Schlehenwein

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Pauli
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Beitrag von Pauli » 21 September 2004 08:24

hi,

so wie´s aussieht werde ich heuer (nach dem ersten Frost)reichlich Schlehen (Prunus spinosa) ernten können. Ich finde aber bei euch kein Ansatzrezept, daher jetzt schon eine frage:

Auch Schlehenkerne enthalten vermutlich Blausäure. Es ist aber unmöglich sie zu entkernen. Gibt es deshalb kein Rezept?

grüsse

Pauli

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Fallin
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Beitrag von Fallin » 21 September 2004 11:37

Ich habe letztes Jahr das gleiche Problem gehabt...

Daher habe ich die Schlehen einfach mit einem Kartoffelstampfer zerdrückt (dabei versucht möglichst wenig Kerne kaput zu gemachen) und dann den ganze Fruchtbrei mit einem Teil des Wassers und des Zuckers angesetzt. Täglich den Maischehut untergerührt und nach 14 Tagen mit einem Handpressbeutel abgepresst. Dannach konnte man auch die Kerne ganz leicht entfernen :D !

Ich konnte keinen Bitter- oder Mandelgeschmach (Blausäure) feststellen. Wenn man ganz sicher gehen will, kann man die Maische auch schon nach einer Woche abpressen. Man bekommt dann aber möglicherweise einen nicht ganz so intensiven Geschmack, oder eine etwas weniger starke Farbe.

Das genaue Rezept müsste ich noch mal nachschlagen, aber aus 7kg Schlehen bekommt man ca. 3,5l Saft mit 20 - 24g Säure pro Liter, Zucker dürften die keine haben, so wie die schmecken! :schlecht:

[Dieser Beitrag wurde am 21.09.2004 - 11:38 von Fallin aktualisiert]

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Birgit
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Beitrag von Birgit » 21 September 2004 17:18

Hallo,

das es für Schlehenwein auf der Homepage kein Rezept gibt, hat einen einfachen Grund. Wir haben ihn bis jetzt nicht gemacht, und wir haben auf der Page nur Rezete die wir ausprobiert haben.

Also über die Samen würde ich mir nicht zuviele Gedanken machen. Die Früchte vorsichtig zerdrücken und die Maische frühzeitig abpressen.

Gruß Birgit
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Pauli
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Beitrag von Pauli » 21 September 2004 19:55

hallo,

ich wundere mich nur, da bei den anderen steinobstsorten unbedingt der Kern raus muß (Zwetschke, Mirabelle, Pfirsich, ...)

grüsse

Pauli

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Birgit
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Beitrag von Birgit » 21 September 2004 20:22

Hallo,

Du hast in sofern recht, daß alle zur Pflanzenfamilie Prunus gehören. Allerdings scheint es auch dort Unterschiede zu geben. Am problematischten ist wohl der Pfirsich. Die Kerne gehen sehr leicht auf und die schon optisch sehr nahe Verwandschaft zur Mandel macht mich da sehr nachdenklich. Außerdem sind die Pfirsichkerne innen häufig voller Schimmel. Bei Kirschen ist der Kern schon härter und geht kaum von alleine auf, da hab ich wenig Bedenken, aber laut meiner Mutter (man soll immer auf Mütter hören) geben die Kerne einen bitteren Beigeschmack. Ich hab allerding auch keine Lust das auszuprobieren. Bei Schlehen hab ich die Kerne ebenfalls als sehr hart in Erinnerung. Ferner hab ich in der Brennerliteratur keinen Hinweis auf Probleme bezüglich der Kerne gefunden. Mehr weiß ich zu diem Thema auch nicht :|

Gruß Birgit
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Tompson
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Beitrag von Tompson » 22 September 2004 07:13

Zitat Birgit:
...aber laut meiner Mutter (man soll immer auf Mütter hören)...

Oder Omas! ?-|
Habe gestern wieder mal das Gespräch vom Dresdner 13. Februar `45 (damals im Kriech konnten wir noch nicht so rumurschen... :schlecht: )auf Fruchtweinbereitung lenken können 8-)

Man hat seinerzeit Ebereschen und Schlehen zu Fruchtsaft verarbeitet, da viel Vitamin C enthalten sein soll, der wurde sodann bei Erkältungen verabreicht wurde. Quasi anstelle Gippostad C.

Um aufs Thema zu kommen, sie hat seinerzeit die Früchte (also Ebereschen und Schlehen durcheinander gemischt) durch den Fleischwolf gedreht, dann aufgekocht, im Handtuch abgepreßt und in Bierflaschen (normale mit Gummikappen) abgefüllt. Solcherart verarbeitet dürften die Kerne kaum heil geblieben sein. Und Oma ist jetzt 85, also wars wohl nicht schädlich :D
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Beitrag von Birgit » 22 September 2004 08:10

Ja Ja die Mütter und Omas,

die Verarbeitung mit Fleischwolf und Aufkochen kenn ich auch 8-) , allerdings wenn Du eine Maischegärung von 14 Tagen durchführst würde ich doch versuchen die Kerne möglichst heil zu lassen, weil Alkohol ein viel besseres Lösungsmittel ist als Wasser und hier viel mehr Zeit hat.

Meine Mutter hat vor kurzem eine Diskussion von Andreas und mir übers Brennen und das dabei aufpotenzierte Methanol mit bekommen und meinte dann: Also einmal, kurz nach dem Krieg, hatte ich von Selbstgebranntem, welchen wir immer heimlich vorm Dorfgasthof tranken, einen Kater da hatte ich sogar Sehstörungen, ob das dann dieses Methanol war ?-| ?-| ?-|

Also damals ......

Gruß Birgit
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Beitrag von Tompson » 22 September 2004 09:04

Ja, entschuldige. Das mit der Maischegärung hatte ich jetzt irgendwie ganz vergessen zu beachten. Aber wenn ich nach ca. 10 Tagen abpresse, sollte es doch gehen?

Selbstgebrannter Schnaps /Methanol / Sauferei
Ich habe den Eindruck, früher wurde generell mehr getrunken. Die Oma erzählt zwar immer neu von Tanzveranstaltungen mit Limo :D aber manchmal verplappert sie sich doch :D Und wenn man mit unseren Nachbarn schwätzt (alle Vollrentner :schlecht: ) oder den Eltern der Kumpels, so war es doch üblich irgendwelche Gesetze und Steuern eben Gesetze und Steuern sein zu lassen und trotzdem zu brennen, was das Zeug hält. Alles was eben nicht mehr eingekocht, gegessen, vergoren, marmeladiert usw. werden konnte - und da MUß komischerweise ein Menge übriggeblieben sein - wurde gebrannt. Und man wird es wohl kaum nachher weggeschüttet haben ?-| :schlecht:
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Beitrag von Birgit » 18 Oktober 2004 17:00

@Alle

Ich habe noch ein weinig in die Bücher geschaut. Beim Brennen von Schlehenmaische entsteht ein Brand, welcher intensiv nach Mandeln schmeckt. Da Mandelgeschmack ein Hinweis auf Blausäureverbindungen ist, würde ich die Maischedauer wirklich auf ein Minimum begrenzen :(

Gruß Birgit
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Beitrag von Harry » 26 September 2005 20:43

so, nun ist es ja ein Jahr später,

kann mal jemand ein Rezept posten, der im letzten Jahr Schlehenwein gemacht hat und heute noch lebt :mrgreen: und nicht blind ist :schlecht:

da stand ja was von riesigen Säuremengen, also einfach verdünnen ?

Ist zwar noch keine Saison, aber ich habe heute gerade über Quellen diskutiert, sieht nicht so toll aus, aber da muss ich einfach nur den Kreis der potentiellen Sucher erweitern, denn 95 % der Bevölkerung können mit Schlehen ja eh nix anfangen...außer so ein paar wilde Marmelade-Produzenten

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Beitrag von Heiner » 26 September 2005 21:24

Hallo Harry,
Ich nehm immer das aus´m Kitzinger
sprich:
6kg Früchte
2,5kg Zucker (nicht alles auf einmal, nachzuckern)
6l Wasser
4g Nährsalz
20ml Antigel
Reinzuchthefe

min. 2 Wochen Maischegärung (wegen Farbausbeute)

Abbressen und auf 10 Liter auffüllen falls nötig

Früchte müssen gut reif sein, wegen Säure.
Ist auf jedenfall noch nicht so weit.
Hab nicht jedes Jahr Frost abgewartet, soll aber von
Vorteil sein.

Gerbstoff fäll ich manchmal aus, manchmal auch nicht.

Ich finde Schlehen sind nach Weintrauben die geeignetsten Früchte für Wein.(Seh ICH halt so)

P.S. bin noch nicht blind

[Dieser Beitrag wurde am 26.09.2005 - 21:53 von Heiner aktualisiert]
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sigi
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Beitrag von sigi » 26 September 2005 21:54

Harry,

hab im Rezeptteil das Rezept für meinen 2003er gepostet.
Vor kurzem haben wir die ersten Flaschen aufgemacht..... :D :D :D
Aber trocken wie ich meine Weine meist ausbaue.

Leider gabs bei uns in 2004 so gut wie keine Schlehen und auch dieses Jahr siehts mau aus :mrgreen:

Gruss... Sigi
Schwäbisches Fünfgängemenü: Ein Zwiebelrostbraten und vier Viertele Trollinger

Der wo koin Wei mog und koin Gsang ond koine luschtige Weiber, der wird nie a Jäger, der bleibt emmer a Treiber


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