Restzucker und die Messung

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wickie
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Restzucker und die Messung

Beitrag von wickie » 16 Oktober 2018 16:25

Ein fröhliches Erntedank an das Forum. :P

Am Wochenende habe ich den einen Apfelwein gefiltert. Er schmeckte sehr säuerlich aber doch nach Apfel. Jetzt wollte ich natürlich auch mal alles korrekt bis zum Schluss machen und habe natürlich vorher dem Filtern mal gemessen, damit ich Trocken drauf schreiben kann. Nach dem säuerlichen Geschmack, hätte ich jetzt keinen Zucker geschmeckt, auch gärung war schon lange keine mehr sichtbar. Die Messung ergab 16% Alkohol, 7,5g Säure und 20 Oe Zucker. Den Zucker habe ich mit so einem Refraktometer gemessen.

Schnell noch den gewünschten zuckergehalt eingestellt und habe festgestellt, das die 11l schon 600g Zucker vertragen können. Da ich mich ja auf meine Zunge nicht verlassen kann, habe ich mit nur 550g nachgesüst und nochmal probiert. Schmeckte etwas süß, aber nicht so viel. Der Zucker baut sich ja eh etwas ab, so das ich davon ausgehe später einen Halbtrockenen / Lieblichen Wein zu haben. Das refraktometer sagte mir dabei 40 Oe.

Jetzt zu meinem Problem:
1 Oe sind doch etwa 2,6 g Zucker pro Liter.
40 Oe müssten eigentlich 104 g Zucker pro Liter sein.
Irgendwie kommt mir das ziemlich viel vor. Kann man das überhaupt noch messen oder verfälscht der Alkohol das Ergebnis? Wie genau berechne ich den Zucker jetzt?

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Re: Restzucker und die Messung

Beitrag von Bahnwein » 16 Oktober 2018 18:40

Dazu passend gibt es auf der Homepage das Thema Analytik https://fruchtweinkeller.de/Wine/analytik.html . Ich glaube, da werden deine Fragen super beantwortet.

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Re: Restzucker und die Messung

Beitrag von Fruchtweinkeller » 16 Oktober 2018 19:50

Du misst nicht 16% Alkohol. Du misst nicht 7,5 g/l Säure. Du misst nicht 40 Oe Zucker.

Du misst eine Oberflächenspannung, die der einer reinen, 16%igen Alkohollösung entspricht. Eine solche hast du aber nicht.

Du misst eine Säuremenge, die derjenigen einer Weinsäurelösung von 7,5 g/l entspricht. Hast du nicht, spielt in diesem Fall aber keine Rolle.

Du misst einen Brechungsindex, der dem einer reinen Zuckerlösung von "40°Oe" entspricht. Du hast aber keine reine Zuckerlösung.

Allles auf der HP nachzulesen (Danke Bahnwein).
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Re: Restzucker und die Messung

Beitrag von 420 » 16 Oktober 2018 20:11

Und da steht, so glaube ich,
Alkohl und Zucker haben beide Auswirkungen auf die Dichte.

Hier noch ein weiterer Beitrag, der interessant sein könnte. click
„Nicht alles, was zählt, ist zählbar!“ „Nicht alles, was zählbar ist, zählt!“ Albert Einstein
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Re: Restzucker und die Messung

Beitrag von wickie » 17 Oktober 2018 08:49

Danke für die Links die ihr mir gesendet habt. Die Homepage habe ich schon mehrmals durch, aber so richtig schlau werde ich daraus auch nicht. Ich werde mir aber die HP noch einmal reinziehen. :lol:

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Re: Restzucker und die Messung

Beitrag von 420 » 17 Oktober 2018 21:36

D.h., dass es so einfach nicht funktioniert. Um dort weiter zu kommen, müsste man schon den genauen Alkoholgehalt auf eine Nachkommastelle ermitteln. Danach könnte man, wie bei den Brauern schön beschrieben, den Restzucker (Brauer beschreibt dafür gewöhnlich den Extrakt Ew%) errechnen. Das ist aber etwas komplizierter, siehe auch hier: click - Beitrag 17.

Aber da müsste ich mich auch einlesen.

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Re: Restzucker und die Messung

Beitrag von Fruchtweinkeller » 17 Oktober 2018 22:08

Ohne dass ich mich da eingelesen hätte behaupte ich dass das bei uns so nicht funktioniert: Verschiedene Zucker, mehr Gärungsnebenprodukte.
Für Traubenwein gibt's übrigens noch die leidlich gut funktionierende Weinwaage (-> Forensuche), für Honigweine habe ich das Ding getestet und zumindest dort liefert es nur Quark.
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Re: Restzucker und die Messung

Beitrag von wickie » 18 Oktober 2018 09:11

Nachdem ich mir gestern die HP noch einmal durchgelesen habe, bin ich zur Erkenntnis gekommen, dass sie mir nichts neues erzählen kann. Aber das habe ich mir eh schon gedacht. Im Internet bin ich auf einen Bericht gestoßen, wo es so etwas wie eine Restzuckerwage geben soll. Ich bin mir aber nicht sicher ob das irgendwie Praktikabel ist. :lol:

Ich habe jetzt nur die Wahl zwischen nicht draufschreiben oder nach einem Halben Jahr eine Flasche Köpfen und es mit meiner Zunge abschmecken. Ich hätte mir schon gedacht, das man einen ungefähren Zuckerwert irgendwie errechnen kann, dabei ist mir schon klar, das alle Angaben die ich erhalte nur schätzwerte sind.
Wie macht man so etwas eigentlich in der Fabrik?

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Re: Restzucker und die Messung

Beitrag von Bahnwein » 18 Oktober 2018 09:32

Wenn alle Werte die du erhältst sowieso nur Schätzwerte sind, warum bist du dann mit dem Ergebnis deiner Zunge nicht zufrieden?

Bei deiner Restzuckerwaage dürfte es sich um die Weinwaage im vorherigen Beitrag von Fruchtweinkeller handeln.

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Re: Restzucker und die Messung

Beitrag von wickie » 18 Oktober 2018 10:15

@Bahnwein

1. Meine Zunge ist da generell nicht zuverlässig. Bei einem Apfelwein, der bei mir gerade gärt ist nach einer Fauligen, Wässrigen Fase jetzt der Apfelgeschmack wieder zurück gekommen.
2. Ein Kirschmet der mir zu wenig Kirsche hatte und zu süß war, entwickelte sich nach 6 Monaten zur absolut runden Geschmacksbombe. Die süße verliert sich mit der Zeit, genauso wie ein stark hervorschmeckender Alkohol Geschmack. Das macht es alles etwas schwer im Vorhinein abzuschätzen wie süß der Wein nach der Lagerung schmeckt.
3. Auch bei Menschen die Jahrelange Erfahrung haben passiert so etwas. Auf den FWT hätte ich einen Wein in der Hand, da stand Süß drauf und alle waren sich einig das er eher Trocken rüberkommt. Genauso hätte ich einen Wein in der Hand mit der Aufschrift Halbtrocken, da wurden schon die ganze Flasche mit Zucker nachgebessert. War halt ein extra Brut.

Das soll jetzt keine Kritik sein, es zeigt nur auf, wie schwer es ist. Ich weiß auch das Große Fabriken ihr eigenes Labor haben, aber auch kleinwinzer schreiben Trocken oder Süß auf ihren Wein.

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Re: Restzucker und die Messung

Beitrag von Bahnwein » 18 Oktober 2018 14:03

Ich denke, dass viele ihren Stoff in ein Labor geben zur Analyse.
Eine Möglichkeit der Zuckerbestimmung wäre eventuell ein Stück Alufolie und eine genaue Wage.Die Alufolie wiegen. Einfach eine kleine Schüssel formen, z.B ein Milliliter Wein hinein, beides zusammen wiegen.Daraus kannst du die Flüssigkeitsmenge bestimmen. Dann die Flüssigkeit verkochen und wieder wiegen. Die Differenz zum Gewicht der Alufolie dürfte wohl hauptsächlich der Zucker sein. Die Flüssigkeitsmenge kennst du auch also kannst du auf einen Liter hochrechnen.
Ob sich das lohnt?

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Re: Restzucker und die Messung

Beitrag von Fruchtweinkeller » 18 Oktober 2018 23:29

Winzer geben Proben ans Labor, da bekommt man für wenige Euros schnell eine umfangreiche Analyse. Habe ich auch mal machen lassen (Sonderangebot = zugeschlagen), aber letztlich ist das im Hobbybereich schon etwas übertrieben. Wir müssen es ja auch nicht genau wissen, es reicht, wenn der Stoff schmeckt ;)
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