Frage zur Praxis

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wotan
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Frage zur Praxis

Beitrag von wotan » 22 Juni 2015 13:43

Hallo Winzerfreunde,

ich hab jetzt einen Kühlschrank! den ich im Sommer zur Klärung verwenden möchte (ja ich bin krank ;) ).
Folgendes Problem sehe ich dabei: Der Wein warm, wird sich abkühlen und zusammenziehen und dabei das Gärrohr leerziehen….was tun? Soll ich den Ballon einfach komplett verschließen?
Bin um Tipps dankbar.
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Re: Frage zur Praxis

Beitrag von Fruchtweinkeller » 22 Juni 2015 14:03

Das lässt sich kaum vermeiden und das muss der Wein auch überstehen. Wichtiger ist, dass es später nicht zu großen Temperaturschwankungen kommt, denn dann könnte der Ballon immer wieder "frische Luft" nachsaugen.
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Re: Frage zur Praxis

Beitrag von Nathea » 22 Juni 2015 14:04

Warum sollte sich das Gärrohr "leerziehen"?

Das schlimmste, was Dir geschehen kann ist, dass es einen "Rückwärts-Blubb" gibt (quasi das Gegenteil von dem, was bei der Gärung geschieht), bei dem eventuell nicht ganz "reine" Luft von außen nach innen in den Ballon dringt.

Viele Grüße,
Sylvia

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Re: Frage zur Praxis

Beitrag von Fruchtweinkeller » 22 Juni 2015 14:11

Ich bin davon ausgegangen, dass Wotan den "Rückwärts-Blubb" meinte :) Falls nicht: Man darf das Gärrohr freilich nicht so voll machen, dass Wasser aus dem Spund im Wein landen könnte.
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Re: Frage zur Praxis

Beitrag von wotan » 22 Juni 2015 14:44

Danke Freunde für die schnellen Antworten. Ich meinte schon den "Rückwärts-Blubb"...wäre es eine Möglichkeit den Wein mit Gärrohr in den Kühlschrank zu stellen und in dann,
wenn er abgekühlt ist mit einer Gummikappe ohne Loch komplett zu verschließen. Den ich glaube bei so einem Rückwärts-Blubb kommt leicht wasser aus dem Rohr in den W :? ein
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Re: Frage zur Praxis

Beitrag von Fruchtweinkeller » 22 Juni 2015 17:39

Ich traue mich nicht, die Glasballons "fest" zu verschließen. Die sind nicht unbedingt stabil und können sowohl bei Über- als auch Unterdruck recht schnell bersten. Und manchmal zieht man etwas früh ab, hat doch noch ein wenig Gasbildung, dann würde ein Überdruck entstehen... dann kann es erst recht krachen.
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Re: Frage zur Praxis

Beitrag von wotan » 22 Juni 2015 18:15

Vielen Dank für den Tipp....ich werde es machen wie Du empfohlen hast, ein Gärrohr und das nicht zu voll -> das funktioniert sehr gut 8-)
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Re: Frage zur Praxis

Beitrag von Vine » 23 Juni 2015 19:40

Ich würde es auch nicht fest verschließen, denn es gibt ja zwangsweise eine Druckveränderung. Ein überlanges Gärröhrchen, wo der Weg für die Flüssigkeit zum Ballon recht groß ist, könnte abhelfen und Sicherheit bringen. Wir haben hier doch einen Glasbläser ... Oder einfach offen stehen lassen und etwas Argongas einleiten, dann sollte es auch keine Probleme geben :)
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Re: Frage zur Praxis

Beitrag von Professore » 23 Juni 2015 21:26

Fruchtweinkeller hat geschrieben:Ich traue mich nicht, die Glasballons "fest" zu verschließen. Die sind nicht unbedingt stabil und können sowohl bei Über- als auch Unterdruck recht schnell bersten.
Das mit dem Unterdruck sehe ich jetzt nicht so kritisch. Wenn ich Onkel Amotons anwende um die
Druckänderung abzuschätzen, dann komme ich bei der Abkühlung von 25 °C auf 6 °C gerade mal auf
eine Änderung von 0,06 bar. Da zieht meine Enolmatik deutlich kräftiger. Und (KnockOnWood), bisher
ist kein Ballon implodiert (bis auf den Quadratballon).

Überdruck würde ich da auch kritischer sehen.

Gruß

Jochen
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Re: Frage zur Praxis

Beitrag von Fruchtweinkeller » 23 Juni 2015 22:10

Können wir das hier Anwenden? Es geht doch primär um Flüssigkeiten, nicht um Gase.
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Re: Frage zur Praxis

Beitrag von Professore » 23 Juni 2015 22:46

Nun, wir haben einen Ballon, der mit einem Teil Flüssigkeit und einem Teil Gas gefüllt ist.
In erster grober Näherung hab ich das Volumen der Flüssigkeit als konstant angenommen.
Dann ist auch das Volumen des Gases konstant und die Ideale Gas-Gleichung vereinfacht sich
zu dem Gesetz von Amontons.

Berücksichtigt man die Volumenänderung der Flüssigkeit, dann wird es etwas komplizierter.
Der Raumausdehnungskoeffizient y von Wasser bei 20°C ist 0,207 x 10-3 1/K. Für geringe
Temperaturänderungen gilt:

V = Vo + Vo x y x Delta T

Nehmen wir an, ein 10 l Ballon ist mit 9,5 l Wein gefüllt, dann ändert sich das Volumen
des Weins bei Abkühlung von 25 °C auf 6 °C um ca. 0,03 l.

Wendet man die Ideale Gas-Gleichung an, dann ändert sich der Druck bei Abkühlung um
19 °C von 1 bar auf 0,93 bar.

Annahmen: Ideales Gas statt reales Gas, Wasser statt Wasser/Alkohol-Mischung, Näherung bei
kleinen Temperaturänderungen, Ausdehnung des Ballons vernachlässigt. Änderung des Raum-
ausdehnungskoeffizienten von Wasser mit der Temperatur vernachlässigt.

Gruß

Jochen
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