Hefenährsalz Ja oder Nein?

Verwendung der nötigen Zutaten
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Jonas_Kaestner
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Hefenährsalz Ja oder Nein?

Beitrag von Jonas_Kaestner »

Moin erstmal ;)

ich bin seit neuestem auf dem Gebiet der privaten Weinherstellung angekommen und nun auch schon kurz davor meine ersten Ansätze zu machen. Da ich nun gemerkt habe, dass ich wenn ich mich nach meinen Rezepten richte nicht genug Hefe und ebenfalls nicht genug Nährsalz habe, musst ich entsprechend reagieren.

Aus diesem Grund rief ich gestern bei einem Laden in meiner Umgebung an um zu fragen, ob das genannte Material vorrätig ist. Der eher unfreundliche Verkäufer meinte dann, dass er Nährsalz da hätte, es aber mir nicht verkaufen würde (Grund: angeblich ungesund mit Aussagen wie Gefahr auf Gicht, Osteoporose und Agressionen :schlecht: )
Ich fragte Ihn was dann die alternative wäre, denn weglassen schien mir unlogisch. Er meinte das würde davon abhängen was ich vor habe und er wollte mir das in ruhe erklären, nachdem ich Ihm sagte, dass ich vor habe Apfelwein aus Saft und Pflaumenwein aus Früchten an zu setzen.
Aus gründen die ich mir nicht erklären kann fühlte er sich pötzlich von mir veralbert und legte genervt auf.

Jetzt steh ich hier mit mehreren großen Fragezeichen und bitte um Hilfe.

1. Ist denn Nährsalz wirklich so gefährlich wie er behauptet?
2. Soll ich jetzt trotzdem Nährsalz wo anders besorgen und in der im Rezept angegebenenn Menge verwenden (4g/10l Ansatz) /soll ich weniger nehmen oder es gar ganz weg lassen ?
3. Ist es schlimm , wenn ich meine ansätze mit etwas weniger Hefe starte als im Rezept vorgegeben?

Schon mal im vorraus ein großes Danke 8-)
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CaptainPatrick
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Re: Hefenährsalz Ja oder Nein?

Beitrag von CaptainPatrick »

Siehe dazu die Homepage https://fruchtweinkeller.de/anleitungen ... e-zutaten/

Dort heißt es:
Hefenährsalz
Unverzichtbares Nährstoffgemisch zur Vorbeugung von Gärstockungen. Meist wird eine Dosierung von 4 g auf 10 L Most empfohlen. Oft handelt es sich um ein Gemisch aus mehreren Komponenten, z.B. Ammoniumsulfat, Diammoniumphosphat und Thiamin (siehe dort). Grundlagen zur Vermeidung von Gärstockungen, zum Einsatz von Nährstoffen und deren Wirkweise sind im Kapitel „Weinfehler und Weinkrankheiten“ dargestellt. 1 kg Multinährsalz a la Fruchtweinkeller enthält:

600 g Ammoniumsulfat
400 g Diammoniumphosphat
1,2 g Thiamin
Von diesem Gemisch werden 5 g pro 10 l Wein eingesetzt.
Das sollte eigentlich schon alle Fragen beantworten. Dennoch:
1. Ist denn Nährsalz wirklich so gefährlich wie er behauptet?
Nein, sonst wäre es nicht zugelassen.
Im besten Fall bringen deine Früchte genug Nährstoffe für eine gescheite Gärung mit, dann könntest du tatsächlich auf das Nährsalz verzichten ABER du weißt nicht, ob genug Nährstoffe enthalten sind. Ist dies nicht der Fall, hast du im besten Fall eine sehr träge Gärung mit wenig Hefevermehrung. lange Gärrng bedeutet unter anderem viel Sauerstoffeintrag und der Wien wird sicherlich nicht gut. Im schlimmsten Fall stockt die Gärung, der Alkoholgehalt ist niedrig und Schimmel und andere Kulturen machen sich in deinem Ansatz breit. Und wenn du das nicht merkst, kann der "Genuss" des Produktes zu erheblichen Gesundheitsschäden führen.
2. Soll ich jetzt trotzdem Nährsalz wo anders besorgen und in der im Rezept angegebenenn Menge verwenden (4g/10l Ansatz) /soll ich weniger nehmen oder es gar ganz weg lassen ?
Nährsalz besorgen und nach Rezept/Anleitung des Salzes verwenden. Wenn deine Früchte schon bereit sind, kannst du aber bereits jetzt den Ansatz machen und die Gärung durch Zugabe der Hefe starten und das Nährsalz behelfsmäßig und zeitnah in den kommenden Tagen zugeben. Nicht optimal, aber besser als wenn die Früchte rumliegen und gammeln.
3. Ist es schlimm , wenn ich meine ansätze mit etwas weniger Hefe starte als im Rezept vorgegeben?
Ziel ist ein schneller Start der Gärung. Weniger Hefe kann den Start verzögern aber ist bei gutem Rohmaterial (Früchten/Beeren) normalerweise kein Problem. Du musst bedenken: Jede Frucht bringt selbst eine Vielfalt an Hefebakterien mit. Deine Reinzuchthefe soll die Gärung dominieren und diese natürlichen Hefen verdrängen.
Wenn du aus deiner Hefe einen Gärstarter nach Homepage machst, vermehrst du deine Hefe vor. Da reicht dann auch weniger Hefe. TL;DR mach mit deiner Hefe einen Gärstarter nach Homepage und alles sollte gut sein.
Aus diesem Grund rief ich gestern bei einem Laden in meiner Umgebung an um zu fragen, ob das genannte Material vorrätig ist. Der eher unfreundliche Verkäufer meinte dann, dass er Nährsalz da hätte, es aber mir nicht verkaufen würde (Grund: angeblich ungesund mit Aussagen wie Gefahr auf Gicht, Osteoporose und Agressionen :schlecht: )
Klingt als hättest du beim örtlichen Homöopathen statt beim Weinbedarfhändler angerufen. Falsche und unsinnige Beratung, welche dir im besten Fall den Wein und im schlimmsten Fall deine Gesundheit kaputt macht. Such dir einen anderes Geschäft, wo du vernünftig beraten wirst.
Jonas_Kaestner
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Re: Hefenährsalz Ja oder Nein?

Beitrag von Jonas_Kaestner »

Danke Danke Danke !
Damit wäre dann kein Fragezeichen mehr da :)

Damit wurde das Thema warum und wie viel man verwenden sollte auch sehr viel Verständlicher vielen Dank !!

Leider schien es tatsächlich ein Händler für Most- und Weinprodukte zu sein 😅
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CaptainPatrick
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Re: Hefenährsalz Ja oder Nein?

Beitrag von CaptainPatrick »

Und weil mir gerade bissl langweilig ist, nochmal als Nachtrag was zu den typischen Inhaltsstoffen des Nährsalzes:

Thiamin, auch bekannt als Vitamin B1 ist unbedenklich und für normale Körperfunktionen außerst wichtig. Thiamin ist z.B. in Vollkornmehl enthalten. Thiamin ist sehr stark in Hefe enthalten.

Diammoniumhydrogenphosphat und Ammoniumsulfat (letzteres als Lebensmittelzusatzstoff zugelassen und wird unter anderem als Trägermaterial für Arzneimittel benutzt) werden im Wein von der Hefe zur Vermehrung verstoffwechselt. Die Hefe sieht Stickstoff und Phosphor für ihre Zellteilung aus diesen Stoffen also sie ernährt sich von diesen Salzen.

Diese Salze werden seit Jahrzehnten in der Weinherstellung genutzt und bisher ist die einhellige Meinung, deswegen noch niemand tot vom Stuhl gefallen ist. Ich mache mir da mehr sorgen über den Alkohol im Wein, als eventuelle Rückstände vom Hefenährsalz.

Und wenn du trotzdem ein schlechtes Gefühl hast, dann kauf dir ein Hefezellen-Präparat. Das enthält getrocknete Hefezellwände, die auch die nötigen Elemente für die Hefevermehrung liefern. z.B. Cellvit. Ist jedoch deutlich teurer als die typischen Nährsalze und tun am Ende auch nichts anderes als Stickstoff und Phosphor in deinen Ansatz zu bringen.
Leider schien es tatsächlich ein Händler für Most- und Weinprodukte zu sein 😅
Dann scheint er keine Lust zu haben, etwas zu verkaufen oder zu beraten.
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Re: Hefenährsalz Ja oder Nein?

Beitrag von Fruchtweinkeller »

Danke an den Captain für die ausführliche Antwort. Ich weiß nicht, auf was für seltsame Ideen manche Zeitgenossen kommen... Ich habe mal was zu einem ähnlichen Fall getippt und hier verewigt, das passt thematisch so halbwegs: viewtopic.php?f=85&t=12039
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Jonas_Kaestner
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Re: Hefenährsalz Ja oder Nein?

Beitrag von Jonas_Kaestner »

Wow, so schnell hätte ich nicht mit so viel Hilfe gerechnet!
Ich scheine hier im richtigen Forum angelangt zu sein :)

Habe mir schon fast gedacht, dass es sich bei dem Verkäufer um einen Menschen handelt der bereits anfängt in gute und böse Chemie zu unterscheiden :(

Auf jeden fall gab es jetzt auch genug Input, um die Dosierungen und Wirkweise der Zusätze auch im Ansatz verstehen zu können, das ist gerade für mich sehr wichtig. :)
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