Böxern

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Rako64
10 Liter Wein
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Registriert: 15 März 2019 12:43

Böxern

Beitrag von Rako64 »

Mein Weinlager ist übervoll! Unterschiedlichste Kreationen, um die Gährung verstehen zu wollen. Die letzten Weine wurden ausschließlich mit Handels mäßigen Säften erstellt. Für das Böxern fokusziere ich mich auf die Pfirsich-Weinlinge. Vor 2 Jahren begann ich Pfirsichsaft mit Brandweinhefe anzusetzen. Da ich den Fruchtanteil fehlinterpretierte, hörte die Gärung viel zu früh auf. Es war zu viel vom Trub. Und dessen nicht genug! Der Trub war in Wahrheit ein Mus. Dieser Mus war unauswringbar. Alles hielt er fest. Dennoch böxerte er nicht. Erst, nachdem ich 10 Liter des 30 Liter Ballons in einem 25 Liter Ballon gab und beide auffüllte, begann die Gährung nach meinem Geschmack. Auch Antigel half, um mich vom Mus zu befreien.


Fälschlicher weise nahm ich beim Pfirsichsaft-Tokaja-Ansatz an, daß 1/3 der im Brandwein benutzten Menge vollkommen ausreiche. Schließlich hatten geschmacklich der 25 und der 30 Liter Ballon die gleiche Qualität. Zwischenzeitlich hatte ich auch gelernt, Antigel nicht nach Ballongröße und Fruchtart, sondern nach Fruchtart und Menge hinzuzugeben. Tokaja-Pfirsich schmeckte einfach nur wässrig. Dafür aber erlebte ich ein Naturspektakel, was ich noch nie zuvor erleben durfte. Bis dahin beschrieb ich das Spektakel im Gärgefäß als Schneesturm, als Auf- und Abtauchen von Schwimmkörpern. Das jetzt aber waren Vulkanausbrüche. Bis an die Oberfläche schossen sie. Aber eben halt zu wässrig. Parallel lief ein Honig-Bananen-Tokaja-Ansatz. Der schmeckte zwar nicht wässrig, die Vulkanausbrüche waren aber die selben. Ergo, Pfirsich benötigt Pfirsich. Okay! Okay! Im Nachgang informierte ich mch hier über die Folgen. Jaaaaaa, die Folgen trafen zu. Mir schien, als ob die Hefe ihre Hoheit behalten wollte, und sich nur noch auf den ersten Teil des Gärprozesses konzentrierte. Das aber ist nur eine Vermutung.

Weit schlimmer! Nach Zugabe weiterer Frucht böxerte das Teil auch noch! Okay, bei der geringen Menge kam ich nicht auf die Idee, oder war zu faul, noch passgerecht Antigel hinzuzugeben. 7 Tage lang ließ ich es böxern. Es hörte nicht auf! Schließlich belaß ich mich wieder hier, fand aber keinen Ansatz, warum eines der Tips hilfreich sein könnten. Außer, Trub entfernen. Das tat ich dann auch. 1 Liter Trub nahm ich heraus. Wollte noch ein wenig Flüssigkeit zurück gewinnen, aber die von mir zugrunde gelegte Theorie scheint nur dort zu funktionieren, wo kein Stoffwechsel mehr erfolgt. Bilder hatte ich anfang diesen Jahres unter meinem Google-Acount hochgeladen. 4 Behälter. 2 gärten, 2 nicht. Und einer der gärenden stank! Nur einer. Der eine mit dem Mus im Glas. Dabei hatte er auch noch sehr viel Flocken. Der Mus aber gab nichts frei. Kein Kohlendioxid, kein Alkohol. Ich glaube, die Hefe scheint ein Notprogramm zu fahren, so sie sich ihrer Ausscheidungen nicht entledigen kann. Ob die Branntweinhefe das auch tat? Flöckchen gab es anfangs nicht. Die gesamte Hefe war von Anfang an ausschließlich mit dem Mus konfrontiert.

Ich denke, es macht Sinn, sämtliche zum Böxern gegebene Tips um die Zugabe von Antigel zu erweitern. In meinem Fall war das Problem jedenfalls behoben, als der Mus entfernt war.

Dieses Böxern hatte aber auch noch eine angenehme Seite. Es verbrachte mich auf die Idee, mal die Dichte von Trub zu bestimmen. Egal, ob
Banane-Honig, oder Pfirsich, immer wieder kann 1000 g/l angenommen werden.

Und noch eine angenehme Randfeststellung: Da wahrscheinlich zukünftige Generationen abstinent sein werden, wohlrichender Trub von Tokaja-Hefe hält sich vom Geruch über 14 Tage im Toilettenbecken. Ja, das Zeug kann so intensiv sein, daß es einen ganzen Raum ausfüllt. Ich war beeindruckt.
MelanieMo
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Re: Böxern

Beitrag von MelanieMo »

Hallo Rako,
ich muss sagen, dein Text war sehr interessant zu lesen! Deine Ausdrucksweise gefällt mir! :clap:
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