Geschenke von den Nachbarn

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Vine
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Geschenke von den Nachbarn

Beitrag von Vine » 30 September 2014 13:33

Nun habe ich wieder Obst geschenkt bekommen. Diesmal Weintrauben:

Bild

Was mach ich denn nu damit? Kann man solche Trauben überhaupt verweinen? Und was macht den Unterschied zwischen so normalo Trauben, Tafeltrauben und Keltertrauben?
Oma hat auch noch Tafeltrauben an der Südseite ihres Hauses hängen ...
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Re: Geschenke von den Nachbarn

Beitrag von Kirschwein » 30 September 2014 15:14

Hallo,

sehen doch gut aus, die Trauben! :)

Der für die Weinherstellung wichtigste Unterschied zwischen Tafel- und Keltertrauben ist der Säuregehalt. Tafeltrauben sind auf einen eher nicht ganz so hohen Säuregehalt hin gezüchtet im Gegensatz zu Keltertrauben. Deshalb kann ein Wein aus voll ausgereiften Tafeltrauben mitunter etwas fad schmecken. Und dann gibts bei den Keltertrauben noch ein paar physiologische Unterschiede, die aber in letzter Konsequenz nicht bedeuten dass man aus Tafeltrauben keinen Wein machen kann.

Titrier doch mal den Säuregehalt bei deinen Trauben, dann wirst du sehen...

Aus dem einen Eimer Trauben da auf dem Bild wirst du allerdings keine großen Mengen Wein herstellen können; ich tippe mal so auf knapp über 2,5 bis 4 Liter.

Alternative zur Weinherstellung: Weintrauben-Marmelade!! :P Kann sehr lecker sein, hab ich mit unseren weißen Trauben auch schon ab und zu gemacht. Und zwar kein Gelee aus dem Saft, sondern die ganze Frucht (aber dabei zusehen dass du die Kerne alle abschöpfst, die stören sonst nachher wenn du die Marmelade im Glas hast).
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Re: Geschenke von den Nachbarn

Beitrag von Fruchtweinkeller » 30 September 2014 17:09

Alles in einen Topf und sehen was dabei herauskommt 8-)

(aber am Besten ohne Katze, ich meine Trauben unterschiedlichster Herkunft))
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Re: Geschenke von den Nachbarn

Beitrag von Vine » 30 September 2014 19:21

@Kirschwein Danke für die Erklärungen. Dachte ichs mir doch, dass der Fachmann da aus Rheinland-Pfalz der Omma Unfug erzählt hat, von wegen aus diesen Trauben könne man keinen Wein machen, weil die zu wenig Tannin enthielten :roll: Nu bin ich aber grad voll belegt.. Feigenwein, Weißdorn und Quitte wollen angesetzt werden. Das wird wieder ne lange Nacht. Traubengelee mache ich übrigens sonst immer aus den Trauben :) Mal sehen ...
Fruchtweinkeller hat geschrieben: (aber am Besten ohne Katze, ich meine Trauben unterschiedlichster Herkunft))
Habs schon verstanden. Wobei .. das ist die Katze, die das Vinometer auf dem Gewissen hat.
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Re: Geschenke von den Nachbarn

Beitrag von Vine » 01 Oktober 2014 14:57

@Kirschwein Du hattest recht, was die Ausbeute anbelangt. Gerademal gut drei Liter. Ich habs pasteurisiert und als Traubensaft in Flaschen gefüllt.
Mal sehen, was Oma an Mengen hat. Wenn ich noch für 5 Liter zusammenbekomme, versuche ich mich vielleicht mal.
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Re: Geschenke von den Nachbarn

Beitrag von Kirschwein » 02 Oktober 2014 14:15

Vine hat geschrieben:Dachte ichs mir doch, dass der Fachmann da aus Rheinland-Pfalz der Omma Unfug erzählt hat, von wegen aus diesen Trauben könne man keinen Wein machen, weil die zu wenig Tannin enthielten
Zumal das auf dem Bild in dem Eimer ja grüne Trauben sind. Ergo kann man daraus eigentlich sowieso nur Weißwein herstellen, also einen "blanc de blancs". Und Weißwein enthält ohnehin keine/kaum Tannine. Eben weil's für gewöhnlich eine reine Saftgärung ist und man die Trauben vor der Gärung abpresst und die Gerbstoffe fast ausschließlich in den Beerenhäuten sitzen. Das einzige Problem könnte halt wie gesagt sein dass deine grünen Tafeltrauben nicht genug Säure mitbringen. Gerade Weißwein ist ja meist eher "spritzig" mit Säuregehalten zwischen 7 und 8 g/l.

Ach ja, und auch Tafeltrauben enthalten durchaus einiges an Tannin. Musst du mal ausprobieren wenn du das nächste Mal welche isst. Je länger du einzelne Beeren zerkaust, desto mehr wirst du einen deutlichen Tanningeschmack im Mund haben. Man merkt dies nur nicht auf Anhieb so, weil eben Tafeltrauben auf einen geringen Säuregehalt gezüchtet werden.
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Re: Geschenke von den Nachbarn

Beitrag von Vine » 03 Oktober 2014 09:31

Kirschwein hat geschrieben: Zumal das auf dem Bild in dem Eimer ja grüne Trauben sind. Ergo kann man daraus eigentlich sowieso nur Weißwein herstellen, also einen "blanc de blancs". Und Weißwein enthält ohnehin keine/kaum Tannine. Eben weil's für gewöhnlich eine reine Saftgärung ist und man die Trauben vor der Gärung abpresst und die Gerbstoffe fast ausschließlich in den Beerenhäuten sitzen. Das einzige Problem könnte halt wie gesagt sein dass deine grünen Tafeltrauben nicht genug Säure mitbringen. Gerade Weißwein ist ja meist eher "spritzig" mit Säuregehalten zwischen 7 und 8 g/l.
Tjaja... aber Omma neigt zum Frömmeln. Und sie schenkt immer den Falschen Glauben. Wenn da einer aus Rheinland-Pfalz(!!) daher kommt, dann muss der ja Bescheid wissen! :roll:
Säure einstellen is ja nun kein Problem. Aber wegen zwei, drei Liter wird sich das eh nicht lohnen. Ich sollte die versaften und ihr zwei Liter von meinem Fiano di Avellino DOCG 2012 abfüllen und ihr als ihren Hauswein präsentieren Bild
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Re: Geschenke von den Nachbarn

Beitrag von Kirschwein » 03 Oktober 2014 12:21

Sag das nicht, dass sich das nicht lohnt... irgendwer hier in diesem Forum hat mal vor ein paar Jahren nur ein paarhundert Milliliter Traubenwein in einem kleinen Erlenmeyer-Kolben vergoren... :lol:

Aber es stimmt schon, unterhalb einer bestimmten Menge lohnt sich ganz einfach der Aufwand nicht. Ich mache manchmal "Experimente" mit den beiden 5-Liter-Ballons die ich habe, aber bei denen steht dann auch der "Erkenntnisgewinn" im Vordergrund, und nicht so sehr die Absicht nennenswerte Mengen Wein zu produzieren. :)
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Re: Geschenke von den Nachbarn

Beitrag von fibroin » 03 Oktober 2014 14:35

Du kannst aus so einer geringen Menge Trauben Federweissen machen. Auspressen, angären und weg isser.
Da spielt die Säure eine untergeordnete Rolle.
Wenn du dich wohlfühlst, mache dir keine Sorgen. Das geht wieder vorbei.

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Re: Geschenke von den Nachbarn

Beitrag von Vine » 08 Oktober 2014 00:18

Na gut. Heute ist ein Eimer mit Trauben von Oma gekommen und ich werde einen Kleinansatz machen. Die Trauben sind schon verlesen und stehen jetzt zerstampft unter Antigel und einer winzigen Menge Schwefel. Morgen früh wird abgepresst und dann entschleimt. 3 Flaschen Hauswein werden schon dabei herauskommen und dann habe ich mich wenigstens mal an Traubenwein versucht :)
Die Säure kann ich momentan allerdings nicht bestimmen/einstellen, weil der Heidelbeerwein meinen Rest Blaulauge gefressen hat. Ich hoffe, dass das noch zwei Tage warten kann, bis ich wieder blau-flüssig bin.
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Re: Geschenke von den Nachbarn

Beitrag von Vine » 08 Oktober 2014 00:32

Gleich noch zwei Fragen. Ich erwarte aufgrund der Tafeltrauben eher eine etwas zu niedrige Säure. Ist die Säurezugabe von Milchsäure als Säurungsmittel hier vorteilhafter als Mixacid? Ich nutze sonst meist Letzteres. Und wieviel g Säure/l sind am vorteilhaftesten?
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Re: Geschenke von den Nachbarn

Beitrag von fibroin » 08 Oktober 2014 08:10

Mache die Säure nicht zu hoch, bis 7 g/l reichen. Mir jedenfalls.
Welche Säure du dazu gibtst, ist ziemlich egal. Nimm Zitronensäure, professionell darf keine Milchsäure gebraucht werden. Wegen dem Gesetz. ;)
Nicht, dass du noch ins Gefängnis gesteckt wirst...
Wenn du dich wohlfühlst, mache dir keine Sorgen. Das geht wieder vorbei.

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