Mein erster Versuch, zum Scheitern verurteilt?

pitt
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Mein erster Versuch, zum Scheitern verurteilt?

Beitrag von pitt » 01 Oktober 2014 09:00

Hallo zusammen,

ich bin noch ein blutiger Anfänger und da ich heuer nicht wusste wohin mit meinen Trauben(Muscat Bleu), will ich es mal mit Wein versuchen.
Habe mich etwas durchgelesen -vielleicht nicht alles- dennoch glaube ich verstanden zu haben wie es geht-oder gehen sollte.

Mein erster Versuch also v. 27.09.2014
Nur aus Trauben vollständig entrappt. Habe aber gleich zerdrückt, anschließend abgepresst mit der Weinpresse.
(Habe noch keinen Platz um Maische unterzubringen..)

hier mal meine Notizen:

ca. 12-13 Liter
Oechsle gemessen: 70° (1,700)- richtig?
Säure gemessen: 5,5-6,5 (hier waren es wahrscheinlich ca. 7, also neutral(gut), nächstes Mal beim Säurebestimmen vielleicht nicht zu früh aufhören bis zum Blauumschlag)

Zucker hinzugefügt: 340 g
Hefe 2 g
Hefenährsalz 6 g
mit 12,5 g Milchsäure nachgesäuert
geschwefelt 1 g -> das war vermutlich falsch !!

Die Gärung ging auch gleich richtig los. Bei mir im Keller sind es um die 19°C.
Jetzt, so drei Tage nach Anfang der Gärung, blubbert es nicht mehr so dolle, eher verhalten.
Habe den Glasballon jetzt in meinen Heizungsraum, wo es so um die 22°C sind.
Werde dann ab und an schütteln(oder besser einmal richtig?) und mal gucken, was da noch so kommt.
Bitte um Meinungen. Ist meine Zusammensetzung mit Zucker, Hefe und so richtig?

Sollte ich sonst noch was unternehmen?

Danke f. Eure Geduld mit mir und f. Eure Meinungen/Hilfe.
Gruß Pitt

CJD
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Re: Mein erster Versuch, zum Scheitern verurteilt?

Beitrag von CJD » 01 Oktober 2014 09:32

Man kann auch aus Rote Trauben eine Saftgärung machen, wird halt wahrscheinlich eher Weißweintypisch und weniger Rotweintypisch.

70 Oechsle und 6g/l sind Traumwerte. Wobei ich anmerken will, du misst mit Blaulauge die Gesamtsäure und nicht PH. 7 wäre nicht neutral :)

12,5L mit 70 Oechsle und 340g Zucker reicht für ca 10%. Könntest Überlegen später noch nachzuzuckern auf 11-12% oder auch noch mehr. Willst du den Wein trocken ausbauen?

Was war es für Hefe? hast du eine Gärstarter gemacht? War es trockenhefe?

"mit 12,5 g Milchsäure nachgesäuert" --> wäre nicht wirklich notwendig gewesen, aber bei der kleinen Menge wird's wahrscheinlich nicht schaden.

"geschwefelt 1 g -> das war vermutlich falsch !!" Ja das war es. Du machst das Leben ganz schon schwierig für die Hefe.

"Die Gärung ging auch gleich richtig los. Bei mir im Keller sind es um die 19°C." --> 19 Grad ist für Manche Hefe (z.B. Oenoferm F3) super. Aber für Portweinhefe wäre es ein Bisschen wenig. Warmzustellen war wahrscheinlich kein Fehler.

"Werde dann ab und an schütteln(oder besser einmal richtig?) und mal gucken, was da noch so kommt." Also ich würde täglich ein bis zweimal ordentlich durchschütteln.

"Bitte um Meinungen. Ist meine Zusammensetzung mit Zucker, Hefe und so richtig?"
- Da kommt es drauf an, was du für Hefe genommen hast, aber könnte funktionieren. Ich sehe größere Probleme mit dem Schwefel.

"Sollte ich sonst noch was unternehmen?"
Ich würde schon überlegen mit derselben Hefe (Trockenhefe wenn es geht) einen Gärstarter zu machen und diesen dann nach 24 Stunden bzw wenn es ordentlich blubbert dazuzugeben. Ich würde es eventuell in einem anderen Ballon kippen. So könnte man ein Bisschen Sauerstoff zuführen um etwas von dem Schwefel zu neutralisieren.

Bin keiner Experte. Also warte ich auf gespannt auf die Meinungen der anderen.

Gruß,

CJD
"Sie schnitten eine Weinrebe ab, die so schwer war, dass zwei Männer sie an einer Stange tragen mussten." 4.Mose 13,23

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Re: Mein erster Versuch, zum Scheitern verurteilt?

Beitrag von Fruchtweinkeller » 01 Oktober 2014 10:17

Danke für den umfangreiche Antwort. Bezüglich des Schwefels: Man könnte den Ansatz kurzzeitig gründlich belüften, das kann helfen; und ein klein wenig wärmer stellen, wenn möglich.
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JasonOgg
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Re: Mein erster Versuch, zum Scheitern verurteilt?

Beitrag von JasonOgg » 01 Oktober 2014 11:35

CJD hat geschrieben: ...
12,5L mit 70 Oechsle und 340g Zucker reicht für ca 10%.
...
"Die Gärung ging auch gleich richtig los. Bei mir im Keller sind es um die 19°C."
Das sind vier Tage?

Welche Hefe war es? Möglicherweise ist der Zucker schon weg.

Meine Muscat Bleu (als Maische) sind mit der fast toten NT45 Hefe von Sonntag morgen bis Donnerstag abend auf unglaubliche 13% (mit zusätzlichem Zucker) gekommen. Ich habe es nicht geglaubt und ein zweites Vinometer zur Kontrolle genommen. Hätte ich mehr Zeit gehabt wäre das Ebulliometer dran gewesen.

Wenn der Zucker weg ist (Geschmacksprobe) musst Du entscheiden, ob Du ihn mit der Nachzuckermethode zu Ende bringen willst oder bei welchem Prozentsatz du ihn verhungern läßt. Entscheide dich schnell, sonnst kommt zur Schwefelbremse die Zuckerbremse und es wird schwierig ihn wieder in Gang zu bringen.
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Re: Mein erster Versuch, zum Scheitern verurteilt?

Beitrag von pitt » 01 Oktober 2014 19:51

Vielen Dank f. Eure Meinungen/Hilfe.

Schwierig!

War jetzt unten im Heizungsraum. Gummiverschlußkappe abgezogen, geschüttelt, verkostet: Es ist sauer, aber nicht süß !!
Die Hefe war so Weinhefe f. Rotwein, welche ich bei hbs24(?) mit bestellt hatte.
Raumtemperatur jetzt bei 21-22°C. Auch den Glasbehälter etwas gelüftet.
Was habe ich vergessen Euch mitzuteilen?
Ein klein bisschen blubbert es schon, aber bei weitem nicht so stark wie am ersten Tag(in den ersten Tagen).
Also die Gärkappe aus Plastik hebt sich nur noch vielleicht-da bin ich jetzt unsicher- 4-6 x Minute?
Wie soll ich weitermachen? Wenn Zucker hinzufügen, bei meiner Konstellation, wieviel bei 12 Liter? Gärstarter(Hilfe)?
Sorry, ich weiß ich habe die wichtigste Frage vergessen... nur welche war es?

Danke Euch.

Gruß Pitt

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Re: Mein erster Versuch, zum Scheitern verurteilt?

Beitrag von Kuli » 01 Oktober 2014 20:25

Gut ist auch Hefenährsalz zum Gärstart hinzu zugeben.
Wenn es blubbert ist doch alles wunderbar, nur in den ersten Tagen blubbert es sehr stark danach wirds immer langsamer.
Um 1% Alk. zu bekommen brauchst Du ca. 20gr. Zucker pro Liter. Ab 11% Alk. immer nur für 1% Alk. Zucker hinzu geben sonst streßt Du möglicherweise die Hefe und sie fängt an zu "zicken".
Kein Genuss ist vorübergehend, denn der Eindruck den er hinterläßt, ist bleibend. J.W. von Goethe

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Re: Mein erster Versuch, zum Scheitern verurteilt?

Beitrag von pitt » 01 Oktober 2014 20:38

Kuli hat geschrieben:Gut ist auch Hefenährsalz zum Gärstart hinzu zugeben.
Wenn es blubbert ist doch alles wunderbar, nur in den ersten Tagen blubbert es sehr stark danach wirds immer langsamer.
Um 1% Alk. zu bekommen brauchst Du ca. 20gr. Zucker pro Liter. Ab 11% Alk. immer nur für 1% Alk. Zucker hinzu geben sonst streßt Du möglicherweise die Hefe und sie fängt an zu "zicken".
Hallo Kuli und danke f. Antwort.
Meinst für einen Gärstart reicht jetzt nur noch Hefenährsalz?
Dieses Blubbern, wie soll ich es beschreiben?
Die ersten Tage hat es regelrecht gerauscht im Ballon, jetzt rauscht gar nichts mehr. Aber dennoch hebt sich diese besagte Gärkappe zwischendurch, also wie ich es verstehe ist es noch eine Gärung, wenn auch etwas schwächer. Vielleicht auch normal.
Was ich überlege...was sich im Ballon befindet hat keine Süße mehr, oder Restsüße, oder was sage ich wieder falsch?

Gruß Pitt

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Re: Mein erster Versuch, zum Scheitern verurteilt?

Beitrag von Fruchtweinkeller » 02 Oktober 2014 23:21

Die Restsüße kannst du ganz einfach testen: Koste einen Schluck.
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Re: Mein erster Versuch, zum Scheitern verurteilt?

Beitrag von pitt » 03 Oktober 2014 05:59

Fruchtweinkeller hat geschrieben:Die Restsüße kannst du ganz einfach testen: Koste einen Schluck.
Wenn's ums kosten geht, das habe ich schon einen Abend vorher getan. Also sauer, sauer war er nicht. Aber auch nicht süß.
Und wenn ich ihn jetzt mal sachte, einfach so vor sich hin blubbern lasse, zwischendrin mal gut durchschüttle, wird doch nicht viel passieren können.
Nächstes Jahr ist ja sowieso Maischegärung angesagt und dann versuche ich es richtig zu machen.
Wahrscheinlich habe ich jetzt ja auch nicht allzuviel falsch gemacht. Das mit der Säure nachhelfen und das schwefeln gleich zu Anfang. :hmm:
Und dann noch etwas höhere Temp. zum gären. Jetzt bin ich ja schon mit meinem Glasballon umgezogen. Von 19°C auf 23°C.
Ich melde mich auf jeden Fall nochmal. Mit oder ohne Erfolg.

Danke Euch und Gruß,
Pitt

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Re: Mein erster Versuch, zum Scheitern verurteilt?

Beitrag von pitt » 14 Oktober 2014 17:20

Hallo,

heute habe ich mal getestet wie es aussieht mit meinem Wein.
habe einmal einen kräftigen Schluck genommen. Also Alkohol ist schon drin.
Mit dem Vinometer sind es 13°. Ich würde sagen, es ist ein nicht zu trockener aber auch nicht
zu süßer Hauswein.
Trübung ist noch da.

Anbei zwei Bilder:

Bild

Vielleicht ist so besser

Bild

Also eine sichtbare Gärung war nicht mehr vorhanden.
Was sollte ich jetzt noch machen außer abstechen und klären lassen. Mache ich was verkehrt wenn ich beim Abstich
den Jungwein durch ein Tuch filtere?


Danke f. Eure Meinungen.
Gruß Pitt

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Re: Mein erster Versuch, zum Scheitern verurteilt?

Beitrag von Kuli » 14 Oktober 2014 18:42

Das hört sich alles prima an. Nur kann ich fast nicht glauben, dass die Gärung schon abgeschlossen ist. Wenn sich wirklich nichts mehr tut trotzdem noch 2 Wochen weiterschütteln. Nach 2 Wochen schwefeln und ab in den kühlen Keller nach weiteren 1-2 Wochen von der Hefe abstechen und den spundvollen Ballon bis März vergessen nochmal Schwefeln dann in Flaschen abfüllen.
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Re: Mein erster Versuch, zum Scheitern verurteilt?

Beitrag von Fruchtweinkeller » 14 Oktober 2014 21:55

Ergänzend sei eingeworfen: Klar kannst du durch ein Tuch "filtern". Wenn der Wein im Ballon freilich so aussieht wie der Wein im Glas wird das absolut keinen Effekt haben.
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