Gärstarter mit Watteabdeckung oder Gärröhrchen?

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Stefan T.
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Gärstarter mit Watteabdeckung oder Gärröhrchen?

Beitrag von Stefan T. » 13 September 2019 13:38

Hallo Fruchtweinwinzer,

ich bin neu im Forum und absoluter Anfänger bei der Fruchtweinherstellung. Es ist Erntezeit mit Obstüberschuss und daher möchte ich mich an dieses Thema wagen. Ich habe mich in den letzten Tagen belesen und alle notwendigen Utensilien beschafft. Ich möchte einen Pflaumenwein (Bauernpflaume) ansetzen und habe dazu vor zwei Tagen einen Gärstarter angesetzt.
In Kürze stelle ich mich auch an der dazu vorgesehenen Stelle vor, versprochen.

Die Details:

Ich habe 20 ml Arauner Portweinhefe + 300ml kalt gepressten Apfelsaft (selber gepresst und absolut unbehandelt) in eine saubere Flasche gegossen und diese mit Watte verschlossen. Wie vom Hefehersteller gewünscht, habe ich hin und wieder den Wattestopfen heraus gezogen und den Inhalt geschüttelt (dabei entsteht schon durch den Apfelsaft alleine etwas Schaum, der aber auch wieder verschwindet). Dann habe ich irgendwo gelesen, dass man auch den Starter ernähren kann. Also habe ich nach 24h 0,5g Hefenährsalz und 50g Zucker hinterher geschüttet. Dann sah ich beim Studium der Fruchtweinkeller-Webseite das der Starter in den „Memoiren eines Gärstarters“ einen Gärverschluss hat. Also habe ich (nun weitere 12h später) einen Gärverschluss auf die Flasche gesetzt. Zu dieser Zeit hatte der Gärstarter aber auch schon eine geschlossene Schaumdecke. Kurz darauf fing dieser an zu blubbern, alle 50 sek. einen Blub. Bild Nach weiteren 6h hat er nun wieder aufgehört. Keine Ahnung was passiert ist. Nun habe ich aber auch gelesen, dass zu viel Zucker die Gärung abwürgt. Also habe ich 150 ml Wasser drauf gegossen um zu verdünnen. So steht er nun, 500ml trüber Saft + knapp 2cm Schaum drauf ohne Blubbern im Gärspund. Ich bin mir sicher, dass der Gärspund dicht ist.

Meine Frage ist nun, ist es besser den Gärstarter mit Wattebausch wie der Hersteller es beschreibt oder mit Gärspund anzusetzen?
Oder anders gefragt, benötigt der Gärstarter Sauerstoff, wie der Hersteller schreibt?
Zitat „Die Flasche sollte ohne Wattebausch in den ersten beiden Tagen mehrfach am Tag geschwenkt werden, um einen weiteren Sauerstoffeintrag zu gewährleisten und die Vermehrung zu fördern.“

Ich werde meine Gärstarter weiter beobachten. Ich weiß aber nicht ob ich den einsetzen möchte, wenn er vorher nicht blubbert.

Ich freue mich auf eure Beratung.

Gruß Stefan

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Re: Gärstarter mit Watteabdeckung oder Gärröhrchen?

Beitrag von Fruchtweinkeller » 14 September 2019 00:36

Mahlzeit,

prima, ich freue mich auf die Vorstellung.

Zum Thema hätte ich mehrere Antworten.

Die pragmatische Antwort:
Die Bilder auf der Homepage sind nicht gefakt, offensichtlich klappt es auch mit Gärröhrchen.

Die Kurzantwort:
Mit Trockenhefen haben wir diese Probleme nicht.

Die patzige Antwort:
Wenn die Hersteller von Flüssighefen uns reproduzierbar gescheite Qualität liefern würden müssten wir uns keine Gedanken um die Sauerstoffzufuhr machen.

Die komplexe Antwort:
Richtig ist dass Sauerstoff die Hefevermehrung fördert wenn bestimmte Nährstoffe in der Kultur verbraucht sind. Ob diese Nährstoffe nach zwei, drei Tagen in der Starterkultur überhaupt restlos verbraucht sind weiß wohl niemand mit Gewissheit. Sauerstoff könnte also einen positiven Effekt haben, er fördert aber auch die Vermehrung von unerwünschten Keimen wie Kahmhefen , Schimmel und Essigsäurebakterien. Mindestens zwei davon habe ich schon in Flüssighefen gefunden (was eine Vorlage für die patzige Antwort ist). Nun ist ein Wattebausch aus mikrobiologischer Sicht ein Horror weil sich darin Kondenswasser sammelt und er so selbst zur Keimbrutstätte werden kann. Insofern wäre es besser, Stopfen mit Gärröhrchen zu verwenden und diesen ein, zwei mal am Tag zu öffnen und so den Starter zu belüften. Ideal wären spezielle Erlenmeyerkolben mit nicht luftdichten Metallkappen, dazu eine ständige Bewegung des Kolbens auf einem Schüttler. Der gehört dann aber auch unter sterilen Bedingungen angeimpft um die Kontaminationsgefahr zu reduzieren. Oder man pumpt sterile Luft über einen Diffusor in den Starter. Nun, das hat man selten zu Hause, also muss man Abstriche machen. Kann man auch, siehe die pragmatische Antwort.
Aber ist der Aufwand auch theoretisch wirklich notwendig? Wenn du den Gärstarter in den eigentlichen Ansatz schüttest ist dieser in der Regel mit Sauerstoff gesättigt, sprich die Hefchen freuen sich und können gemütlich die Vermehrung anwerfen und die Party starten.

Fazit: Keep it simple und kaufe in Zukunft Trockenhefen ;)
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Re: Gärstarter mit Watteabdeckung oder Gärröhrchen?

Beitrag von Stefan T. » 14 September 2019 20:12

Vielen Dank für die ausführliche Antwort. Ich sehe schon, es ist keine exakte Wissenschaft, viele Faktoren können das Ergebnis beeinflussen und mehrere Lösungen sind möglich.
Ich habe in der Zwischenzeit weiter gemacht und nach allem (siehe oben) noch einmal 50g Zucker hinterhergeworfen. Kurz darauf lief die Gärung wieder an, das Gärröhren blubberte. Ich kann mir aber kaum vorstellen, dass der vorherige Zucker schon verbraucht war. Wie auch immer, die Pflaumen standen bereit und konnten nicht länger warten. Ich habe den Gärstarter nun so verwendet und nach 20h kann ich sagen die Maischegärung läuft.
Ich werde den Rat zur Trockenhefe beherzigen.

Dies war der inaktive Gärstarter (das Bild wurde oben nicht gezeigt)

Bild

Dies ist die nun laufende Maischegärung:

Bild

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Re: Gärstarter mit Watteabdeckung oder Gärröhrchen?

Beitrag von Fruchtweinkeller » 14 September 2019 20:36

Dann wünsche ich ein gutes Gelingen ;)
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Re: Gärstarter mit Watteabdeckung oder Gärröhrchen?

Beitrag von wickie » 16 September 2019 10:23

Über den Gärstarter habe ich mir noch nie Gedanken gemacht.
1/2 Liter Saft mit 100g Zucker mischen, 5g Nährsalz 2,5g Trockenhefe und verschließe es mit Gärröhchen. Ein Paar mal am Tag schütteln und läuft reibungslos. Ich setze am Freitag an und Samstag schäumt es aus dem Gärröhchen raus. :lol:

Auch wenn es nicht notwendig ist, mache ich es schon alleine deswegen, damit sich die Hefe schon vorher vermehrt. Damit kann ich sichergehen, dass mein Ansatz schon nach 1 - 2 Stunden zum blubbern anfängt. Schneller kann man die Gärung nicht in Gang setzten. :D

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