Apfelmusen und nur 45 Oechsle

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Äbbelsche
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Apfelmusen und nur 45 Oechsle

Beitrag von Äbbelsche » 18 September 2016 10:39

Guten Tag zusammen,

Bin neu hier im Forum und finde dies sehr gelungen!

Bisher...
Im 3. Jahr stellen wir nun (ca. 15 km nordöstlich von Frankfurt/Main) Apfelwein her.
Dabei lassen wir uns von einer Kelterei unsere ca. 900Kg gemischte Äpfel von Streuobstwiesen pressen und füllen den Most in 2 je 300l Fässer.
Seit 2 Jahren erhalten wir spätestens gegen Februar einen vollmundigen, nach Apfelaroma schmeckenden und klären Apfelwein.
Gärspund und regelmäßige Sichtkontrollen reichten dazu aus.
Wir setzten bisher niemals Hilfsmittel, oder Zusatzstoffe, wie Hefe, etc. ein.
Haben auch nie Messungen durchgeführt.

Mein Problem jetzt:
Ich vermute aufgrund dessen, dass wir dieses Jahr zu früh mit der Ernte begonnen haben, waren viele Äpfel noch nicht reif genug.
Der Most schmeckt etwas säuerlicher als in den Jahren zuvor und es fehlt daher an Süße.
Eine Messung ergab nur 45 Oechsle.

Ein Bekannter riet nun den Most einfach 2 Jahre stehen zu lassen, da er nichts von Zuckern, etc. hält.
Im 2. Jahr würde sich dann immer mehr Aroma bilden und der Apfelwein immer besser werden.

Thema wäre halt, dass wir dann nächstes Jahr keinen eigenen Apfelwein hätten :-(

Gibt es Tipps, wie es trotzdem noch irgendwie zu "retten" ist?

Danke für eure Hilfe.

Gruß Äbbelsche

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Martinve7
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Re: Apfelmusen und nur 45 Oechsle

Beitrag von Martinve7 » 18 September 2016 11:31

Wir hatten letztes Jahr auch nur 48° Oechsle im Most gemessen und der Apfelwein war trotzdem sehr gut geworden.
Meiner Meinung nach macht gerade das den Apfelwein aus, dass er eben nicht immer gleich schmeckt, sondern von Jahr zu Jahr und von Lagerort zu Lagerort doch immer etwas anders ist.
Dieses Jahr haben wir an manchen Bäumen gar keinen Ertrag. Ich bin jetzt schon gespannt, wie der Äppler dann schmeckt. wenn ganze Sorten in der Mischung wegfallen.

2 Jahre Lagerung ist meiner Erfahrung nach problematisch. Im zweiten Jahr steigt das Risiko immens, dass sich Fehler einschleichen.
Wir verzehren unseren Apfelwein in der Keltergemeinschaft im darauffolgenden Jahr und sind vermehrt nun auch dazu übergegangen, den Apfelwein auf der Hefe zu belassen bis er verzehrt wird, da wir eh fassweise verbrauchen und bei uns die Erfahrung gezeigt hat, dass nichts negatives passierte.

Ich würde mir um die 45° Oechsle keine Gedanken machen. Der bekommt lediglich weniger Umdrehungen und wird vielleicht etwas saurer.

Bei meinem letzten Versuch den Äppler mit Zucker zu pimpen, hatte ich das Problem, dass er sich nicht klären wollte. Das Risiko möchte ich nicht eingehen, da wir im März die erste Veranstaltung haben, wo größere Mengen gebraucht werden.
Gruß
Martin

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Re: Apfelmusen und nur 45 Oechsle

Beitrag von Äbbelsche » 18 September 2016 22:01

Hi Martinve7,

Besten Dank für deine schnelle Rück Antwort.
Ich denke wir werden genauso vorgehen, den Apfelmost nicht mit irgendwelchen Zusätzen zu verunglimpfen. Nach meinem Dafürhalten kann das auch in Summe nur eher schlechter werden.
Warten wir's mal ab. Ich melde mich dann wieder wenn wir ein aussagefähiges Ergebnis haben.

Gruß Äbbelsche

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Re: Apfelmusen und nur 45 Oechsle

Beitrag von Fruchtweinkeller » 18 September 2016 22:36

Hallo Äbbelsche,

ich bin wirklich kein Mostexperte, aber den Rat "2 Jahre stehen lassen" muss ich doch kommentieren ;)

Zunächst: Was an Geschmack wegen unreifen Äpfeln fehlt wirst du niemals ausgleichen können. Aufzuckerung sorgt für Alkohol, das sorgt für eine erhöhte Stabilität, weswegen ich auf der HP dazu rate. Daran kann man sich halten, muss man aber nicht :P

Was passiert wenn der Low Alk Most 2 Jahre herumsteht? Vermutlich setzt dann eine Milchsäuregärung ein, die Gesamtsäure wird reduziert, der Most schmeckt oberflächlich gefälliger. Wenn die Bakkis es zu weit treiben verdirbt der Most, und gut für die sowieso raren Apfelaromen ist so eine Milchsäuregärung auch nicht. Ich halte das nicht für der Weisheit letzten Schluss und würde eher dezent nachzuckern oder mich an den Vorschlag von Martinve7 halten.
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Re: Apfelmusen und nur 45 Oechsle

Beitrag von Äbbelsche » 19 September 2016 07:51

Hi Fruchtweinkeller,

danke auch für deine Einschätzung.
Dies bestärkt mich definitiv darin NICHT den Most für 2 Jahre stehen zu lassen.

Wir werden es jetzt auf uns zukommen lassen und ziehen in Betracht zumindest eines der beiden 300l Fässer dezent nachzuzuckern. So haben wir dann 2 Ergebnisse und sind um diese Erfahrung reicher :P

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Re: Apfelmusen und nur 45 Oechsle

Beitrag von Fruchtwasser » 19 September 2016 08:40

Hallo Äbbelsche,

so wenig sind 45 Oechsle aber auch nicht.
Ich habe auch schon Apfelsaft mit 42 Oechsle gemacht. Aber auch schon welchen mit 60 Oe; meistens so um die 50 Oe.

Beim Geschmack habe ich die Erfahrung gemacht, dass man einen unterschiedlichen Säuregehalt viel mehr schmeckt, als verschiedene Zuckergehalte.

Liebe Grüße

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Re: Apfelmost und nur 45 Oechsle

Beitrag von Äbbelsche » 20 September 2016 12:41

Aktueller Stand:

Ich hatte ja überlegt zumindest eines der beiden 300l Fässer nachzuzuckern...

Das Rechte der beiden 300l Fässer ist gerade wie blöd am gären. Da muss wohl nicht mehr nachgeholfen werden ;)
siehe hier: https://goo.gl/photos/DW1NspJXhqDageDY7
und hier: https://goo.gl/photos/WsvafifcKyDkwa386

Das Linke der beiden Fässer hingegen regt sich überhaupt nicht, ist das was für einen separaten Beitrag?

Ich hatte das Phänomen im letzten Jahr schon mal. Identische Fässer, derselbe Most, zur selben Zeit abgefüllt, aber nur eines der beiden Fässer beginnt merklich mit dem Gärprozess. Das Andere tut augenscheinlich nichts.

Später dann gegen Januar war hier auch ein deutlicher geschmacklicher und farblicher Unterschied feststellbar...
siehe hier: https://goo.gl/photos/LHNqGeRXMdmNct8c6

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Re: Apfelmusen und nur 45 Oechsle

Beitrag von Fruchtweinkeller » 20 September 2016 22:16

Da du keine Hefe zusetzt wundern mich solche Phänomene nicht.

Siehe zum Thema auch:

viewtopic.php?f=85&t=8857
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Re: Apfelmost und nur 45 Oechsle

Beitrag von Äbbelsche » 21 September 2016 15:21

Hi nochmal,

also jetzt blubbert auch das 2. Fass munter vor sich hin.
Alles ohne irgendwelche Zusätze.

Ich habe mich wohl zu sehr von der Angabe der Oechsle Messung verunsichern lassen.

Die letzten beiden Jahre hat es super ohne Messung und Zusätze funktioniert.

Jetzt bin ich guter Dinge, dass wir am 24.12.16 einen leckeren Apfelwein kosten dürfen ;-)

Holger
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Re: Apfelmusen und nur 45 Oechsle

Beitrag von Holger » 21 September 2016 17:18

ganz ohne chemie und so :mrgreen:

Igzorn
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Re: Apfelmusen und nur 45 Oechsle

Beitrag von Igzorn » 22 September 2016 09:33

Ich finde diese Art der Mostbereitung spannend. Mein erster Gedanke, wenn ich in einem Fass Aktivität hätte und in dem anderen nichts, dann würde ich direkt mal 10 Liter umfüllen und so die wirksamen Inhaltsstoffe des gärenden Fasses, auf das Abwartende übertragen.

Normalerweise würde ich von impfen sprechen, aber in diesem Thread, wäre das wohl eher verwirrend.
Ist das Trinkgefäß erst leer, macht es keine Freude mehr. ... Rechtschreibfehler kommen alle durch dem Handy...

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