Gegendruckabfüllen - Erste Berührungspunkte

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apple87
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Gegendruckabfüllen - Erste Berührungspunkte

Beitrag von apple87 »

Ich wollte mal meine bescheidenen Erfahrungen teilen welche für den geneigten Brause-Brauer evtl. Interessant sein könnten. :D

Ausgangspunkt war ein Apfel-Johannisbeer(schwarz)-Wein. Apfelsaft selbst gepresst, alte Mostsorte mit wenig Säure aber sehr herb. Dazu Direktsaft von Schwarzer Johannisbeere (hab lang gesucht, gibts in Bio-Läden von Rabenhorst).
Das ganze wurde halbtrocken vergoren. Fein (0,7 µ) gefiltert kam das ganze dann in ein 19 L KEG (ähnlich NC-KEG) zusammen mit 12g/l Zucker und 1,5 g/l Milchsäure. Gesamtsäure war dann glaub bei 6,5 g. Meine Blaulauge war aber nimmer die frischeste. ?-? Gesamtzucker... keine Ahnung.
Das ganze dann mit 7 Bar zwangscarbonisiert.

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Filteraktion

Nach diversen experimenten mit Kompensatorzapfhahn was auch irgendwie funktionierte aber nicht optimal, hab ich mir so einen Gegendruckabfüller (GDA) der einfachen Art bestellt (so einen: https://www.braubebo.de/media/image/d6/ ... bo-262.jpg). Dazu noch ein paar Schlauchereien und Steckverbinder. Der Ständer einer alten Bohrmaschine dient als Vorrichtung zum Abfüllen.
Als Schutz für mich den "Helm" vom Freischneider mit Visier aufgezogen.

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Abfüll-Aufbau

Der GDA hat drei Anschlüsse: oben am 3-Wege-Hahn links Wein, rechts CO2 (plus Y-Stück zum Druckfass)
unten in der Mitte am Nadelventil: Druckablass/Überlauf (roter Schlauch)
Eingestellt habe ich am Druckregler der CO2 Flasche ca. 7,5-8 Bar. Mit dem Druck werden einerseits die zu füllenden Flaschen mit CO2 gespühlt und vorgespannt andererseits ein Überdruck (gegenüber Sättigungsdruck) im Druckfass erzeugt, damit das CO2 aus dem Wein nicht im Schlauch zum GDA ausperlt.

Das Druckfass wanderte vor dem Abfüllvorgang für 1 bis 1,5 h in den Tiefkühler. Ich hatte aber immer Angst um den Kugelhahn oben am Fass. Der Wein ware besser noch kälter gewesen. Die Flaschen kamen ins Tiefkühlfach.

Das Abfüllen hat eigentlich gut funktioniert. Flasche einspannen, CO2 auf, Nadelventil zum spühlen auf. Nadelventil zu. CO2 zu und Wein auf. Nadelventil auf und der Wein ist schön Blasenfrei in die Flasche geflossen. Wenn voll war, Wein zu, Nadelventil zu und nach kurzer Pause langsam geöffnet um den Überdruck abzulassen (der Korken muss ja drauf!). Hier hatte ich die meisten Probleme. Beim entspannen ist immer sehr viel CO2 ausgeperlt und ich musste das Nadelventil immer wieder schließen damit nicht zu viel Wein über den Schaum verloren geht. Dank Überlauf (Biersiphon) hält sich die Sauerrei in Grenzen.

Wenn sich die Schaumbildung soweit in Grenzen gehalten hat, dass ein Ausspannen möglich war, GDA nach oben, Flasche raus und mit Dosage (15 ml vorher beiseite genommener Wein mit Zucker (500 g/l)) aufgefüllt. Zusätzlich noch etwas nicht gezuckerter Wein sofern nötig. Dann Kunststoffstopfen drauf (Gummihammer) und Agraffe.

War ganz schön aufregend die Aktion. :lol:

Probleme:
-Kunststoffstopfen passen nicht so recht zu meinen Flaschen. Rein gehen sie mit dem Hammer gut, raus kaum. Man braucht manchmal Werkzeug. Vielleicht ist auch zu wenig Druck auf der Flasche.
-Somit zweites Problem. Ich glaube nicht, dass ich auch nur annähernd die 7 Bar in der Flasche habe. Messen kann ichs nicht. Prickeln tuts etwa wie Mineralwasser Classic (wäre ca. 3 Bar). Somit bin ich nicht sicher vor einer Nachgärung.

Geschmack:
Die Restsüße trifft genau meinen Geschmack (19,5 g/l + X), vom Apfel schmeckt man nicht allzuviel, Johannisbeere dezent. Ein leichter, herb-süßer Wein, sehr(!) süffig ?-|.
Zurückhaltend gesagt: Ich hab für den ersten Versuch was deutlich schlechteres erwartet :engel:
Ehrlich gesagt bin ich sogar ziemlich stolz auf mich :D . Auch sonst etwas voreingenommene Dritte sind angetan. Somit für den Erstversuch ein voller Erfolg. Viel war es leider nicht. Das meiste ist auch schon getrunken aber es animiert zum Weitermachen. :pfeif:
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Re: Gegendruckabfüllen - Erste Berührungspunkte

Beitrag von Chesten »

apple87 hat geschrieben: Geschmack:
Die Restsüße trifft genau meinen Geschmack (19,5 g/l + X), vom Apfel schmeckt man nicht allzuviel, Johannisbeere dezent. Ein leichter, herb-süßer Wein, sehr(!) süffig ?-|.
Zurückhaltend gesagt: Ich hab für den ersten Versuch was deutlich schlechteres erwartet :engel:
Ehrlich gesagt bin ich sogar ziemlich stolz auf mich :D . Auch sonst etwas voreingenommene Dritte sind angetan. Somit für den Erstversuch ein voller Erfolg. Viel war es leider nicht. Das meiste ist auch schon getrunken aber es animiert zum Weitermachen. :pfeif:
Glückwunsch ! Wenn es schmeckt ist es doch super :clap: :clap: :clap: !
Und was wäre es für ein Hobby wenn alles beim ersten Versucht perfekt laufen würde ? ...langweilig... aber dies ist nur meine Meinung :lol: !
"Die einzig stabile Währung ist die alkoholische Gärung" (Das Känguru-Manifest)

Hier findest du einen Anleitung wie man seinen ersten eigenen Wein herstellt:
http://www.forum.fruchtweinkeller.de/viewtopic.php?f=33&t=12175
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Re: Gegendruckabfüllen - Erste Berührungspunkte

Beitrag von apple87 »

Also ich muss sagen mir schmeckt er wirklich saumäßig gut. Es ist hald immer so eine Sache, seine eigenen Sachen zu loben :lol:
Muss ich definitiv wieder machen! Vielleicht etwas anders. Mit Tankgärung. Oder auch mal Flaschengärung. Aber generell ist die Kombination Apfel Schwarze Johannisbeere voll mein Ding :D Kirsche dazu kommt sicher auch gut...

Naja, wenn man ne Hand voll Hobbys hat und das ein oder andere auch wieder aufstecken muss aus Zeitmangel dann darfs Ruhig mal auf Anhieb klappen :pfeif:
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Re: Gegendruckabfüllen - Erste Berührungspunkte

Beitrag von 420 »

Wie immer - Hauptsache es schmeckt.
Du hast oben geschrieben - halbtrocken vergoren. War der Wein dann noch nicht durchgegoren? Danach hast Du noch 12 g/l Zucker zugegeben.
Diese 12 g/l Zucker ergeben ca. 3 bar absoluten Druck und 2 bar Überdruck. Jetzt kommt es nur noch darauf an, ob noch Restzucker im Wein war und wie viel. Damit könnte Deine Vermutung von ca. 3 Bar stimmen.

Auf jeden Fall ist es sehr interessant, weil ich in diese Richtung hinsichtlich Cidre auch überlege mir so etwas anzuschaffen. Kohlensäureflasche ist vorhanden, aber der Rest fehlt.

Viel Erfolg weiterhin und berichte weiter.
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Re: Gegendruckabfüllen - Erste Berührungspunkte

Beitrag von apple87 »

Hätte evtl. etwas konkreter werden sollen:
Vergoren habe ich halbtrocken, also noch mit leicht Restzucker. Die Gärung war schon kurz vor dem Ende. Ich stelle dann immer kalt um die Gärung so weit wie möglich runter zu fahren. Vermutlich habe ich auch leicht geschwefelt. Wenn soweit wie möglich Selbstklärung eingetreten ist, wird ins Druckfass abgezogen. Da kam dann 12 g/l Zucker dazu und Milchsäure. Dann wurde zwangscarbonisiert. Die weitere Gärung wurde also damit (größtenteils) verhindert.
So verfahre ich generell auch bei meinen anderen Apfel/Birnen/Quitten-Wein (Most) in Druckfässern. Allerdings sonst ohne Zuckerzugabe und i.d.R. auch ohne Säurezusatz.

Da mir der Selbstklärungsgrad nicht außreichend war (mit dem Ziel perlenden Wein zu haben) habe ich den Druck abgelassen und gefiltert (Grob, Mittel, Fein). Danach kam wieder alles ins Druckfass und erneut CO2 zum Carbonisieren bzw. Gärung unterbinden.
Danach kam die ganze Abfüllerei bzw. zuvor Test mit Kompensatorhahn.

Hoffe es war nun etwas nachvollziehbarer. Aller Druck kam also aus der CO2-Flasche, nicht aus der Gärung.
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Re: Gegendruckabfüllen - Erste Berührungspunkte

Beitrag von Fruchtweinkeller »

Schön dass das funktioniert. Damit habe ich noch keine Erfahrung, insofern finde ich die Beschreibung interessant. Auf dem Biersektor bin ich ja praktisch unbeleckt 😛
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Am Rande des Wahnsinns hat man die beste Aussicht.

Sorry, aber ich antworte nicht auf PMs, die inhaltlich ins Forum gehören!
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Re: Gegendruckabfüllen - Erste Berührungspunkte

Beitrag von 420 »

Alles gut, da habe ich Dich etwas missverstanden. Ich ging davon aus, dass die Zweitgärung wie beim Sekt im Keg stattgefunden hat. Und darum auch die Frage hinsichtlich Zucker usw. weil es für 6-7 bar nicht ausgereicht hätte.

Irgendwann werde ich das auch mal machen. Aber im Augenblick wohl nicht. Dafür müsste ich noch einiges investieren. Mindestens 2 Kegs (eins zum Umdrücken), Gegendruckabfüller, einige Schläuche und Anschlüsse, Manometer.... in Der Summe dann schnell mal über 200 €. Da mache ich im Augenblick eine kleine Zweitgärung (wie beim Bier mit Dosierhilfe) in der Flasche. So stehen noch einige Flaschen Cidre und Schlehencidre im Keller. Beide recht lecker - aber es wird schnell weniger - leider.

VG
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Re: Gegendruckabfüllen - Erste Berührungspunkte

Beitrag von apple87 »

Ja, alles was mit Druck zu tun hat und Lebensmittelecht sein muss kostet gleich mal mehr... :schlecht:

Zweitgärung ohne degorgieren? Schlehencidre klingt interessant. Hab noch Apfel-Zwetschge "auf dem Plan".

@Chefe: Mit Bier hab ich auch noch nichts zu tun gehabt (trinken ausgenommen, da hab ich viel Erfahrung :lol: ) Hab zwar schon mal eine Bestellliste gemacht, dachte mir dann aber ich beschränke mich erst mal auf Fruchtweine.
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