erstes Schleudern fast gescheitert

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Pflaumen-august
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erstes Schleudern fast gescheitert

Beitrag von Pflaumen-august » 30 Juli 2016 20:05

Seit ein paar Tagen bin ich stolzer Besitzer einer Schleuder ( Thomas/ 3L / 2800 Umin) , habe diese auch schön gereinigt und mit Kelterlack ausgestrichen. Gestern Abend meine 8Kg rote Johannisbeeren ausgefroren, etwas Wasser aufgegossen, erhitzt und zerstampft und heute ging es ans schleudern.

Ein ausrangiertes Bettlaken, zugeschnitten und umgenäht Maße: 90x90cm diente als Sack. Selbstverständlich :oops: wollte ich die 8kg auf einmal schleudern. Also ALLES eingefüllt, den Sack oben zugebunden, mit den Händen angedrückt, dass schon mal 1-2L Saft flossen den Sack eigentlich gut am Trommelrand verteilt und kurz angeschleudert. Bis dahin alles gut...

Und dann geschah es, bei vollen Touren...ein riesen Knall, den Sack hats gegen den Deckel geschlagen und die Schleuder lag auf der Seite. :o

Ich bin am überlegen, mir einen Stoffschlauch(Durchmesser 10-12cm) zu nähen, den man besser legen könnte :hmm: Noch so eine Erfahrung möchte ich besser vermeiden, so ganz ungefährlich war die Aktion wirklich nicht. :|

Zum Glück ist die Schleuder heil geblieben, die verbliebenen 6Kg wurden dann in 2 Etappen geschleudert und ein 10 L Ballon ists noch geworden :)

Vielleicht hat ja jemand aus der Schleuderfraktion noch paar gute Tipps ...

ein schönes Wochenende euch allen

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Re: erstes Schleudern fast gescheitert

Beitrag von 420 » 30 Juli 2016 22:59

Hallo Pflaumen-August,

Maische mit der Schleuder pressen - da muss man vorsichtig sein. Bei klein geschredderten Äpfel und Birnen geht es ohne Probleme.

Wie ich die Maische schleudere:
Zuerst nehme ich den Maischehut mit einem Liter- oder auch 5-Litermaß vom Wein ab und packe es im Sack, der ja in der Schleuder liegt. Wenn die Schleuder nur 5 kg Gewicht verarbeiten darf, sollte man auch nicht unbedingt 10 kg einfüllen. Wenn viel Wein dazwischen geraten ist, wird von oben gedrückt, sodass kaum noch loser Wein im "Sack" ist. Danach wird der Rest des Sackes etwas gedreht und innen in der Schleuder an der Wandung entlang gelegt. Ich binde nicht zu!

Das geht häufig problemlos.

Aber, jetzt kommt der Rest der Maischegärung:
Wenn jetzt der Wein mit Resten von der Maische in die Schleuder kommt, wird der Sack mit dem Wein einige Male hoch genommen. Somit läuft schon viel Wein ab. Danach wird von oben auf den Sack gedrückt. Dauer ca. 1-2 Minuten. Dies geht recht mühelos, da ja mit dem Körpergewicht gearbeitet wird. Im Schleudersack sollte kein loser Wein mehr sein. Dies kann auch zu den Problemen führen, die Du hattest. Die Konsistenz darf nicht mehr flüssig sein. Das merkst Du beim Drücken. Wenn noch loser Wein im Tuch ist, wird der an Deinen Händen vorbei geschoben. Und erst danach wird wieder der Test des Tuches etwas einschlagen und in einer lockeren Wurst in Laufrichtung der Schleuder am Trommelrand gelegt. Auch dort binde ich nicht zu.

Diese Maische schleudere ich erst an. Danach schaue ich nach, wie die Konsistenz ist. Und danach wird weiter geschleudert.

Also bei Pflaumen-, Kirsch-, Brombeer- und andere Maischen immer recht vorsichtig arbeiten. Bei gehäckselten und frisch zerkleinerten Früchten besteht normal kein Problem. Nur dabei Trommelinhaltgewicht beachten.

Hoffe, dass es hilft. Vielleicht kann ich ja mal ein kleines Video davon machen. Die nächste Maische kommt bestimmt. Nur bei den jetzigen Brombeeren habe ich es nicht gemacht.

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Re: erstes Schleudern fast gescheitert

Beitrag von Pflaumen-august » 31 Juli 2016 11:06

Hallo 420,

Vielen Dank für die ausführliche Beschreibung deiner Vorgehensweise.

Ich denke, mein "Fruchtmus" war wirklich noch zu flüssig , ist ja eigentlich klar, wenn als erstes die Früchte beim schleudern nach aussen gedrückt werden ist alles dicht, der Saft in der Trommelmitte kann ja nur noch nach oben weg und reißt dann den ganzen Sack mit hoch :oops:

Also möglichst viel Flüssigkeit vorher abdrücken und das "Dicke" gleichmäßig am Trommelrand positionieren..

Trotz meines fast-Unfalls finde ich das Schleudern recht praktisch, wenn ich da an das Gemansche mit den Pflaumen vergangenes Jahr denke..... :pfeif:

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Re: erstes Schleudern fast gescheitert

Beitrag von 420 » 31 Juli 2016 11:37

Hallo Pflaumen-august,

schön, das
s es funktioniert. Die Erfahrungen kommen mit der Zeit und wenn Du dann verschiedene Früchte / Maischegärungen geschleudert hast, wirst Du die Unterschiede sofort feststellen.

Brombeeren, Johannisbeeren oder auch Jostabeeren sind erheblich unproblematischer als Pflaume. Bei Pflaume ist fast alles zersetzt und damit werden, auch bei Baumwolltüchern, die Durchlässe recht schnell dichter.

Meine Erfahrung: Pflaume ist schon extrem.

VG und weiterhin viel Erfolg
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Re: erstes Schleudern fast gescheitert

Beitrag von 420 » 31 Juli 2016 12:11

Kurze Ergänzung noch:

Selber bleibt bei mir ja der Sack offen und wird nicht zugebunden.

Grund:
Beim Schleudern wird ja die festere Masse durch die Zentrifugalkraft Richtung Trommelrand gedrückt. Maische könnte ja zu feucht, bzw. zu flüssig sein und der losere Bestandteil trifft nun auf den Trester und kommt nicht durch. Wo soll er hin. Wenn der Sack offen ist, könnte er immerhin noch nach oben ausweichen. Zwar Ärgerlich, aber auf jeden Fall besser, als wenn die Trommel sich dann verselbstständigt. Dies könnte passieren, wenn der Sack zugebunden ist. Wenn die Kraft dann zu groß ist, reißt auch der Sack (ist mir auch schon passiert). Wenn so etwas passiert muss natürlich die Schleuder mit Wasser gereinigt werden. Das geht natürlich schnell, dennoch ist es umständlich und stört den Arbeitsablauf.

Und wenn man z.B. in der Küche schleudert und die Trommel kippt um bzw. der Trester fliegt aus der Trommel, ist die Sauerei groß. Gerade bei den kleinen Haushaltsschleudern ist es sinnvoll, dass man sich auf die Schleuder setzt, damit sie nicht wandert. Zusätzlich merkt man sofort, ob man sicherheitshalber ausstellen sollte.

VG

PS: Du hast ja nun einen Vergleich. Wieviel Zeit hast Du denn, Deiner Meinung nach, gegenüber der vorherigen Arbeitsweise eingespart (vom Aufstellen übers Schleudern bis hin zur Reinigung)?
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Re: erstes Schleudern fast gescheitert

Beitrag von Pflaumen-august » 31 Juli 2016 12:56

Das mit den Pflaumen ist mir bewußt, hatte ja vergangenes Jahr eine Saftgärung durchgeführt und vor dem Gärstart X-mal gefiltert...selbst ein recht grobes Metallsieb war in kürzestet Zeit völlig zugesetzt und nach Gärende waren ca 1/3 Bodensatz im Ballon.

Zubinden werd ich auch nicht mehr..lieber das Tuch etwas größer (eventuell rund, damit alle "Zipfel" auch gleich lang sind beim zusammen drehen und legen)

Wenn man mal meinen gestrigen Erstversuch und das Mißgeschick in der Waschküche nicht einrechnet (es sah aus wie beim Metzger :mrgreen: ), ist das Schleudern eine echte Alternative. Man benötigt viel weniger Utensilien/Behälter , die später gereinigt werden müssen..beim Dampfentsafter muß man zb den gewonnenen Saft ja auch erst wieder abkühlen lassen und ob dampfentsaften vorteilhaft für den "Geschmack" ist ? ?

Ich glaube, wenn man den "Dreh" mit dem Schleudern erstmal raus hat und seine Arbeitsabläufe optimiert, kann man schon effizient, professionell und schnell ans Ziel kommen.

meine Schleuder heißt übrigens Schlusanne :lol:

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Re: erstes Schleudern fast gescheitert

Beitrag von Igzorn » 01 August 2016 13:22

Ich habe erst wenig Erfahrung mit der Schleuder, aber die, die ich habe, ist: Wenn Das Ding mehr als die Beladungsgrenze verkraften muss, dann wird sie unrund und dann wird es ungemütlich. Sofort ausschalten.

Die Dinger sind einfach gefährlich. Man mag es kaum glauben, aber bei 2800 u/m kann echt was passieren. Ich würde sagen nur, Autos, Kettensäge und Heckscheren sind gefährlicher.

Naja meine Vorgehen bei der Maische

Sack in die Trommel, jetzt langsam die Maische reinlöffeln.
Dann mit der Hand auspressen.
Dann am Rand verteilen.
Noch mal verteilen
Anschalten, Vibrationen spüren,
Wenn es unrund läuft, sofort aus und noch mal auflockern und verteilen.

Ich mache den Sack zu, weil sich der Kram sonst nach oben verteilen kann und es auch schon gemacht hat. Der Sack ist breit genug um den Boden der Schleuder auszufüllen.

Und zum Schluss gieße ich den Bodensatz durch den Sack. Bleibt noch genug hängen um das zu rechtfertigen.

Ganz am Ende nehme ich den Trester aus dem Resteeimer und schleudere noch mal. Da kam direkt noch was raus...
Ist das Trinkgefäß erst leer, macht es keine Freude mehr. ... Rechtschreibfehler kommen alle durch dem Handy...

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Re: erstes Schleudern fast gescheitert

Beitrag von Nathea » 01 August 2016 17:50

Igzorn hat geschrieben:...
Die Dinger sind einfach gefährlich. Man mag es kaum glauben, aber bei 2800 u/m kann echt was passieren. Ich würde sagen nur, Autos, Kettensäge und Heckscheren sind gefährlicher.
...
Generationen von Hausfrauen würden jetzt sicher gern im Nachhinein noch Gefahrenzulage einfordern, schätze ich ;)

Man muss, wie so oft im Leben, eben ein Gefühl für das entwickeln, was man gerade im Begriff ist zu tun. Und ja, ich weiss, wovon ich rede. Im Gegensatz zu Dir habe ich meine erste Schleuder nämlich, bei einer ähnlichen Maische-Konsistenz wie der Deinen, komplett zerlegt. Es ist zum Glück nichts passsiert, nur die Küche musste renoviert werden. Aber seitdem habe ich ein sehr feines Gehör und Gespür für die Vibrationen und Geräusche, die meine neue Schleuder bei ihrer Arbeit produziert.

Das übt!

Viele Grüße,
Sylvia

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Re: erstes Schleudern fast gescheitert

Beitrag von Pflaumen-august » 01 August 2016 18:12

Danke Igzorn,

Ich finde es gut, dass auf die Gefahren hingewiesen wird und Techniken erklärt werden, um das Risiko so klein wie möglich zu halten.

Ich bin wirklich keine Mimose, aber als "Schlusanne" plötzlich meinte, sie sei eine Rakete---kurz abhob und zur Seite knallte, war mir für einige Minuten doch ganz anders :oops:

Ich hab mal die Trommel gemessen...24cm Durchmesser..da erübrigt sich die Umsetzung der Idee mit einer Art Schlauch als Sack den man an den Rand legen könnte :hmm: da bleibt ja nichts frei in der Mitte. Im übrigen sind bei mir auch nur Löcher in der Aussenwand und nicht im Trommelboden..dh, Sack befüllen + ausdrücken bringt nur bedingt etwas oder dauert lange bis etwas abfließt..man müsste die Schleuder seitlich kippen oder einen Pressstempel konstruieren, der vor dem schleudern in der Trommel kurz zum Einsatz kommt...oder..oder..oder

werd mir das mal durch den Kopf gehen lassen und wenn die ersten Äpfel fällig sind, wird getestet...aus sicherer Entfernung ;)

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Re: erstes Schleudern fast gescheitert

Beitrag von 420 » 01 August 2016 21:38

Maische schleudern ist immer so ein Problem. Egal welche Schleuder. Bei gehäckselten Äpfeln usw. ist auf jeden Fall der 1. Schleudergang kein Problem. Wenn man dann auflockert, muss der Trester wieder gut verteilt werden. Sonst wandert die Schleuder nicht nur, sondern es kann auch Bruch entstehen. Bei meiner kleinen mit 1.400 U/min war es nicht das Problem und mit der neuen Großen auch nicht.

Deckelboden und pressen der Maische
Bei mir sind auch keine Löcher im Boden. So drücke ich von oben und hebe so ab und zu mal den "Sack" an, damit der Wein besser ablaufen kann. Das geht recht einfach und ist auch effektiv. Sack auch deshalb, damit sich der Trester bis nach oben schieben kann. Bei einem Schlauch geht es so nicht. Und wenn zu viel Wein im Beutel ist, sind die Wege durch den Trester etwas blockiert und der Wein kommt nicht schnell genug nach außen. Und genau da sind dann die Problem.

Wie Nathea schon schrieb, man bekommt recht schnell ein Gefühl dafür. Und wenn es sich schon anhört, dass es Probleme geben könnte, stelle ich die Schleuder aus und schaue nach.

So meine Schleudererfahrungen. Und wenn Du im Paderborner Land wohnst, könnten wir gerne den nächsten Maischepressgang zusammen bei mir vor Ort erledigen. PN genügt.

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Re: erstes Schleudern fast gescheitert

Beitrag von Pflaumen-august » 02 August 2016 17:49

nein 420 bin Brandenburger, also bissel weit weg für ne Lehrstunde im Schleudern :) , trotzdem danke !

nachhinein betrachtet, lief meine Schlusanne auch recht träge an und es dauerte lange bis volle U/min erreicht wurden, genau das sind so Zeichen, dass etwas nicht stimmt...da wurde wohl der volle Sack mit noch zuviel Flüssigkeit als "Ballen" in der Trommel hin und her gewälzt.....hinterher ist man schlauer, bzw um eine Erfahrung reicher....

...aber mutig wie ich bin, werde ich bekennender Schleuderhobbywinzer bleiben :D

üüüben, und ein Feingefühl entwickeln...wie Nathea schon schrieb.. :clap:

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