Rebenkrankheit

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fibroin
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Beitrag von fibroin » 17 August 2005 19:58

Da hier im Forum inzwischen sich so gute Rebenkenner sind, traue ich mich, miene Hausrebe vorzustellen, die regelmäßig im August veränderte Blätter bekommt. Diese Rebe steht mit zwei weiteren der gleichen Sorte in einer kleinen Hecke und nur diese bekommt diese Blätter. Das schon im 3. Jahr. Wer kann da Tipps geben?

Wenn du dich wohlfühlst, mache dir keine Sorgen. Das geht wieder vorbei.

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Birgit
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Beitrag von Birgit » 17 August 2005 20:18

Für mich sieht das aus wie Kalkchlorose, oder Verdichtungschlorose.

Schau mal hier:

Verdichtungschlorose

Bin aber kein Fachmensch für Reben.

Gruß Birgit
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Tompson
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Beitrag von Tompson » 18 August 2005 07:12

Liest sich interessant...
Meine Rebe hat im unteren Bereich gelbe Blätter bekommen. Ich dachte mir, das wär normal...
Oak ne jechn!

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Dreizehn
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Beitrag von Dreizehn » 20 August 2005 14:45

Ja, das könnten Zeichen von Chlorose sein (wie der Boden ist, weiß allerdings nur der jeweilige Pflanzer). Obwohl - die Verfärbungen der Flächen zwischen den grünen Blattadern (Interkostalfelder)könnten nach meiner Meinung eher auf Magnesiummangel im Boden oder auf ein Ungleichgewicht zwischen Kalium und Magnesium beruhen (sollte etwa 2 : 1 betragen).

Auch können Rebzikaden ähnliche Schadbilder verursachen.

Und um den Bock richtig fett zu machen (das folgende ist aber die wahrscheinlichste Ursache): Manche Rebsorten neigen in den ersten Jahren, wenn das Wurzelsystem noch nicht optimal ausgebildet ist (und deshalb nicht ausreichend Magnesium aus dem Boden aufnehmen kann), ebenfalls zu solchen Symptomen. Sie werden sich aber mit der Zeit "auswachsen". Man könnte dagegen mit in Wasser gelöstem Bittersalz (2-3%) spritzen, würde ich aber jetzt Mitte August nicht mehr machen (beeinflusst evtl. den Geschmack).

Zur Anhebung des Mg-Gehaltes des Bodens streut man Kieserit.

Aber man kann die Sache ganz gelassen sehen: da diese Verfärbungen vorwiegend die älteren Blätter betrifft, die in dieser Zeit sowieso nur noch wenig zur Assimilation beitragen, sollte man sie ausbrechen, vor allem, wenn sie sich in der Traubenzone befinden. Besonnte Trauben liefern höhere Zuckergrade und vollere Aromen, die bessere "Luftigkeit" des Blattwerks beugt Pilzerkrankungen und Fäulnis vor.

Also, no panic, meine Reben (ab 2001 neu gepflanzt) verhalten sich ähnlich, obwohl das K2O/Mg-Verhältnis ok ist.

Grüße, Dreizehn


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Beitrag von fibroin » 20 August 2005 17:30

Danke für die Tipps. Ich werde das auch gelassen sehen, da ich doch nicht viel machen kann. Ich habe jede Menge Schafsmist zur Verfügung, den könnte ich im Herbst in das Rebenbeet einarbeiten. Immerhin haben die Schafe auch etwas Verbiss an meinen Blättern hinterlassen. Wo ich Kieserit bekomme, muß ich erst erforschen. Ist das ein typischer Weindünger?

Ich habe die Übeltäter mit Kresse zum Fototermin gelockt. Irgendwann hat ein Schaf über dem Zaun eine kahle Stelle gefressen.

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Tom
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Beitrag von Tom » 20 August 2005 20:22

hallo fibroin !

stimme da der "dreizehn" zu und tippe auch auf magnesium mangel. dieses jahr solltest du aber wie schon erwähnt nichts mehr unternehmen.

im buch wird eine herbstdüngung mit magnesium empfohlen. bei reinnährstoff = 600 -1000 g/100m2.

wie du nun auch vorgehst mit deinen düngungen, ich möchte dir auf jedenfall dazu raten ein düngebuch anzulegen in dem du eintragen kannst mit was und wie viel du gedüngt hast. das geht auch per pc.

mfg

Tom

[Dieser Beitrag wurde am 20.08.2005 - 20:23 von Tom aktualisiert]

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Beitrag von Dreizehn » 21 August 2005 20:43

Hallo fibroin,

Schafsmist sollte man im Herbst oder Winter flach einarbeiten, in mäßiger Menge, damit die zunehmende Wüchsichkeit die Rebe nicht "verweichlicht" und sie damit krankheitsanfälliger macht. Bei dir sieht doch auch so alles sehr wüchsig aus!

Kieserit ist schon ein typischer Rebendünger, ich habe aber auch welchen vor Jahren bei der hiesigen Raiffeisengenossenschaft gesehen. Sicher haben auch andere Lieferanten von landwirtschaftlichem Dünger Kieserit am Lager. An deiner Stelle würde ich aber keinesfalls einfach auf Verdacht Magnesiumdünger geben. Das macht nur Sinn, wenn man eine Bodenuntersuchung vornehmen lässt, die Mg-Mangel anzeigt. Ob dir das wichtig ist, must du selbst entscheiden Ich habe das für meinen Garten mal 1992 machen lassen und für die Untersuchung von 2 Bodenproben DM 51,- zahlen müssen (nur zur groben Preisorientierung).

Und bedenke mal: auf den traditionellen Weinbergsflächen stehen oft schon seit vielen Jahrzehnten oder sogar Jahrhunderten Reben, oft auf steinigen und nicht besonders wüchsigen Böden. Gerade diese "armen Böden" zwingen die Reben, umfangreiche Wurzelwerke auszubilden. Dadurch, und durch den geringeren Ertrag, entstehen hier oft die aromatischten Weine. Turbogedüngte Reben bringen das nicht. Trotzdem, hier müssen natürlich die durch das Wachstum entzogenen Nähr- und Mineralstoffe, vor allem auch Humus, ersetzt werden, sonst würden die Böden auslaugen.

Unsere Gärten haben aber meist eine bessere Bodenqualität, als sie von den Reben benötigt wird. Meine Reben bekommen z.B. seit mehr als 10 Jahren nur den gehäckselten Rebholz- und Strauchschnitt, lose auf den Boden unter den Reben und um die Stämme verteilt, im Sommer den Grünschnitt und was sonst noch so an Kleinigkeiten im Garten anfällt, im Winter streue ich noch Kalk - das war's. Das verrottet langsam, hält die Bereiche ziemlich unkrautfrei und erfreut die Regenwürmer. Also, wenn ich dir einen Rat geben darf: lass diene Reben wachsen, im nächsten Frühjahr richtig schneiden, die neuen Triebe gut aufbinden, das Laubwerk nicht zu dicht werden lassen, und sie werden gut.

Grüße, Dreizehn

Ich habe seit ein paar Tagen das Problem, dass die Amseln die Regent-Trauben abfressen. Morgen werde ich eine Rolle Netz bestellen und die Reihen abbinden. Übrigens, hilf doch mal bitte dem wahrscheinlich Ältesten in diesem Kreis, wie man ein Bild hier hereinstellen kann. Ich könnte dann mal zeigen, wie's zur Zeit bei mir aussieht.

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Beitrag von Birgit » 21 August 2005 21:16

Hallo Dreizehn,

für das Bild reinstellen schalte ich mich mal ein. Du hast 2 Möglichkeiten.
Die Erste: Wenn Du eigenen Webspace hast, legst Du das Bild dort ab und verlinkst das Bild.
Die Zweite: Du schickst das Bild dem Andreas (Fruchtweinkeller). Er stellt es ins Web und verlinkt es hier im Forum. Die Email-Adresse vom Andreas findest Du auf der Homepage.

Gruß Birgit

[Dieser Beitrag wurde am 21.08.2005 - 21:17 von Birgit aktualisiert]
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Beitrag von Dreizehn » 21 August 2005 22:26

Danke, Birgit,

alles klar. Mach ich, muss nur erst noch die Fotos schießen.

Grüße, Dreizehn

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Beitrag von Fruchtweinkeller » 23 August 2005 21:32

mit kleiner Verspätung hier die sehr beeindruckenden Bilder von Dreizehn:

Weingarten:


Solaris:


Regent:
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(Too much coffee man)

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Beitrag von fibroin » 23 August 2005 21:37

Alle Achtung Dreizehn! 8-)

na, da muß ich passen, das geht schon wegen unseres Klimas nicht. Aber es macht Spaß die Bilder anzusehen.

Sag mal, wo wohnst du denn, wo solche Gärten möglich sind?
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Beitrag von Birgit » 23 August 2005 21:59

Wau Klasse, toller Garten :shock:

Gruß Birgit
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