Probleme mit Flüssighefe, umsteigen auf Trockenhefe?

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Fruchtweinkeller
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Re: Probleme mit Flüssighefe, umsteigen auf Trockenhefe?

Beitrag von Fruchtweinkeller » 09 Juni 2015 22:24

Naja, ich weiß nicht, welcher "Fachbericht" sich mit Flüssighefe beschäftigt oder beschäftigen könnte. Für die Winzer, die ich kenne (zugegeben, nur eine einstellige Zahl) ist Flüssighefe überhaupt kein Thema.
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tiga
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Re: Probleme mit Flüssighefe, umsteigen auf Trockenhefe?

Beitrag von tiga » 10 Juni 2015 00:15

Mir will auch mal so gar kein Grund einfallen, warum man nun unbedingt Flüssighefe verwenden soll.

Ich habe (wie so viele) am Anfang auch Flüssighefe benutzt. Von 3 oder 4 Flaschen war nur eine so, dass sie noch wirklich aktiv war und vermutlich war sie auch nur bedingt brauchbar. (Der Met schmeckte nicht wie er sollte -- Weinfehler)
Mit Trockenhefe hatte ich bis jetzt noch nie Probleme und dabei war die teilweise schon reichlich alt
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Re: Probleme mit Flüssighefe, umsteigen auf Trockenhefe?

Beitrag von Flowie91 » 10 Juni 2015 00:24

Es ist wirlich seltsam: Man hört bzw. liest so oft davon dass die flüssig Hefe minderwertiger ist und Weinfehler hervorruft oder gar nicht erst angärt.
Wie kann es sein, dass sich diese Form der Hefe überhaupt hält??

Ich meine Trockenhefe gibt es von 5 Gramm bis was weiß ich, also für jeden was dabei.
Und Flüssighefe gibt es meistens nur in kleineren Fläschen. Mir würde auch nicht der geringste Grund einfallen, wieso man lieber auf Flüssighefe anstatt auf Trockenhefe zurückgreifen sollte?...
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Re: Probleme mit Flüssighefe, umsteigen auf Trockenhefe?

Beitrag von JasonOgg » 10 Juni 2015 09:21

Man sollte trotz aller Begeisterung für Trockenhefe erwähnen, dass es auch hier Probleme geben kann.

1. Auch Trockenhefe hat ein Mindesthaltbarkeitsdatum
2. Auch Trockenhefe muss vernünftig gelagert werden

daraus folgt:

auch für Trockenhefe ist ein Gärstarter sinnvoll.

Ein weiteres Problem habe ich letztes Jahr gehabt. Es gibt Grossisten, die füllen 1kg Packungen in 100g Dosen ab. Das ist grundsätzlich eine gute Idee, so komme ich an Hefen in kleineren Gebinden. Der Haken an der Sache ist, dass unterschiedliche Abfüllungen aus der selben Charge unterschiedliche Haltbarkeitsdaten bekommen. Die Begründung war, dass Hefen in der Originalverpackung unter Vakuum eine Sterberate von 10% pro Jahr haben und in der Kunststoffdose 20%, also je nach Zeitpunkt der Abfüllung in die Dose wird das Haltbarkeitsdatum nach hinten verschoben. In der Praxis bewirkte das, dass mein erstes Döschen praktisch tot war, weshalb ich den Inhalt entsorgte und neu bestellte. Diese Bestellung ein halbes Jahr später brachte die gleiche Charge mit einem späterem Haltbarkeitsdatum aus der gleichen Charge und war genauso tot. Das Angären mit den paar verbliebenen lebensfähigen Zellen verzögerte die Angärung um rund 3 Tage, was mir eigentlich zu viel ist.

Bei meiner nächsten Bestellung werde ich angeben, dass ich die Hefe zurückgeben werde, wenn sie wieder dieser Charge entspricht.
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Re: Probleme mit Flüssighefe, umsteigen auf Trockenhefe?

Beitrag von Vinifikator » 10 Juni 2015 10:13

JasonOgg hat geschrieben:1. Auch Trockenhefe hat ein Mindesthaltbarkeitsdatum
2. Auch Trockenhefe muss vernünftig gelagert werden

daraus folgt:

auch für Trockenhefe ist ein Gärstarter sinnvoll.
Die Argumente sind nicht von der Hand zu weisen. Ich lagere meine Trockenhefe immer "luftdicht" verpackt im Kühlschrank. Das sind meistens 100g Beutel, die nach Entnahme von 5g wieder sauber verschlossen werden. Ein Beutel reicht bei meiner Ansatzmenge circa 1,5 Jahre. Ich muss aber dazu sagen, dass ich gelegentlich etwas Hefe für diverse Hefeteige verwende... 8-)

Jedenfalls setze ich bei Trockenhefe nie einen Gärstarter an, sondern rehydriere die Hefchen in etwas lauwarmen Wasser und unter Zugabe einer kleinen Menge Zucker. Wenn das Gebräu nach 15 Minuten dann Schaum bildet und wohlwollend nach Backstube duftet, ist die Trockenhefe defintiv noch "gut" und bereit für den Ansatz. Bisher hatte ich auch mit angerissenen Gebinden nach Monaten und Jahren keine Probleme mit zu langsam einsetzender Gärung.

Da ich am Anfang meiner Weinbereiterei schlechte Erfahrungen mit Flüssighefe machen musste, würde ich im direkten Vergleich immer Trockenhefe bevorzugen. Schon allein wegen dem Preis-Leistungs-Verhältnis liegt diese ganz klar vorn. Auch Handhabung und Lagerfähigkeit sprechen für sich.

Insofern: Pro Trockenhefe :D
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Re: Probleme mit Flüssighefe, umsteigen auf Trockenhefe?

Beitrag von Flowie91 » 10 Juni 2015 10:30

JasonOgg hat geschrieben:Man sollte trotz aller Begeisterung für Trockenhefe erwähnen, dass es auch hier Probleme geben kann.

1. Auch Trockenhefe hat ein Mindesthaltbarkeitsdatum
2. Auch Trockenhefe muss vernünftig gelagert werden

daraus folgt:

auch für Trockenhefe ist ein Gärstarter sinnvoll
Da hast du recht, aber AUCH ist nicht NUR, wenn du verstehst :D
Was ich sagen will: Es sind eventuell die gleichen Nachteile wie bei der Flüssighefe, welche aber noch andere Nachteile hat.

Was das abfüllen gleicher Chargen angeht, das ist wohl mehr ein Fehler des Herstellers oder besser gesagt Händlers und weniger der Trockenhefe selbst.
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Re: Probleme mit Flüssighefe, umsteigen auf Trockenhefe?

Beitrag von JasonOgg » 10 Juni 2015 15:26

Vinifikator hat geschrieben:Jedenfalls setze ich bei Trockenhefe nie einen Gärstarter an, sondern rehydriere die Hefchen in etwas lauwarmen Wasser und unter Zugabe einer kleinen Menge Zucker.
...
Bisher hatte ich auch mit angerissenen Gebinden nach Monaten und Jahren keine Probleme mit zu langsam einsetzender Gärung.
Nun ja, statt Wasser nehme ich Apfelsaft und lasse dafür den Zucker weg. Das ist mein Gärstarter. :engel:

Ich hatte auch schon 3 Jahre alte Trockenhefe aus einer angebrochenen Verpackung, die tat es. Nur die eine war halt schon direkt beim Kauf ziemlich daneben.
Vinifikator hat geschrieben:Insofern: Pro Trockenhefe :D
Das habe ich auch nicht in Abrede gestellt, nur darauf hingewiesen, dass es sich auch hier um verderbliche Naturalien handelt. ;)
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Re: Probleme mit Flüssighefe, umsteigen auf Trockenhefe?

Beitrag von tiga » 10 Juni 2015 19:07

Gärstarter ist bei mir auch obligatorisch.
Beim letzten (derzeit noch aktiven) Ansatz kam Hefe zum Einsatz, die schon etwa 2-3 Jahre im Kühlschrank lag. Es hat etwa 10 Minuten gedauert, bis der Starter anfing zu schäumen. Die Hefe war also wohl noch gut.
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Re: Probleme mit Flüssighefe, umsteigen auf Trockenhefe?

Beitrag von habaku » 10 Juni 2015 20:30

Nur noch kurz zum Abschluss - genau diese Diskussion ist der Grund, weshalb ich nach einem fundierten Artikel fragte. So einfach ist die Sache nämlich scheinbar nicht, mit der Trocken- und Flüssighefe. Aber ich habe auch so schon viel aus euren Beiträgen mitnehmen können. Danke dafür.

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Re: Probleme mit Flüssighefe, umsteigen auf Trockenhefe?

Beitrag von Fruchtweinkeller » 10 Juni 2015 20:34

Flowie91 hat geschrieben:Es ist wirlich seltsam: Man hört bzw. liest so oft davon dass die flüssig Hefe minderwertiger ist und Weinfehler hervorruft oder gar nicht erst angärt.
Wie kann es sein, dass sich diese Form der Hefe überhaupt hält??
.
Mal alles über einen Kamm geschoren: Die Läden sind voll mit miesen Produkten, die trotzdem gekauft werden :mrgreen:

Aber im Ernst: Man sieht doch an den Berichten hier im Forum dass sich viele Hobbywinzer der Problematik gar nicht bewusst sind. Sie sehen ein MHD und vertrauen diesem. Wenn es mal nicht vernünftig gärt, so suchen sie den Fehler oft woanders.

Ich bin in der glücklichen Situation, prüfen zu können was in so einem Fläschchen lebt und was nicht. Der Gelegenheits-Hobbywinzer kann das leider nicht.

Edit: Einfach ist die "die Sache" nicht, aber sie ist umfassend auf der HP dargestellt; auch zur Trockenhefe steht dort einiges.

Edit II: Ujnd dass weder ein Hersteller noch ein Verkäufer seine Flüssighefen "schlecht redet" dürfte klar sein.

Edit III: Und wenn du mir nicht glaubst: Schnapp dir ein Lehrbuch über Wein oder Kellertechnik. Ich habe spontan zum Buch "Der Wein" von Vogt/Lemperle/Weiss in der 8. Auflage gegriffen (lag gerade herum) und finde dort auf den Seiten 86ff etwas über Flüssighefen vs. Trockenhefen. Die Auflage ist schon etwas älter, aber die Tendenz "pro Trockenhefe" ist bereits erkennbar.

Merke: Im Internet wird viel (und immer mehr) Schund verbreitet.

Aber nicht bei mir.
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Re: Probleme mit Flüssighefe, umsteigen auf Trockenhefe?

Beitrag von JasonOgg » 11 Juni 2015 09:25

habaku hat geschrieben:Nur noch kurz zum Abschluss - genau diese Diskussion ist der Grund, weshalb ich nach einem fundierten Artikel fragte ...
Fundierte Artikel erhält man von Wissenschaftlern, die sich mit dem Thema auskennen, z.B. Doktorarbeiten darüber geschrieben haben, beruflich damit umgehen und in der Freizeit Hefe-Flüsterer sind. Hier findest du das Curriculum Vitae von einem.

Dieser Fachmann hat den Vorteil dem gleichen Hobby wie wir zu frönen und hat das ganze für uns Laien verständlich formuliert.

Das bedeutet natürlich nicht, dass man ihm bedingungslos vertrauen kann :mrgreen: aber ich würde das schon als ziemlich fundiert und in der Praxis bewährt betrachten, was die Beiträge hier im Forum in offener Diskussion auch zeigen.
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