Das Ende der spundvollen Lagerung?

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Vine
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Das Ende der spundvollen Lagerung?

Beitrag von Vine » 19 März 2015 10:52

Nachdem ich eben so meinen 15-l-Ballon mit dem Schwarzen Johannisbeerwein betrachtete und ich mal wieder feststellen musste, dass es mit dem spundvoll so gut wie nie bei mir hinhaut, ist mir eine Idee gekommen.
Am Anfang meiner Weinbereiterei "murmelte" ich ja noch die Ballons so weit auf, dass die Flüssigkeit bis ganz zum Rand reichte. Das war aber recht unpraktisch und man musste jedesmal die Glasmurmeln schwefeln und vorsichtig in die Ballons gleiten lassen ... und nach dem Filtrieren oder Abfüllen wieder aus dem Ballon herauskriegen usw. Irgendwann habe ich das sein lassen und verlegte mich aufs Vertrauen in Kaliumdisulfit und die Hoffnung, dass ich die Ansätze besser abschätzen werde, um 10- oder 15-l-Ballons in Zukunft spundvoll zu kriegen. Nun, letzteres ist mir, wie ich feststellen musste, leider nicht wirklich gelungen. Und auch mit dem Vertrauen ins Schwefeln ... wenn Ballons mit Wein gefüllt länger stehen und fast 2 Liter nach oben fehlen, macht es einem doch ein mulmiges Gefühl. So also kam mir heute beim Betrachten der in Ballonlagerung befindlichen Weine die Idee, ob es nicht funktionieren könnte, einfach ein Gas in die Ballons zu leiten und somit den bösen Sauerstoff auszutreiben. Anbieten würde sich CO2, das ist schwerer als Luft und somit geeignet, die leichtere Luft im Ballon zu verdrängen. Außerdem ist es recht reaktionsträge und fällt ja beim Gärprozess ohnehin an. Ja vielleicht könnte man sogar ganz einfach mittels eines Schlauchs aus einem Gärbehälter , bei dem die Gärung noch voll im Gange ist, etwas einleiten. Ansonsten kostet eine Ladung CO2 beim Zoohandel etwa 15 Euro (2 kg; das sind etwa 300-400 l Gas und sollte Jahre lang reichen). Müsste man sich initial halt eine Druckflasche besorgen.

Was haltet ihr von der Idee? Oder gibt es das schon bzw. praktiziert das gar einer von euch in der Art? Ich stelle mir das ungeheuer praktisch vor: Ein Zisch aus der Flasche und nie wieder das Getue darum seine Ballons spundvoll zu kriegen!

LG
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Re: Das Ende der spundvollen Lagerung?

Beitrag von Flowie91 » 19 März 2015 12:43

Ist auf jeden Fall eine denkbare Möglichkeit.
Ganz einfach an die Gasflasche mit Druckminderer einen Schlauch anschließen und das Gas in den Ballon leiten.
Allerdings sollte dann ein (Gummi)Korken oder ähnliches zum Einsatz kommen da durch ein Gärröhrchen das Gas durch dissusion entweichen kann.
Dann müsste der Wein allerdings auch komplett ausgegoren sein, damit kein Druck entsteht...
Zuletzt geändert von Flowie91 am 19 März 2015 13:19, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Das Ende der spundvollen Lagerung?

Beitrag von Chesten » 19 März 2015 13:19

Irgendwo auf der HP steht die Möglichkeit mittels eines speziellen lebensmittelechten Öls ein Luftbarriere zu machen und somit muss der Ballon nicht voll sein.
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Hier findest du einen Anleitung wie man seinen ersten eigenen Wein herstellt:
http://www.forum.fruchtweinkeller.de/viewtopic.php?f=33&t=12175

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Re: Das Ende der spundvollen Lagerung?

Beitrag von StSDijle » 19 März 2015 14:14

Hallo,


Mit sauerstoffempfinlicher Photochemie habe ich das schon so gemacht. Funktioniert bestens, da verwendet man allerdings Stickstoff. Du solltest aber auf Lebensmittelechtheit deiner CO2 Quelle achten. Außerdem hieß es auf den Stickstoff-Kartuschen immer, dass man das Gas durch die Flüssigkeit Blasen solle (ich vermute, dass sonst ein Wirbel an der Oberfläche entsteht und nicht alle Luft verdrängt wird).

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Re: Das Ende der spundvollen Lagerung?

Beitrag von Chesten » 19 März 2015 15:38

Ich habs grade gefunden was dazu der Chef schreibt:
http://fruchtweinkeller.de/Wine/zutaten.html hat geschrieben:oenologisches Öl: Dies ist ein spezielles lebensmittelechtes Öl, das bei Kontakt mit Wein unbedenklich ist. Es kann verwendet werden, um den Kontakt des Wein mit Luft zu verhindern, wenn z.B. eine kleine Weinmenge in einen großen Ballon gefüllt wird. Dazu genügt einen etwa 1 cm dicke Ölschicht auf dem Wein. Mit diesem Öl können auch Geräte wie Verkorker oder Spindelpressen gefettet werden, es kann auch als wenig luftdurchlässige Sperrflüssigkeit für das Gärröhrchen bei der Selbstklärung verwendet werden.
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Re: Das Ende der spundvollen Lagerung?

Beitrag von Vine » 19 März 2015 16:04

Nee, nee ... Öl mag ich nich. Da hab ich dann unten Schlonz und oben Öl und muss mich wieder um die Trennung kümmern. Gas wäre super praktisch! Hätte auch keine Sorge, dass das CO2 durch eine Schutzflüssigkeit diffundiert... und Sauerstoff hinein ... das wäre ja wirklich diffus ;) Da aber soll das oenologische Öl wohl gut sein als Sperrflüssigkeit? Ich werd das ausprobieren. In den Wein selbst wollte ich allerdings kein CO2 einblasen. Da will ich eher, dass Reste aus dem Wein während der Lagerung entweichen. Muss ich mal sehen. Danke für eure Anregungen!
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Re: Das Ende der spundvollen Lagerung?

Beitrag von StSDijle » 19 März 2015 16:19

Ohne reinblasen wird da nix. Dafür ist der Dichteunterschied zu klein und der Druck zu hoch, das ist wie wenn du einen Fingerhut mit Wasser vollmachen wolltest und nur einen C-Schlauch zur Verfügung hast. Aber da würde ich mir keine Sorgen machen; du bläst da einen relativ dicken Strahl rein, ich kann mir nicht vorstellen, dass sich da ernsthafte Mengen lösen. Da wäre eine lange Kontaktzeit nötig du wirst aber recht große Blasen erzeugen, die sehr schnell aufsteigen. Wollte man ernsthafte Mengen Gas im Wein lösen müsste man das anders machen.

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Re: Das Ende der spundvollen Lagerung?

Beitrag von Flowie91 » 19 März 2015 17:14

Bei mir ist das Problem der spundvollen Lagerung mit ein Grund wieso ich zeitig filtere.

Klar hat man dann einen höheren Verbrauch an Filterplatten, aber wenn man das mal außen vor lässt ist es wirklich nur vorteilhaft.
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Re: Das Ende der spundvollen Lagerung?

Beitrag von StSDijle » 19 März 2015 17:24

Wäre ich mir nicht so sicher. Es gibt viele Winzer die lange reifelagerungen im großen Gebinde (auf der Feinhefe) für vorteilhaft halten. Man müsste mal vergleichen ;)

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Re: Das Ende der spundvollen Lagerung?

Beitrag von Chesten » 19 März 2015 18:44

Vine hat geschrieben:Nee, nee ... Öl mag ich nich. Da hab ich dann unten Schlonz und oben Öl und muss mich wieder um die Trennung kümmern. Gas wäre super praktisch!
Du kannst ganz normal den Wein mittels Weinheber abziehen und wenn du dir die "Mühe" machen willst kannst du dir einen großen Scheidetrichter besorgen bei der Bucht oder so und dann hast du auch keine großen Verluste.

Auf dem ersten Blick scheind Gas praktisch zu sein aber wenn man schon im Labor den Aufwand wenn man unter Schutzgas arbeiten will nicht gerne macht wird das im Hausgebrauch nicht einfacher.

Mir kommt da grade eine Idee wenn du eine ausreichend dicke CO2-Schicht haben willst wäre Trockeneis eine Wahl mit CO2-Katuschen wie ma die fürs Sprudelwasser hat wirst du nicht weit kommen.
Aber Trockeneis ist nicht langerfähig und nicht grade billig aber es macht Spaß damit rum zu spielen :lol: wenn ausreichend gelüfetet wird :pfeif:
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Re: Das Ende der spundvollen Lagerung?

Beitrag von Flowie91 » 19 März 2015 19:58

StSDijle hat geschrieben:Wäre ich mir nicht so sicher. Es gibt viele Winzer die lange reifelagerungen im großen Gebinde (auf der Feinhefe) für vorteilhaft halten. Man müsste mal vergleichen ;)
Es gibt auch genug die Met nicht filtern, also gar nicht, weil sie meinen naturtrüb kommt von natürlicher...nur weil das einige mache und davon überzeugt sind, muss das noch lange nicht gut sein. So zb. auch der Mythos, Honig und/oder Met kochen. Soll jetzt aber nicht heißen, dass die Sache mit der Feinhefe falsch wäre.
Gegen eine Reifelagerung an sich sag ich ja gar nichts, im gegenteil. Aber das kann dann aber auch in der Flasche stattfinden. Wie es mit dem (positiven) Einfluss von Feinhefe beim lagern aussieht, das kann ich auch nicht sagen, lasse ich aber auch getrost außen vor. Man kann nicht alles einbeziehen.

Letzten Endes ist ja jedem selbst überlassen wie er seine Weine zubereitet/behandelt/lagert, da findet man schon seinen eigenen Weg ;)
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Re: Das Ende der spundvollen Lagerung?

Beitrag von 420 » 19 März 2015 20:36

Einfache Lösung:

mehrere Ballonflaschen mit unterschiedlichen Inhaltsmengen im Bestand führen. Kleinanzeigen machens möglich. So habe ich mit der Zeite viele Behältnisse umt unterschiedlichen Inhalten gesammelt (z.B. 3; 5; 5,5; 5,6; 10; 10,6; 11; 11,4; Liter usw.).

Und wenn dann mal 1/2 Liter übrig bleibt, Kühlschrank und danach schneller Verzehr.

Murmeln zum Füllen finde ich auch als Mehrarbeit und nicht praktikabel. Und die beiden anderern Lösungen (Gas und Oel) sind schon angesprochen.

Weiterhin könnte man auch große Klarglasvasen zweckentfremden, wenn oben ein Stopfen passt.

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