Quittenwein und Anfängerfragen

Antworten
Gär-Paul
0 Liter Wein
0 Liter Wein
Beiträge: 2
Registriert: 21 Oktober 2016 23:34

Quittenwein und Anfängerfragen

Beitrag von Gär-Paul » 22 Oktober 2016 00:20

Hallo zusammen,

schön, dass es dieses Forum gibt!
Ich wollte mich erst an einen der Quittenweinthreads heranhängen, aber ich dachte, es ist besser wegen der ganzen anderen Anfängerfragen einen neuen aufzumachen....

Ich bin, was die Weinherstellung angeht kompletter Laie. Auch dieses Jahr hatte ich eine schöne Quittenernte, aus der mit Hilfe einer großen Presse ca. 160 l Saft gepresst wurden. Der erste Grund ist nicht unbedingt die Weinherstellung (das ist jetzt als Novum angedacht), sondern Genuss des Quittensafts als köstliches Getränk oder ebenso köstlicher Gelée- darum wird er nach der Pressung direkt pasteurisiert (ich glaube es werden dabei in der Nähe einer 90°C heißen Heizspindel ca. 78°C für 20s oder so erreicht).

Damit wäre ich dann schon bei der ersten Frage:
Kann ich daraus einen Wein herstellen? Ich würde vermuten ja, vielleicht sogar besonders, da störende Mikroorganismen inaktiviert oder zumindest reduziert wurden, so dass die spezifische Gärhefe besonders gut wirken können sollte.

Dann ein paar allgemeine Anfängerfragen:
Gärfass (Kunststoff) mit Hahn vs. Gärflasche
Ich habe hier schon etwas quergelesen und den Eindruck gewonnen, dass die Flaschen (aus Glas) bevorzugt werden. In den Rezensionen der Gärfässer (z.B. auf den Seiten des großen Buchhändlers am Amazonas) dagegen, scheinen einige Ex-Flaschenuser von diesen Fässern mit Auslaufventil begeistert zu sein. Über ein paar Hinweise Pro und Contra im Hinblick auf Quittenwein würde ich mich freuen!

Art des Gärröhrchens
So ganz habe ich die Funktion dieses Röhrchens noch nicht begriffen. Das CO2 der Gärung muss raus, ist schon klar- aber warum ist das Ding so kunstvoll geschwungen? Jedenfalls ist mir beim Anschauen der diversen Produkte aufgefallen, dass es die aus Kunststoff und Glas gibt. Schlechte Noten gab es, soweit ich das überblicken konnte, von den Kunststoff-Röhrchen-Benutzern nicht, aber Glas erscheint mir dann doch zumindest schöner. Was ist Eure Meinung (und vor allem Erfahrung) dazu?

Gärhefen und Nährsalz
Tja, wo fängt man da mit den Fragen an... Jedenfalls geht es nach wie vor um Quittenwein, vielleicht lässt sich das damit schonmal eingrenzen. Es gibt sicher jede Menge Hersteller, aufgefallen ist mir die Marke "Moonshiner's Choice". Kennt das jemand?

Weiteres
Der pH Wert spielt hier, wie quasi überall, auch eine Rolle. Da gibt es dann "Mostmilchsäure", "Fruchtsäurekonzentrat", usw. Brauche ich das auch alles? Oder kann ich dann, wenn's nur um PH-Senkung geht, einfach etwas Citronensäure reinstreuen? Essigsäure hört sich im Kontext der Weinherstellung suboptimal an, weswegen ich die mal besser außen vor lasse.
Dann Geräte: was ist noch notwendig?
Und: Woher bezieht Ihr die Sachen. Gut, sie werden natürlich auf den großen Verkaufsplattformen angeboten, aber vielleicht gibt es ja noch ganz besondere "Forenquellen". Hat eigentlich ein gut sortierter Chemieinstrumente-Handel sowas?

Vielen Dank schonmal im Voraus für Eure Hilfe!

Der Gär-Paul

Benutzeravatar
Metinchen
1000 Liter Wein
1000 Liter Wein
Beiträge: 1246
Registriert: 24 Juli 2009 00:00

Re: Quittenwein und Anfängerfragen

Beitrag von Metinchen » 22 Oktober 2016 09:20

Hallo Gär-Paul, schön das Du zu uns gefunden hast :D .

Viele Deiner Fragen werden auf der Web-Site (klicke mal oben auf das Banner) zu diesem Forum gaaaannnzz ausführlich beantwortet. Besser als jemand hier könnte.
Daher hier nur mal die Kurzform;
Gärgefäss: Ist vor allem Geschmackssache. Im Keller und für große Mengen benutzen die meisten Fässer oder Eimer, aber viele vergären auch in der Wohnung, da ist ein Ballon deutlich dekorativer und man kann den Ansatz besser beobachten.
Gärröhrchen: Es funktioniert wie ein Ventil. Die beiden Kugeln sind sowas wie ein Ausgleichsbehältnis für das Wasser. CO² kann raus aber Luft nicht rein. Gucke es die am besten in Aktion an, das ist quasi selbsterklärend. Glas oder Kunststoff spielt für die Funktion keine Rolle.
Gärhefe und Nährsalz; Da möchte ich Dich wirklich bitten die entsprechenden Kapitel auf der www.Fruchtweinkeller.de zu lesen. Nur soviel; ja brauchst Du beides. Und kaufe bitte keine Flüssighefe (oder gar Backhefe :| )Trockenhefe ist viel robuster und einfacher zu händeln. Nährsalz brauchst du damit sich die Hefe gerade an Anfang gut vermehrt und damit es durch gesunde vitale Hefen keine Zickerei am Ende der Gärung gibt.
Weiteres; Du misst nicht den pH Wert sondern den Säuregehalt des Weines/Ansatzes. 7g Säure je Liter Wein entspricht Nicht einem ph Wert von 7. Gucke hier mal unter Einstellung von Säure und Zuckergehalt im Forum. 420 hat dort eine ganz einfache Preiswerte Form der Säurebestimmung vorgestellt.
Und ja du kannst Zitronensäure nehmen, aber nicht einfach etwas einstreuen sondern vorher messen, dann ausrechnen wie viel und dann erst einstreuen.
Diverse Internetshop´s findest Du wenn Du in eine Suchmaschine Weinbedarf oder Winzerzubehör eingibst.
So ich hoffe ich konnte Dir ein bißchen helfen, weitere Fragen sind immer willkommen.
Grüße Metinchen
Blumen sind das Lächeln der Erde!
(Herkunft unbekannt)

Benutzeravatar
Nathea
500 Liter Wein
500 Liter Wein
Beiträge: 737
Registriert: 03 Juli 2012 00:00
Wohnort: Krefeld

Re: Quittenwein und Anfängerfragen

Beitrag von Nathea » 22 Oktober 2016 10:02

Hallo Paul, auch von mir ein "willkommen bei uns"!

Vieles hat Metinchen ja bereits beantwortet. Von mir noch ein paar Zusätze:
Gär-Paul hat geschrieben:...
Art des Gärröhrchens
... Schlechte Noten gab es, soweit ich das überblicken konnte, von den Kunststoff-Röhrchen-Benutzern nicht, aber Glas erscheint mir dann doch zumindest schöner.
...
Kunststoffröhrchen mögen nicht schön sein, sie haben aber einen ganz entscheidenden Vorteil: Sie gehen nicht kaputt, wenn sie versehentlich Bekanntschaft mit Fliesenboden und Co. machen müssen. Ich habe anfangs summa summarum 3 der für mich wertvollen Röhrchen versemmelt, weil sie mir schlichtweg runtergefallen sind. Das geschieht mit Kunststoffröhrchen nicht.
Gär-Paul hat geschrieben:...
Gärhefen und Nährsalz
Tja, wo fängt man da mit den Fragen an... Jedenfalls geht es nach wie vor um Quittenwein, vielleicht lässt sich das damit schonmal eingrenzen. Es gibt sicher jede Menge Hersteller, aufgefallen ist mir die Marke "Moonshiner's Choice". Kennt das jemand?
...
Da hast Du Dir eine Hefe ausgewählt, die üblicherweise von Schnapsbrennern wegen der hohen "Umdrehungszahl", die die Hefezellen beim vergären erreichen können, ausgewählt. Das klingt erst einmal toll, ist aber insgesamt bei der Weinherstellung eher problematisch.

Viele von uns (mich eingeschlossen) haben schon einmal Weine nach der"Nachzuckermethode" (siehe Homepage) hergestellt und dabei die Hefe bis an ihre manchmal sehr hohe Toleranzgrenze gebracht, und diese Weine können dann schon mal 15 - 17 Vol. % Alkohol haben. Mein Spitzenreiter war einmal knapp 17,5 Vol. %. Der entstandene Wein war allerdings extrem "sprittig" und kaum noch ein wirklicher Genuss. Für erstrebenswert halte ich selbst solche Prozente nicht, dabei kommt das Aroma der Früchte nicht mehr so gut zur Geltung.

An Deiner Stelle würde ich anfangs mit den Trockenhefen arbeiten, die den Namen "Kitzinger" auf den Tütchen stehen haben. Welche der Sorten Du dann nimmst, ist nicht wirklich entscheidend. Diese Kitzinger-Hefen haben den Vorteil, für Wein bestimmt zu sein und eben nicht so "hoch zu drehen".

Apropos "Nachzuckermethode":
Wenn Du nicht schon als Einsteiger die teuren Anschaffungen für einen Filter ins Auge fassen möchtest, wirst Du um eine "Stabilisierung des Weins" nicht herum kommen. Will heissen: Du musst den gärenden Wein mit vorsichtigen Zuckergaben so lange versorgen, bis die Gärung von sich aus zum erliegen kommt, obwohl eigentlich noch zu vergärender Zucker für die Hefe zur Verfügung stünde. Tust Du das nicht, lässt Du die Hefe bereits vorher "verhungern" und meinst, nach der Klärung den Wein mit Zucker geschmacklich abrunden zu wollen, bevor Du ihn auf Flaschen ziehst, dann produzierst Du Dir selbst Flaschenbomben.

Das klingt nicht gerade harmlos und ist es auch wahrlich nicht. Das bei der wieder in Gang kommenden Gärung entstehende CO2 ist nicht zu unterschätzen und hat schon so manchen Keller in einen Saustall verwandelt. Glück, wenn zu dem Zeitpunkt nicht auch noch jemand in der Nähe steht und von den Glassplittern ernsthaft verletzt wird!

Ich kann mich Metinchen nur anschließen:

Bitte erst einmal die Anleitungen und Ratschläge auf der Homepage gut durchlesen und verinnerlichen, bevor Du zur Tat schreitest. Das schützt Dich vor Schaden und Deine Quitten vor dem Ausguss :)

Viele Grüße,
Sylvia

Gär-Paul
0 Liter Wein
0 Liter Wein
Beiträge: 2
Registriert: 21 Oktober 2016 23:34

Re: Quittenwein und Anfängerfragen

Beitrag von Gär-Paul » 25 Oktober 2016 16:42

Hallo,

und vielen Dank für die schonmal hilfreichen Hinweise an Metinchen und Sylvia!

Ich habe angefangen, die empfohlenen Seiten zu lesen und bin sehr begeistert- sehr gut geschrieben und interessant, genau das, was ich gesucht habe.

Nach Lektüre melde ich mich wieder, der pasteurisierte Saft hält sich ja; mit den restlichen Quitten, die noch ganz bzw. teilweise angefault sind, muss ich mich allerdings beeilen....

Gruß

Gär-Paul

Antworten

Zurück zu „Wein aus Kernobst“