Kellerarchäologie Dornfelder + Dattel

Der Lohn der Mühe: Was trinkt ihr gerade, und wie beurteilt ihr den Wein?
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Fruchtweinkeller
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Kellerarchäologie Dornfelder + Dattel

Beitrag von Fruchtweinkeller » 23 September 2019 00:02

Die Grillsaison neigt sich dem Ende, da muss sorgfältig geplant werden... auch der geistige Aspekt :mrgreen: Heute gab es ein paar "alte Hunde" die endlich mal weg mussten (um Platz zu schaffen für neue Weine die dann wieder sinnlos 10 Jahre herumstehen... :hmm: ).

Kellerfund Nummer eins: Ein Dornfelder aus dem Jahr 2005.
Die Flasche lagerte liegend. Deutliche Schimmelbildung auf dem Schrumpfkopf, die Kappe lässt sich kaum entfernen, so festgeklebt ist sie. Das weckt böse Vorahnungen. Der Korkenzieher greift, Überraschung: Beim Entkorken zischt es laut. Eine Nachgärung ?-| Vermutlich wegen des Drucks ist der Korken auch komplett durchgesaftet, im Glas herrscht Entsetzen: Null Restsüße, fade, null Geschmack. Weinverbesserer und Zuckerstreuer sind natürlich immer am Mann: Auf Zuckerzugabe gibt es ein hektisches Aufschäumen (erstaunlich dass die Hefe noch so fit war), und siehe da: Mit etwas Zucker absolut genießbar, wenn die Flasche für einen Perlwein auch etwas zu warm war. Die Fruchtigkeit hat ihren Höhepunkt geschmacklich sicher überschritten, aber es war noch keine Oxidation bemerkbar, wohl auch dank der Nachgärung. Erstaunlich sind die dunklen Ablagerungen an der Flascheninnenseite, vermutlich Tannine mit Farbstoff. Da wird die Flaschenbürste ran müssen.

Kellerfund Nummer zwei: Ein Dattelwein von 2008 aus Senden.
Der Füllstand ist schon bedrohlich niedrig, klebrige Rückstände lassen einen inkontinenten Korken vermuten. Dieser wehrt sich auch heftig gegen Entkorkungsversuche und löst sich lieber in feine Brösel auf. Suuuper Korkstücke im Weinglas :geek:
Die Korkkonistenz ließ auch hier schlimmes befürchten, aber der Inhalt war überraschend süffig. Vielleicht eine winzige Oxidationsnote... aber ich kenne den Wein ja nicht "frisch", und gestört hat sie nicht. Nach der langen Zeit sicher nicht die Geschmacksbombe, aber was mir in Erinnerung geblieben ist: Selten hat man so einen dickflüssigen, sämigen Schleimhautschmeichler im Glas :mrgreen: Woran liegt es: An der Hefe, an den Datteln, am Winzer? Fragen über Fragen. Man kann die Antworten suchen oder auch einfach mal genießen ;) Danke für den Tropfen.
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Tompson
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Re: Kellerarchäologie Dornfelder + Dattel

Beitrag von Tompson » 23 September 2019 20:44

Tjaaaaa.

Hat leider nichts mit Senden zu tun aber: der einzige Dattelwein, den ich je machte, wurde nach 3 oder 4 maligem Filtern zum Sommernachtsmärchen (oder wie hieß das nochmal damals) als Schampanjer jetrunken. Was waren wir blau, 4 Mann auf 3 Flaschen war heftig. Aber super lecker, kann ich mich erinnern. Irgendwie sind wir quer durch die Stadt auf allen vieren nach Hause...

Und: Ind Vorbereitung auf die eigenen Trauben bekam ich aus einem Urlaub von jemandem mal Dornfelder Trauben per Paket. Witzige Sache war das damas. Expresspost, echte Trauben für mich hier in Sibirien. Und dann: DORNFELDER! Das Spülwasser aus jedem Markt mit Super vorn dran. So getäuscht hatte ich mich noch nie, einer der süffigsten Weine wurde daraus. Das muß so um ... naja aufjeden Fall vor 2006 gewesen sein :D

Edit fügt an: Wird kaum von mir gewesen sein, ich meinte die Parallelen :roll: :engel:
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Re: Kellerarchäologie Dornfelder + Dattel

Beitrag von Fruchtweinkeller » 23 September 2019 22:58

Ich hätte präzisieren sollen: Die Nachgärung haben wir ganz alleine produziert, der Dornfelder stammt von uns :mrgreen: Und ja, das kommt zeitlich mit deinen Dornfelderversuchen hin ;) Auch bei uns war der Wein sehr viel besser als der billig verramschte Dornfelder aus dem Weinregal. Schade dass die Rebe so verramscht wurde, so schlecht wie ihr Ruf ist sie sicher nicht. :?
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Re: Kellerarchäologie Dornfelder + Dattel

Beitrag von Metinchen » 24 September 2019 19:32

Nein, Dornfelder ist nicht unbedingt schlecht, ich habe schon sehr gute gekaufte probiert.
Interessant wäre wenn hier ein alter Hase ein paar Reben hätte und diesen mal mit viel Liebe vergärt.
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Re: Kellerarchäologie Dornfelder + Dattel

Beitrag von JasonOgg » 25 September 2019 08:18

Mir sagt der Dornfelder Geschmack an sich sich nicht zu, daher kenne ich von Dornfelder nur trinkbaren und nicht trinkbaren :hmm:

Kommen wir zu der Dattel, erst einmal vielen Dank für das Lob.
Und dass es dich nicht aus den Socken gehauen hat :mrgreen: (für Uneingeweihte, hier etwas Forumarchäologie)

Die Dattel beginnt auf Seite 5 meines Weintagebuchs :o damals habe ich noch alles fortlaufend geschrieben, mal schauen, was ich alles einfangen kann.

22.12.2008 6,2kg lose Datteln Deglet Nour, frische Ernte, relativ feucht noch. Da blieben lediglich 500g Kerne und Stiele übrig.
Angesetzt mit 2kg Zucker, 10g Nährsalz, 2kg Zucker und - warum auch immer - 1g Tannin (wahrscheinlich Tannorouge). Eigentlich sollten Datteln ausreichend Tannin mitbringen. Hefe war damals noch ein Tütchen, nämlich Sherry.

27.12. +1Kg Zucker, auf 22l aufgefüllt (warum auch immer)

31.12. 20l abgepresst, Zitat: "Wie Schlamm, viel Bodensatz, Säure > 4g/l, wenig Zucker, Trester ist bitter".
Steht bei 13°C im Keller, 12% Alkohol.

2.1.2009 umgestellt in Kellerflur für 15°C
4.1.2009 erkennbare Gärung, 13%
23.1. steht jetzt bei 23°C 15%
6.2. 16% + 100g Zucker, ziemlich am Ende
21.2 Abgezogen, Zitat: "16l + 2" :hmm: Wahrscheinlich war der 15l Ballon voll und der Rest kam in einen kleinen.
Rhabarber, Rhabarber, Rhabarber (wie gesagt, fortlaufend alle Ansätze durcheinander :lol: )
Dann finde ich noch:
1.5. Dattel: 300g Zucker und neuer Ballon
25.5. Dattel abgefüllt.
20.12.2009 Dattel wird langsam trinkbar, weniger Datteln hätte auch gereicht => 5kg entsteint.

Nun ja, macht damit, was ihr wollt. Die letzte Bemerkung wäre nach 11 Jahren noch mal zu überprüfen, kann ich aber nicht. Der Geschmack ist schon eigenwillig, aber Waldhonig hat das auch. Müsste ich eigentlich mal wieder machen. :hmm:

Apropos, Dattel mit Honig, richtig süß ausgebaut, dass müsste eine Geschmacksbombe sein :shock:
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Re: Kellerarchäologie Dornfelder + Dattel

Beitrag von JasonOgg » 25 September 2019 08:27

Fruchtweinkeller hat geschrieben:
23 September 2019 00:02
Selten hat man so einen dickflüssigen, sämigen Schleimhautschmeichler im Glas :mrgreen: Woran liegt es: An der Hefe, an den Datteln, am Winzer?
Nein, ich hatte weder eine Erkältung, noch habe ich traditionell germanisch in den Ballon gespuckt, zwecks Antigel und um die Gärung zu beschleunigen.

Apropos Antigel, ich finde bei der Dattel keinen Hinweis auf Antigel, aber das hat nichts zu sagen. Bei den anderen Weinen um diese Zeit steht auch nichts davon, auch Zuckermengen habe ich nicht immer aufgeschrieben, da ist also Spielraum. Damals habe ich Brouwlands Zymex verwendet.
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Re: Kellerarchäologie Dornfelder + Dattel

Beitrag von Fruchtweinkeller » 25 September 2019 21:27

Danke für die Foren- und Tagebuch-Archäologie :clap: Ich schaue mal ob ich einen ansetzte. Falls online brauchbare Datteln auftauchen, so gib mir ein Zeichen ;) Wenn der Paketmensch mich findet, das ist aktuell so ein Problem :evil:
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