Chlorrückstände im Met?

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JanJoh
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Chlorrückstände im Met?

Beitrag von JanJoh » 07 Januar 2016 19:56

Hi,
habe letztens wieder 20l angesetzt, nachdem ich das Fass gründlich mit Allzweckreiniger (von Sagrotan) gereinigt und danach mit Wasser ausgespült habe. Hab ihn heute zum ersten mal probiert und gemerkt, dass er im Abgang ein wenig so schmeckt wie der Reiniger riecht. Jetzt habe ich ein bisschen Angst, dass ich das Fass nicht gründlich genug ausgespült habe und evtl Chlor im Fass zurückgeblieben sein könnte (kein typischer Chlorgeruch, aber eben der Geruch des Reinigers). Da ich und sicher auch die Leute, mit denen ich den Met genießen will wenig Lust auf eine Chlorvergiftung haben, wollte ich fragen ob jemand schonmal etwas ähnliches erlebt hat und mir sagen kann, ob es sich tatsächlich um gefährliche Stoffrückstände vom Reinigen in gefährlicher Menge handeln kann und wenn ja, was man dagegen tun kann, nach Möglichkeit ohne den Met wegzuschütten..

Bin sehr dankbar für jede Art von Ratschlag!

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Chesten
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Re: Chlorrückstände im Met?

Beitrag von Chesten » 07 Januar 2016 20:37

die HP hat geschrieben:Der Fachmann nennt die Durchdringung von Feststoffen durch kleine Moleküle Permeation. Die Permeation kann durch eine spezielle Oberflächenbehandlung zwar reduziert, aber nicht gänzlich ausgeschaltet werden. Jeder kennt die Permeation aus dem täglichen Leben: Nimmt ein Kunststoffbehälter einen üblen Geruch an, der sich trotz ausgiebiger Reinigung nicht mehr entfernen lässt, so ist daran ebenfalls die Permeation schuld: Die Geruchsmoleküle sind tief in den Kunststoff eingedrungen und werden nach und nach wieder freigesetzt.
Wenn du mehrfach hinter mit klaren Wasser gespült hast und es sie um das oben beschriebene Phänomen handelt sollte das eigentlich kein Problem sein.

Das nächste mal solltest du lieber auf die "Schwefelsuppe" ala Fruchtweinkeller.de

schau mal am besten hier nach : http://fruchtweinkeller.de/Wine/sauber.html mit diesen beschrieben Methoden gehts auch ohne Chlorreiniger
"Die einzig stabile Währung ist die alkoholische Gärung" (Das Känguru-Manifest)

Hier findest du einen Anleitung wie man seinen ersten eigenen Wein herstellt:
http://www.forum.fruchtweinkeller.de/viewtopic.php?f=33&t=12175

JanJoh
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Re: Chlorrückstände im Met?

Beitrag von JanJoh » 07 Januar 2016 21:03

Vielen, vielen Dank!

Ich denke es handelt sich genau um dieses Phänomen. Hatte den Reiniger einen Tag lang im Fass, da ich nicht dazu gekommen bin es fertig zu säubern. Danach ist mir aufgefallen dass es immernoch nach diesem Reiniger riecht obwohl ich es oft gespült habe.

Ich gehe davon aus, dass die Stoffe sich dann langsam lösen und durch den Gärspund entweichen?

Und nochmals danke für den Tipp mit dem Schwefel, werde ich ab jetzt so handhaben :clap:

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Re: Chlorrückstände im Met?

Beitrag von Fruchtweinkeller » 07 Januar 2016 23:49

Ich bin mir nicht sicher dass sich das Problem über den Gärspund selbst entsorgt, die Duftstoffe sind ja auch wasserlöslich und werden erst nach und nach vom Fass freigesetzt. Sorry, für mich gehört der Ansatz verworfen, und das Fass erst einmal sehr lange und gründlich gewässert um den Geruch loszuwerden.
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(Too much coffee man)

Sorry, aber ich antworte nicht auf PMs, die inhaltlich ins Forum gehören!

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Re: Chlorrückstände im Met?

Beitrag von Chesten » 08 Januar 2016 12:15

Fruchtweinkeller hat geschrieben:Ich bin mir nicht sicher dass sich das Problem über den Gärspund selbst entsorgt, die Duftstoffe sind ja auch wasserlöslich und werden erst nach und nach vom Fass freigesetzt. Sorry, für mich gehört der Ansatz verworfen, und das Fass erst einmal sehr lange und gründlich gewässert um den Geruch loszuwerden.
Da muss ich Chef recht geben. Ich denke zwar das der Met unbedenklich sein könnte von Gesundheitsstandpunkt aus aber freiwillig würde ich den nicht mehr trinken !

Gestern Nacht im Bett kam mir noch die Idee das es eine Weinkrankheit seinen könnte.
http://fruchtweinkeller.de/Wine/weinfehler.html

Das kam mir in den Sinn:
Die HP hat geschrieben:Lösungsmittelgeruch und Lösungsmittelgeschmack, "Uhuton"

Der Lösungsmittelgeschmack wird durch verschiedene Ester hervorgerufen, dabei handelt es sich um Verbindungen aus einem Alkohol und einer Säure. Der am häufigsten vorkommende Ester im Wein ist der Essigsäureethylester (siehe auch "Essigstich", Abbildung 15.1), es finden sich aber auch viele andere Ester aus längerkettigen Alkoholen. Die Ester sind generell ausgesprochen geruchs- und geschmacksintensiv und haben einen großen Einfluss auf das Bukett des Weins. Die Konzentration des Essigsäureethylesters in einem normalen, "gesunden" Wein beträgt etwa 50 mg/l. Ab einer Konzentration von etwa 200 mg/l werden die Ester jedoch als störend empfunden und rufen den "Uhuton" hervor.

Ursachen:

Ester sind Nebenprodukte der Gärung und werden von allen Hefen in geringen Mengen gebildet. Kommen sie in störender Menge vor, so deutet dies auf die Tätigkeit von "wilden" Hefen der Gattungen Hansenula, Pichia, Candida u.a. hin. Auch Kahmhefen können große Mengen Ester produzieren.

Vermeidung:

Verwenden Sie eine Reinzuchthefe. Diese wird eventuell vorhandene "wilde" Hefen schon nach kurzer Zeit überwachsen und verdrängen. Eine große Gefahr geht von überreifen verletzten Früchten aus, in denen sich wilde Hefen vermehren können. Falls solche Früchte verwendet werden, kann bei Gärbeginn geschwefelt werden, denn die wilden Hefen reagieren darauf empfindlicher als die Reinzuchthefen.

Die gekauften Flüssighefen können derart mit Wildhefen verunreinigt sein, dass die Flasche bereits beim ersten Öffnen nach Estern riecht. So eine Flüssighefe darf keinesfalls verwendet werden (siehe auch das Kapitel "Die Hefen").

Behandlung:

Eine Behandlung ist leider nicht möglich. Der Ansatz muss verworfen werden.
"Die einzig stabile Währung ist die alkoholische Gärung" (Das Känguru-Manifest)

Hier findest du einen Anleitung wie man seinen ersten eigenen Wein herstellt:
http://www.forum.fruchtweinkeller.de/viewtopic.php?f=33&t=12175

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Re: Chlorrückstände im Met?

Beitrag von NeoArmageddon » 08 Januar 2016 17:36

Aloha!

Den Sagrotan Allzweckreiniger kenne ich, hab ihn nämlich gerade entsorgt. Ekelhaftes Zeug!
Eine Chlorvergiftung wirst du dir wohl nicht zuziehen, da Sagrotan zwar etwa 1% Benzalkoniumchlorid enthält, aber sich das Chlor daraus nicht löst.
Wenn du dann das ganze noch ausgewaschen und dann deinen Ansatz drauf hast, sollte die Konzentration noch unter der von Augen- und Nasentropfen liegen, welche das Zeug als Konservierungsmittel beinhalten.

Viel problematischer sind für dich wohl die Aromastoffe, die in dem Zeug drin sind. Aus meiner Erfahrung weiß ich, dass sie:
  • Ziemlich ekelhaft riechen (warum machen die das überhaupt da rein?)
  • Der Geruch bei mir Übelkeit verursacht.
  • Der Geruch sich über Tage hält (habe damit meine Tastatur und Schreibtisch desinfiziert... und konnte knapp 2 Tage lang nicht am PC arbeiten)
Ich würde also sagen: Gesundheitlich unbedenklich - Geschmacklich bedenklich

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Re: Chlorrückstände im Met?

Beitrag von Orestes » 12 Januar 2016 07:34

Ich nutze zum Spülen meiner Fässer immer einfach kochendes Wasser. Oder ich spüle sie mit heissem Soda (Natriumcarbonat) aus und mit kochendem Wasser nach. Beides ist superschnell gemacht und brachte bisher keine Geschmacks oder Geruchsrückstände und ist obendrein noch sehr billig und ungiftig. Ist das Fass mal etwas dreckiger reicht Wasser und Bürste um den Fruchtdreck wegzubekommen. Du kannst dir das Sagrotan also problemlos sparen für die Zukunft.

JanJoh
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Re: Chlorrückstände im Met?

Beitrag von JanJoh » 25 Januar 2016 15:41

Danke für die Antworten.

Der Nachgeschmack ist immernoch vorhanden, obwohl er sich schon ein wenig gebessert hat.Aber ich bin auf jeden fall schon einmal froh, dass es gesundheitlich wohl kein zu großes Risiko gibt.
Den Reiniger werd ich in Zukunft definitiv gelassen..

Mal schauen, vielleicht bekomm ich da noch etwas gerettet.

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Re: Chlorrückstände im Met?

Beitrag von Meter » 11 Februar 2016 08:25

Ich würde mich Orestes anschließen, lass am besten die Finger weg von allen Reinigern, die irgendwelche Parfums enthalten. Ich selber nehme ausschließlich heißes Wasser und Soda, und in ganz schweren Fällen ausnahmsweise das hier: http://www.sonett.eu/index.php?id=29&lang=de

Zur Desinfektion (selten nötig) nur Produkte auf Sauerstoffbasis, also Oxireiniger, oder Kaliumdisulfit.

Dein Geschmacksproblem im Met könntest Du mit Aktivkohle angehen. Danach könnte es allerdings nötig sein, zu klären oder sogar zu filtern.
Met in Germany.

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Re: Chlorrückstände im Met?

Beitrag von Kirschwein » 16 April 2016 18:41

Was einmal an Fehl-Gerüchen im Wein oder Met drin ist, kriegt man leider so schnell nicht wieder raus. Klar, man kann belüften, dadurch wird so mancher Geruch schwächer. Aber ganz wegbekommen wird man es nicht.

Ich würde so einen Ansatz auch entsorgen.

Ich habe mich mal mit Aktivkohle versucht bei einem Met wo ich wilde Hefen drin hatte, und wo der Met einen ziemlich penetranten Kahmgeschmack hatte. Das Ende vom Lied war, dass die Aktivkohle dem Wein praktisch alles andere an Geschmacksstoffen (und Farbstoffen!) genommen hat, und übrig blieb nur eine blasse, geschmacksfreie Plörre.

Ich verwende oft Isopropylalkohol zur Desinfektion von Ballons. Aber da muss man halt auch gründlichst danach den Ballon ausspülen, weil auch das ein sehr penetranter Geruch ist, den man garantiert in einem Weinansatz merken würde.

Alles an Reinigern, was darüber hinaus Duftstoffe hat, sollte man nicht im Rahmen der Weinherstellung verwenden. Meine einzige Ausnahme ist, dass ich den Raum wo ich meinen Wein abfülle jedesmal nach getaner Arbeit nass auswische mit Zitrus-Bodenreiniger. Aber auch danach lasse ich den Raum gründlich durchlüften, damit sich der Geruch nicht in meine Weinballons einschleicht, oder sogar in dort lagernde verkorkte Flaschen.
"Die einzige Möglichkeit mit einem Weingut ein kleines Vermögen zu machen, ist mit einem großen Vermögen anzufangen" - alte Winzerweisheit

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Re: Chlorrückstände im Met?

Beitrag von Fruchtweinkeller » 16 April 2016 21:03

Kirschwein hat geschrieben: Ich verwende oft Isopropylalkohol zur Desinfektion von Ballons. Aber da muss man halt auch gründlichst danach den Ballon ausspülen, weil auch das ein sehr penetranter Geruch ist, den man garantiert in einem Weinansatz merken würde.
.
Ein gespülter Ballon ist aber nicht (mehr) desinfiziert.

Etwas Isoprop n den Ballon, ausschwenken damit die Oberfläche komplett benetzt ist, mit der Öffnung nach unten gestürzt stehen lassen. Das Isoprop läuft aus, Reste dampfen rasch rückstandslos ab.
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