Pflanzabstand

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uiuiui
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Pflanzabstand

Beitrag von uiuiui » 02 Oktober 2013 11:08

Hallo zusammen,

mit welchem Abstand habt Ihr Eure Reben gepflanzt?

Beim Beobachten der Lese ist mir in den hiesigen Weinbergen (Kraichgau) aufgefallen, dass für den Ertragsanbau oft <=50cm zwischen den Rebstöcken liegen.

Funktioniert das nur bei super-Boden, oder wie haltet Ihr das im heimischen Garten? Schadet da Konkurrenzdruck oder fördert das die Tiefenwurzeln...

Es ist ein verführerischer Gedanke, die Anzahl der Reben im Garten zu verdoppeln 8-)

Grüße
uiuiui

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juno
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Re: Pflanzabstand

Beitrag von juno » 02 Oktober 2013 19:04

Hallo erstmal,

ich habe meine Reben alle mit 1m abstand gepflanzt, weil dies mir so von den Rebenverkäufern und Züchtern so empfohlen wurde. Mit meiner heutigen Erkenntnis würde ich den Pflanzabstand variieren. Stark wachsende Sorten kann mann mit ruhigem Gewissen bis 1,2m Abstand pflanzen, schwachwachsende Reben mit 0,9-1 m.

juno
Gott hat uns nicht nur die Reben, sondern auch den Durst dazu gegeben. Drum trink, solange die Flasche winkt, nütze Deine Tage, ob man im Himmel weiter trinkt, daß ist die entscheidende Frage.

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fibroin
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Re: Pflanzabstand

Beitrag von fibroin » 02 Oktober 2013 20:04

Ich habe meine Reben großzügig in 1,5 m Abstand gepflanzt. Es sind 12 Rebstöcke und sie wachsen in Pfahlerziehung. Da kann man gut zwischen durch gehen und die Pflege ist leichter.
Wenn du dich wohlfühlst, mache dir keine Sorgen. Das geht wieder vorbei.

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Re: Pflanzabstand

Beitrag von blumentopferde » 03 Oktober 2013 00:49

uiuiui hat geschrieben:
Beim Beobachten der Lese ist mir in den hiesigen Weinbergen (Kraichgau) aufgefallen, dass für den Ertragsanbau oft <=50cm zwischen den Rebstöcken liegen.

Funktioniert das nur bei super-Boden, oder wie haltet Ihr das im heimischen Garten? Schadet da Konkurrenzdruck oder fördert das die Tiefenwurzeln...
Ich habe meine Reben in 0,6m-Abständen gepflanzt. Allerdings sind sie noch so klein, dass ich nich sagen kann, wie sich das auf den Wuchs auswirken wird.

Such einmal nach "Dichtpflanzungen". Das ist zur Zeit in Mode, weil es die Reben zum tiefwurzeln anregen, widerstandsfähiger machen und obendrein die Traubenqualität verbessern soll. Inwiefern das stimmt kann ich nicht beurteilen und auch die Fachwelt scheint sich darüber nicht einig zu sein. Habe übrigens auch gehört, dass Sauvignon Blanc keine engen Pflanzabstände mag.

Es heißt, dass man Dichtpflanzungen nur mit schwachwüchsigen Unterlagen machen soll, um Laubverdichtungen vorzubeugen, jedoch bekommt man gar keine wirklich schwachwüchsigen Unterlagen in deutschen Rebschulen. Sehr starkwüchsige Unterlagen wie 125AA oder 5B sollte man aber wohl nicht wählen. Ich habe für meine Reben die Unterlage SO4 gewählt.

Vielleicht weiß ja ein Winzer in der Nachbarschaft mehr ;)

Benomat
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Re: Pflanzabstand

Beitrag von Benomat » 06 Oktober 2013 14:21

Das kommt auf die Erziehungsform an!
Wenn du die Bogenerziehung z.B. bevorzugst, dann sind ca. 1,2m ok, so hast du für jede Rute die du zum Bogen biegst ca. 60 cm.
Bei einer anderen Erziehungsform deiner Reben kann es dann wieder anders aussehen!

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Re: Pflanzabstand

Beitrag von blumentopferde » 08 Oktober 2013 03:52

Benomat hat geschrieben:Das kommt auf die Erziehungsform an!
Wenn du die Bogenerziehung z.B. bevorzugst, dann sind ca. 1,2m ok, so hast du für jede Rute die du zum Bogen biegst ca. 60 cm.
Bei einer anderen Erziehungsform deiner Reben kann es dann wieder anders aussehen!
Im Grunde genommen kommt es vor allem auf die Rebsorte an.
Manche Rebsorten (außer Traminer fällt mir spontan keine ein) sind an den basalen Augen sehr unfruchtbar. Die sind für einen Kordonschnitt (der ja im Grunde genommen aus vielen kleinen Ruten besteht) ungeeignet und auch ein kurzer Pflanzabstand wirkt sich hier negativ auf den Ertrag aus, da ja die ersten 2-3 Augen kaum Ertrag liefern. Allerdings lassen sich bei einem kleinen Biegungsradius auch recht viele Augen auf engem Raum unterbringen (etw beim in der Steiermark noch weit verbreiteten und eher verpönten Pendelbogen) was allerdings wiederum zu Laubverdichtungen führt.

Bei einem Pflanzabstand von 60cm würdest Du natürlich auch nur eine Rute anschneiden, hättest also dieselbe Bogenlänge, wie bei einem Pflanzabstand von 120cm mit 2 Bögen.

Es gibt (hier zum Beispiel: http://www.lvwo-bw.de/pb/,Lde/669810 ) für jede Sorte Anschnittempfehlungen - also wieviele Augen/m² angeschnitten werden sollen - an denen man sich orientieren kann (die sich aber wahrscheinlich auf unübliche Abstände nicht 100%ig übertragen lassen). Du rechnest dann aus, wieviel Standraum eine Rebe bei dir hat (Reihenabstand x Stockabstand) und multiplizierst dann diese Fläche mit der Anschnittempfehlung, und weißt, wie wieviele Augen du auf einem Stock belassen solltest. Meistens gibt es dazu auch Empfehlungen für die Augenanzahl pro Stock.

Aus diesen Anschnittempfehlungen könnte man auch Abstandsempfehlungen ableiten:

Beispiel:
Sorte: Traminer
Anschnittempfehlung/m²: 5-8 Augen/m²
Anschnittempfehlung/Stock: 13-20 Augen/Stock
Standraum: 2m
gesucht: Pflanzabstand

Der maximale Pflanzabstand ergibt sich bei einer Pflanzung mit maximaler empfohlener Augenanzahl am Stock bei gleichzeitig minimaler empfohlener Augenanzahl pro m²:
20 Augen / 5 Augen/m² / 2m Reihenabstand = 2m maximaler Pflanzabstand
Der Minimale Pflanzabstand ergibt sich bei minimaler Augenanzahl pro Stock bei gleichzeitig maximaler Augenanzahl pro m²:
13 Augen / 8 Augen/m² / 2m Reihenabstand = 0,81m minimaler Pflanzabstand.
Der Mittelwert wäre bei 6,5 Augen/m² und 16,5 Augen/Stock erreicht:
16,5 Augen / 6,5 Augen/m² /2m Reihenabstand = 1,27m

Man sieht, dass die Pflanzabstände auch mit den Reihenabständen zusammenhängen: Je weiter der Reihenabstand, desto kürzer sollte der Pflanzabstand sein, damit nicht zu viele Augen pro Rebe angeschnitten werden müssen. Allerdings werden sich die Anschnittempfehlungen bei sehr weiten Reihenabständen kaum einhalten lassen, da man ja sonst sehr viele Augen auf wenig Raum unterkriegen müsste, was wiederum zu den bereits angesprochenen Laubverdichtungen führt.

Im Endeffekt kann man sich also sehr viel Rechnerei sparen und betrachtet nur die Anschnittempfehlungen pro Stock: Das sind bei Traminer 13-20 Augen. Jetzt müsste man nur noch die Internodienlänge, also den Abstand zwischen den Augen kennen. Leider kenne ich keine Quelle, an der diese nach Rebsorte aufgelistet wären, ich gehe daher von 9cm aus. Macht eine Gesamtbogenlänge von 117-180cm. Bei einem Biegedrahtabstand von 20cm wären das Pflanzabstände von etwa 110-150cm, bei einem Flachbogen würden die Pflanzabstände der Rutenlänge entsprechen.

Allerdings gelten die Anschnittempfehlungen für Normalpflanzungen. Mit der Dichtpflanzung liegt man immer unter den Anschnittempfehlung pro Stock, und zwar etwa 50% darunter, jedoch bei gleich hohem Anschnitt pro m². Bei der Sorte Traminer wären das, ausgehend vom Mittelwert, etwa. 64cm Pflanzabstand bei einer Dichtpflanzung. Auf einer Rute wären dann Platz für 8 Augen. Der Traminer ist nun ein blödes Beispiel, denn bei dem wollen wir ja möglichst viele Augen auf einer Rute haben, um den geringen Ertrag der basalen Augen zu kompensieren und möchten ihn deswegen gar nicht dicht pflanzen....

So jetzt habe ich mich ziemlich verrannt, wie komme ich da bloß wieder raus? :?

Also abschließend: Pflanzabstände für Normalpflanzungen lassen sich aus Anschnittempfehlungen ableiten, für Dichtpflanzungen gibt es solche Empfehlungen nicht. Es gibt wohl auch noch kaum Erfahrungen darüber, wie sich die Dichtpflanzung auf Qualität und Ertrag auswirkt. Jedenfalls aber bereitet eine Dichtpflanzung mehr Arbeit und kostet mehr in der Anschaffung! Warum ich trotzdem dicht gepflanzt habe? Ich wollte es eben ausprobieren! ;)

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Re: Pflanzabstand

Beitrag von uiuiui » 08 Oktober 2013 06:48

Vielen Dank für eure umfassenden Antworten :shock:

Dichtpflanzung war schon das richtige Stichwort. Das macht aber nur beim Ertragswinzer Sinn, ich habe im Garten dafür weder den Boden noch die Unterlagen.

Vielen Dank!

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Re: Pflanzabstand

Beitrag von blumentopferde » 08 Oktober 2013 15:14

Auf den Boden kommt es nicht so sehr an. Ein tiefgründiger, fruchtbarer Boden könnte allerdings zum Problem werden, wegen der starken Wüchsigkeit. Unterlagen sollten eben keine starkwüchsigen verwendet werden. SO4 und Binova könnten da funktionieren.

Aber wie gesagt: Ist den Mehraufwand wahrscheinlich nicht wert...

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