Stiefels Reben

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stiefel
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Stiefels Reben

Beitrag von stiefel » 22 Oktober 2009 21:56

Hallo,

nachdem ihr mir spontan so viele Tipps zu meinen kranken Trauben gegeben habe möchte ich hier auch kurz meinen kleinen "Weinberg" vorstellen.

Wir haben hinter unserem (Miets-)Haus in Bensheim-Gronau einen kleinen West-Hang mit 13 Reihen Riesling auf der obersten Terasse. Oberhalb unseres Gartens bauen dann die professionellen Winzer an :)

Weinberg:


Die Reben sind sehr alt und haben wohl mal dem Gastwirt gegenüber gehört. Der Garten war dann verwildert und die Reben wurden dann vor 10 Jahren von dem Vor-Hausbesitzer beim entwildern des Gartens gefunden und zurückgeschnitten. Wir haben vor drei Jahren das Haus angemietet und haben gerade die dritte Lese abgeschlossen.

Trauben:
Die Reben stehen sehr weit auseinander (mid. doppelter Abstand zu den Feldern über uns) und dürfen dafür etwas weiter wachsen. Wir beschneiden jeden Rebstock im März auf 6*8 Augen.

In unserem Weinberg ist immer sehr früh Herbst - während die Felder oberhalb noch im grün im Saft stehen fallen bei unseren Trauben schon die braunen Blätter. Zusätzlich trägt die linke Häfte der Rebene sehr fett, dir rechte Seite sehr mager.

Mehr Trauben:


Zusätzlich haben wir große Probleme mit der Aufzucht neuer Reben. Jedes Jahr stirbt etwa eine der alten original Rebene. Dazu aber später mehr.

Trotz der kranken Reben und meinen Befürchtungen hatten wir dieses Jahr (für unsere Maßstäbe) eine Rekordernte: 133kg Trauben wurden zu 90kg Most bei 75 Öchsle.

Der Most blubbert jetzt, gut behütet von der Heizdecke meiner Frau, auf unserem Hausflur vor sich hin.

Viele Grüße,
Stiefel

[Dieser Beitrag wurde am 22.10.2009 - 22:02 von stiefel aktualisiert]

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felix
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Beitrag von felix » 22 Oktober 2009 22:17

Sehr hübsch! Da könnte man fast neidisch werden. Zumal ich jedes Jahr wieder gerne bei schönem Herbstsonnenschein durch die Weinberge bei Bensheim oder Heppenheim spaziere. Eine tolle Gegend, und von mir gut zu erreichen ;)

Gruß,
Christian

O Alkohol, o Alkohol,
dass Du mein Feind bist, weiß ich wohl!
Doch in der Bibel steht geschrieben,
auch Deine Feinde sollst Du lieben.

(gelesen auf einem Schild in einem Weinberg zwischen Laudenbach und Heppenheim an der Hessischen Bergstraße - Autor mir unbekannt)



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fibroin
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Beitrag von fibroin » 22 Oktober 2009 22:17

Das ist ja ein Gedicht, in einem Weinbaugebiet Trauben selbst zu ziehen. Mit deiner geerneten Menge ist ja der Jahresbedarf gedeckt.

Nicht umsonst werden hier Fruchtweine bespochen, denn nicht überall wachsen die Reben so ertragreich. 8-)
Wenn du dich wohlfühlst, mache dir keine Sorgen. Das geht wieder vorbei.

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derapulier
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Beitrag von derapulier » 23 Oktober 2009 09:34

Hallo Stiefel,

echt toll dein Weinberg.

Zu deinem Problem mit den kranken Reben.
Auch ich hatte Anfangs Probleme mit kranken und absterbenden Reben.Das Problem war ganz schlicht und einfach Überbehang.Wie ich sehe hast du eine Vollbegrünung in deinem Weinberg.Du musst bedenken, dass die geschlossene Mulchrasenfläche eine ordentliche Wasser- und Nährstoffkonkurrenz für deine Reben sind.Ich weiss nicht ob ich es richtig verstehe: 6*8 sind 6 Strecker mit 8 Augen??
Wären 48 Augen, der Anschnitt ist schon gewaltig,soviel warens bei mir auch anfangs als ich den Wein vom Vorbesitzer übernommen habe.Sinnvolles Anschnittniveau wäre 4-12 Augen/m2 Standfläche.Ich hab jetzt im Moment 5-6 Zapfen * 2 Augen + die Achselaugen, wobei ein Teil, der nicht zum Stockaufbau benötigt wird, im Juni ausgebrochen wird.Bin mal auf deine Antwort gespannt, obs ich richtig verstanden habe.

Gruss derapulier
Sorten:Montepulciano,Malvasia Nera,Primitivo,Moscato Rosso,Trebbiano,Moscato Bianco

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Tompson
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Beitrag von Tompson » 23 Oktober 2009 11:19

Ja, ich hatte vorhin auch schon mal geguckt und werde aus den Bildern nicht recht schlau, was das für eine Erziehungsform ist. Sieht leider für mich ein bißchen aus wie ein "Gewurschtel" aus Halbbogenerziehung und kurzen Kordonen. Damit will ich Dir nicht zu nahe treten, vor 3 Jahren habe ich davon ja auch noch gar nichts verstanden :P

Buchtip: Weinbau Taschenbuch aus dem Fachverlag Fraund
Oak ne jechn!

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Beitrag von Traubenstolz » 23 Oktober 2009 13:36

Hallo Stiefel,

ja Dein Weinberg gefällt mir auch. Ich kann zu Dir aus Rheinhessen rüberschauen. Aber mit dem Schnitt gibt es noch Verbesserungsmöglichkeiten. Man lässt in der Regel einen Trieb stehen und schneidet ihn auf 8 - 10 Augen. Einen weiter untenstehenden Zapfen kann man auch noch stehen lassen um den Stock im folgenden Jahr auf diesen zurückzuschneiden.

Wenn ich Deine Stöcke so anschaue, meine ich nicht, dass sie so alt sind. Was meinst Du mit der Aufzucht von neuen Reben. Ich würde lieber zu einem Rebzüchter gehen, dort kosten die auf die amerikanischen Unterlagen gepfropften Reben 1,30 -1,50 €. Die wachsen meist gut an und nach 2 - 3 Jahren hast Du die erste Ernte.

Grüße
Traubenstolz

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Beitrag von derapulier » 23 Oktober 2009 16:40

@Traubenstolz (wollte schon wieder rosenstolz schreiben:wideeyed :)

Ganz so pauschalisieren darfst du den Rebschnitt nicht.Wie aus den Bildern ersichtlich dürfte der Standraum mehr als 3-4 M2 pro Stock sein und daraus ersichtlich kann und musss der Anschnitt grösser sein, denn sonst kann ein zu mastiges Wachstum entstehen.Bei dem grossen Abstand der Reben wären m.M. nach 2 Flachbogen ideal um den Raum auszunützen mit der entstprechenden Zahl an Augen.

gruss derapulier
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Beitrag von Ellute » 23 Oktober 2009 17:30

stiefel hat geschrieben: Hallo,

nachdem ihr mir spontan so viele Tipps zu meinen kranken Trauben gegeben habe möchte ich hier auch kurz meinen kleinen "Weinberg" vorstellen.

Wir haben hinter unserem (Miets-)Haus in Bensheim-Gronau einen kleinen West-Hang mit 13 Reihen Riesling auf der obersten Terasse. Oberhalb unseres Gartens bauen dann die professionellen Winzer an :)


Viele Grüße,
Stiefel


Wo es doch so einfach ist, sich an den professionellen Winzern zu orientieren.

[Dieser Beitrag wurde am 25.10.2009 - 11:18 von Ellute aktualisiert]

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Beitrag von Traubenstolz » 23 Oktober 2009 17:44

@ derapulier

Ja, ich bin von einem normalen Pflanzabstand ausgegangen. Hier würde sich auch evtl. eine Kordonerziehung anbieten.

Gruß Traubenstolz

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stiefel
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Beitrag von stiefel » 23 Oktober 2009 22:45

@derapulier

Wir erziehen nach der Anleitung in Helmut Snoek: "Das Buch vom biologischen Weinbau"

Jede Pflanze hat 2,50 zur nächsten Pflanze, die Reihen stehen auch 2,50 auseinander. Jede Pflanze hat also 6 m^2 - nach deiner Formel kommen wir dann auch auf die 6*8 Augen. :schlecht:

Jeder Weinstock ist 1,25m nach rechts und links verzweigt. Auf jedem Zweig stehen dann 3 Zapfen in 50 cm Abstand mit jeweils einem 8-Augen Halbbogen und zwei Augen Ersatzholz.

So weit zur Theorie - praktisch ist dieser Schnitt schwierig sauber umzusetzen - insbesondere weil die Pflanzen sehr unterschiedlich entwickelt sind - somit sieht alles etwas aus wir "Gewurschtelt" :)


@traubenstolz

Für die neuen Reben nehmen wir Riesling auf amerikanischer Unterlage (Antes, Heppenheim).

Die Reben müssten eigentlich alt sein, da nach meiner Info seit > 12 Jahren keine ordentliche Nachzucht gelungen ist. Auf der mageren Seite stehen aber wirklich viele dünne Reben.

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stiefel
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Beitrag von stiefel » 23 Oktober 2009 22:57

@derapulier

Aber vielleicht hast du recht mit der geschlossenen Grasnarbe - den ersten Sommer hatte ich die jungen Reben jeden Tag gewässert und sie wuchsen gut.
Im zweiten Jahr habe ich nicht mehr gegossen (Kinder ihr seid jetzt alt genug) und sie haben sich kaum weiter entwickelt ...

Ich wüsste aber nicht wie ich den Hang umpflügen sollte :) Vielleicht sollte ich einfach die Baumscheiben vergrößern?


Weitere Frage: Was und wieviel düngt ihr denn so?

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Beitrag von Traubenstolz » 24 Oktober 2009 12:56

Hallo,

dass die Grasnarbe Niederschlagswasser verbraucht ist schon richtig. Aber die Reben treiben ihre Wurzeln in große Tiefen und können Trockenzeiten gut überstehen. Ich habe meine Reben auch im Gras stehen, decke aber den Pflanzstreifen mit dem Schnittgut ab, so dass der Boden um die Reben nicht so sehr austrocknet. Wir in Rheinhessen habe ja auch extrem trockene Sommer. Gießt man Reben, haben sie nicht die Neigung ihre Wurzeln in größere Tiefen zu treiben. Aber Geduld, sie werden schon noch wachsen.

Für die Düngung nehme ich nur organische Düngemittel wie Hornspähne, Oscorna Universaldünger und eben mittels der Mulchdecke. Die organischen Dünger bringe ich schon im zeitigen Frühjahr aus.

Habt ihr an den Odenwaldhängen tiefgründigen Boden oder kommt da bald der Fels?

Grüße Traubenstolz

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