Gärstarter brauchen ewig

Zak McKracken
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Gärstarter brauchen ewig

Beitrag von Zak McKracken » 09 März 2018 09:26

Hallo,

ich bin neu in der Hobbywinzerei, ich mache das als Begleitung zu meinem Studium Weinbau und Oenologie in Geisenheim (fängt dieses Jahr an).

Im Moment habe ich mit meinen Gärstartern zu kämpfen:
Ich habe letzte Woche bereits einen Apfelfederweißen mit normaler Supermarkt-Trockenhefe angesetzt, hat super geklappt. Die Hefe fing direkt nach Zugabe im Gärstarter an loszulegen.
DIe MoonshinersChoice Hefe dagegen nicht. Ich habe nach und nach drei Gärstarter angesetzt (der Dritte mit der gesamten, verbliebenen Hefe) im Abstand von jeweils etwa 1-2 Tagen, weil einfach keine Aktivität zu beobachten war. Es hat sich bei allen Dreien sehr schnell ein Bodensatz gebildet, nach 20 Minuten hatte sich die meiste Hefe wieder abgesetzt.
Zudem haben die ewig zum starten gebraucht. 4 1/2 Tage, um genau zu sein. Bei allen war auch in den ersten Tagen ein Unterdruck entstanden, wie es scheint. Die innere Wassersäule des Gärspunds war höher, als die äußere.
Und dann, wie

Welche Umstände begünstigen denn einen schnellen Start der Hefe?
Kann es sein, dass meine Hefe beschädigt war? Die Hefe wurde geliefert, als die Temperaturen um die -15°C lagen. Kann die Hefe das überhaupt überleben?

Und vor Allem: kann ich den Gärstartern noch vertrauen? Ich habe mir gedacht, ich lasse alle einfach mal weiterlaufen, bis nichts mehr passiert, dann probiere ich die Drei mal.

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Chesten
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Re: Gärstarter brauchen ewig

Beitrag von Chesten » 09 März 2018 10:00

Willkommen bei uns !

Da hast du dir aber ein schönes Orchideenfach ausgesucht ;) !

Eigentlich sollte die Gärung in binnen von Stunden und nicht in binnen von Tagen einsetzen.
Wenn du aktive Trockenhefe verwendest blubbt es schon in keinen 2 Stunden vor sich hin, wenn die Bedingungen stimmen !

Nach ca. 5 Tagen ohne Gärung kannst du dem Gärstarter nicht mehr trauen !
Da wird sich mittlerweile ganz anderes Mistzeug breitgemacht haben was die Blubbs macht :o .
Wie warm stand der Gärstarter ? Wenn du den z.B. im Kühlschank hast ist die Sache klar aber Zimmertemperatur sollte die Gärung sehr schnell einsetzen.

Ob die -15°C zu viel waren weiß ich nicht ich lagere meine Hefe im normalen Kühlschrank wie die meisten hier dafür musst du wohl auf die Antwort vom Chef warten der wird das sicher wissen da er professionell mit Hefen arbeitet.

Jetzt mal was grundsätliches :
Warum hast du bei Trockenhefe einen Gärstarter gemacht oder ist MoonshinersChoice eine Flüssighefe ?
Ich kenne die zwar vom Namen habe sie aber nie selbst benutzt.
Flüssighefen werden nicht aufgeteilt und wenn du die bei -15°C eingefrohen hast ist der Fall leider auch klar.
Da dann die Eiskristalle alles getötet haben was da drin war.

Viel Erfolg bei deinem Studium !
"Die einzig stabile Währung ist die alkoholische Gärung" (Das Känguru-Manifest)

Hier findest du einen Anleitung wie man seinen ersten eigenen Wein herstellt:
http://www.forum.fruchtweinkeller.de/viewtopic.php?f=33&t=12175

Zak McKracken
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Re: Gärstarter brauchen ewig

Beitrag von Zak McKracken » 09 März 2018 10:28

Soll man Trockenhefen keinen Gärstarter ansetzen? ?-|
Ich habe die in Gärstarter gepackt, damit ich nicht gleich den ganzen Ansatz wegschütten muss, falls da was mit der Hefe nicht stimmt. Ich habe in den Bewertungen der Hefe zwar wesentlich mehr positives gehört, Ausfälle gibt es aber immer.

Die Hefe ist eine Trockenhefe und eingefroren habe ich sie nicht selbst, nur wurde die Hefe geliefert, als es hier wegen der sibirschen Winde um die -15°C waren.
Temperatur habe ich regelmäßig mittels Infrarottemperaturmeßgerät (schönes Wort) kontrolliert.

Das ich den Gärstartern nicht mehr vertrauen kann, habe ich bereits befürchtet.
Aber ich will mich nicht allzulange davon aufhalten lassen und eine neue Starterkultur mit gesunder Hefe ansetzen.
Das sich das Ganze nach Möglichkeit nicht wiederholen soll, rätsel ich nun, ob ich wieder Trockenhefe oder dieses mal eine Flüssigkultur benutzen sollte?

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Chesten
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Re: Gärstarter brauchen ewig

Beitrag von Chesten » 09 März 2018 11:32

Zak McKracken hat geschrieben:Soll man Trockenhefen keinen Gärstarter ansetzen? ?-|
Sorry da habe ich mich wohl falsch ausgedrückt...
Man muss bei Trockenhefe nicht zwingend einen Gärstarter machen aber es ist sehr sinnvoll !
Wenn du die Hefe nicht ok ist , wie in deinem Fall merkt man das schon beim Gärstarter und man muss keinen teuren ganzen Ansatz wegkippen sondern nur einen kleinen Gärstarter !

Trockenhefe ist in der Regel Flüssighefe überlegen da diese robuster ist, z.B. in der Lagerung.
Trockenhefe kann man wenn man sie trocken lagert ohne größere Probleme ca. 2 Jahre im normalen Kühlschrank lagern danach geht es in der Regel auch noch länger man muss bloß dann halt mehr nehmen.

Wie gesagt ob die Lagerung zu kalt war weiß ich nicht aber der Chef wird das wissen und der wird dir sicher heute Abend spätestens eine Antwort geben da er jeden Tag ins Forum sehen muss wie wäre er sonst auf seine 26k-Beiträge gekommen :lol: ?
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Zak McKracken
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Re: Gärstarter brauchen ewig

Beitrag von Zak McKracken » 09 März 2018 13:43

Ok Danke für die Vorwarnung ;)

Damit sich sein Besuch auch lohnt, würde ich meine Fragen gleich erweitern:

Welche Kulturen eignen sich für Mischfruchtweine und Honigweine?
Bzw. eignet sich die MoonshinerChoice Spezialhefe überhaupt für meine Zwecke?
Kann man da viel falsch machen, wenn man eine "falsche" Sorte wählt?

Zudem: beim Ansetzen der Gärstarter habe ich viele verschiedene Aussagen zu Mengenverhältnissen gelesen. Wie ist denn das optimale Verhältnis von Wasser/Hefenährsalz/Zucker/Hefe (/Trübstoffe) ?
Kann man "übersalzen"? Muss die Menge Salz der Menge Hefe entsprechen? Sollte man gleich zu Beginn allen Zucker hereingeben oder Nachzuckern? Kann die Hefe einen "Zuckerschock" erleiden?

Und wie bringe ich die Hefe dazu, sich nicht dauernd abzusetzen? Ich habe einen Magnetrührer (im Moment noch ohen Rührfische) oder schadet ständige Bewegung der Hefe?


Ich hoffe ich sprenge damit nicht den Rahmen, aber würde mir schon um einiges weiterhelfen.

Vielen Dank schonmal im Voraus.

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Re: Gärstarter brauchen ewig

Beitrag von Igzorn » 09 März 2018 14:55

Hallo und Willkommen,
nach allem Erkenntnissen -aus diesem Forum- ist Frost an der Hefe zu vermeiden. Es sind lebende Wesen. Die sterben irgendwann. Ich bewahre sie bei 10 Grad im Bierschrank auf.

5 Tage sind definitiv zu lange. Das Zeug kann weg. Bei mir blubbert der Gärstarter nach 15 Minuten.

20 - 25 Grad warmes Wasser sind perfekt.

Moonshiners Choice ist gut, wenn Du Geschmack vermeiden möchtest. Das muss nichts schlechtes sein. Ich habe meine Lalvin c1108 und bin sehr zufrieden damit, obwohl sie eine geschmacksarme Hefe ist. Die Moonshiners bringt vor allem Alkohol und den sehr schnell an den Start. Das brauchen wir bei Wein nur bedingt. Etwas mehr Aroma und Mundgefühl sind hier angebracht.

Man kann übersalzen. Auch wenn es bei vernünftiger Dosierung schwierig ist.

Man kann den Nährstarter auch mit Zucker töten. Zuviel Zucker im Starter und Ansatz ist ein Hemmer.

Die meisten hier schwenken ihre Ansätze bis zu drei Mal täglich. Aber einmal pro Woche reicht auch.
Ist das Trinkgefäß erst leer, macht es keine Freude mehr. ... Rechtschreibfehler kommen alle durch dem Handy...

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Re: Gärstarter brauchen ewig

Beitrag von Chesten » 09 März 2018 16:27

Zak McKracken hat geschrieben:Kann man da viel falsch machen, wenn man eine "falsche" Sorte wählt?
Grundsätzlich sind alle Weinhefen auch für Honigweine geeignet.
Was die Flasche Sorge wäre wenn man Back- oder Bierhefen für Wein verwendet.
Grundsätzlich würde ich dir zur Hefen mit einer hohen Alkoholtoleranzgrenze als Anfänger raten da du noch keinen richtigen Weinfilter hast.
Bei Fruchtweinen gibt es in der Regel keine Probleme wenn man alles richtig macht.
Die Besonderheit bei Honigweinen ist das die Hefe keine optimalen Bedingungen hat. Das versucht die Homepage mit der Zugaben von Apfelsaft und Äpfeln etwas zu entschärfen.
Ja zu viel Zucker erhöht den osmotischen Druck auf die Hefe was diese stresst und somit gärhemmend wirkt.
Je weniger Zucker am Anfang im Ansatz ist desto schneller fängt es an zu gären.
Richtwert das man ca. für 8 bis 10 vol% Zucker bei Hefen mit hoher Alkoholtoleranz zum Start hinzugibt.
Honigweine gären immer langsamer als Fruchtweine und dabei gären Maischegärungen heftiger als Saftgärungen.

Kennst du die Homepage zu diesen Forum schon ?
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Re: Gärstarter brauchen ewig

Beitrag von Moneysac » 09 März 2018 19:03

Kann es sein, dass meine Hefe beschädigt war? Die Hefe wurde geliefert, als die Temperaturen um die -15°C lagen. Kann die Hefe das überhaupt überleben?
Halte ich für unwahrscheinlich, dass die Hefe durch die Lieferung kaputt gegangen ist. Ich habe meine Hefe seit neustem im Tiefkühlschrank bei -18°C und das gärte problemlos innerhalb weniger Stunden. Die Hefe war da ca. schon 4 Monate diesen Temperaturen ausgesetzt. Den Tip hab ich von einem, meiner Meinung nach fähigen Mitarbeiter des Weinbedarfshandel bei uns in der Nähe.

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Re: Gärstarter brauchen ewig

Beitrag von Chesten » 09 März 2018 19:51

Moneysac hat geschrieben:Ich habe meine Hefe seit neustem im Tiefkühlschrank bei -18°C und das gärte problemlos innerhalb weniger Stunden.
Ich glaube das dass auch kein Problem ist, aber wenn die Hefe feucht wurde, werden sich Eiskristalle bilden und das wird mit Sicherheit die Hefe abtöten.
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Re: Gärstarter brauchen ewig

Beitrag von Igzorn » 09 März 2018 21:27

Okay, das ist es nicht. Trotzdem muss was faul sein. Wie doof...
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Re: Gärstarter brauchen ewig

Beitrag von 420 » 09 März 2018 22:24

Hier noch kurz aus der HP-Seite zitiert:

"Für 10 l Wein reichen 1-2 g Trockenhefe völlig aus. Eine Überdosierung sollte vermieden werden damit die Gärung nicht zu stark verläuft. Die Anwendung der ist denkbar einfach: Die Hefe wird einfach in den Weinansatz oder auf die Maische gestreut, nach 10-20 Minuten Wartezeit wird der Ansatz gründlich gemischt.

Wer seine Hefe besonders schonend behandeln will sollte sie stattdessen sanft mit Wasser rehydrieren bevor sie in den Wein gegeben wird. Dazu wird die Trockenhefe im zehnfachen Volumen Wasser oder Apfelsaft (also mindestens 100 ml für 10 g Trockenhefe) eingestreut und vorsichtig umgerührt, bis sie gut gelöst ist. Die Flüssigkeit sollte lauwarm sein (etwa 30°C, die Temperatur darf 45°C nicht übersteigen, da die Hefen dann absterben!). Nach 30 min kann die Suspension in den Most gegeben werden. "


So ist bei mir bis jetzt noch nie eine Trockenhefe nicht angegangen. Selber rehydriere ich immer. Gärstarter für ca. 1/2 Stunde und man sieht, wie es losgeht.

Wo hast Du die Hefe gekauft? Wie alt ist die Hefe denn? Steht ein MHD auf der Verpackung?

Leider kann ich Dir bei Frost und Trockenhefe mit meinen Erfahrungen auch nicht dienen.

Flüssighefe kann man unter bestimmten Umständen einfrieren. Sie müssen dann aber vorher behandelt werden. Sinnvoll könnte es sein, wenn die Flüssighefe recht teuer ist. Bei bestimmten Hefen für einige Biere ist das der Fall. So habe ich selber mal Hefe aus einem ausgegorenen Bieransatz gewaschen und eingefroren (klick). Hat leider nicht geklappt.

VG

PS: Suchfunktion: z.B. hier mal ein Beitrag
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Re: Gärstarter brauchen ewig

Beitrag von Moneysac » 09 März 2018 22:40

Ich glaube das dass auch kein Problem ist, aber wenn die Hefe feucht wurde, werden sich Eiskristalle bilden und das wird mit Sicherheit die Hefe abtöten.
das auf jeden Fall. Aber wenn die Packung während dem Transport ordnungsgemäß verschlossen war, sollte sie normal nicht feucht geworden sein.

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