Klärung durch mehrmaliges Umfüllen?

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Kaffeewein
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Klärung durch mehrmaliges Umfüllen?

Beitrag von Kaffeewein »

Hallo Weinfreunde
Bin neu hier und habe noch wenig Erfahrung.
Auf der Suche nach Info bezüglich Klärung habe ich gesehen, dass manche scheinbar mit Erfolg Klären und die Gärung stoppen, indem sie den Wein jede Woche einmal umfüllen und so die Hefe nach mehrmaligem Umfüllen loswerden.`
Ich habe meine ersten Weine zweimal umgefüllt und sie wurden auch mit der Zeit klar. Aber die Resthefe hat, wie es aussieht, nach einer Weile den von ihr produzierten Alkohol einfach wieder aufgefressen. Es ist nur noch ein Bruchteil davon vorhanden, fast schon ein alkoholfreier Wein.
Hier im Forum scheint es, dass das niemand so macht. Die meisten filtern offenbar.
Frage: Hat jemand Erfahrung mit dieser Methode?
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Fruchtweinkeller
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Re: Klärung durch mehrmaliges Umfüllen?

Beitrag von Fruchtweinkeller »

Mahlzeit und willkommen hier bei uns,

gerade aus der Metecke findet man solche Empfehlungen gelegentlich. Da soll dann lustig über Monate oder Jahre hinweg (!) mehrmals abgezogen werden. Aber das macht keiner hier, weil man das nicht macht :mrgreen: Erstens gibt es keine Garantie dass Nachgärungen verhindert werden, speziell wenn man dabei zu ungeduldig ist und nicht sauber arbeitet. Immerhin belebt Sauerstoffeintrag Resthefen, sodass sie sich lustig wieder vermehren können. Zweitens fördert der wiederholte Sauerstoffkontakt Oxidation, sodass der Wein seinen ursprünglichen Charakter verliert; speziell Met, der, angesetzt nach den weit verbreiteten 0815-Rezepten, diesbezüglich ohnehin sehr empfindlich ist. Und bei jedem Abziehen geht Volumen verloren, sodass der Ballon immer weniger gut gefüllt ist, so wird der Sauerstoffkontakt immer stärker.

Deshalb ist das weder für irgendwas zielführend noch irgendwie empfehlenswert. Das der Alkoholgehalt derart in den Keller geht finde ich allerdings doch ungewöhnlich. Du hast 2x umgefüllt, wir reden also über einen Zeitraum von nur zwei Wochen? Da würde ich sogar sagen: Das ist unmöglich. Über welchen Alkoholgehalt reden wir hier, wie hast du ihn bestimmt? Beobachtest du mikrobielles Wachstum (Bodensatz, Decke), wie viel leeren Raum hast du im Gefäß?
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Re: Klärung durch mehrmaliges Umfüllen?

Beitrag von willkomm2000 »

will keinem unrecht tun,
hab aber schwer das gefühl, dass hier eine spass-troll unterwegs ist, der uns auf die zeit hält. keine vorstellung, sonderbarer beitrag, null reaktion.
gilt grad auch für einen ähnlichen fall, vielleicht ja der gleiche (spass-troll).
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Josef
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Re: Klärung durch mehrmaliges Umfüllen?

Beitrag von Josef »

Einen Troll hätte ich jetzt nicht vermutet, dafür ist der Beitrag zu lang.
Aber das der Alkohol verschwunden ist, hat mich schon stutzig gemacht. Da weiß ich gar nicht was ich davon halten soll. :hmm:
Kaffeewein
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Re: Klärung durch mehrmaliges Umfüllen?

Beitrag von Kaffeewein »

Also nochmal - ich bin Anfänger und kein Spasstroll:)
Ich bin in Kolumbien und habe hiereine Kaffeeplantage. Da wächst auch sonst noch allerhand, z. B. Bananen, Orangen und Mandarainen. Das hat mich animiert, Versuche zu machen.
Ich habe zwei verschiedene Weine gemacht. Einmal mit dem Fruchtfleisch der Kaffeekirsche und einmal mit Orangen. Angesetzt habe ich mit Backhefe in Trockenform und Zucker. Beides schmeckt sehr gut und ist erstaunlich stabil, angebrauchte Flaschen halten wochenlang ohne zu kippen. Auf die Details der Gärung würde ich gern später noch einmal zurückkommen.
Mein Denkansatz war, dass wenn ich die Maximalmenge von 220g/Liter einsetze, die Gärung am Ende von selbst zum Stillstand kommt und ich keinen Schwefel einsetzen muss. Soweit meine Theorie.
Irgendwann wurde die Gärung tatsächlich immer weniger und kam nach Wochen schliesslich scheinbar zum Stillstand. Ich arbeite mit HDPE-Fässern von 60 Liter Inhalt mit dichten Schraubdeckeln. Darin habe ich die Weine ein halbes Jahr lang gelagert. Danach war ein Grosteil des Alkoholswieder weg. Nun habe ich im Internet gelesen, dass die Hefe, wenn sie sonst nichts mehr findet, unter bestimmten Umständen auch den von ihr produzierten Alkohol wieder verputzen kann. Das waren die Voraussetzungen für meine Anfrage.
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Fruchtweinkeller
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Re: Klärung durch mehrmaliges Umfüllen?

Beitrag von Fruchtweinkeller »

Hallo Kaffeewein,

nix für ungut, wir hatten in letzter Zeit ein paar Probleme mit Trollen, die erst ganz unschuldig taten und uns anschließend mit Werbung zugemüllt haben. Bitte nicht persönlich nehmen ;)

Wie hast du den Alkohol denn gemessen? Kannst du dramatische Fehler bei der Messung ausschließen? Genau sind die "Bordmittel" Senkspindel und Vinometer keinesfalls (siehe Kapitel "Analytik" auf der HP). Die Zuckerkalkulation ist in der Praxis auch problematisch, sieh Kapitel "Zucker" auf der HP.

Zum Problem: Grundsätzlich bauen im Wein gerne Essigsäurebakterien oder Hefen Alkohol ab. Bei den Bakkis würde Essig entstehen, das würdest du riechen. Die Hefen (beispielsweise Kahmhefen, aber auch Back- und sogar Weinhefen) würden sich aber dramatisch vermehren, vorzugsweise an der Oberfläche, das würdest du sehen. Und beide Mikroorganismen brauchen zwingend Sauerstoff für den Abbau von Ethanol. Das wirft die Frage auf, wie deine Fässer verschlossen sind und wie dicht sie wirklich sind.

Wenn du kein Indiz für mikrobielles Wachstum hast: Ich kann es mir eigentlich nicht vorstellen, aber könnte der Alkohol verdunsten/durch den Kunststoff entweichen? Mach doch mal bei deinem nächsten Ansatz folgenden Versuch: Fülle etwas vom Wein parallel in ein größeres Glasgefäß und verschließe es mit einem Gärspund. Da sollte sich eigentlich wenig tun, und der Alkoholgehalt sollte konstant bleiben.
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Kaffeewein
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Re: Klärung durch mehrmaliges Umfüllen?

Beitrag von Kaffeewein »

Danke erst einmal für Deine Ausführungen.

Die beiden Weine sind ganz unauffällig, nichts riecht ungewöhnlich, am der Oberfläche ist nichts zu sehen.
Die Senkspindel zeigt beim Orangenwein noch 5 an, beim Kaffeewein sogar nur noch 0. Alkohol ist aber noch vorhanden, allerdings viel weniger, das merkt man bei der Probe eindeutig.
Würde man es irgendwie sehen oder riechen, wenn die Rest-Hefe den Alkohol verputzt hätte?
Bleibt sonst wohl nur, dass der Alkohol verdunstet ist. Die Frage ist dann, wie? Durch die Deckeldichtung oder durch die Wände des Behälters aus HDPE? Der Deckel müsste evtl. nach einer gewissen Zeit erneut angezogen werden, damit er ganz dicht bleibt, da die Dichtung möglichweise mit der Zeit etwas nachgibt.
HDPE-Fässer werden ja auch als Teil von Anfängersets angeboten. Sollten die Diffusionsdicht sein? Gibts dazu verbindliche Infos? Zur Durchlässigkeit von HDPE (PEHD) konnte ich nichts finden, ausser dieser sehr technischen Doku, die ich nicht verstehe.
https://www.bfr.bund.de/cm/343/barriere ... mittel.pdf
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Fruchtweinkeller
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Re: Klärung durch mehrmaliges Umfüllen?

Beitrag von Fruchtweinkeller »

Mit Senkspindeln kannst du bei Weinen weder den Zucker- noch den Alkoholgehalt bestimmen. Warum? Siehe Homepage, Kapitel Analytik: https://fruchtweinkeller.de/anleitungen/5-die-analytik/
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Weltraummarmelade
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Re: Klärung durch mehrmaliges Umfüllen?

Beitrag von Weltraummarmelade »

Hallo Weinfreunde,

dachte nicht, dass ich für meinen ersten Beitrag die Kunststofftechnik rausholen muss. :lol:

HDPE ist generell okay, wenn es um Diffusionsdichtigkeit und chemische Beständigkeit geht, aber Stichwort: Kolumbien.

1. Ein Diffusionstreiber ist neben Druck oder Zeit eben die Temperatur.
2. Wenn der Kunststoff nicht UV-stabil ist, kann er auch porös werden. (nicht merklich, aber Extrembeispiel: alte billige Gartenmöbel aus Plaste, draufgesetzt, knack)

Nur mal ein Gedanke gewesen, man weiß ja nie. :D

Kann mir aber eben wirklich nicht vorstellen, dass da alles verschwindet.

Beste Grüße
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JasonOgg
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Re: Klärung durch mehrmaliges Umfüllen?

Beitrag von JasonOgg »

Weltraummarmelade hat geschrieben: 10 Oktober 2021 22:01 dachte nicht, dass ich für meinen ersten Beitrag die Kunststofftechnik rausholen muss. :lol:
:lol: :lol: :lol:
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