Frage zum Abpressen

metreserve
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Frage zum Abpressen

Beitrag von metreserve » 26 Mai 2015 12:40

Hallo,

ich habe vorgestern meinen ersten Fruchtwein (Himbeere nach FWK) angesetzt. Mir ist das Abpressen bzw. der Vorgang allerdings noch etwas unklar. Einige Themen und Beiträge habe ich darüber gelesen, möchte zur Sicherheit trotzdem nachfragen. Würde mir bei HBS24 den Nylonfilterbeutel für 8,90 Euro bestellen wollen - der sollte die richtige Basis sein. Ich stülpe den dann über den Balon und schütte den Inhalt da durch? Den Beutel halte ich über meinem großen Trichter mit Sieb, der bereits in den frischen sterilen Balon mündet. Dann presse ich den Sack mit aller Gewalt aus oder durch drehen/zwirbeln?

Wenn der Trester trocken ist werf ich den weg, messe Säure, zuckere ggf oder sehr wahrscheinlich nach bis zur Toleranzgrenze bzw. bis mir der Alkoholgehalt gefällt, schwefle, mach nach 1-2 Wochen den Abstich und filtere das ganze gleich steril in Flaschen.

Passt das im großen und ganzen soweit oder ist speziell das Abpressen so nicht korrekt?

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Vinifikator
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Re: Frage zum Abpressen

Beitrag von Vinifikator » 26 Mai 2015 13:13

Hallo Metreserve,

im Prinzip brauchst du nur zwei saubere Eimer. In einen schüttest du die komplette Maische, in den anderen kommt der Pressbeutel. Dann einfach portionsweise (z.B. mit einer Kelle) den Presssack befüllen und über dem leeren Eimer auspressen. Einfach ordentlich zusammen drücken, bis kaum noch Flüssigkeit austritt. Denn Trester dann verwerfen oder wahlweise an die Schweine verfüttern... ;) Das ganze dann so lange wiederholen bis der Maischeeimer leer ist und der Eimer mit dem Wein voll. Drehen kannst du den Pressbeutel auch, die sind ziemlich stabil.

Das anschließende Vorgehen stimmt auch soweit, nur würde ich ich den Wein nicht direkt nach dem Hefeabstich filtern, sondern erst einige Wochen der Selbstklärung vergehen lassen. Dieser Schritt lohnt sich definitv! Der schnelle Weg ist nicht immer der Beste.

Gruß
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Re: Frage zum Abpressen

Beitrag von Laufey » 26 Mai 2015 14:26

Ich stimme da Vinifikator zu. Jedoch finde ich, dass die Perlon-Pressbeutel sehr schnell
komplett dicht machen. Ich verwende da immer Baumwolle-Geschirrhandtücher welche ich
vorher mit schwefeliger Säure tränke und mit Wasser ausspüle. Die Dinger sind extrem
billig und haben meines Erachtens einen besseren Durchsatz. Trester verwerfe ich immer.
Des Weiteren denke ich auch, dass jeder Tag Klärung von Vorteil für Deinen Wein ist.
Geschmacklich tut sich durch die Feinhefen auch noch einiges ;)
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Re: Frage zum Abpressen

Beitrag von Vine » 26 Mai 2015 14:53

Ich hingegen möchte Vinifikator widersprechen :D
Allerdings nur in einem Punkt: Die (großzügig) abgepresste Maische könntest du wiederverwenden, indem du einen zweiten Ansatz daraus herstellst mit etwa der Hälfte Volumen des ersten Ansatzes. Gibt immer noch einen prima Wein bei Himbeere - ich hatte allerdings sehr aromatische Waldhimbeeren damals. Aber so stockt man seinen Flaschenvorrat ein bisschen auf und hat immer gerne was zu verschenken ;)
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Re: Frage zum Abpressen

Beitrag von JasonOgg » 26 Mai 2015 16:12

metreserve hat geschrieben:Ich stülpe den dann über den Balon und schütte den Inhalt da durch? Den Beutel halte ich über meinem großen Trichter mit Sieb, der bereits in den frischen sterilen Balon mündet.
Dazu ein paar Gedanken:

1. Machst Du das alleine oder hast Du Hilfe? Falls nein, wie viele Hände hast Du?

2. Wie groß ist Dein Ansatz? Das dauert länger und ist schwerer, als man denkt.

Du musst den Ballon festhalten, den Beutel, den Trichter, den anderen Ballon und die Maische schwappt und der Beutel füllt sich und ...

Vinifikator hat recht, mit einer Schöpfkelle hat man das - im Sinne des Wortes - besser im Griff.

Solltest Du öfter Ansätze machen, dann fasse die Anschaffung eines Gäreimers in betracht, dann brauchst Du den Ballon nicht umschütten. Wie gesagt, bei einem 20l Ansatz wird der verdammt schwer mit der Zeit. Das habe ich das letzte Mal mit Holunderblüte probiert, weil ich dachte, da gibt es nicht soviel Trester.

Ein zweites Aufsetzen der Maische, wie Vine es vorschlägt, das genügt nicht meinen persönlichen Ansprüchen. Ja, da kommt noch etwas heraus, aber etwas anderes als beim ersten Ansatz. Für mich gibt es keine B-Ware. Anders sieht das beim Saft machen aus, aber der gärt auch keine drei, vier oder fünf Tage, bevor er noch mal ausgespült wird und der schon entstandene Alkohol einiges gelöst hat.
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Vine
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Re: Frage zum Abpressen

Beitrag von Vine » 26 Mai 2015 16:54

Also zum Abmaischen selbst: Doch, das geht schon alleine mit einem Beutel. Ich habe solche, die man oben mit einem Band um den Flaschenhals des Ballons festbinden kann. Trichter benutze ich keinen, dafür einen wirklich großen und breiten Eimer. Ich kippe dann einfach den Ballon, der auf einem Stuhl steht, über dem Eimer am Boden aus und halte mit derselben Hand, mit der ich den Ballon kippe, dabei oben noch den Maischesack als zusätzlche Sicherung und Abdichtung fest. Die andere Hand ist sogar frei, kann z. B. zum Abpressen benutzt werden. Bis zu 25-l-Ballons geht das relativ problemlos.
JasonOgg hat geschrieben:Ein zweites Aufsetzen der Maische, wie Vine es vorschlägt, das genügt nicht meinen persönlichen Ansprüchen. Ja, da kommt noch etwas heraus, aber etwas anderes als beim ersten Ansatz. Für mich gibt es keine B-Ware.
Oh urteile er nicht, bevor er es nicht selber probiert hat! :roll: Ich habe euch ein paar Flaschen zukommen lassen für die FWT. Da sind u. a. Himbeere und Sauerkirsche aus Altmaische dabei. Probier das mal, ob du das für B-Ware halten würdest.
Die Sauerkirsche schaut so aus:
Bild
Vielleicht läuft sie dir ja über den Weg :)
(Dessertwein stimmt allerdings nicht, wie es da steht. Die Sauerkirsche ist ein trockener Wein. Aber das war der Probedruck von deinen Blättern, auf der falschen Seite bedruckt ;) Die Himbeere ist lieblich und dürfte dir gefälliger sein, etwas mit Vanille abgeschmeckt)
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Re: Frage zum Abpressen

Beitrag von 420 » 26 Mai 2015 20:26

Vine hat geschrieben:Also zum Abmaischen selbst: Doch, das geht schon alleine mit einem Beutel. Ich habe solche, die man oben mit einem Band um den Flaschenhals des Ballons festbinden kann. Trichter benutze ich keinen, dafür einen wirklich großen und breiten Eimer. Ich kippe dann einfach den Ballon, der auf einem Stuhl steht, über dem Eimer am Boden aus und halte mit derselben Hand, mit der ich den Ballon kippe, dabei oben noch den Maischesack als zusätzlche Sicherung und Abdichtung fest. Die andere Hand ist sogar frei, kann z. B. zum Abpressen benutzt werden. Bis zu 25-l-Ballons geht das relativ problemlos.
Hi Vine,

sei gerade bei solchen Aktionen immer sehr vorsichtig. Bei mir ist dabei mal Glasbruch mit leichten Blessuren passiert.

VG
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Re: Frage zum Abpressen

Beitrag von metreserve » 27 Mai 2015 08:56

Guten Morgen werte Gemeinde,

vielen Dank für die zahlreichen Tipps! Dann hab ich es ja im großen und ganzen eigentlich richtig verstanden. Mache den Wein immer zusammen mit meiner Frau, sollte also zu handhaben sein. Ich teste jetzt mal den Nylonbeutel, und beim nächsten Mal dann auch ein Geschirrtuch. Erstmal schauen was das für eine Arbeit abgibt und wie sie von der Hand geht.
Es geht hier nur um 12l, daher wird das sicherlich ein Stück einfacher als mit dem schweren 20er Balon :-). Eine Schöpfkelle lege ich aber trotzdem bereit!
Als durch und durch Schwabe interessiert mich die Wiederverwertung des Tresters natürlich sehr. Um ehrlich zu sein habe ich bereits Vines Ausführungen an anderer Stelle gelesen, konnte mir aber wirklich nicht vorstellen dass das was wird. Mit dem gezeigten Bild und der recht überzeugten Ansicht will ich es aber dann doch probieren. Viel kaputt gemacht wäre ja nicht.. bisschen Zucker und Hefe. Als ich davon meiner Frau erzählte war sie keine Sekunde skeptisch. Antwort: "Klar machen wir das!" (Wiederverwertung).

Ich bin gespannt auf meine erste Abpressung.

Nochmal Danke!

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Re: Frage zum Abpressen

Beitrag von JasonOgg » 27 Mai 2015 09:05

420 hat geschrieben:
Vine hat geschrieben:... Ich kippe dann einfach den Ballon, der auf einem Stuhl steht, über dem Eimer am Boden aus ...
sei gerade bei solchen Aktionen immer sehr vorsichtig. Bei mir ist dabei mal Glasbruch mit leichten Blessuren passiert.
VG
Ja, so habe ich auch schon einen Ballon geschrottet, beim Kippen hat man ganz viel Ballon auf einer ziemlich kleinen Glaskante.

@Vine, ich werde die Augen offenhalten ;-)

Trotzdem bleibe ich dabei, bei der ersten Maische gehen Stoffe aus den Früchten in den Wein, die beim zweiten Ansatz nicht mehr vorhanden sind. Bei besonderen Früchten mit kurzer Maischezeit (Brombeeren, Schlehen und alles andere mit Steinen) kommt das auch nicht in Frage. Ich glaube, da würde ich eher eine Saftgärung machen und nach dem Abpressen den Trester noch einmal auspülen, da ich sowieso verdünnen muss.
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Re: Frage zum Abpressen

Beitrag von JasonOgg » 27 Mai 2015 09:12

metreserve hat geschrieben:Ich teste jetzt mal den Nylonbeutel, und beim nächsten Mal dann auch ein Geschirrtuch.
Solange Du mit der Hand arbeitest geht auch ein Geschirrtuch (oder Baumwollwindel, für die die so etwas noch haben).

Solltest Du irgendwann mal eine Obstpresse verwenden, dann lass lieber die Finger von Baumwollstoffen. Die halten nicht so viel Druck aus und reißen bzw. platzen auf.

Leg nicht nur eine Schöpfkelle sondern auch einen Wischmopp bereit, den vermisst Du mehr, falls Du ihn doch brauchen solltest :lol:

Viel Spaß, den macht es wirklich :)
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Re: Frage zum Abpressen

Beitrag von Laufey » 27 Mai 2015 09:43

Oh urteile er nicht, bevor er es nicht selber probiert hat! :roll: Ich habe euch ein paar Flaschen zukommen lassen für die FWT. Da sind u. a. Himbeere und Sauerkirsche aus Altmaische dabei. Probier das mal, ob du das für B-Ware halten würdest.
Die Sauerkirsche schaut so aus:
[img]http://up.picr.de/21245441jr.jpg[/img

:o Also Vine für mich sieht das eindeutig nicht nach B Ware aus! Sollte ich Zeit für die FWT finden,
werd ich mich auf alle Fälle auf die Suche nach der Flasche mache. (ps schöne Etikette) :engel:
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Re: Frage zum Abpressen

Beitrag von Vine » 27 Mai 2015 12:12

Zur Schrottgefahr beim Kippen: Klar, die Gefahr besteht immer beim Handling mit den Glasballons. Ist mir beim Kippen zum Ausschütten der Maische aber noch nie passiert. Ich verwende dazu einen gut und weich gepolsterten Stuhl, dadurch ist der Druck auf dem Ballon relativ gut verteilt und die Bruchgefahr minimiert. Und beim Kippen selbst reißt man ja nicht am Ballonhals herum, sondern kann initial die andere Hand noch am Ballon anlegen. Meine Schrottungen fanden ausschließlich beim Reinigen der Ballons statt bzw. durch grobe Unachtsamkeit seitens meines Sohns Nr. 2.

Zur Maischewiederverwendung: Natürlich ist das ein B-Wein. Die Farbe ist nicht ganz so intensiv wie bei der ersten Charge und der Geschmack ist anders - ich wette aber, dass nur wenige auf die Idee kämen, dass es sich um B-Wein handelt, wenn man mal davon gekostet hat.
Und klar gehen bei der ersten Maische Stoffe aus den Früchten in den Wein, die beim zweiten Ansatz nicht mehr vorhanden sind. Umgekehrt fehlen Stoffe aus den Früchten im ersten Wein, die beim zweiten dafür vorhanden sind. Einen Teil davon würdest du auch nicht durch gründliches Auspülen des Tresters in den ersten Wein bekommen. Gerade bei Obst wie Kirschen, Zwetschgen, Schlehen etc. scheint genug Aroma in den Schalen vorhanden zu sein, dass ein Versuch lohnend erscheint. Dass es bei der Waldhimbeere geklappt hat, hat mich selbst erstaunt. Der B-Wein hier ist weit trinkbarer als die A-Charge (was aber damit zu tun haben dürfte, dass beim A-Wein die Einstellung des Restzuckers vor der Filtration vergessen wurde :mrgreen: ).

Hier noch ein Bild vom Sauerkirschwein (aus 2. Charge)

Bild

@metreserve: Ja, das ist was für Schotten und echte Schwaben :D Es ist halt ein Versuch, der gelingen kann oder auch nicht. In einem Fall habe ich dann diverse Beerenreste mit dazugegeben, um aus dem Zweitansatz noch etwas Trinkbares zu machen. Aber mehr als ein bisschen Zucker und Wasser (ich hab noch Hefenährsalz dazugegeben) kostet es ja nicht. Die Hefe ist ausreichend im Trester, dass die Gärung anläuft. Für ein bisschen Vorschuss an Geschmack ist es aber sicherlich vorteilhaft die Maische nicht trocken zu pressen, sondern gut feucht zum neuen Ansatz zu geben.

@Laufey: Also vom Etikett alleine sollte man sich nicht blenden lassen! Wobei das Etikett hier eher C-Ware ist und bestimmt schlechter als der Inhalt ;)
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