Und noch ein "erster Kirschmet" mit Fragen

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Acki
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Und noch ein "erster Kirschmet" mit Fragen

Beitrag von Acki » 08 Januar 2016 09:52

Hallo an alle Fruchtwein- und Met-Liebhaber,

zunächst mal danke für das tolle Forum und natürlich auch die tolle Seite FWK. Hab bereits viel gelesen und gelernt. Bin eigentlich über meine Hobby-Imkerei zwangsläufig irgend wann auch auf das Thema Met gestoßen - und dann nach meinem ersten Met Versuch nach der Most- und Weinfibel aus dem Baumarkt (Ergebnis ist schon vielversprechend und hat somit Lust auf mehr gemacht) bin ich auf der Suche nach weiteren Infos hier gelandet und fühle mich bestens aufgehoben und angeleitet. Großer Dank!!!

So, mein neuestes Projekt - Kirschmet nach FWK - ist genau Silvester angesetzt und hat sich bislang mächtig ins Zeug gelegt.
Kurz die Daten:

Ansatz war ursprünglich für 10 L geplant - angesetzt mit 11 L im 15 L Ballon
4,5 Kg Sauerkirschen (TK, ungezuckert, entsteint)
2,2 Kg Honig (Blütenmischung)
10 ml Antigel
3 Tabl. Nährsalz
2 L Apfelsaft naturtrüb
Flüssighefe Portwein - im Starter zwei Tage im Voraus vermehrt - sehr aktiv

Wie die Kundigen unter Euch natürlich wissen, steht nun nach ca 1 Wo das Abpressen der Früchte an. Zur Auswahl stehen hier für mich der Handpresssack oder eine 10 L Spindelpresse (nutze ich sonst für die Ernte meines Honigs als Presshonig)

Letzte Messungen vor dem Abpressen: Alc ca. 11 Vol% (Vinometer mit Testwein recht genau), geringe Restsüße, sehr dominanter Kirschgeschmack. Gärung ca 25-30 sec (Gärkappe)
Wie ich beim Stöbern im Form erkannte, ist meine Kirschmenge für meinen Ansatz wohl deutlich zu hoch - die Angaben im FWK Rezept beziehen sich auf Kirschen mit Kern (hab ich leider zu spät erkannt). Daher schmeckt mein Ansatz bislang eher wie K-Wein und nicht wie K-Met. Ich werde daher korrigieren und nach dem Abpressen der Früchte den Ansatz neu auf 15 L trimmen und mit Honig nachzuckern.
Ist das Eurer Meinung nach OK??

Zweite Frage:
Irgendwo hier im Forum habe ich widersprüchliche Tipps zum Nachzuckern vor oder nach dem Abpressen gefunden.
Vor dem Abpressen sollte die Gärung nochmals ankurbeln, damit der Weinling nach dieser Störung wieder gut anläuft.
Nach dem Abpressen sollte verhindern, dass das Abpressen eine zu klebrige Angelegenheit wird.

Nachtrag: noch eine Frage: ist für das Abpressen eine Schwefelung notwendig - wenn ja, vor oder nach dem Abpressen?

Also, wie sind Eure Erfahrungen - Nachzuckern (mit Honig für 1 Vol%) vor oder nach dem Abpressen.

Danke im Voraus für Antworten

Gruß Acki

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Metinchen
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Re: Und noch ein "erster Kirschmet" mit Fragen

Beitrag von Metinchen » 08 Januar 2016 10:44

Hallöchen,
immer nach dem Abpressen nachzuckern. Wenn die Hefe gute Bedingungen vorfindet wird sie innerhalb 1-2 Tagen wieder durchstarten. Es ist ja nicht so das sie nach dem abpressen nichts mehr macht, sondern eher so das beim Abpressen ziemlich viel CO² ausgetrieben wird und der Ansatz sich erstmal wieder aufsättigen muß.
Die Säure hast Du gemessen und eingestellt?
Wenn er Dir zu kirschig schmeckt, ist nach dem Abpressen der richtige Zeitpunkt um noch Wasser dazuzugeben, unter Berücksichtigung der vorhandenen Säurewerte.
Viele hier machen die Maischegärung mit etwas weniger Wasser und stellen dann die Säure beim Abpressen, meist durch Wasserzugabe, seltener durch Säurezugabe auf den gewünschten Wert ein.
Mach mal, passt schon.

Grüße Metinchen
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Re: Und noch ein "erster Kirschmet" mit Fragen

Beitrag von Acki » 08 Januar 2016 11:46

Hallo Metinchen

danke für die Antwort.
Die Säureeinstellung ist für nach dem Abpressen geplant. Da ich den ganzen Ansatz im Abschluss auf 15 L trimmen will (spundvolle Lagerung im 15 L Ballon) ist der Freiheitsgrad zur Säureeinstellung durch Wasserverdünnung nicht möglich. Werde daher entsprechend geplantem Endvolumen mit Milch- und Zitronensäure endjustieren.

Gruß Acki

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Re: Und noch ein "erster Kirschmet" mit Fragen

Beitrag von Fruchtweinkeller » 08 Januar 2016 23:36

Ergänzend möchte ich anmerken: Beim Abpressen verursacht man immer ein paar Kollateralschäden. Die Putzaktion wird umso leichter je geringer der Zuckergehalt ist. Hier ist also ein gutes Timing vorteilhaft ;)
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Re: Und noch ein "erster Kirschmet" mit Fragen

Beitrag von 420 » 08 Januar 2016 23:49

Und wenn ich mit der Hand abpresse, ist der Presssack so tief wie möglich im 20 Liter Eimer versenkt. Teilweise presse ich auch ischon grob m Wein eingetaucht ab. Dann spritzt es auch nicht. Wir wollen ja nicht so viel wieder säubern müssen.

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Re: Und noch ein "erster Kirschmet" mit Fragen

Beitrag von Acki » 09 Januar 2016 18:22

Ja, es hat ein wenig gesaut - hielt sich aber in Grenzen dank recht großer 25 L Honig Plasteeimer.
Zunächst hatte ich noch Bedenken, die Kirschen vollständig aus dem Ballon zu bekommen - war aber unbegründet. Hab den Pressbeutel einfach über die Öffnung des Ballons gestülpt und festgebunden. Dann das Ganze in den Plasteeimer gehängt und vorsichtig gekippt und immer schön aufgepasst, dass die Kirschen mit dem Wein rausschwimmen und nicht den Hals verstopfen.
Nach dem Abpressen hatte ich bei ursprünglich ca 4,5 kg TK Kirschen im Ballon nur ca 1/2 L Volumenverlust.
Zurück in den Ballon und mit 350 g Honig aufgezuckert und mit dest. Wasser auf 13 L aufgefüllt.
Säuremessung nach Volumenauffüllung ergab 6,2 g/L - hab ich so belassen.
Bereits nach kurzer Zeit setzte die Gärung wieder ein und hat sich heute über Tag so auf einen 6-7 sec Takt eingepegelt. (benutze eine Gärkappe für 9 mm Spundloch - vermute, dass hier mehr CO2 / Blub benötigt wird als bei Gärröhrchen?)

Gruß Acki

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Re: Und noch ein "erster Kirschmet" mit Fragen

Beitrag von Acki » 27 Januar 2016 07:56

Kleines update am Tag 27 mit Frage
In den 4 Wochen nach Ansatz ist mittlerweile 4 mal mit je 350 g Honig nachgezuckert worden. Bei jeder Nachzuckerung ist das Volumen durch den Honig selbst sowie geringe Wasserzugaben auf nun 14,5 l erhöht worden. Zur Erinnerung - Ansatz war ursprünglich für 11 l gedacht. Hatte aber irrtümlich die angegebene Kirschmenge entsteint genommen und damit zu kräftigen Kirschgeschmack.
Die Gärung ist noch sehr gut im Gange und startet nach jeder Nachzuckerung sofort wieder durch. Alc. bei letrzter Messung bei ca 12%.
Nun meine Frage:
Hab den Ballon mehr als regelmäßig geschwenkt. D. h. mehrmals täglich im Korb angehoben und ordentlich gedreht.
Gestern habe ich den Ballon erstmals aus dem Plastekorb gehoben - wollte mal schauen, wie der Grund so aussieht. Es hatte sich eine ziemlich dicke Schicht unten abgesetzt. Habe sie nur durch sehr heftiges und lang anhaltendes Schütteln auflösen können.
Ist solch eine dicke Ablagerungsschicht zu diesem Zeitpunkt normal?
Besteht die Gefahr, dass hier bereits abgestorbene Hefe liegt und vor sich hin gammelt?
Ist es ratsam, den Ansatz bereits jetzt mitten in der Gärung von diesem Schlamm abzuziehen?

Gruß Acki

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Re: Und noch ein "erster Kirschmet" mit Fragen

Beitrag von Metinchen » 27 Januar 2016 09:14

:tsts: Nicht abziehen, die Hefe wird noch gebraucht.
Schwenken ist so ein grober Begriff. Gemeint ist solange und gründlich zu schwenken/schütteln/drehen (wie man es auch immer nennen mag) bis sich der Bodensatz gelöst hat.
Je weiter die Gärung fortgeschritten ist, desto langsamer verläuft sie. Es kann durchaus sein das morgen wieder ein dicker Bodensatz zu sehen ist. Bei einigen meiner Weine war diese Schicht auch nach nur einem Tag fest und hartnäckig, bei anderen hat man ein eher lockeres Depot. Freu Dich einfach das es eine feste Schicht ist, das läßt sich viel einfacher und sauberer abziehen. Aber erst wenn die Gärung zu erliegen gekommen ist ;) . Falls Du jetzt abziehst wirst du dir eine Gärstockung einfangen, das heißt die Gärung wird sich ewig hinziehen. Deshalb lieber jeden Tag gründlich schütteln. Je voller der Ballon ist desto schwieriger wird es, aber da mußt Du nun mal durch (denk´an die Belohnung wenn der Kirschmet fertig ist :twisted: ).
Grüße
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Re: Und noch ein "erster Kirschmet" mit Fragen

Beitrag von Acki » 27 Januar 2016 14:07

Danke für die beruhigende Antwort. Werd mich jetzt beim Schwenken halt mehr ins Zeug legen.
Gesundheitsförderliche Körperertüchtigung durch Schwenken zur Erzeugung eines gesundheitsschädlichen Giftes :mrgreen:

Gruß Acki

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Re: Und noch ein "erster Kirschmet" mit Fragen

Beitrag von Fruchtweinkeller » 27 Januar 2016 21:21

Das ist die richtige Einstellung :lol:
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Sorry, aber ich antworte nicht auf PMs, die inhaltlich ins Forum gehören!

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Re: Und noch ein "erster Kirschmet" mit Fragen

Beitrag von Acki » 01 Februar 2016 08:23

Hallo - und noch eine Frage an die Kirsch-Met Experten

bei meiner letzten Kontrolle und Nachzuckerung am WE (Alc ca 13%) hatte ich das Gefühl, dass der Weinling etwas flach schmeckt.
Das kann natürlich an fehlender Säure liegen - zu Beginn lag sie etwa bei 6,2 g/l - infolge des Volumenzuwachses beim Nachzuckern kann das aktuell schon etwas niedriger sein. Das werd ich auf jeden Fall im Blick haben und ggfs. korrigieren.
Aber eine andere Frage stellt sich mir - nämlich ob, und wenn ja wie kann evtl auch Tannin zu mehr Fülle im Kirsch-Met führen. Wenn ich es richtig verstehe, ist Tanninzugabe in Kirschwein eigentlich nicht notwendig. Bei Met ist allerdings die Fruchtmenge halbiert.
Also meine konkrete Frage - Tannin ja oder nein. Hat hier jemand Erfahrung.

Gruß und Dank im Voraus

Acki

Erster Nachtrag. Auf der HP sind besonders geeignete Tannine aus Eichenholz bzw. Traubenhäuten zur Geschmacksverbesserung empfohlen. Wo bekommt man genau diese. Mein Tannin von Kitzinger lässt leider solche Inhaltsangaben vermissen :hmm:

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Re: Und noch ein "erster Kirschmet" mit Fragen

Beitrag von Fruchtweinkeller » 01 Februar 2016 21:15

Tannin-> Siehe Bezugsquellen, zB hbs24.de oder Brouwland.

Ich gebe ganz gern etwas Tannin zu, auch bei Fruchtweinen. Da du bei deinem Kirschmet ja ohnehin nicht die volle "Fruchtdosis" hast würde Tannin sicher nicht schaden.
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