Erster Versuch mit Trauben (Vorbereitung)

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wickie
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Erster Versuch mit Trauben (Vorbereitung)

Beitrag von wickie » 22 Mai 2018 12:45

Letzte Woche ist ein Arbeitskolege an mich herangetreten und meinte, er finde es toll das ich Wein selber mache und hat mir seine Trauben angeboten. Es weiß jetzt keiner was das für Trauben sind, aber er sagte es sind keine roten und keine grünen. Es soll irgend eine Mischung dazwischen sein und super lecker. Er ist von seinen Trauben überzeugt. :lol:

Sie stehen in seinem Garten und sind eigendlich für die Terasse als Schattenspender von seinen Großeltern gepflanzt worden. Letztes Jahr hat er fast 50 - 60 Kg gehabt. Mal schauen ob das stimmt. :D
Versuchen werde ich es auch jeden Fall. Da ich jetzt gemessen habe das es so viel komplizierter ist aus Trauben einen Wein zu machen Frage ich mich was Brauche ich für den Anfang? Ich darf die Kerne ja nicht beschädigen. Zählt sich da eine Presse aus? Und wie genau fü ktioniert das mit der Säure? Damit habe ich ja noch so meine Probleme vor allem, da ich gelesen habe, das man die Trauben entsäuern muss. :hmm:
Aber die wichtigste Frage ist, darf, kann, soll ich die Gärung vorzeitig beenden oder bis zum Schluss durchgären (bis der Geschmack weg ist).
Ich bin im Besitz von der Kitzinger Portwein Hefe, oder sollte ich mir für Trauben eine andere Hefe besorgen.

Uff ... wieder so viele Fragen ... :lol:

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JasonOgg
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Re: Erster Versuch mit Trauben (Vorbereitung)

Beitrag von JasonOgg » 22 Mai 2018 13:18

Vorweg einen wichtigen Link für richtigen Wein.

Ansonsten kann man vereinfacht auch Trauben als Früchte betrachten und macht es also genauso wie bei Johannisbeeren oder Stachelbeeren. Ich hatte bisher nur rote und habe halt nicht nachgezuckert, bzw. ein bisschen, da ich nicht daran gedacht habe :pfeif:
Auch bei nicht ganz weißen/roten kann bestimmt so verfahren werden, also Maischegärung.

Für "echten" Wein wird halt nicht nachgezuckert. Wenn Du erst die Maische abpresst, dann bleiben die kaputten Kerne - falls es sie gibt - ja im Trester zurück. Da brauchst Du Dir keine Sorgen zu machen.
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Nathea
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Re: Erster Versuch mit Trauben (Vorbereitung)

Beitrag von Nathea » 22 Mai 2018 13:48

Nicht grün und nicht rot? Dann könnte das in Richtung Grauburgunder- oder Muskateller-Reben gehen. Eine wirkliche Einschätzung ist aber erst anhand Blatt und Traube möglich. Was auch immer es ist: Daraus kann sehr schmackhafter Wein werden :)
wickie hat geschrieben:
22 Mai 2018 12:45
... soll ich die Gärung vorzeitig beenden oder bis zum Schluss durchgären (bis der Geschmack weg ist).
Wenn Du mit "Geschmack" die Restsüße meinst - bei uns "Laien" kann und darf man die sehr wohl auch mit Zucker oder Traubenzucker einstellen. Wir wollen ja keine Preise gewinnen ;) Also meine Empfehlung: Durchgären und zum Schluss mit Zucker nach Geschmack einstellen. Was die Säure betrifft: Jeder Wein braucht Säure (!) um zu schmecken. Beim Traubenwein hat man, im Gegensatz zu Fruchtweinen, aber während der Klärphase noch das "Ausfallen des Weinsteins", bei der sich ein Teil der Säure als Kristalle am Boden des Ballons absetzt. Es wird also letzten Endes weniger Säure im fertigen Wein sein, als beim Ende der Gärung zu messen ist.

Bin gespannt auf Deine ersten Erfahrungen!

Viele Grüße,
Sylvia

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wickie
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Re: Erster Versuch mit Trauben (Vorbereitung)

Beitrag von wickie » 22 Mai 2018 15:04

Danke für die schnellen Antworten. :D

Was ich mit dem Geschmack meine ist die Tatsache das ich noch nie einen guten Kaufwein hatte. Jeder Essig den ich bei mir zuhause habe würde ich lieber auf EX trinken, bevor ich mir so ein Saures nach nichts schmeckendes Elend in die Kehle Schütte. Wenn es unbedingt sein muss, dan trinke ich Wein nur mit Sprudel verdünnt. :lol:
Sorry fals ich da gerade einen Profie auf die Füße trete, aber dieser Industriemüll aus dem Supermarkt oder auch vom Winzer mundet mir gar nicht.

Ps: den Link habe ich mir schon durchgelesen, habe aber nur die Hälfte verstanden. Ich denke da werde ich mich auch mindestens noch 2 mal reinlesen müssen. Naja, noch habe ich ja Zeit. ;)

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Re: Erster Versuch mit Trauben (Vorbereitung)

Beitrag von Moneysac » 22 Mai 2018 16:26

Jetzt müsste man natürlich wissen, welche Traubenweine du bereits probiert hast. Die Klassiker wie z.B. Riesling schmecken meist eher säuerlich. Bei Rotwein schmeckt die Säure in der Regel weniger vor. Achte beim Kauf doch mal wenn möglich auf Säuregehalt und Restzucker, leider steht das allerdings oft nicht dabei.

Wenn dir das säuerliche nicht schmeckt, kann man dagegen etwas tun. Einfach lieblicher ausbauen. Wenn es allerdings der Traubengeschmack an sich ist der dir einfach nicht zusagt, dann wird dir dein eigener Wein mit großer Sicherheit auch nicht schmecken.

Viele im Forum finden Traubenwein mittlerweile eher langweilig. Wenn die Trauben dann zusätzlich eine eher schlechte Qualität haben, z.B wenn keine ausreichende Selektierung vorgenommen wurde, was bei dir vermutlich auch zutrifft, dann schmeckt es noch schlechter. Persönlich hätte ich schon mehrfach die Möglichkeit gehabt aus Trauben, die hauptsächlich als Schattenspender dienen, Wein zu machen. Ich habe immer dankend abgelehnt.

Wie immer: lasse dich von mir nicht entmutigen! Probiere es ruhig aus und berichte.

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Re: Erster Versuch mit Trauben (Vorbereitung)

Beitrag von Chesten » 22 Mai 2018 16:57

Traubenweine sind nicht besonders aromatisch wenn man mich fragt.
Die Weinexperten schmecken da ganz tolle Sachen raus aber für mich schmeckt das nicht besonders.
Ich mag wohl durch das jahrelange rauchen viel von meinem Geschmacksinn verloren habe und viel kam wieder nach dem aufhören wieder aber gegen so manche Weine die es auf der FWT gibt können Traubenweine nicht anstinken !
"Die einzig stabile Währung ist die alkoholische Gärung" (Das Känguru-Manifest)

Hier findest du einen Anleitung wie man seinen ersten eigenen Wein herstellt:
http://www.forum.fruchtweinkeller.de/viewtopic.php?f=33&t=12175

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Re: Erster Versuch mit Trauben (Vorbereitung)

Beitrag von Nathea » 22 Mai 2018 17:38

wickie hat geschrieben:
22 Mai 2018 15:04
... aber dieser Industriemüll aus dem Supermarkt oder auch vom Winzer mundet mir gar nicht.
...
Ich muss gestehen, dass diese Art der Verallgemeinerung nicht wirklich auf mein Verständnis stößt. Selbst wenn die eine oder andere Rebsorte nicht Deinen Geschmack trifft: Die "Spannweite" von knochentrocken bis zuckersüss, von "betonter Säure" bis hin zu "kaum schmeckbare Säure" ist so enorm breit, dass irgendein Wein wohl dabei sein müsste, der auch Dir schmeckt, und sei es auch "bloss" ein Rosenthaler Kadarka"

Andernfalls kann ich mich meinem Vorredner nur anschliessen: Lass es besser sein, denn "zaubern" können wir alle nicht, das trifft auch auf Dich und Deine Kelterkünste zu.

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Re: Erster Versuch mit Trauben (Vorbereitung)

Beitrag von Chesten » 22 Mai 2018 18:14

Was ich mit meinen Post sagen wollte war dass, sich in der Regel der Aufwand vom eigenen Traubenwein leider nicht lohnt.
Der Wein kann nur schlechter als die Trauben werden. Und wenn das Ausgangsmaterial schon nicht sehr gut ist schmeckt der selbstgemachte Traubenwein meist nicht so toll.

Ich hatte auch mal einen Traubenwein aus dem eigenen Garten gemacht, kurz gesagt da wo der Rebstock stand , steht jetzt eine Johannisbeere ;) .
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Hier findest du einen Anleitung wie man seinen ersten eigenen Wein herstellt:
http://www.forum.fruchtweinkeller.de/viewtopic.php?f=33&t=12175

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Re: Erster Versuch mit Trauben (Vorbereitung)

Beitrag von Nathea » 22 Mai 2018 18:47

Chesten hat geschrieben:
22 Mai 2018 18:14
Was ich mit meinen Post sagen wollte war dass, sich in der Regel der Aufwand vom eigenen Traubenwein leider nicht lohnt.
Dem muss ich aus eigenen Erfahrungen widersprechen.

Ich keltere jedes Jahr eine Rebe, die ein Grauburgunder sein könnte, und liebe den außergewöhnlichen Geschmack, den ich bishher nirgendwo auch nur annähernd finden konnte. Und der 2. Jahhrgang Solaris, den ich seit Anfang des Jahres trinken kann, empfinde ich ebenfalls als gelungen, eine gelungene Mischung aus Frucht, Säure und Süße. Ich bringe zur FWT vom Solaris ein, zwei Flaschen mit, zum Verkosten.

Sicher ist das nicht jedermanns Sache, deshalb tue ich mich schwer, Verallgemeinerungen unwidersprochen zu lassen.

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Re: Erster Versuch mit Trauben (Vorbereitung)

Beitrag von Moneysac » 22 Mai 2018 20:21

Verallgemeinern kann man es sicher nicht das stimmt. Selbst bei der gleichen Rebsorte kann man eine enorme Bandbreite an Geschmacksunterschieden finden. Ich hatte mal einen lieblich ausgebauten Riesling, der nach Pfirsich schmeckte. Normalerweise bin ich da wie Chesten und sage auch, dass diese Nuancen die Weinkenner heraus schmecken mehr Marketing als alles andere sind. Dieser Wein war allerdings eine große Ausnahme und hatte nicht den typischen Geschmack von Riesling, sonder schmeckte tatsächlich eher wie ein Pfirsichwein.

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Re: Erster Versuch mit Trauben (Vorbereitung)

Beitrag von Fruchtweinkeller » 22 Mai 2018 21:18

Ich stimme den Vorrednern in vielen Punkten zu. Auch wenn die Trauben kostenlos in meine Eimer fliegen überlege ich es mir gut, ob ich wirklich einen Traubenwein machen will. Letztlich ist das aber eine Erfahrung die man sich ruhig mal gönnen kann wenn sich mit der Weinbereitung beschäftigt.
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Sorry, aber ich antworte nicht auf PMs, die inhaltlich ins Forum gehören!

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Re: Erster Versuch mit Trauben (Vorbereitung)

Beitrag von Igzorn » 22 Mai 2018 22:22

Probier es aus. Ich habe einen Kerner (Traube) als Saft getrunken und war verliebt in den Geschmack. Als Wein nur so.... Naja ne, besser nen Riesling, der kann mehr.
Ist das Trinkgefäß erst leer, macht es keine Freude mehr. ... Rechtschreibfehler kommen alle durch dem Handy...

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