alles mäßig, so n Ärger!

Der Lohn der Mühe: Was trinkt ihr gerade, und wie beurteilt ihr den Wein?
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Catalpa
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Beitrag von Catalpa » 10 Februar 2010 19:22

Hallo,

wie in einem anderen Beitrag geschrieben habe ich mir neue Weinregale gekauft und beim einräumen gleich mal meine Erzeugnisse getestet. Die ältesten sind jetzt zwei Jahre... Aber ich hatte wohl beim Abfüllen die rosa Brille auf oder der Konsum von teuer gekauftem Wein hat mich verwöhnt. Ne, im Ernst von 9 Weinen ist das Meiste Schrott! :evil: *knirsch*

Verarbeitet habe ich Pflaumen, Äpfel, Schlehen, Honig und ein paar Hagebutten. Der letzte Pflaumenwein geht so und die beiden Schlehen/Honig-Weine sind zu süß aber brauchbar.

Die Probleme sind vielfältig:

a) alles zu süß
irgendwie mache ich die Nachzuckertechnik nicht richtig. Verstehe das aber nicht so ganz, ich zucker nach bis die Gährung aufhört. Aber das was mir zu dem Zeitpunkt o.k. vorkommt ist später zu süß.

b) Hefegeschmack
ich habe Port, Kaltgärhefe, Champ und eine "unbekannte" benutzt, fast alle Weine habe mehr oder wenig einen Hefegeschmack. Lasse ich sie zulange auf der Hefe? Aber solange es gährt ist halt auch der Bodensatz drin.

c) Alkohol
ALLE Weine haben zw. 16 und 19% im grunde ist das nicht schlimm aber sie schmecken auch "sprittig", wie ein Longdrink mit zuviel Alk.

Das ich noch nicht sonderlich gut bin war mir klar, aber wenn man alle Weine am Stück durch testet ist es schon sehr enttäuschend :(

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Pantscher
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Beitrag von Pantscher » 10 Februar 2010 20:52

Zu a) Nicht nachzuckern bis die Gärung aufhört, sondern nachzuckern wenn die Gärung aufhört, und die Hefe allen Zucker verbraucht hat. Ganz am Schluss auch vorsichtiger, es soll zwar am Gärende noch ausreichend Zucker wegen dem Geschmack drin sein, allerdings schau ich z.B. beim ersten Abziehen, dass nicht zuviel Zucker drin ist. Wenn es mir dann beim Flaschenabfüllen oder beim Trinken zu wenig ist, kann ich ja immer noch was reingeben.

Zu b) Nach Hefe schmecken meine Weine am Anfang der Lagerung auch, Bodensatz hab ich manchmal auch(weil ich so ein untalentiertet Tor bin,eigentlich sogar öfter). Allerdings sollte sich der Geschmack geben, und beim Einschenken bin ich halt vorsichtig, dann bleibt der Bodensatz in der Flasche.

Zu c) kann ich nichts sagen, wie ich schon öfter gejammert hab, weiß ich nicht wie ihr alle auf so astronomisch hohe Alkwerte kommt. Ich krebs immer bei max 14% rum. Das ist aber auch schon manchmal zu viel, aber das Zauberwort heißt: "Schorle"! Dadurch kommen auch die Aromen manchmal viel besser zur Geltung.

PS.: Ich hab mich mal erdreistet hier kluge Ratschläge zu geben, es gibt im Forum Leute die kennen sich um einiges besser aus...

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Josef
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Beitrag von Josef » 10 Februar 2010 20:56

Das hört sich ja garnicht gut an. :(
Aber was mich wundert, warum ist der Wein zu süß?
Wenn ich das richtig verstanden habe, hast du nachgezuckert bis der Wein durchgegoren war. Danach ist er doch mehr oder weniger trocken, fast der ganze Zucker ist vergoren. Wie kann er dann nach Monaten zu süß sein? :schlecht:
Oder hast du nach der Gärung zuviel nachgesüßt?

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traubnix
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Beitrag von traubnix » 10 Februar 2010 21:37

Moin Catalpa,

Wein zu süß.... kenn ich! Man nimmt einen kleinen Probeschluck, findet den Wein zu herb ( evtl hat man vorher noch was Süßes gegessen) und zuckert nach.... Ich brauche z.B. für einen herben Wein immer so eim paar Schluck um mich "einzutrinken"... :D Wirklich! Nach dem ersten beiden Schlückchen kommt oft "puh... herbes Stöffchen" und nach dem 3.Schluck " eigentlich ganz erfrischend" nach dem 4. Schluck "lecker!" :D Also Mut zur Herheit - Zucker einrühren kann man beim Trinken immer noch.
Nachzuckern nicht ständig bis die Gärung zu Ende ist, sondern mit geringer Zuckermenge starten, wenn der Weinling sehr herb und sauer schmeckt immer nur soviel nachzuckern, dass eine leichte Süße wahrnehmbar ist. Ist aber alles in der HP super beschrieben.
Das Hefeproblem - sollte sich durch die Lagerung eigentlich geben. Wie lange steht denn dein Wein auf der Hefe? Du benutzt Kaltgärhefe - hab ich keine Erfahrung mit. Meine Weine werden bei ca 20°C vergoren und wenn er Mucken macht, kann ich ihn zusätzlich vor den Kaminofen schieben. 8-) Rekordhalter mein Schlehenmet, der war in ca. 5 Wochen durch und konnte von der Hefe. Filterst du deinen Wein?
Alkoholgeschmack. Also, ich hab ja auch schon ein "Angebervinometer", das lügt sich locker 2,5 % mehr in die Tasche. Aber 19 % hat es sich noch nicht getraut :D
Ich vermute mal, dass im Harmoniedreieck Alkohol, Süße und Säure was nicht passt. Süß und alkoholisch ist dein Wein - solche Weine vertragen etwas mehr Säure. Welche Säurewerte hast du eingestellt?

Nicht verzagen!! Vielleicht versuchst du mal ein Rezept stur nach der HP?

Gruß
traubnix

[Dieser Beitrag wurde am 10.02.2010 - 21:49 von traubnix aktualisiert]
Wein und Honig sind keine blossen Nahrungsmittel; es sind die gesammelten flüssigen Sonnenstrahlen des letzten Sommers.

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Catalpa
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Beitrag von Catalpa » 10 Februar 2010 22:28

Ich beschreibe mal was ich so getrieben habe am Beispiel eines der letzten Weine, habe ja alles
fein säuberlich aufgeschrieben :-D

z.B. die letzte Pflaume

11,4kg Pflaumen mit 7,6L Wasser, 34g Antigel, 3kg Zucker als Maische angesetzt am 12.09.2009

20.09 abgepresst, alles gut aufgelöst, 6% Alk
26.09 13%
03.10 16% sauer, nachgezuckert 300g
14.10 17% sauer, nachgezuckert 200g
18.10 17% sauer, nachgezuckert 200g
27.10 17,5% sauer, nachgezuckert 200g
31.10 18% sauer, nachgezuckert 300g
Gehrende, Süße nach "Geschmeck" +150g
geschwefelt, grob von der Hefe abgezogen und zum Klären in die Garage gestellt, ca. 4 Wochen. Als er halbwegs klar war auf Flaschen gezogen.

Der Wein ist besser als meine erste Pflaume vom letzten Jahr, aber zu sprittig. Er ist leicht süß, denke das geht aber noch etwas zurück. Leichter Hefegeschmack. Zähle ihn zu den "guten".

Schlimmer ist der Apfel. Herstellung wie die Pflaume, ähnlicher Verlauf. Ergebnis:
deutlicher Hefegeruch (erinnert an frische Backhefe) und Alkohol-Geruch. Geschmacklich
wie Apfelsaft mit Korn, Säure o.k.

Säure stelle ich immer so auf 6-7g/L ein.

Was am meisten stört ist der Hefegeruch.
Ich habe schon verschiedene Hefen probiert, aber ohne große Änderungen zu verbuchen.

vielen Dank für eure Tips :)

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tiga
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Beitrag von tiga » 10 Februar 2010 22:37

Hallo
auf welches Volumen hast du nach dem Abpressen aufgefuellt?
Gruss
Jan

Ich bin nicht politisch korrekt.

Meine Facebook-Seite: https://www.facebook.com/foodpornlc

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Catalpa
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Beitrag von Catalpa » 10 Februar 2010 22:42

Habe nichts aufgefüllt, hätte man das machen sollen? Bisher habe ich immer nur Zucker/Honig zugesetzt, niemals Wasser. Könnte hier der Fehler liegen?

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Beitrag von matzl0505 » 10 Februar 2010 22:44

Füll dir mal ein Glas ein, gebe ein wenig Säure hinzu und probiere ob sich was verändert/ob der sprittige Geschmack weggeht. Gegebenenfalls auch nochmal etwas Zucker zugeben.

gruß
Marius
Wie wird das chemische Element Brom gewonnen?

Man nimmt eine Handvoll Brombeeren, lässt diese zur Erde fallen. Die Beeren verbinden sich mit der Erde zu Erdbeeren und Brom wird frei."


Es gibt 10 Arten von Menschen. Die, die das Binärsystem verstehen und die, die es nicht verstehen.


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Catalpa
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Beitrag von Catalpa » 10 Februar 2010 22:51

Experimente im Glas? Ja, warum nicht. Aber morgen, wenn ich heute noch viel probiere bin ich besoffen :)

Also Säure und Zucker verändern und evtl. auch mit Wasser verdünnen?

kiloohm
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Beitrag von kiloohm » 10 Februar 2010 22:56

Moin,
"auffüllen brauchst du auch nicht, wenn die Säure "o.k." ist. Deinen Alkoholpegel 8-) finde ich aber aussergewöhnlich. Messfehler? Welche Hefe hast du denn verwendet?
Ich habe auch Apfel gekeltert, der liegt so ca. ungefähr bei ziemlich ungenau bei 14%.... so etwa! 8-) Meine Hefe war Bordeaux von 4K. Kann ich empfehlen, legt rasant los und bring sehr schnell viel Alkohol. Ich hab den Weinling allerdings nicht 4 Wochen auf der verrottenden Hefe stehen lassen. Nach dem Gärende hab ich ein paar Tage gewartet, gefiltert und geschwefelt und direkt auf die Flasche gezogen. Ergebnis: Spitzenwein! Vieleicht war dein Wein zulange auf der Hefe?
Gruss
Thomas

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Beitrag von kiloohm » 10 Februar 2010 23:00

Catalpa hat geschrieben: Experimente im Glas? Ja, warum nicht. Aber morgen, wenn ich heute noch viel probiere bin ich besoffen :)
Besoffen ist in der Testphase normal.
Wenn der Wein fertig ist, dann auch!
Nach der Lagerung sowieso.
Wenn er er alle ist, dann kommt der Kater 8-)

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Beitrag von Fruchtweinkeller » 10 Februar 2010 23:01

Die Messungen/Säuregehalt würde ich nochmal kontrollieren, für alle Fälle.

Die Herkunft des Hefegeschmacks ist mir nicht klar wenn der Wein "halbwegs klar" war. Entweder er enthielt doch noch einiges an Hefen oder es besteht ein Problem mit der verwendeten Hefe. Trotz hohem Alkoholgehalt sollte ein fertiger Wein nicht nach Hefe schmecken.
90% of everything is crap... Except crap. 100% of crap is crap.
(Too much coffee man)

Sorry, aber ich antworte nicht auf PMs, die inhaltlich ins Forum gehören!

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