Ertragsreduzierung aber wann?

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Traubenstolz
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Ertragsreduzierung aber wann?

Beitrag von Traubenstolz » 18 Oktober 2010 11:58

Hallo,

vor 2 Wochen habe ich einen Weinbergsrundgang mit einem Winzer gemacht um verschiedene Rebsorten vor Ort zu probieren. Weil auch viele Trauben auf dem Boden lagen haben wir auch über die Ertragsreduzierung gesprochen. Er meinte, der beste Zeitpunkt für die Ertragsreduzierung sei etwa 4 - 6 Wochen vor der Ernte, so würde der Weinstock alles in die verbliebenen Trauben stecken.

Ich habe bisher schon viel früher die Trauben ausgeschnitten. Wann macht Ihr das? Wer hat schon Erfahrungen mit Ertragsreduzierung gemacht? Welchen Zeitpunkt haltet Ihr für den richtigen? Wieviele Trauben pro Stock lasst Ihr hängen?

Grüße Traubenstolz

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Dreizehn
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Ertragsreduzierung aber wann?

Beitrag von Dreizehn » 18 Oktober 2010 15:12

4–6 Wochen vor der Lese scheint allgemeiner Standard zu sein und ist wohl auch richtig.

Während der Sorten- und Klonentage beim WBI Freiburg wurde gesagt, dass Ausschneiden zur Qualitätserhöhung bis 14 Tage vor der Lese noch Sinn machen würde. Zu frühe Reduzierung ist nicht optimal. Wenn ich mich recht erinnere, sollen die Reifevorgänge durch hormonelle Prozesse in den Kernen gesteuert werden. Und wenn man die Stöcke zu früh „entkernt“, indem man eben zu früh Trauben ausschneidet, meint der Stock, dass er seine Traubenernährungspower entsprechend zurückfahren kann (falls er überhaupt eine Meinung haben sollte) oder so ähnlich ...

Vielleicht weiß das jemand präziser und kann das hier mal posten.

Bei blauen Trauben kann man natürlich einfacher an der Färbung bzw. noch vorhandenen grünen Beeren erkennen, was nicht richtig „gar“ werden wird und dementsprechend schneiden; bei weißen Trauben muss man etwas genauer hinsehen.

Bei meinen Reben MUSS ich bereits in den ersten Augusttagen (mit der nochmaligen Entblätterung im Traubenbereich) den Ertrag reduzieren. Dann muss ich wegen der Vögel einnetzen, bis zur Lese bleibt alles eingepackt.

Grüße, Dreizehn

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Traubenstolz
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Ertragsreduzierung aber wann?

Beitrag von Traubenstolz » 18 Oktober 2010 17:39

Hallo,
Dreizehn hat geschrieben:Bei blauen Trauben kann man natürlich einfacher an der Färbung bzw. noch vorhandenen grünen Beeren erkennen, was nicht richtig „gar“ werden wird und dementsprechend schneiden; bei weißen Trauben muss man etwas genauer hinsehen.
Bei dieser Überlegung fallen mir sofort die Trauben an den Geiztrieben ein. Sie reifen ja auf jeden Fall viel später. Oder entfernst Du (Ihr) alle Geiztriebe. Es gibt hier inzwischen Winzer, die sagen, dass Geiztriebe, die sich oberhalb der Trauben befinden, die Trauben auch positiv beeinflussen. Auch sie haben ja Blätter, die dazu beitragen. Wie seht Ihr das, was macht Ihr mit den Geiztrieben?
Dreizehn hat geschrieben:Dann muss ich wegen der Vögel einnetzen, bis zur Lese bleibt alles eingepackt.
Bei mir sind es vor allem auch die Wespen. Seit ich die Netze benutze, ist alles viel gesünder.

Grüße Traubenstolz

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Ertragsreduzierung aber wann?

Beitrag von matzl0505 » 18 Oktober 2010 18:29

Traubenstolz hat geschrieben:Wie seht Ihr das, was macht Ihr mit den Geiztrieben?
Alles was an den potenziellen nächstjährigen Fruchtruten geizt wird ausgebrochen, der Rest kann, solange es nicht zu unübersichtlich wird, bleiben.
So handhabe ich das.

gruß
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Man nimmt eine Handvoll Brombeeren, lässt diese zur Erde fallen. Die Beeren verbinden sich mit der Erde zu Erdbeeren und Brom wird frei."


Es gibt 10 Arten von Menschen. Die, die das Binärsystem verstehen und die, die es nicht verstehen.


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Ertragsreduzierung aber wann?

Beitrag von Dreizehn » 18 Oktober 2010 20:02

Die Assimilationsleistung alter Blätter lässt nach, das Laub der Geiztriebe hingegen ist sehr aktiv. Altes Laub ist entbehrlich, deshalb kann man z.B. die Traubenzone getrost entblättern.

Ich kürze die Geize im Netzbereich auf 1–2 Blätter ein, die höher gewachsenen nur (und dann auch nur wenig), wenn sie mir beim Hantieren in den Gassen vor der Nase hängen.

Fruchtruten bekommen keine Sonderbehandlung; ich weiß außerdem im Sommer nicht immer, was im Folgejahr Fruchtrute werden soll.

Ausnahme: Stämme neuer Reben im 1. Jahr. Beginnt dort in den Blattachseln ein Geiz mit dem Wachstum, geht’s ihm sofort an den Kragen.

Grüße, Dreizehn

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Ertragsreduzierung aber wann?

Beitrag von derapulier » 19 Oktober 2010 15:15

Bei der Ertragsreduzierung mittels Ausdünnung gibt es 2 Varianten.

Erste ist das Ausdünnen kurz nach Blüte um den Stock zu entlasten und den Ertrag zu regulieren.Wird bei frost- oder spätfrostgefährdenden Lagen praktiziert.Man lässt mehr Augen stehen und dünnt dann nach der Blüte auf den erwünschten Ertrag aus.Aber grosser Nachteil ist hier dass die Beeren an den Trauben dichter werden und die Gefahr an Botrytis zunimmt.
Vorteil ist hier wenn 50% entfernt werden die Ertragsminderung nur bei 25-35% liegt.

Zweite Variante ist die von Dir beschriebene welche mehr der Qualitätsteigerung dient.

Ich dünne nur in extrem schlechten Jahren aus, wenn, ich sehe, dass ich zeitlich keine "reife "Ernte hinbekomme.Dann hab ich immer gezielt die Trauben entfernt die zu obert am Sommertrieb wachsen (Nodium 7 oder Nodium 5).Der Reifesprung war jedesmal beträchtlich.


Gruss derapulier
Sorten:Montepulciano,Malvasia Nera,Primitivo,Moscato Rosso,Trebbiano,Moscato Bianco

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Traubenstolz
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Ertragsreduzierung aber wann?

Beitrag von Traubenstolz » 19 Oktober 2010 17:29

@Dreizehn

so habe ich das bisher auch gehandhabt, allerdings kürze ich keine Geiztriebe ein.

@derapulier

Bei meinen Reben gibt es nach dem Austrieb immer wieder mal Triebe, die nicht so recht wachsen wollen und deutlich zurück bleiben. Die nehme ich raus, denn sie bringen kaum gute Trauben. In der Regel schneide ich auf 8 - 10 Augen an.
derapulier hat geschrieben:Dann hab ich immer gezielt die Trauben entfernt die zu obert am Sommertrieb wachsen (Nodium 7 oder Nodium 5).
Meine Trauben wachsen nicht so weit oben, oder habe ich das mit dem Sommertrieb nicht richtig verstanden?

Grüße Traubenstolz

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Ertragsreduzierung aber wann?

Beitrag von Tompson » 20 Oktober 2010 07:22

Ich habe leider den Bogen noch nicht richtig raus, weswegen meine Laubwand ohnehin sehr dicht wurde und ich die Geize im Netzbereich wie Dreizehn auf 2-3 Blätter beschnitten habe, so manchen Geiztrieb weiter oben aber auch nicht mehr anbinden konnte und er daher ebenfalls diese Behandlung erfuhr ...

Ich denke mal, Apulier meint:
Die Ruten des laufenden Jahres wachsen ja senkrecht, am 3./4./5. Nodium entwickelt sich jeweils das erste TGeschein, ein Stück weiter oben dann das zweite und zuweilen noch dritte oder gar vierte Gescheine.
Letztgenannte entferne ich eigentlich ganz, eine Ausnahme würde ich vielleicht bei der starkwüchsigen Solaris machen aber die tat mir nicht den Gefallen. Somit verbleiben 2 Trauben pro Rute und die oberste, also zweite könnte man nun zur Ertragsreduzierung/Regulierung entfernen.

Hätte sicherlich dieses Jahr bei mir einiges gebracht, allein, ich habe nichts unternommen. War der annahme, irgendwann weichte der Regen mal der Sonne ?-|
Oak ne jechn!

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derapulier
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Beitrag von derapulier » 20 Oktober 2010 14:20

@traubenstolz Genau wie tompson es sagt.


Gruss derapulier
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