Geschmacks- und Begriffsverwirrt: (Apfel-)-Most-Tafelwein-Dessertwein

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willkomm2000
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Geschmacks- und Begriffsverwirrt: (Apfel-)-Most-Tafelwein-Dessertwein

Beitrag von willkomm2000 » 05 März 2019 14:10

Hallo Forumsfreunde,
nach meinen ersten Versuchen mit Apfelwein im letzten Jahr (v.a. einem hochprozentigen Apfeldessertwein und einen kochentrocken apfelwein mit 5-6 % ohne Restzucker) überlege ich mir die Strategien für das neue Jahr. Hab natürlich die Homepage rauf und runter gelesen und das Forum ohne Ende durchsucht....

Liege ich hier meiner Beschreibung der Apfelweinvarianten halbwegs richtig?

Apfelmost
versteht wir hier im Forum/auf der Homepage als vergorenen Apfelsaft ohne Restzucker. Also knochentrocken.
Wird trotzdem hier und da und regional anders gern so getrunken?

Apfel(tafel?)wein
verstehen wir hier im Forum als hochprozentigere Varianten (vielleicht 8-10/11/12) im Regelfall mit einer leichten Rechtsüße hauptsächlich durch die Nachzuckerungsmethode erzeugt? Wird scheinbar nach meiner Einschätzung im Forum geschmacklich präferiert.

Apfeldessertwein
hier ist mir der Unterschied nicht wirklich deutlich. Vielleicht sind die Grenzen auch fließend? Im Regelfall noch hochprozentigere Varianten 13/14/15 % mit deutlich mehr Restsüsse? Wird scheinbar nur in Maßen im Forum präferiert und in Maßen getrunken?


Würde mich freuen, wenn ihr mich hier ggf. korrigieren würdet.
Zusatzfrage:
Gibt es zur Einstellung der Süße eigentlich bewährte Rezepte/Regeln oder macht man das wirklich rein nach laufender Geschmacksprüfung? Messen kann man ja den tatsächlichen Restzuckergehalt im (fast) fertigen Wein mit Bordmitteln scheinbar ohnehin nicht :hmm:

Gruß aus der Weinregion Ostwestfalen
Klaus

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JasonOgg
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Re: Begriffsverwirrt: Apfelmost-Tafelwein-Dessertwein

Beitrag von JasonOgg » 05 März 2019 15:05

Wir sehen das eigentlich nicht sooo streng. In der Regel heißt alles, was - unabhängig vom Ausgangsmaterial - selbst vergoren wird und mit der Nachzuckermethode, Aufsäuern oder Verdünnen irgendwie in die Flasche kommt vereinfacht "Wein". Ohne Abbruch der Gärung hat der meist 15%, die Abbrecher und Filterer entsprechend weniger. Dessertwein kann man den bei entsprechender Süße nennen, dann haben Außenstehende eher eine Idee, was sich in der Flasche befindet.

Daher ist es auch nicht verkehrt, wenn Apfelwein ohne Nachzuckern Apfelmost genannt wird ;-) So kann man ihn vom Nachgezuckerten unterscheiden.
'And what would humans be without love?' - 'RARE', said Death.
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Chesten
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Re: Geschmacks- und Begriffsverwirrt: (Apfel-)-Most-Tafelwein-Dessertwein

Beitrag von Chesten » 05 März 2019 15:19

Hallo Klaus,

deine Definitionen wir die einzelnen Apfelweinklassen würde ich jetzt auch so nehmen aber dazu muss ich gestehen das ich bei der Apfelwein/Most-Herstellung keine Ahnung habe weil mir die Geräte und die richtigen Apfelbäume dafür fehlen.


Ich kann dir nur erzählen wie ich die Restsüße einstelle bei meinen Weinen und ich hoffe das hilft dir weiter.

Vor dem sterilfiltern stelle ich die Restsüße ein in dem ich mir ca. 110 ml Wein abzapfe die dann in ein Probierglas gebe und dann erstmal durch schmecken die Ausgangssituation bestimme.

Ich hatte letztes Jahr einen Wein mit etwas Honig und der nichtvergärer Zucker im Honig reichte aus das mir der Wein schmeckte aber das war wohl ein reiner Glückstreffer !

Dann taste ich mich in 0.2 bis 0,5 g Schritten bis es mir schmeckt. Dabei ist zu beacheten das es eine Zeit braucht unter rühren bis sich der Zucker komplett gelöst hat !

Da ich nur dran nippe am Glas habe ich hinterher ca. 100 ml Wein der wir von der Restsüße passt.
Wenn ich auf Nummer sicher gehen will ob es nicht so wenig ist gebe ich nochmals eine Schritt Zucker hinzu.
Wenn es mir dann zu süß ist weiß ich wie viel Zucker ich maximal hinzugeben kann.
Dann einfach hochrechnen und in einem größeren Teil des Weines lösen und dann wieder vereinen.
Die ca. 100 ml sind dann für mich als Belohnung nach dem Filtern :lol: !

Ich verwende Fructose zum einstellen der Restüße dieser Zucker ist zwar teuer aber die Restsüße ist lagerungsstabil und man braucht weniger da der mehr Süßkraft hat.

Dann wird sterilgefiltert und abgefüllt.

Ich baue meine Weine immer halbtrocken aus und brauche je nach Alkoholgehalt ca. 15-30 g/L Zucker.
"Die einzig stabile Währung ist die alkoholische Gärung" (Das Känguru-Manifest)

Hier findest du einen Anleitung wie man seinen ersten eigenen Wein herstellt:
http://www.forum.fruchtweinkeller.de/viewtopic.php?f=33&t=12175

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Martinve7
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Re: Geschmacks- und Begriffsverwirrt: (Apfel-)-Most-Tafelwein-Dessertwein

Beitrag von Martinve7 » 06 März 2019 00:31

Apfelmost ist regional unterschiedlich belegt.

Bei uns in der Gegend ist der Most der frisch gekelterte Saft, durch gegoren dann Apfelwein. Dazwischen gibt es bei uns nichts. Anderswo gibt es noch Rauscher.

Ich weiß der Krenzer in der Rhön macht einen Apfelsherry, den er rechtlich Dessertwein nennen muss. Zum einen ist Sherry ein geschützter Begriff, zum anderen hat der Wein mehr als 12% Alkohol.

Ansonsten wundert es mich als Hesse immer wieder, dass hier soviel höherprozentiger Apfelwein gemacht wird. Denn original gibt es sowas nicht. Apfelwein ist durch gegorener Apfelmost, ohne jegliche Zusätze.
Gruß
Martin

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wickie
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Re: Geschmacks- und Begriffsverwirrt: (Apfel-)-Most-Tafelwein-Dessertwein

Beitrag von wickie » 06 März 2019 09:54

Ich würde mal behaupten, dass die Definition da vielschichtiger ist, als wir denken. Ob Most oder Wein, hängt nicht nur vom Alkoholgehalt ab, sondern auch vom Zuckergehalt und der Herstellung. Wenn man Äpfel einfach nur vergärt, ist es Most, egal in welcher stufe man den jetzt trinkt (auch Apfelsaft, der nur angegärt ist). Meist ist er gefiltert und hat etwa 6%.

Wenn man ihn mit Kohlensäure versetzt, wird er zum Cider.
Wein ist es erst mit doppelt so viel Alkohol, (ca. 12%) unabhängig vom Zuckergehalt. Most kenne ich eigentlich kaum Süß, auch wenn er ab und zu erhältlich ist. Keine Ahnung wie der gemacht ist. Ist der Wein Pappsüß wird er zum Dessert Wein, auch wenn die meisten davon hochprozentig sind, kenne ich keine Trockenen Dessertweine. Wenn ich an natürlich vergorene Äpfel denke, kommt dieser gar nicht an die 12%, da der Zuckergehalt ja nicht reicht.

Laut Wikipedia fällt alles was keine Herkunft hat unter die Bezeichnung Tafelwein.

Daher behaupte ich einmal: von der frischen pressung bis zur vollständigen Vergärung ist eigentlich alles Most, wenn der Mensch nichts zu tut. :?: :-x

willkomm2000
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Re: Geschmacks- und Begriffsverwirrt: (Apfel-)-Most-Tafelwein-Dessertwein

Beitrag von willkomm2000 » 06 März 2019 10:21

Martinve7 hat geschrieben:
06 März 2019 00:31
Apfelmost ist regional unterschiedlich belegt.

Bei uns in der Gegend ist der Most der frisch gekelterte Saft, durch gegoren dann Apfelwein. Dazwischen gibt es bei uns nichts. Anderswo gibt es noch Rauscher.

Ich weiß der Krenzer in der Rhön macht einen Apfelsherry, den er rechtlich Dessertwein nennen muss. Zum einen ist Sherry ein geschützter Begriff, zum anderen hat der Wein mehr als 12% Alkohol.

Ansonsten wundert es mich als Hesse immer wieder, dass hier soviel höherprozentiger Apfelwein gemacht wird. Denn original gibt es sowas nicht. Apfelwein ist durch gegorener Apfelmost, ohne jegliche Zusätze.
hallo martinve7,
der krenzer nennt den m.e. ja nur aus marketing-gründen so, da der echte sherry eben woanders herkommen muss und v.a. mit hochprozentigem alkohol aufgespritet wird. aber der krenzer macht diesen desserwein genau aus den äpfeln, die bei mir vor dem haus stehen.. der dessertwein den ich daraus gemacht hab, schmeckt mir auch sehr gut, ist aber auch wg. der hochprozentigkeit nichts was man liter-/bembelweise trinken sollte/könnte.

und die puristische sache des hessens ist auch nicht jedermanns geschmack. mir ist das auch zu trocken.... obwohl ich ein anhänger von trockenen trauben-weinen seit jahrzehnten bin... von daher denke ich, andere länder andere sitten - über geschmack lässt sich (nicht) streiten.. hab auch einige zeit gebraucht bis (hier) verstanden habe, warum die einen hier den saft/most in ruhe lassen und die anderen säure/zucker und co. manipulieren ?-|

mir schwebt eben ein etwas hochprozentiger apfelwein vor, der durchaus etwas restsüsse haben sollte. da werde ich in diesem jahr natürlich ordentlich exerimentieren, wie ich das eingestellt bekomme - und stabilsierit bekomme.
da freue ich mich natürlich auf alle anregungen aus dem forum.

gruß aus ostwestfalen
klaus

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wickie
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Re: Geschmacks- und Begriffsverwirrt: (Apfel-)-Most-Tafelwein-Dessertwein

Beitrag von wickie » 06 März 2019 12:42

willkomm2000 hat geschrieben:
06 März 2019 10:21
der krenzer nennt den m.e. ja nur aus marketing-gründen so, da der echte sherry eben woanders herkommen muss und v.a. mit hochprozentigem alkohol aufgespritet wird. aber der krenzer macht diesen desserwein genau aus den äpfeln, die bei mir vor dem haus stehen..
In diesem Falle glaube ich nicht, dass es Marketing Gründe sind, ich denke mir eher, dass ihm da das Gesetz einen Strich durch die Rechnung macht. Die Regierung mischt sich immer in Sachen ein, von denen sie keine Ahnung haben. :evil:
Wenn ich einen Honigwein mit Abfelsaft herstelle, weil er da mehr Tiefe bekommt (mein Geschmacksempfinden), dann darf ich da vom Gesetz her nicht mehr "Met" drauf schreiben.

Zu deinem Apfelwein: stabil, mit Restsüße geht meines Wissens nach nur mit Filterung. Korrigiert mich bitte wenn ich Falsch liege, aber man hat sonst immer die Gefahr der Nachgärung.

willkomm2000
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Re: Geschmacks- und Begriffsverwirrt: (Apfel-)-Most-Tafelwein-Dessertwein

Beitrag von willkomm2000 » 06 März 2019 13:23

wickie hat geschrieben:
06 März 2019 12:42

In diesem Falle glaube ich nicht, dass es Marketing Gründe sind, ich denke mir eher, dass ihm da das Gesetz einen Strich durch die Rechnung macht. Die Regierung mischt sich immer in Sachen ein, von denen sie keine Ahnung haben. :evil:
Wenn ich einen Honigwein mit Abfelsaft herstelle, weil er da mehr Tiefe bekommt (mein Geschmacksempfinden), dann darf ich da vom Gesetz her nicht mehr "Met" drauf schreiben.

Zu deinem Apfelwein: stabil, mit Restsüße geht meines Wissens nach nur mit Filterung. Korrigiert mich bitte wenn ich Falsch liege, aber man hat sonst immer die Gefahr der Nachgärung.
zum krenzer: teils/teils natürlich hat das auch rechtliche gründe, aber ist eben auch kein sherry-weil nicht mit hochprozentigem aufgespritet.....

zum apfelwein: bin gespannt, ob ich das hinbekomme mit der restsüsse und ohne filterung mit forums hilfe....kann ja bei meinen paar 10 liter nicht noch einen filter kaufen - oder doch :D

gruß aus ostwestfalen
klaus

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Fruchtweinkeller
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Re: Geschmacks- und Begriffsverwirrt: (Apfel-)-Most-Tafelwein-Dessertwein

Beitrag von Fruchtweinkeller » 06 März 2019 21:49

Also nennt es doch einfach so wie es euch gefällt, das geht sowieso wild durcheinander. Nur im Zweifelsfall bitte kurz definieren worüber ihr redet wenn ihr darüber redet damit wir alle über dasselbe reden ;)
90% of everything is crap... Except crap. 100% of crap is crap.
(Too much coffee man)

Sorry, aber ich antworte nicht auf PMs, die inhaltlich ins Forum gehören!

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