eben der Säulencharakter durch falschen Schnitt verloren gehen kann. Erst relativ junge Sorten werden wirklich den Ansprüchen gerecht. Daher enthält auch diese Liste Sorten, die nicht 100% das sind, was man von einer Säule erwartet.

Mein Wissen habe ich übrigens aus einer Fachberater-Ausbildung, Referent war ein studierter Profi, der sein Geld mit veredelten Bäumen - speziell als Container-Ware - verdient.

Was den Ertragsanbau angeht werden dort schwachwüchsige Unterlagen verwendet. Die Bäume sollen möglichst früh tragen, ohne Leiter beerntet werden, am besten maschinell beschneidbar und werden nach spätestens 15 Jahren gerodet. Das ist dann aber nicht das, was man unter "Säule" versteht. Schau dir die Plantagen an, meisten sind die am Spalier, damit sie nicht umkippen. Das bekommt man mit alten Sorten nur schwer hin, daher war seine Prognose, dass alte Sorten wie z.B. Boskoop langsam aber sicher als Verkaufsapfel verschwinden werden, bis auf kleine Liebhaber-Anbauer oder Streuobstwiesenbesitzer. Als Privatmensch kannst Du natürlich mehr Zeit und Liebe in die Pflanzen stecken.

So, jetzt schaue ich mal auf Balkonobst und siehe da, sie schreiben das auch:
Balkonobst hat geschrieben:Bei Säulenobstsorten wird unterschieden, ob die Form genetisch oder kulturtechnisch bedingt ist. Bei der genetisch bedingten Säulenform liegt die Form in dem Genmaterial der Pflanze. Dies bedeutet sie sind kleinwüchsig mit 2 bis 3 Metern und bereiten sehr wenig Schnittaufwand. Die Apfelsorten Rondo, Arbat, Red River und Golden Gate gehören zu diesen Sorten.
Noch ein paar Stichworte von dort:
Balkonobst hat geschrieben: ... frühe Schnittmaßnahmen zur Formierung (ähnlich der Buchsbaumformen)...
... Es ist demnach mehr ein Senkrecht Spalier ...
... Der Rückschnitt am Leittrieb sollte ein bis zweimal im Jahr erfolgen ...
Also nehmen die auch nur schwachwüchsige Unterlagen und schneiden den Busch so, dass er wie eine Säule aussieht. Was passiert aber, wenn man einem Baum ständig den Leitast wegnimmt? Er versucht einen neuen zu bilden, entweder aus dem alten Stummel oder einem Seitentrieb, denn er will seinem Charakter nach wachsen. Je mehr man abschneidet, desto mehr wird er versuchen nachzutreiben, so weit es die Wurzel/Unterlage zuläßt (naja, im Kübel nicht viel). Nebenbei gerät er in Überlebenspanik und versucht, wenn er schon nicht richtig wachsen darf, wenigsten die Vermehrung über Früchte sicherzustellen (eines der Ziele des Obstbaumschnitts), tja man darf halt nur nicht die Äste abschneiden, die das Fruchtholz bilden, wenn man die Säule formt.

Also wenn eine Säule, dann eine die die genetische Veranlagung hat und da wird die Auswahl eher klein.
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Re: Erfahrung mit Säulenobst

Beitrag von Fruchtweinkeller » 24 Januar 2018 21:14

Ihhhhh, die spielen also mit Genmaterial herum :shock: Na, hoffentlich ist das auch gekennzeichnet :mrgreen:
90% of everything is crap... Except crap. 100% of crap is crap.
(Too much coffee man)

Sorry, aber ich antworte nicht auf PMs, die inhaltlich ins Forum gehören!

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Re: Erfahrung mit Säulenobst

Beitrag von JasonOgg » 25 Januar 2018 07:06

:lol:
Meines Wissens wird klassisch, vielleicht maximal mit Smart-Breading gearbeitet. Daher wird es auch nie eine echte Boskoop-Säule geben, da er sich als triploide Sorte nicht wirklich für generative Vermehrung eignet. Ebenso wenig eignet er sich daher als Befruchtersorte, man braucht mindestens eine weitere Sorte für Pollen und wenn man diese ernten will noch einen dritten Baum.
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