Neuling braucht Entscheidungshilfe, Kaufberatung und Führung

kibelb
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Neuling braucht Entscheidungshilfe, Kaufberatung und Führung

Beitrag von kibelb » 04 September 2013 13:56

Hallo Leute,

ich habe gerade glücklicherweise dieses Forum gefunden. Entgegen meiner normalen Vorgehensweise möchte ich Euch mit Fragen nerven, bevor ich mich hier im Forum lesender Weise schlau gemacht habe oder mich anderweitig großartig informiert habe. Seid Euch gewiss, im Normalfall würde ich mich mindestens ein Monat vorher in dieses Thema einlesen. Dennoch hoffe ich auf Eure Unterstützung und Ihr mir Fragen vergebt, die mit Sicherheit schon in diesem Forum beantwortet wurden.

Aber erstmal zur Situation:
Bei einem Bierchen mit einem Freund vor zwei Tagen stellte sich heraus, dass er jede Menge Pflaumen in seinem Garten hat mit denen er nicht weiß was er anfangen soll. Er schätzt, dass es sich hierbei um mindestens 100 kg Früchte handelt. Diese Menge fällt wohl alle zwei Jahre an. Abwechselnder Weise tragen die Bäume in einem Jahr viel Früchte und im folgenden Jahr weniger.
Uns ist nun - wie Ihr Euch denken könnt - die Idee gekommen die Pflaumen zu Wein zu verarbeiten. Da er mehr der Praktiker ist, habe ich mich bereit erklärt mich zu informieren. Leider habe ich die nächsten zwei Wochen wenig Zeit (daher auch dieser Post ohne mich vorher informieren zu können). Allerdings sind die Früchte reif und wir müssen uns entscheiden was zu tun ist. Da nichts an Ausstattung vorhanden ist, müssen wir vorher sicherlich einiges besorgen.

Nach meinen spärlichen Infos bringen 100 kg Pflaumen einen Ansatz von ca. 250 Liter, richtig? Dafür wiederum bräuchte ich ein Gärvolumen für die Maische von ca. 360 Liter (3* 120l Kunststofffässer), richtig?
Ist es überhaupt sinnvoll diese Menge als Anfänger zu verarbeiten? Oder wäre es sinnvoller sicher erstmal auf sagen wir 30 kg Früchte zu beschränken? Wäre natürlich nur Schade um die nicht genutzten Früchte. (Platz im Keller bei ca. 17-18 Grad ist vorhanden.)

Welchen Reifegrad sollten die Früchte haben? Ist die normale - wie soll ich sagen - "Essreife" optimal oder sind überreife Früchte besser geeignet?

Wie oben erwähnt ist keine Ausstattung vorhanden. Es wäre super, wenn Ihr mir eine Liste schreiben könntet, was benötigt wird vielleicht sogar mit ungefähren Preisangaben. Ich würde eine "sinnvolle Minimalausstattung" bevorzugen. D.h. in meinen Augen, ich möchte ein gutes Ergebnis nicht nur durch Glück erzielen können. Wenn es sinnvoll ist Inhaltsstoffe (Alkohol, Säure, Zucker, ...) zu bestimmen und diese Geräte nicht astronomisch teuer sind, dann führt sie bitte mit auf. Auf teure arbeitserleichternde Geräte können wir erstmal verzichten, wenn es improvisierende Möglichkeiten gibt.
Gibt es eine Händlerempfehlung um Ratingen (nähe Düsseldorf) oder einen empfehlenswerten Online-Shop? Hat gerade jemand etwas zu verkaufen was wir benötigen?

Rezepte:
Ich habe bereits einige abweichende Rezepte für Pflaumenwein gefunden. Welches Rezept würdet Ihr denn empfehlen? Mit welchem habt Ihr gute Erfahrung gemacht?

Vorgehensweise:
Vielleicht könnte jemand einen kleinen roten Leitfaden für mich erstellen, indem die einzelnen Arbeitsschritte kurz genannt und erklärt werden, um einen Überblick zu bekommen. Weiterreichende Erklärungen oder Fragen würde ich dann nochmal stellen, wenn ich dann kurz vor dem jeweiligen Schritt bin.

Dokumentation:
Wenn es zur Weinproduktion kommt, würde ich meine Vorgehensweise auch mir Bilder dokumentieren. Zum einen könntet Ihr mich vielleicht auf Fehler hinweisen. Zum anderen möchte ich dem Forum auch etwas für die Hilfe zurück geben. Dieser Thread könnte dann vielleicht für andere Neulinge eine echte Hilfe sein.


Auf jeden Fall schonmal besten Dank, dass Ihr bis hier gelesen habt und für Eure Hilfe.

lg
Bodo

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JasonOgg
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Re: Neuling braucht Entscheidungshilfe, Kaufberatung und Füh

Beitrag von JasonOgg » 04 September 2013 14:56

kiblb hat geschrieben:Allerdings sind die Früchte reif und wir müssen uns entscheiden was zu tun ist. Da nichts an Ausstattung vorhanden ist, müssen wir vorher sicherlich einiges besorgen.
Notfalls Kühltrühe, müssen ja nicht alle 100kg sein :D

Wirst Du die 250l los? Selbst wenn Du/Ihr 2 Jahre daran trinkt? sind 10l im Monat. Flaschen oder BB brauchst Du auch.

Zwetschgen würde ich reifer als für einen Pflaumenkuchen ernten, Du bekommst auch dann noch genug Säure. Aber lass sie nicht überreif werden. Mein letzter Versuch in diese Richtung schmeckte nach Backpflaumen und leicht oxidiert.

Rezept und roten Faden findest Du auf der Homepage, dass funktioniert selbst wenn Du die Pflaumenmenge erhöhst. Ich hatte schon mal 13kg auf 20l, dass ging auch.

Zur Einkaufsliste und Shops findest Du dutzende Threads, wenn Du "Anfänger" "Grundausstattung" etc suchst. Oder Starterset, da wurden auch schon listen zusammengestellt.
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Re: Neuling braucht Entscheidungshilfe, Kaufberatung und Füh

Beitrag von Ayahuasca » 04 September 2013 15:01

Ohne jetzt mal so richtig detailliert auf die Fragen einzugehen (einerseits bin ich selber noch Anfaenger, andererseits finde ich die "bitte Vorlesen!"-Attituede etwas fragwuerdig), ein paar Gedanken:

1. um aus den 100 kg Pflaumen ca. 250 Liter Wein zu machen (sprich: Deine Abschaetzung ist schon richtig), brauchst Du erstmal Materialen zwischen 350 und 400 Euro (die 3x 120l-Ballons duerften mit ca. 300 Euro dabei am meisten reinhauen). Und wenn wir jetzt davon ausgehen, dass ihr dabei wirklich nix verkackt und einen leckeren Pflaumenwein draus gebastelt kriegt: am Ende hast Du so ca. 200 Liter Pflaumenwein (jetzt mal sehr grob ueber den Daumen 20 Prozent Schwund fuer das Abpressen der Maische und das Umfuellen, der kundige Fruchtweinkellermeister moege mich korrigieren). Schonmal ueberlegt, was Du mit 200 Litern eines 13-16%igen Getraenks gleich nochmal anfangen willst? Verkaufen is ja nun aus rechtlichen Gruenden nicht so der Burner, und selber trinken .. soviel kannst Du gar nicht kotzen, wie Du da saufen muesstest :D

2. ums Lesen von http://www.fruchtweinkeller.de kommst Du letztendlich doch nicht drumrum. Und, ergaenzend: das Lesen dort macht durchaus Spass.

3. Rezept: siehe http://www.fruchtweinkeller.de/Wine/rezepte.html

4. Shop: http://www.rekru.de scheint (aus guten Gruenden) sehr beliebt zu sein, ansonsten siehe http://www.fruchtweinkeller.de/Wine/bezug.html

Ich wuerd es auf jeden Fall erstmal bei einem kleineren Ansatz belassen - ich finde da auch den zu 2/3 befuellten 50-Liter-Ballon/Fass schon ein recht sportliches Unterfangen.

Erstens braucht man dafuer nicht soviel Geldeinsatz, zweitens nicht soviel Platz, drittens nicht soviel Zeit und viertens ist "das fetzt, ich will mehr, was brauch ich noch" leichter umzusetzen als "ach herrjeh, das taugt mir nich, was mach ich jetzt mit dem Krempel".

Just my 2 cents.

Gruss Aya...
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Re: Neuling braucht Entscheidungshilfe, Kaufberatung und Füh

Beitrag von fibroin » 04 September 2013 18:43

Um es gleich vorweg zu sagen: Die Pflaumen müssen entsteint werden. Bitte keine Diskussion, warum denn das.
Besser hier lesen:
viewtopic.php?f=85&t=8654
150 kg ist eine ganze Menge...
Ich weis wovon ich rede, ich habe gerade 15 kg Pflaumen entsteint. Das reicht für diesjahr.
Wenn du dich wohlfühlst, mache dir keine Sorgen. Das geht wieder vorbei.

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Re: Neuling braucht Entscheidungshilfe, Kaufberatung und Füh

Beitrag von JasonOgg » 04 September 2013 20:47

Keine säurearmen Jobeeren aber jetzt schon Pflaumen entsteinen :hmm:

duck und weg

Aber recht hast Du, entsteinen muss sein.
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Re: Neuling braucht Entscheidungshilfe, Kaufberatung und Füh

Beitrag von 420 » 04 September 2013 20:52

Für 25,5 kg habe ich dieses Jahr ca. 1 Stunde benötigt. Bei 100 kg wären das dann 4 Stunden oder mit 4 Personen 1 Stunde. Der Vorteil ist dabei auch, dass die schlechten und diejenigen, die eine Fleischeinlage haben, selektiert werden können.

Grüße
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Re: Neuling braucht Entscheidungshilfe, Kaufberatung und Füh

Beitrag von balu0331 » 06 September 2013 02:00

Hallo Bodo,
ich bin zwar kein Meister, aber wohne nicht weit weg von Ratingen. ich habe dir eine PN gesendet.

Grüße Frank

kibelb
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Re: Neuling braucht Entscheidungshilfe, Kaufberatung und Füh

Beitrag von kibelb » 09 September 2013 13:25

vielen Dank für Eure Antworten.

Jau, die Hauptseite von diesem Forum habe ich erst entdeckt, nachdem ich diesen Post eröffnet hatte. Super informativ und klasse erklärt. Hier hat man endlich den Eindruck, dass man sich auf die Informationen verlassen kann und der Betreiber wirklich Ahnung von der Materie hat. Kein Vergleich mit dem was ich vorher an Seiten gefunden hatte (mit auch widersprüchlichen Aussagen). Fazit: Hier gefällt es mir - hier lass ich mich nieder :D .

Ihr hattet Recht. 100 kg Pflaumen auf einmal zu verarbeiten ist ein wenig viel. Nicht nur die Kosten stehen im Raum, auch das Handling mit diesen Mengen wäre ne echte Herausforderung.
Wir haben uns jetzt entschieden mit einem Ansatz aus ca. 35-40 kg Pflaumen zu starten. Das ist ja immer noch einige gehörige Menge. Außerdem haben wir noch genügend TK-Möglichkeiten in unserem Bekanntenkreis. Wir werden also nochmals die selbe Menge gefroren lagern. Wie lange lassen sich Früchte ohne große Qualitätsverluste eigentlich einfrieren?

Ich habe mir folgenden Ablauf und Materialliste angedacht (wäre nett, wenn Ihr mal darüber gucken könntet und mich ggf. auf Verbesserungen und Fehler aufmerksam machen würdet):

Ablauf

1) Gärstarter ansetzen:
4 Liter naturtrüber Apfelsaft, 4g Hefenährsalz, 400g Zucker, 1x Hefe Portwein für 50l
in 10l-Ballon mit Gäraufatz

2) (nach 4 Tage) Ansatz:
Frucht von 35-40kg Pflaumen (entsteint und geviertelt), 32g Hefenährsalz, 13kg Zucker (ist das nicht zuviel?) in Wasser auflösen, 50g Antigel, 8g Vitamin C, Gärstarter
in 120l-Gärfass mit Gärspund und bis auf 80l mit Wasser auffüllen, alles durchrühren

3) (nach weiteren 14 Tagen) Abpressen:
und die Säure messen, ggf. auf 7g/l anheben (richtig?), mit 1,5kg Zucker nachzuckern, in 3 25l-Glasballons mit Gärspund füllen.
1* täglich Inhalt durch "Schütteln" des Ballons in Bewegung bringen
Fragen:
Das Abpressen habe ich mir mit Hilfe einem alten Kopfkissenbezug vorgestellt. Ist das durchführbar oder haben die Handpressbeutel Vorteile?
Ist meine Schätzung richtig, dass ich aus dem Ansatz etwa 66l Saft erhalte? Kann ich die Ballons mit jeweils 22l befüllen, oder ist der verbleibende Raum in den Ballons zu gering für die Gäraktivität?

4) wenn Gärintensität nachlässt (nach jeweils 5-7 Tagen):
Probe aus jedem Ballon nehmen und verkosten, Alkoholgehalt messen.
Wenn Probe trocken/sauer schmeckt, hat die Gärintensität wegen Zuckermangel nachgelassen. Dann jeden Ballon mit 500g Zucker nachzuckern.
Wenn die Probe eine Restsüße enthält, dann hat die Gärung aufgrund des bereits enthaltenen Alkoholgehalts nachgelassen. Jetzt die gewünschte Süße am besten mit Fructose einstellen, jeden Ballon mit 2g Kaliumdisulfit schwefeln und die Ballons in den kühleren Keller verfrachten.

5) (nach 7 Tagen) Abziehen:
Den Wein vom Bodensatz trennen, jeden Ballon spundvoll mit Wasser auffüllen und Klärung abwarten.

6) Klärung/Schönung:
Wenn eine zufriedenstellende Selbstklärung des Weines nicht geschieht, den Wein mit Hilfe von Schönung oder Filtration klären.
Fragen:
Nach welcher Zeit hat es wenig Sinn auf die Selbstklärung des Weines zu hoffen und somit selbst nachhelfen. Wann nutzt man die Schönung, wann die Filtration? Wo sind die Vor-/Nachteile der jeweiligen Technik?

7) Abfüllung:
Jeden Ballon mit 2g Kaliumdisulfit schwefeln und mit jeweils 2g Vitamin C versetzen.
Fragen:
Ich habe ständig 5l-Kunststoffkanister verfügbar. Darin ist ursprünglich das Sirup für die Herstellung von Slush-Getränken (Monsterslush) enthalten. Kann der Wein auch in diesen Behälter abgefüllt werden? Ich weiß, wirklich stilecht ist das nicht. Aber wenn wir mit unseren Familienkreisen zusammen sitzen, würde es absolut ausreichen. Zumindest könnte wir dann 20-30l auf dieser Weise bevorraten.


benötigte Geräteausstattung:
1x Gärfass Speidel, 120l 96,33 €
4x Glasballon mit Korb, 25l 93,28 €
1x Glasballon mit Korb, 10l 14,04 € um flexibel den Volumenbedarf anpassen zu können, für den Gärstarter
4x Gummistopfen mit Bohrung 10,92 €
4x Gärspund 10,48 €
1x Ballonreinigungsbürste 18,56 €
1x Handpressbeutel 9,25 €
2x Schlauch, 10mm, 2m 3,04 €
1x Trichter mit Sieb, 20cm 6,66 €
1x Vinometer 5,80 €
1x Acidometer 21,41 €

benötigte Verbrauchsmaterialien:
4x naturtrüber Apfelsaft (Liter) 5,20 €
1x Hefenährsalz, 10x0.8g 2,50 €
14x Zucker, kg 12,60 €
Fructose
1x Hefe Portwein, für 50l 3,30 €
2x Antigel, 50g 2 7,50 €
1x Milchsäure, 1kg 9,44 €
1x Kaliumdisulfit, 10x10g 5,36 €
2x Vitamin C 2,38 €


Nicht aufgeführt habe ich Artikel zur Klärung/Schönung/Filtration. Da mache ich mir Gedanken, wenn es benötigt wird.
Ebenfalls sind keine Artikel zur Abfüllung enthalten. Auch das kommt später. Jedoch ist das ein Punkt, der doch richtig Kosten verursacht, wenn man in verkorkte Flaschen abfüllt (Handverkorkgerät mit Gestell für Naturkorken €70,81; je Flasche €0,40; je Korken €0,20).

Schön, dass Ihr wieder bis hierhin durchgehalten habt.

Viele Grüße und vielen Dank für Eure Hilfe
Bodo

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Catwiesel
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Re: Neuling braucht Entscheidungshilfe, Kaufberatung und Füh

Beitrag von Catwiesel » 09 September 2013 20:15

Mengenangaben habe ich jetzt nicht geprüft, wenn Du das von der Fruchtweinkeller Seite gerechnet hast wird es passen...

- Gärstarter:
klingt gut. hefe für 50l? klingt nach flüssighefe? wenns geht lieber trockenhefe...

- Ansatz:
entsteint ist gut, halbiert bzw mit loch reicht auch...
also gut, doch menge kontrollieren...
20l sind 8kg, 8g hefenährsalt und 3,5kg zucker
80l sind folglich 8*4=32kg, 32g nährsalz, 3,5*4=14kg zucker
--> deine mengen sind gut, ein paar kg früchte mehr als im rezept schadet nicht (hab ich auch schon gemacht, fand ich sehr lecker), 13kg zucker ist auch ok (obs 12, 13 oder 14kg sind zum start ist nicht so wild, mal haben die früchte mehr zucker, mal weniger... das grobe ziel passt aber)

antigel ist mehr so ein kleiner schluck, mittlerer schluck, großer schluck... 50g? ist bestimmt ok...
vitamin c würde ich NACH der gärung zusetzen, nicht vor...

--> 80L ist immer noch eine gewaltige menge... ich weiss nicht wie weit eure planung und bestellung ist, wie viel hilfe ihr habt und wo der wein wenn er fertig ist hin soll...
vielleicht wäre es sinnvoller entweder noch mehr einzufrieren oder halt doch ein paar kg nicht zu ernten...
zu zweit ohne elektrische maschinen als anfänger 40kg früchte ernten (+ die anderen), entsteinen, ansetzen, ABPRESSEN, schütteln und wenn alles gut geht abfüllen und trinken... ich glaube ihr übernehmt euch da.
und lieber nur 20 oder 25l machen, spass dran haben, weg trinken anstatt 80l machen, in arbeitr ausarten, lust dran verlieren und selbst wenns gut geht ewig auf dem trunk sitzen...

-abpressen:
die pressbeutel haben den vorteil dass es sie nicht verreisst und dass sie nicht zu schnell zusetzen.
und vom volumen her kann man mit zwei händen damit arbeiten...

aber schon 10kg zwetschgen von hand abpressen macht KEINEN spass, geschweige denn 20+ kg

ob das mit einem baumwollstoff (kopfkissen?) problemlos (ha!) klappt stelle ich arg in frage. kann, muss aber nicht. gut möglich dass nach dem ersten schluck die poren dicht sind und ihr ein wasserdichtes kissen habt...
--> idee: hat keiner eine obstpresse die man leihen kann? oder eine apfel-mosterei die man kurz vor feierabend (euer wein das letzte vor dem großputz) kurz mit dem fass besuchen kann?

-nach dem abpressen:
ja, säure messen, ggf anheben oder verdünnen, ziel ~7g/l,
nachzuckern je nachdem ob der komplette zucker vergoren wurde (probieren)
am anfang auch mit 3-4kg...

- 66l schätzung:
schätzungen bei maische gärung ist schwer. wieviel ausbeute hast du mit deiner abpressmethode?
musst du verdünnen? so grob zwischen 60 und 70l wirds schon hinkommen gegen ende (der zucker nimmt auch volumen ein beim nachzuckern) aber das KANN daneben liegen...

- steigraum:
nach der maischegärung kann es mit 22l in einem 25l ballon eng werden, muss aber nicht. da kannst du keine definitive antwort bekommen.
wenn du auf 100% sicher gehen willst, 1/3 des volumens sollte steigraum sein
(25l ballon nicht mehr als 18-20l füllen)
du darfst auch nicht vergessen dass noch zucker dazu kommen wird, der nimmt volumen ein.
selbst wenn der wein kein steigraum mehr braucht, wenn der ballon zu voll ist wird es mit dem schütteln schwer


zu 4)
passt, zuckermenge sollte aber nicht fest sondern kann anfangs eher mehr, gegen ende eher vorsichtiger weniger sein
kaliumpyrosulfit: 1g pro 10l

5) passt

6) schönung hab ich nie gemacht
zwetschge/pflaume klärt aber normalerweise ganz gut.
filtern finde ich wie immer am besten, ist aber aufwendig...

deine fragen:
- klärung kann sehr schnell oder sehr langsam sein, jeder wein ist anders.
je kühler desto besser, ruhig wie möglich.
du wirst gewöhnlicherweise nicht tägliche fortschritte sehen, aber wöchtentlich schon.
wenn ab einem bestimmten zeitpunkt keine besserung mehr eintritt oder der wein klar ist, ist das für einen laien auch zu erkennen...

- vor nachteile filtration/schönung/nichts siehe homepage


zu 7)
kaliumpyro und vit c 1g pro 10l

die verwendung von kunstoff für die aufbewarung von wein / alkoholischen getränken ist NICHT zu empfehlen!

selbst wenn der kunstoff lebensmittelecht ist (war sirup drin) ist es gut möglich dass die säure oder der alkohol der im wein, nicht im sirup ist, teile des plastiks heraus löst.

--> wenn ihr große mengen wein in bulk aufbewahren wollt, dann investiert in bag-in-the-box system mit beutel für wein (kaltabfüllung)



einkaufsliste sah kurz drüber geschaut ok aus.

es ist halt sehr schwer dir jetzt zu sagen was du alles brauchst bei den ganzen eventuallitäten.
es ist auf jeden fall sehr löblich dass du bereit bist in material zu investieren und zb nicht wegen einem 20eur acidometer herum diskutierst.

einige anmerkungen:
größere mengen sind zb bei antigel, kaliumpyro, zitrosäure, nährsalz etc immer viel billger pro kg als die kleinen.

wenn ihr an einen 80eur handverkorker denkt beim 1. mal...
kauft für das geld lieber eine presse und steckt den wein in bag-in-box anstatt von hand zu pressen und mit korken in flaschen zu füllen...


so, hoffe das hilft aufs schnelle...
Wer nicht liebt Wein, Weib und Gesang, der bleibt ein Thor sein Leben lang.
(Martin Luther)


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Re: Neuling braucht Entscheidungshilfe, Kaufberatung und Füh

Beitrag von Fruchtweinkeller » 09 September 2013 21:29

Prima Beitrag von Cat. Aber wenn schon dann bitte richtig machen und entsteinen ;)

VitC kannst du auch komplett weglassen. Steinobst sollte eh einiges mitbringen, außerdem kann man den Nutzen bei der Weinbereitung kontrovers sehen (ja, ich weiß, auf der HP empfehle ich es, heute rücke ich davon etwas ab).

Und richtig, dünnwandige Kunststoffdingens würde ich nicht zur Lagerung nutzen, auch weil sie nicht gasdicht sind; darin kann dir der Wein schnell vergammeln.
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Sorry, aber ich antworte nicht auf PMs, die inhaltlich ins Forum gehören!

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Re: Neuling braucht Entscheidungshilfe, Kaufberatung und Füh

Beitrag von 420 » 09 September 2013 22:04

Kurze Gedanken am Rande dazu noch:

120 ltr. Gärfass ist voll nicht mehr zu bewegen. Bei 60 ltr. Fässer gehen so grade noch (selber habe ich 2 x 120 ltr. und ich glaube 4 x 60 ltr.)

Mein Brombeerwein steht zum Klären im Keller in einem 120 ltr. Fass - spundvoll. Endlagerung natürlich in Glasflaschen oder in BiB wie Catwiesel schon schrieb. Haltbarkeit in Glas wohl etwas länger als im BiB. Kosten bei BiB für den Sack und für den Pappkarton, ggf. noch für die Halterung des Beutels beim Befüllen. Bei Flaschen musst Du sammeln, hast erheblich mehr Arbeit, da Du neben dem Säubern auch noch die Etiketten abmachen wirst. Beim Verkorken wären die Kosten für einen Standverkorker (einmalig, geht auch schon ab 40 Euro) und Korken. Die Bucht oder Kleinanzeigen helfen da auch immer wieder - auch bezüglich Behälter.

Fructose-Zucker nehme ich nur zum Süßen bevor ich filtere. Der ist mir sonst zu teuer.

Mengen zum Verarbeiten - Denke daran, dass Du das Ganze auch später lagern musst. Die Logistik ist schon wichtig. Spreche da aus Erfahrung. 120 Ltr. Brombeerwein sind abgefüllt und 120 ltr. vom gleichen Wein stehen noch im Faß. Und die nächsten 20 kg (+) Brombeeren werden schon gepflückt. Wenn bei einer großen Menge etwas daneben geht, ist es mehr als ärgerlich, bei kleinen Mengen erheblich erher verschmerzbar. Vielleicht am Anfang, wie Catwiesel schon schrieb, mit kleineren Mengen Erfahrungen sammeln.

Bei großen Mengen ist die Geruchsbeeinträchtigung in der Wohnung schon erheblich. Man riecht es ziemlich gut und tägliches Lüften ist angesagt.

Und toi, toi, toi, es wird schon klappen.

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Re: Neuling braucht Entscheidungshilfe, Kaufberatung und Füh

Beitrag von Fruchtweinkeller » 09 September 2013 22:13

gut aufgepasst, habe ich überlesen: Solange es gären soll NICHT mit Fruktose arbeiten, das kann in einer Gärstockung enden.
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