mein erster Apfelwein-Versuch

Jan78
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mein erster Apfelwein-Versuch

Beitrag von Jan78 »

Hallo liebe Fruchtwein-Gemeinde,

ein Lob für die super Homepage und dieses Forum. Ich habe in allen Ecken schon gelesen und mich letzten Endes an meinen ersten Ansatz gemacht. Da bin ich dann auch schon mitten im Thema. Mein erster Versuch Apfelwein aus trüben Apfelsaft herzustellen.

15 Ltr. Ballon war vorhanden, für den Start ein Set aus Gäraufsatz, Kitzinger Flüssighefe, Hefenährsalz und Schwefelpulver besorgt.

Dann habe ich vor 3 Wochen einen Gäransatz aus Flüssighefe (Portwein) und ca. halben Liter Apfelsaft in einer Literflasche gestartet. Okay, da waren wohl schon die ersten Fehler, Flüssighefe ist nicht so super und Portwein nicht unbedingt für Apfelwein geeignet. Die Flasche mit dem Ansatz stand dann 3 Tage bei Raumtemperatur herum, von Regung war da nicht viel zu sehen, nach 3 Tagen begann es sich langsam was in der Flasche zu regen. Da ich hier gelesen habe das Flüssighefe manchmal zickig ist, habe ich mir nichts weiter bei gedacht.

Dann am 9.4. Weinballon und Zubehör gereinigt. 11-12 Liter naturtrüber Apfelsatz mit dem Nährsalz und 600 g Zucker, sowie dem Ansatz in den Ballon und weiter bei Zimmertemperatur (20 °C) stehen lassen. 2 Tage fast nichts passiert. Dann den Ballon ins Kaminzimmer gestellt Tags ca. 23-25 °C Nachts geht´s auf 17-18°C runter. Dann ging es aber richtig ab im Ballon, daraufhin in die Abstellkammer gestellt bei kontinuierlichen 18°C Raumtemperatur. Regelmäßig den Ballon geschüttelt. Nach gut einer Woche hat die Gärung nachgelassen, dann bis letzten Samstag noch stehen lassen. Am Samstag dann einen halben Liter zum Kosten rausgeholt, womit das Drama begann.

Die erste Verkosten war planmäßig sehr trocken, sehr sauer, leicht perlig und irgendein Geschmack der mich störte. Der Geruch sowohl während der Gärung, als auch von der Testmenge war fruchtig gut, vielleicht etwas nach Hefe.
Den Ballon habe ich dann 400 g Zucker beigetan in der Absicht die Gärung wieder in Gang kommen zu lassen.

Den VerkostungshalbenLiter habe ich mit 20 g Zucker und einem großen Schluck Apfelsaft versehen. Abends dann ne Verkostung in der Familie vorgenommen. Geruch fruchtig, nicht mehr zu sauer aber noch sehr viel Säure schmeckbar, aber da war er wieder der komische Geschmack, nach Erbrochenem, überhaupt nicht lecker.

Wo liegt der Fehler, was habe ich falsch gemacht. Habe ich mir eine wilde Gärung eingefangen oder stand der Weinansatz zu lange warm herum bevor er zu gären begann?

Der Anatz im Ballon, welchen ich am Samstag nachgezuckert habe, hat auch noch nicht wieder zu gären begonnen. Meint ihr da ist noch was zu retten oder ist mein erster Ansatz verloren? Riechen tut er gut, nochmal Kosten habe ich gerade keinen Appetit drauf.

Sorry, für den meinen ersten langen Beitrag.

Viele Grüße
Jan
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Re: mein erster Apfelwein-Versuch

Beitrag von Fruchtweinkeller »

Hallo Jan, willkommen hier bei uns.

Du hast einen gärenden Wein, sprich einen Federweißen oder jungen Wein (Bezeichnung ggf durch regionale ersetzen), das muss nicht immer gut riechen und schmecken. Du hast Gärungs-Kohlensäure in der Nase, womöglich etwas Schwefelwasserstoff durch einen leichten Gärungsböckser, die Harmonie aus Säure, Alk und Restsüße stimmt nicht. Mein Rat wäre also: Nicht abschrecken lassen, erstmal weitermachen.
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Am Rande des Wahnsinns hat man die beste Aussicht.

Sorry, aber ich antworte nicht auf PMs, die inhaltlich ins Forum gehören!
Jan78
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Re: mein erster Apfelwein-Versuch

Beitrag von Jan78 »

Danke für die Antwort. Das klingt ja ermutigend. Ich hatte schon gedacht, das alles für den Ausguss ist. Dann werde ich mal hoffen, dass die Gärung wieder in Gang kommt und das doch noch etwas brauchbares und vorallem trinkbares herauskommt.
Husky110
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Re: mein erster Apfelwein-Versuch

Beitrag von Husky110 »

Hi Jan,
Ich kämpf mich grad auch durch die Anfängerphase durch. Bei mir ists ein Erdbeerwein der unter dem Schreibtisch rumpupst (riecht auch entsprechend), aber da ja auch schon öfters auf der Page und im Forum erwähnt wird das Geruch und Geschmack während der Gärung nicht wirklich dem Endprodukt entsprechen, wird das bei uns schon werden. :)
Viel Glück!
Jan78
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Re: mein erster Apfelwein-Versuch

Beitrag von Jan78 »

Hallo Husky,
ich gedulde mich weiter. Gelesen hatte ich zwar, dass es zwischendurch nicht das Leckerste ist. Aber wenn es einen so unangenehmen Geschmack hat, da macht man sich schon Sorgen.

Jetzt muss ich aber noch ein paar Fragen stellen: Die Portwein-Hefe geht ja theoretisch bis 16-18 % Alkohol, was für Apfelwein zu viel ist.

Wie unterbreche ich die Gährung am besten?

- nicht nachzuckern, dann hört es auch zu gären
- dann abziehen und kühler stellen und sich klären lassen, wie lange am circa? Hierbei sollte der Ballon fast voll sein? Mit was fülle ich den auf, wenn ich nur einen Ballon habe.
- Kann ich ggf. auch auf das Abziehen verzichten und nur kälter stellen? Irgenwo hatte ich gelesen, dass das nicht so gut sei, anderswo stand das manche das immer so machen. Ist echt kompliziert.
- Dann wieder abziehen und mit Schwefel bearbeiten damit es hoffentlich nicht mehr nachgärt. Kann ich hierauf auch verzichten und einfach so einige Zeit kühl stehen lassen?
- dann irgendwann trinken.
willkomm2000
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Re: mein erster Apfelwein-Versuch

Beitrag von willkomm2000 »

Jan78 hat geschrieben: 27 April 2021 20:54 Hallo Husky,
ich gedulde mich weiter. Gelesen hatte ich zwar, dass es zwischendurch nicht das Leckerste ist. Aber wenn es einen so unangenehmen Geschmack hat, da macht man sich schon Sorgen.

Jetzt muss ich aber noch ein paar Fragen stellen: Die Portwein-Hefe geht ja theoretisch bis 16-18 % Alkohol, was für Apfelwein zu viel ist.

Wie unterbreche ich die Gährung am besten?
hallo jan 78,
erstmal herzlich willkommen im forum....
ich kenne das anfänger-problem auch, bin auch gestartet mit relativ wenig ahnung... im ersten jahrgang.. das ergebnis war trotzdem gut... sonderbarerweise..
du musst dir die homepage noch ein bisschen genauer durchlesen, was zucker/gärung/alkohol betrifft..

die gärung wird nurch abgebrochen wenn die hefe nicht mehr kann / oder kein zucker mehr da ist / oder gefiltert wird.
die meisten fortgeschrittenenen hier im forum filtern.

portwein-hefe kann sehr viel alkohol, wenn sie denn den entsprechenden zucker hat.. hab dieses jahr auch erstmalig damit experimentiert... geschmacklich finde ich das ergebnis mit sherry-hefe besser. kann aber alles zufall oder dem jahrgang geschuldet sein.

ps ich mag auch sehr gern apfelwein mit 16 % :-)
ist alles nicht so einfach: studieren/probieren....

gruß aus ostwestfalen
klaus
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Re: mein erster Apfelwein-Versuch

Beitrag von Fruchtweinkeller »

So isset. Wie man die Restsüße einstellt und den Wein stabilisiert ist im Kapitel "Zucker" beschrieben: https://fruchtweinkeller.de/anleitungen ... er-zucker/

Und nein, Schwefelung reicht nicht aus, kühl stellen hilft nur solange es auch dauerhaft kühl bleibt.
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Jan78
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Re: mein erster Apfelwein-Versuch

Beitrag von Jan78 »

Hallo,

ich wollte einen Zwischenstand geben. Nachdem ich ja kurz davor war alles dem Komposter zu zuführen, habe ich mich in Geduld geübt.

Der Apelmost blubberte die letzten 2 Wochen schön vor sich hin. Am Wochenende nam die Aktivität etwas ab, also ein guter Zeitpunkt zum erneuten Verkosten und ggf. Nachzuckern.

Also einen viertel Liter aus dem Ballon geholt und was soll ich sagen, der Weinansatz war so trocken, das es einem jegliche Falten aus dem Gesicht geschlagen hat. Aber es ist auch kein komischer Geschmeck mehr vorhanden. Die Probe ganz leicht gezuckert und 1-2 Stunden kühl stehen gelassen und nochmal verkostet. Und dann, okay, eigentlich ganz gut :-) Vor 14 Tagen schmeckte das Ganze auch leicht fusselig, aber nun, nichts mehr, einfach nur ein leckerer Apfelweingeschmack, aus dem man den "guten" Alkohol herausschmeckt.

Also den Ansatz wieder mit Zucker versehen und nun blubbert er wieder schön kontinuierlich. Ich freue mich schon auf das fertige Produkt.

Es ist echt aufregent so ein (erstes) Weinprojekt und es ist super das es eine so informative Webseite gibt.

Viele Grüße
Jan
Husky110
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Re: mein erster Apfelwein-Versuch

Beitrag von Husky110 »

Hmm... Ich nehm für die Proben immer weniger (50 ml oder so), aber freut mich sehr zu lesen, dass es bei dir bergauf geht! :)
willkomm2000
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Re: mein erster Apfelwein-Versuch

Beitrag von willkomm2000 »

Jan78 hat geschrieben: 10 Mai 2021 21:50

Also den Ansatz wieder mit Zucker versehen und nun blubbert er wieder schön kontinuierlich. Ich freue mich schon auf das fertige Produkt.

Es ist echt aufregent so ein (erstes) Weinprojekt und es ist super das es eine so informative Webseite gibt.

Viele Grüße
Jan
hallo jan,
das wird schon werden... schmecken wird das sowieso - v.a. weil es das eigene produkt ist.
und wenn du deine 10 -15 liter zeitnah austrinkst, hast du auch wenig restprobleme... komplizierter wird es ja mit der stabilisierung / dem restzucker und der flaschenabfüllung für längere lagerzeiten.... aber das ist hier ja alles super dokumentiert auf der homepage.. und da kann man sich nach und nach rantasten...
gruß aus ostwestfalen
klaus
Jan78
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Re: mein erster Apfelwein-Versuch

Beitrag von Jan78 »

Hallo,

ich wollte mal wieder einen Zwischenstand geben. Vor 3 Wochen hatte ich aus irgendeinem Gefühl "nur" mit 300 gr. Zucker in die 12 Ltr. Ansatz nachgezuckert. Letzte Woche gekosten, noch Süße vorhanden, also stehen lassen. Diese Woche nur noch sehr geringe Aktivität, also heute wieder gekostet. Immer noch Restsüße vorhanden, Wein schmeckt, von der Balance Süsse - Säure eigentlich auf dem Punkt.
Rechnerisch komme ich bei der zugesetzen Menge Zucker jetzt auf etwa 12-13 % vol Alkohol.

Ich werde mir diese Woche einen einfachen Filter besorgen und dann nächste Woche grob filtern und in einem 10 Liter Ballon umfüllen und noch etwas stehen lassen. Ich weiß, dass ich mit einen "einfachen" Filter nicht die Hefe rausbekomme, aber das würde ich jetzt so in Kauf nehmen,
denn ...

damit sind wir bei meinem neuesten Problem: Meiner Holden schmeckts schon jetzt :pfeif:
In diesem Sinne muss ich Klaus zustimmen. Bei den 10-12 Litern muss ich mir keine Kopf über die Haltbarkeit machen. Die werden dann Schluck für Schluck aus dem 10 Liter Ballon entnommen und in dem 15 Liter Ballon wird ein neuer Ansatz vorbereitet.
Bahnwein
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Re: mein erster Apfelwein-Versuch

Beitrag von Bahnwein »

Ich würde sagen, spar dir das Geld und die Arbeit für den einfachen Filter. Wenn die Gäraktivität deiner Meinung nach beendet ist, werden sich die Schwebstoffe wahrscheinlich grossteils von selbst absetzen.
Da bei der Entnahme aus dem 10 l Ballon jedes mal Sauerstoff einströmt, besteht das Risiko, dass der Wein oxidiert. Fülle ihn lieber in kleineren Einheiten ab. Diese passen auch besser in den Kühlschrank.
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